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Ich
habe eine freie Stelle und suche die richtige Person dafür.
Mein Idealkandidat bringt zwei Dinge mit: die richtige fachliche
Qualifikation und die für mein Unternehmen passende
Persönlichkeit.
Kurz
nachdem ich eine Stellenanzeige geschaltet habe, biegt sich
mein Schreibtisch unter Bewerbungsunterlagen: acht von zehn
Bewerbungen sehen identisch aus. Und ebenso viele Anschreiben
sind fast gleich im Wortlaut.
Sinngemäß:
***
Sehr
geehrte Frau Härter,
ich
interessiere mich für die Stelle als xyz.
Ich
glaube, dass ich geeignet bin, weil ich engagiert und teamfähig
bin. Ich bin Stress gewöhnt und belastbar. Über
eine Einladung zum Gespräch würde ich mich freuen.
Mit
freundlichen Grüßen
***
In der
Regel ist es etwas ausschweifender, manche sind etwas selbstbewusster
und schreiben Wenn Sie einen engagierten, teamfähigen
..." suchen - dennoch ist es immer dasselbe: das Anschreiben,
eines der wichtigsten Kriterien für eine Einladung
zum persönlichen Gespräch, wird vernachlässigt.
Ihm wird keine Bedeutung beigemessen.
Dabei ist es der wichtigste Faktor, mein Interesse zu wecken.
Immerhin liegen hier 100 Bewerbungen auf meinem Tisch -
und einladen kann ich nicht jeden. Ich werde maximal fünf
davon einladen - und diese Vorauswahl treffe ich zum einen
selbstverständlich nach der Qualifikation; zum anderen
lade ich Bewerber ein, die mir etwas von sich vermitteln,
deren Bewerbung mich überzeugt, dass sich eine Einladung
auch lohnt. Personalentscheider stehen stark unter Zeitdruck
- nicht vergessen: Ihre Bewerbung ist eine von vielen. Denken
Sie daran, wenn Sie Ihre Bewerbung formulieren und zusammenstellen.
Betrachten
wir das Standard-Anschreiben kurz und boshaft:
Natürlich
interessieren Sie sich für die Stelle - hätten
Sie sonst eine Bewerbung geschickt?
Sie
sind engagiert und teamfähig? Das setze ich nun wirklich
voraus.
Schön,
dass Sie sich auf ein Gespräch mit mir freuen. Aber
mehr steht nicht drin! Vertane Liebesmüh und Chance
nicht genutzt.
Oh,
ich höre Sie schon protestieren: in der Regel sind
diese Anschreiben aber anders, viel länger und ausführlicher.
Jepp! Da haben Sie recht. Allerdings handelt es sich dabei
meist um ausführlichere Nullinformationen.
Fast
immer wird durch hölzerne Schul-Standards jede Persönlichkeit
im Brief unterdrückt. So erscheint oft die engagierteste
und qualifzierteste Person farblos und uninteressant.
Muss
ich mich überhaupt schriftlich bewerben? - Kann ich
nicht gleich vorbeikommen?
Selbstverständlich
können Sie Ihre Bewerbung gerne persönlich am
Empfang abgeben. Dann bekommen Sie einen Eindruck von der
Firma.
Vielleicht
hat auch der Personalentscheider zufällig Zeit und
kommt persönlich. Erwarten Sie das aber nicht. Und
verlangen Sie es auf keinen Fall. Das kommt nicht gut an.
Es bleibt Ihnen unbenommen, telefonisch nachzufragen, ob
es möglich ist, kurz persönlich vorbeizuschauen.
Unterlassen
Sie es aber bitte, mir Vorschriften zu machen oder gute
Ratschläge zu erteilen! Ein Ach, es ist doch
viel besser, wenn ich gleich persönlich vorbeikomme
anstatt eine Bewerbung zu schicken" kommt ebenfalls
nicht gut.
Denn
Sie haben ganz offensichtlich vergessen, dass ich hier 100
Bewerbungen habe - und mir diejenigen selbst aussuchen möchte,
die ich persönlich einlade. Vergessen Sie bitte auch
nicht: ich habe nur begrenzt Zeit. Und besonders in kleineren
Unternehmen habe ich eigentlich eine ganz andere Aufgabe:
Ich bin vielleicht Abteilungsleiter oder Geschäftsführer,
und diese Bewerberauswahl bedeutet für mich Zusatzarbeit.
Wichtige Zusatzarbeit, selbstverständlich, aber ich
entscheide und priorisiere.
100
Bewerbungen - und was kommt jetzt?
