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Sie
sind zu einem Assessment Center eingeladen worden
und haben keine Ahnung, was das ist und was da auf Sie zukommt?
Keine
Panik! Assessment Center (kurz: AC) sind mittlerweile weit
verbreitet und sollen dazu dienen, den besten Kandidaten
für eine Position rauszufinden. Der Begriff kommt aus
dem Englischen "to assess": bewerten, abschätzen,
beurteilen. Die Firmen, die ACs einsetzen, sind quer durch
alle Branchen, besonders Beratungsunternehmen führen
sie durch für sich selbst oder für ihre
Kunden. Übrigens gibt es ACs manchmal auch firmenintern:
beispielsweise wenn bestehende Mitarbeiter die Managementlaufbahn
einschlagen möchten.
Grundgedanke
des Unternehmens ist es, möglichst klar vorhersagen
zu können, wie sich die Bewerber in der Praxis benehmen
und bewähren. Mehr oder weniger der gute alte Wunsch
nach der Kristallkugel und dem Blick in die Zukunft. Zur
Vorbereitung eines Assessment Centers sind in der Regel
Psychologen involviert. Man versucht, anhand des fachlichen
und persönlichen Stellenprofils, alle Eigenschaften
herauszufiltern, die die Idealbesetzung haben muss bzw.
sollte. Und stimmt darauf dann entsprechende Testaufgaben
ab.
Da aber
die Testsituation in der Gruppe ziemlich stressig für
die Teilnehmer ist, da sich Kandidaten oft fürs
AC präparieren und nicht selten versuchen, den idealen
Kandidaten zu mimen und da auch die Beobachter nur Menschen
sind, sind das bereits einige Variable, die das Ergebnis
verfälschen. So "in" Assessment Center in
vielen Unternehmen sind, gibt es Firmen, die schon wieder
damit aufgehört haben, weil sie gesehen haben, dass
die Methode nur begrenzt geeignet ist.
Der
Ablauf
Wie
ein Assessment Center im einzelnen abläuft, kann man
nicht allgemein sagen. Das hängt immer von den Unternehmen
ab.
Ein
AC kann ein paar Stunden oder zwei bis drei Tage dauern.
Es sind mehrere Bewerber dazu eingeladen. Die Aufgaben bekommt
man sowohl einzeln, als auch in der Gruppe. Mit mehr oder
weniger festen Regeln oft gibt es auch gar keine
großen Vorgaben und es ist dann schon Teil der Aufgabe,
wie man sich der Sache und der Mitstreiter annimmt. Welche
Tests genau gemacht werden, ist von Firma zu Firma unterschiedlich.
In der Regel ist es eine Mischung von Wissenstests, Teamarbeit,
Präsentationen und Aufgaben, bei denen die eigene Entscheidungskraft
getestet wird. Außerdem kommen Einzelinterviews dazu.
Es ist
natürlich ein seltsames Gefühl, wenn man unter
ständiger Beobachtung steht. Und auch kleine Vorfälle
können plötzlich zu einem Hindernis werden: In
einer Art Assessment Center auf einer Recruiting-Veranstaltung
hatte sich ein Bewerber eine Flasche Wasser geholt
und sie nicht aufbekommen! Er hat gedreht und gedreht, der
Schraubverschluss wollte sich nicht lösen.
Sowas sind Situationen, die einem in dieser Umgebung ganz
schön zu schaffen machen können. Da dreht sich
alles im Kopf: Soll ich mir jetzt eine neue Flasche holen?
Oder weiter versuchen? Oder jemanden fragen? Ob das jetzt
auch beurteilt wird, wie ich reagiere?
Der Bewerber hat nach minutenlangem vergeblichen Drehen
übrigens sehr souverän reagiert und das getan,
was er im privaten Umfeld auch gemacht hätte: Er hat
gelacht und den Teamkollegen die Flasche hingehalten: "Ich
krieg sie nicht auf!" Ein Teamkollege hat sie
dann geöffnet. Es war ein kurzer, entspannter Zwischenfall.
Beobachtet
wird neben fachlichen Inhalten auch, wie der Bewerber persönlich
so drauf ist: Wie geht er mit den anderen Teilnehmern um?
Wie verhält er sich in der Gruppe? Bezieht er die anderen
mit ein oder überfährt er jeden mit seinen Ideen,
packt er die Aufgabe an oder zieht er sich zurück?
Genau vorhersagen, was gut und was schlecht ankommt, lässt
sich nicht: Da ist jedes Unternehmen unterschiedlich. Trotzdem
gibt es natürlich Eigenschaften, die gut kommen: aktiv
dabei sein, Ideen bringen, sich durchsetzen, gleichzeitig
aber die Gruppe respektieren.
