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Aus Sicht eines Personalers
 

von Gitte Härter

 

- Die andere Seite: Von der schriftlichen Bewerbung zum Gesprächstermin aus Sicht eines Personalentscheiders -

 

Ich habe eine freie Stelle und suche die richtige Person dafür. Mein Idealkandidat bringt zwei Dinge mit: die richtige fachliche Qualifikation und die für mein Unternehmen passende Persönlichkeit.

Kurz nachdem ich eine Stellenanzeige geschaltet habe, biegt sich mein Schreibtisch unter Bewerbungsunterlagen: acht von zehn Bewerbungen sehen identisch aus. Und ebenso viele Anschreiben sind fast gleich im Wortlaut.

Sinngemäß:

***

Sehr geehrte Frau Härter,

ich interessiere mich für die Stelle als xyz.

Ich glaube, dass ich geeignet bin, weil ich engagiert und teamfähig bin. Ich bin Stress gewöhnt und belastbar. Über eine Einladung zum Gespräch würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen

***

In der Regel ist es etwas ausschweifender, manche sind etwas selbstbewusster und schreiben „Wenn Sie einen engagierten, teamfähigen ..." suchen - dennoch ist es immer dasselbe: das Anschreiben, eines der wichtigsten Kriterien für eine Einladung zum persönlichen Gespräch, wird vernachlässigt. Ihm wird keine Bedeutung beigemessen.
Dabei ist es der wichtigste Faktor, mein Interesse zu wecken. Immerhin liegen hier 100 Bewerbungen auf meinem Tisch - und einladen kann ich nicht jeden. Ich werde maximal fünf davon einladen - und diese Vorauswahl treffe ich zum einen selbstverständlich nach der Qualifikation; zum anderen lade ich Bewerber ein, die mir etwas von sich vermitteln, deren Bewerbung mich überzeugt, dass sich eine Einladung auch lohnt. Personalentscheider stehen stark unter Zeitdruck - nicht vergessen: Ihre Bewerbung ist eine von vielen. Denken Sie daran, wenn Sie Ihre Bewerbung formulieren und zusammenstellen.

 

Betrachten wir das Standard-Anschreiben kurz und boshaft:

Natürlich interessieren Sie sich für die Stelle - hätten Sie sonst eine Bewerbung geschickt?

Sie sind engagiert und teamfähig? Das setze ich nun wirklich voraus.

Schön, dass Sie sich auf ein Gespräch mit mir freuen. Aber mehr steht nicht drin! Vertane Liebesmüh und Chance nicht genutzt.

Oh, ich höre Sie schon protestieren: in der Regel sind diese Anschreiben aber anders, viel länger und ausführlicher. Jepp! Da haben Sie recht. Allerdings handelt es sich dabei meist um ausführlichere Nullinformationen.

Fast immer wird durch hölzerne Schul-Standards jede Persönlichkeit im Brief unterdrückt. So erscheint oft die engagierteste und qualifzierteste Person farblos und uninteressant.

 

Muss ich mich überhaupt schriftlich bewerben? - Kann ich nicht gleich vorbeikommen?

Selbstverständlich können Sie Ihre Bewerbung gerne persönlich am Empfang abgeben. Dann bekommen Sie einen Eindruck von der Firma.

Vielleicht hat auch der Personalentscheider zufällig Zeit und kommt persönlich. Erwarten Sie das aber nicht. Und verlangen Sie es auf keinen Fall. Das kommt nicht gut an. Es bleibt Ihnen unbenommen, telefonisch nachzufragen, ob es möglich ist, kurz persönlich vorbeizuschauen.

Unterlassen Sie es aber bitte, mir Vorschriften zu machen oder gute Ratschläge zu erteilen! Ein „Ach, es ist doch viel besser, wenn ich gleich persönlich vorbeikomme anstatt eine Bewerbung zu schicken" kommt ebenfalls nicht gut.

Denn Sie haben ganz offensichtlich vergessen, dass ich hier 100 Bewerbungen habe - und mir diejenigen selbst aussuchen möchte, die ich persönlich einlade. Vergessen Sie bitte auch nicht: ich habe nur begrenzt Zeit. Und besonders in kleineren Unternehmen habe ich eigentlich eine ganz andere Aufgabe: Ich bin vielleicht Abteilungsleiter oder Geschäftsführer, und diese Bewerberauswahl bedeutet für mich Zusatzarbeit. Wichtige Zusatzarbeit, selbstverständlich, aber ich entscheide und priorisiere.