Jetzt
wird gelesen und Stapel gebildet: A, B und C.
A sind
die Bewerbungen, die als sehr interessant eingestuft sind
- sowohl die Qualifikation, als auch die Präsentation
stimmt.
B sind
die weiß noch nicht" und nicht A,
aber trotzdem noch ganz gut"
C ist
sofort zurückzuschicken
Das
ist das Grundprinzip, nach dem so gut wie jede Bewerberauswahl
abläuft. Auch wenn manche nicht genau nach diesem ABC-Schema
vorgehen.
Termine
vereinbaren - der Ärger beginnt
Manche
Firmen verschicken schriftliche Einladungen zum Termin.
Viele - auch ich - rufen an. Und hier wird es meist schon
schwierig: die Telefonnummer steht nicht in der Bewerbung!
Ärgert mich bereits, denn ich suche erst wie eine Verrückte
in den Bewerbungsunterlagen, ob die Telefonnummer nicht
an anderer Stelle steht. Dann schaue ich ins Telefonbuch.
Und wenn es da nicht steht, rufe ich die Auskunft an. Nicht
selten war ich auch hier erfolglos.
In der
Regel habe ich einen Anrufbeantworter an der Strippe. Während
ich arbeite, arbeiten Sie ja auch noch. Das ist in Ordnung
- ich hinterlasse gern die Nachricht, dass mir Ihre Bewerbung
gefällt und ich einen Gesprächstermin vereinbaren
möchte.
Leider
gibt es Witzbolde, die auch während Bewerbungszeiten
ihren Anrufbeantworter mit einer Ach-so-lustigen-Ansage
besprochen haben.
Verstehen
Sie mich nicht falsch: ich habe durchaus Humor. Es gibt
aber eine Grund-Etikette, die gewahrt sein sollte:
>
Sagen Sie Ihren Namen oder wiederholen Sie Ihre Telefonnummer,
damit der Anrufer weiß, dass er richtig verbunden
ist.
>
Besprechen Sie Ihren Anrufbeantworter neu, wenn Sie das
vertrauliche Du draufhaben.
>
Tun Sie sich einen Gefallen und verzichten Sie auf Sprüche
wie: Sie werden ja wissen, was zu tun ist, wenn der
Piepston kommt".
>
Verzichten Sie auf nervtötende Musik ohne Sprache.
>
Und achten Sie bitte darauf, dass Ihrem Anrufer nicht das
Ohr abfällt.
Einen
Anrufbeantworter neu zu besprechen, ist keine Affäre.
Und es hat auch etwas mit Umsicht zu tun, wenn man während
Bewerbungszeiten eine seriösere Ansage macht. Die muss
ja nicht langweilig und knöchern sein.
Bitte
rufen Sie zurück, wenn Sie jemand um Rückruf bittet.
Auch wenn Sie momentan noch auf die Entscheidung einer anderen
Firma warten und auch - oder gerade! - wenn Sie sich mittlerweile
für eine andere Stelle entschieden haben.
Manche
Bewerber verschicken Bewerbungen und fahren in Urlaub!
Nicht
sehr clever. In der Regel geht es beim Besetzen einer Stelle
auch um Zeit. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Wenn ich
heute in der Süddeutschen am Wochenende ein Stelleninserat
habe, kommt ein Großteil der Bewerbungen in der folgenden
Woche.
Ich
warte dann noch den Montag und Dienstag der darauffolgenden
Woche ab. Dann ist finito, und die Termine beginnen. Die
Wahrscheinlichkeit, dass ich Sie zu diesem späten Zeitpunkt
noch berücksichtige, ist gering. - Wenn, dann müssen
Sie mich schon sehr überzeugen mit Ihrer Bewerbung
und mir auch einen plausiblen Grund dafür liefern,
warum Sie sich so spät erst melden.
Zurück
zu Ihrem Urlaub: Sie haben schon gebucht - wollen aber unbedingt
vorher noch Ihre Unterlagen verschicken. Auch gut! Aber
erwähnen Sie es in Ihrem Brief. Teilen Sie von vorneherein
mit, von wann bis wann Sie nicht erreichbar sind. Wenn Sie
lange weg sind: rufen Sie vorher an und fragen nach, wann
die Gespräche stattfinden werden.