Wichtig
ist: sich selbst treu bleiben. Wie beim Vorstellungsgespräch
ist es wichtig, auch im Assessment Center man selbst zu
sein. Denn nur so kann die Firma sich ja wirklich ein Bild
von einem machen. Umgekehrt will man ja auch nicht eine
Stelle unter falschen Voraussetzungen bekommen und
dann stellt sich heraus, dass das eigentliche Ich, das im
Alltag ja sehr schnell rauskommt, nicht mit den Kollegen
harmoniert.
Wissenstests
Gerade
auf die Wissenstests kann man sich gut vorbereiten: Fragesammlungen
zu Intelligenztests oder Allgemeinbildung, zu Logikaufgaben
gibt es im Buchhandel. Da lernt man dann die verschiedenen
Muster, die es bei diesen Intelligenztests so gibt, kennen
und kann beruhigter ins AC gehen.
Eine
Website mit umfassenden Tests ist zum Beispiel
http://www.testedich.de
Die
Aufgaben
Viele
ACs sind vom Grundgerüst her gleich: Es gibt Klassiker
wie die "Postkorb-Übung" - man bekommt einen
Eingangskorb mit den unterschiedlichsten Aufgaben, beruflicher
wie privater Natur. Telefonnotizen, Aktenvermerke, eingegangene
Briefe ... und dann heißt es, diese zu sichten und
richtig zu priorisieren.
Der Inhalt ist von Firma zu Firma verschieden, aber das
Prinzip bleibt.
Für
klassische AC-Aufgaben gibt es Literatur, die einem hilft,
sich vorzubereiten. Oder auch richtige Trainings, um sich
auf so ein AC vorzubereiten.r.
Optimal
vorbereiten
Die
optimale Vorbereitung liegt nicht im Antworten-pauken, im
Informationsvorsprung: alles das, was man selbst unter Kontrolle
halten oder bringen kann, tun. Sich, wie angesprochen, mit
den möglichen Aufgaben vertraut zu machen. Das Reden
vor anderen, womit viele Leute Schwierigkeiten haben, zu
üben können ja ruhig ein paar Freunde sein.
Hat den Vorteil, dass diese einem auch sagen können,
wie man so rüberkommt. Sich mit der eigenen Nervosität
auseinanderzusetzen. Und sich vor allen Dingen klarzumachen,
dass man auch selbst das Unternehmen abcheckt. Beim Assessment
Center steht man zwar selbst auf dem Prüfstand
aber die Firma ja auch. Denn auch die Art, wie der Test
durchgeführt ist, sagt was über das Unternehmen
aus. Also einfach zur Gegenbeobachtung ausholen.
Und
wie ist das mit der Körpersprache? Wird da wirklich
auf alle Details geachtet?
Der allgemeine Eindruck wird natürlich schon bewertet.
Und dazu gehört auch, ob man Blickkontakt hält,
eine offene Haltung einnimmt oder sich verschlossen zurückzieht
und in die Luft starrt. Auch hier ist es natürlich
wieder wichtig, möglichst relaxt zu sein. Aber schon
auch bewusst auf die eigene Gestik & Mimik zu achten.
Also beispielsweise nicht wild mit den Augen rollen, wenn
jemand was sagt, was nicht so toll ist. Das kommt ja in
einer realen Arbeitssituation auch nicht gut.
Übrigens
auch dran denken, dass die Pausen und eventuelle Abendveranstaltungen
nicht bedeuten, dass damit das AC ausgeknippst ist. Klar
ist auch interessant, wie sich ein Kandidat in der Freizeit
benimmt. Selbst wenn die Atmosphäre noch so locker
ist, empfiehlt es sich trotzdem, aufmerksam dabei zu bleiben
und sich vor Augen zu halten, warum man da ist. Der nette
Beobachter hat nun mal die Aufgabe, sich ein Bild vom Kandidaten
zu machen und alle untereinander und miteinander zu vergleichen.
Und das wird er natürlich auch außerhalb der
formellen AC-Zeiten tun.
Für
sich Nutzen ziehen
Was
bringt das AC auch wenn es nicht das Jobangebot bringt?
Sehr viel. Es ist sehr anstrengend, aber verrät einem
eben auch sehr viel über sich selbst. Wie bin ich damit
umgegangen? Wie war das Gefühl, im Rampenlicht zu stehen?
Zu reflektieren: Wie bin ich mit den einzelnen Aufgaben
umgegangen? Was hat mir am meisten Probleme bereitet? Warum?
Das eigene Fazit ist sehr, sehr wertvoll wenn dann
auch was passiert.
Positiver
Nebeneffekt: Nicht nur neue Situationen, sondern auch neue
Leute kennenlernen. Deshalb bitte nicht die Mitkandidaten
misstrauisch als Konkurrenz beäugen, sondern die Gelegenheit
für neue Kontakte wahrnehmen. Sitzen doch alle im selben
Boot. Warum nicht Spaß dabei haben?
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