 

100 Bewerbungen - und was kommt jetzt?

Jetzt wird gelesen und Stapel gebildet: A, B und C.

A sind die Bewerbungen, die als sehr interessant eingestuft sind - sowohl die Qualifikation, als auch die Präsentation stimmt.

B sind die „weiß noch nicht" und „nicht A, aber trotzdem noch ganz gut"

C ist sofort zurückzuschicken

Das ist das Grundprinzip, nach dem so gut wie jede Bewerberauswahl abläuft. Auch wenn manche nicht genau nach diesem ABC-Schema vorgehen.

 

Termine vereinbaren - der Ärger beginnt

Manche Firmen verschicken schriftliche Einladungen zum Termin. Viele - auch ich - rufen an. Und hier wird es meist schon schwierig: die Telefonnummer steht nicht in der Bewerbung! Ärgert mich bereits, denn ich suche erst wie eine Verrückte in den Bewerbungsunterlagen, ob die Telefonnummer nicht an anderer Stelle steht. Dann schaue ich ins Telefonbuch. Und wenn es da nicht steht, rufe ich die Auskunft an. Nicht selten war ich auch hier erfolglos.

In der Regel habe ich einen Anrufbeantworter an der Strippe. Während ich arbeite, arbeiten Sie ja auch noch. Das ist in Ordnung - ich hinterlasse gern die Nachricht, dass mir Ihre Bewerbung gefällt und ich einen Gesprächstermin vereinbaren möchte.

Leider gibt es Witzbolde, die auch während Bewerbungszeiten ihren Anrufbeantworter mit einer Ach-so-lustigen-Ansage besprochen haben.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich habe durchaus Humor. Es gibt aber eine Grund-Etikette, die gewahrt sein sollte:

> Sagen Sie Ihren Namen oder wiederholen Sie Ihre Telefonnummer, damit der Anrufer weiß, dass er richtig verbunden ist.

> Besprechen Sie Ihren Anrufbeantworter neu, wenn Sie das vertrauliche Du draufhaben.

> Tun Sie sich einen Gefallen und verzichten Sie auf Sprüche wie: „Sie werden ja wissen, was zu tun ist, wenn der Piepston kommt".

> Verzichten Sie auf nervtötende Musik ohne Sprache.

> Und achten Sie bitte darauf, dass Ihrem Anrufer nicht das Ohr abfällt.

Einen Anrufbeantworter neu zu besprechen, ist keine Affäre. Und es hat auch etwas mit Umsicht zu tun, wenn man während Bewerbungszeiten eine seriösere Ansage macht. Die muss ja nicht langweilig und knöchern sein.

Bitte rufen Sie zurück, wenn Sie jemand um Rückruf bittet. Auch wenn Sie momentan noch auf die Entscheidung einer anderen Firma warten und auch - oder gerade! - wenn Sie sich mittlerweile für eine andere Stelle entschieden haben.

 

Manche Bewerber verschicken Bewerbungen und fahren in Urlaub!

Nicht sehr clever. In der Regel geht es beim Besetzen einer Stelle auch um Zeit. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Wenn ich heute in der Süddeutschen am Wochenende ein Stelleninserat habe, kommt ein Großteil der Bewerbungen in der folgenden Woche.

Ich warte dann noch den Montag und Dienstag der darauffolgenden Woche ab. Dann ist finito, und die Termine beginnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich Sie zu diesem späten Zeitpunkt noch berücksichtige, ist gering. - Wenn, dann müssen Sie mich schon sehr überzeugen mit Ihrer Bewerbung und mir auch einen plausiblen Grund dafür liefern, warum Sie sich so spät erst melden.

Zurück zu Ihrem Urlaub: Sie haben schon gebucht - wollen aber unbedingt vorher noch Ihre Unterlagen verschicken. Auch gut! Aber erwähnen Sie es in Ihrem Brief. Teilen Sie von vorneherein mit, von wann bis wann Sie nicht erreichbar sind. Wenn Sie lange weg sind: rufen Sie vorher an und fragen nach, wann die Gespräche stattfinden werden.

Seien Sie pro-aktiv und zeigen Sie, dass Sie sehr wohl auch das Unternehmen und dessen Zeitpläne respektieren. Zeigen Sie aber vor allen Dingen Interesse: dass Sie sich im Urlaub erholen, dagegen hat niemand etwas. dass Sie aber ohne Worte in den sonnigen Süden fliegen, und ich jeden Tag mehrmals vergeblich versuche, Sie zu erreichen - oder auf meine Nachricht auf Ihrem Anrufbeantworter tagelang keinen Rückruf bekomme, das nehme ich Ihnen krumm.