Seien
Sie pro-aktiv und zeigen Sie, dass Sie sehr wohl auch das
Unternehmen und dessen Zeitpläne respektieren. Zeigen
Sie aber vor allen Dingen Interesse: dass Sie sich im Urlaub
erholen, dagegen hat niemand etwas. dass Sie aber ohne Worte
in den sonnigen Süden fliegen, und ich jeden Tag mehrmals
vergeblich versuche, Sie zu erreichen - oder auf meine Nachricht
auf Ihrem Anrufbeantworter tagelang keinen Rückruf
bekomme, das nehme ich Ihnen krumm.
Das
Gespräch
Wir
haben also einen Gesprächstermin?
Nehmen
Sie ihn bitte auch wahr! Und kommen Sie zur vereinbarten
Zeit.
Versuchen
Sie, pünktlich zu sein.
Wenn
Sie tatsächlich etwas zu früh dran sind: kein
Problem. Eine Viertelstunde maximal ist kein Beinbruch.
Kommen Sie eine halbe Stunde zu früh - okay, sagen
Sie dann aber bitte am Empfang, dass Sie den Termin erst
in einer halben Stunde haben. Fragen Sie ruhig nach, ob
es möglich ist, das Gespräch etwas vorzuverlegen,
signalisieren Sie aber deutlich, dass Sie gerne warten.
Und richten Sie sich darauf ein, auch die volle halbe Stunde
warten zu müssen.
Nicht,
weil ich Sie warten lassen möchte, sondern weil ich
den Termin in meinen Tagesplan eingebaut habe. Seien Sie
versichert, dass ich früher zu Ihnen komme, wenn es
mir möglich ist. Seien Sie mir aber nicht böse,
wenn Sie bis zum vereinbarten Zeitpunkt auf mich warten
müssen.
Kommen
Sie zu spät? - Wenn sich die Verspätung in Grenzen
hält, ist das nicht schlimm. Aber entschuldigen Sie
sich bitte und nennen Sie mir einen Grund für die Verspätung.
Immerhin habe ich auf Sie gewartet.
Kommen
Sie sehr viel zu spät? Über eine Viertelstunde?
Dann rufen Sie von unterwegs an, entschuldigen sich und
geben Bescheid, bis wann Sie es schaffen. Kommen Sie sehr,
sehr viel zu spät? Länger als eine halbe Stunde?
Dann fragen Sie bitte nach, ob es um diese Uhrzeit noch
geht oder ob wir lieber einen neuen Termin vereinbaren sollen.
In der
Regel habe ich mehrere Termine hintereinander. Und da kann
es sein, dass es mir zu eng wird, wenn Sie sich so sehr
verspäten. Und überlassen Sie es mir, ob es noch
geht um diese Zeit.
Kommen
Sie überhaupt nicht?
Haben
Sie mittlerweile keine Lust mehr zu kommen? Oder haben Sie
eine andere Stelle angenommen? Dann seien Sie höflich
und sagen ab. Ich warte hier nämlich umsonst auf Sie
Und das ärgert mich. Weil ich meine Arbeit unterbreche
bzw. auf unseren Termin hin ausgerichtet habe.
Außerdem
nehmen Sie einem anderen Bewerber die Chance: immerhin habe
ich aus 100 Bewerbungen Sie ausgewählt.
Zeigen
Sie, dass ich mich in Ihnen nicht getäuscht habe: Sie
haben was auf dem Kasten und sagen ab, wenn Sie sich für
eine andere Stelle entschieden haben.
Es mag
unglaubwürdig klingen, aber es passiert erschreckend
oft, dass Termine einfach platzen, ohne dass abgesagt wird.
Fragen Sie mich nicht, was so schlimm daran ist, mitzuteilen,
dass man eine andere Stelle angenommen hat! Ich habe mir
angewöhnt, bei jeder Terminvereinbarung schon zu bitten:
Also dann sehen wir uns am ... um ... Uhr. Wenn Ihnen
was dazwischen kommt, rufen Sie bitte an, dann machen wir
einen neuen Termin. Und wenn Sie sich zwischenzeitlich anders
entscheiden, sagen Sie mir bitte auch sofort Bescheid!"
Was
ich höre, ist meistens ein entrüstetes Aber
selbstverständlich!" - und trotzdem passiert es
oft genug, dass nicht abgesagt wird.
Hinterlassen
Sie keinen schlechten Eindruck. Man sagt nicht umsonst man
trifft sich im Leben immer zweimal".
Es mag
zwar nicht jeder Personalentscheider ein Gedächtnis
wie ein Elefant haben, aber bestimmte Erlebnisse prägen
sich ein. Und da kann es sehr gut sein, dass Sie es bei
Ihrer nächsten Stellensuche mit derselben Person zu
tun bekommen - auch in einem anderen Unternehmen.
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