 

Das Gespräch

Wir haben also einen Gesprächstermin?

Nehmen Sie ihn bitte auch wahr! Und kommen Sie zur vereinbarten Zeit.

Versuchen Sie, pünktlich zu sein.

Wenn Sie tatsächlich etwas zu früh dran sind: kein Problem. Eine Viertelstunde maximal ist kein Beinbruch. Kommen Sie eine halbe Stunde zu früh - okay, sagen Sie dann aber bitte am Empfang, dass Sie den Termin erst in einer halben Stunde haben. Fragen Sie ruhig nach, ob es möglich ist, das Gespräch etwas vorzuverlegen, signalisieren Sie aber deutlich, dass Sie gerne warten. Und richten Sie sich darauf ein, auch die volle halbe Stunde warten zu müssen.

Nicht, weil ich Sie warten lassen möchte, sondern weil ich den Termin in meinen Tagesplan eingebaut habe. Seien Sie versichert, dass ich früher zu Ihnen komme, wenn es mir möglich ist. Seien Sie mir aber nicht böse, wenn Sie bis zum vereinbarten Zeitpunkt auf mich warten müssen.

Kommen Sie zu spät? - Wenn sich die Verspätung in Grenzen hält, ist das nicht schlimm. Aber entschuldigen Sie sich bitte und nennen Sie mir einen Grund für die Verspätung. Immerhin habe ich auf Sie gewartet.

Kommen Sie sehr viel zu spät? Über eine Viertelstunde? Dann rufen Sie von unterwegs an, entschuldigen sich und geben Bescheid, bis wann Sie es schaffen. Kommen Sie sehr, sehr viel zu spät? Länger als eine halbe Stunde? Dann fragen Sie bitte nach, ob es um diese Uhrzeit noch geht oder ob wir lieber einen neuen Termin vereinbaren sollen.

In der Regel habe ich mehrere Termine hintereinander. Und da kann es sein, dass es mir zu eng wird, wenn Sie sich so sehr verspäten. Und überlassen Sie es mir, ob es noch geht um diese Zeit.

Kommen Sie überhaupt nicht?

Haben Sie mittlerweile keine Lust mehr zu kommen? Oder haben Sie eine andere Stelle angenommen? Dann seien Sie höflich und sagen ab. Ich warte hier nämlich umsonst auf Sie Und das ärgert mich. Weil ich meine Arbeit unterbreche bzw. auf unseren Termin hin ausgerichtet habe.

Außerdem nehmen Sie einem anderen Bewerber die Chance: immerhin habe ich aus 100 Bewerbungen Sie ausgewählt.

Zeigen Sie, dass ich mich in Ihnen nicht getäuscht habe: Sie haben was auf dem Kasten und sagen ab, wenn Sie sich für eine andere Stelle entschieden haben.

Es mag unglaubwürdig klingen, aber es passiert erschreckend oft, dass Termine einfach platzen, ohne dass abgesagt wird. Fragen Sie mich nicht, was so schlimm daran ist, mitzuteilen, dass man eine andere Stelle angenommen hat! Ich habe mir angewöhnt, bei jeder Terminvereinbarung schon zu bitten: „Also dann sehen wir uns am ... um ... Uhr. Wenn Ihnen was dazwischen kommt, rufen Sie bitte an, dann machen wir einen neuen Termin. Und wenn Sie sich zwischenzeitlich anders entscheiden, sagen Sie mir bitte auch sofort Bescheid!"

Was ich höre, ist meistens ein entrüstetes „Aber selbstverständlich!" - und trotzdem passiert es oft genug, dass nicht abgesagt wird.

 

Hinterlassen Sie keinen schlechten Eindruck. Man sagt nicht umsonst „man trifft sich im Leben immer zweimal".

Es mag zwar nicht jeder Personalentscheider ein Gedächtnis wie ein Elefant haben, aber bestimmte Erlebnisse prägen sich ein. Und da kann es sehr gut sein, dass Sie es bei Ihrer nächsten Stellensuche mit derselben Person zu tun bekommen - auch in einem anderen Unternehmen.

   
   
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Vor und während des Bewerbungsprozesses gibt es immer wieder Themen, Fragen oder Schwierigkeiten, über die man gerne mit einer kompetenten Person sprechen und sich Feedback und Rat holen möchte.mehr
 
 
Nur wenn Sie sich aussagekräftig und interessant genug präsentieren, bekommen Sie eine Einladung zum Gespräch.mehr
 
 
 

 
 
 
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