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Oft
fühlen sich Bewerber wie eine Art Bittsteller: "Die
Firma" hat "die Macht". Tatsächlich
haben an einer Entscheidung über eine Zusammenarbeit
beide Seiten ihren Anteil. Sowohl das Unternehmen als auch
der Bewerber sind beteiligt, wenn es zu einem Vertrag kommt.
Interessanterweise
messen Bewerber hier oft mit zweierlei Maß: Wenn sie
selbst absagen, herauszögern oder sich "aus der
Not heraus" für eine Stelle entscheiden, ist das
total in Ordnung. Dass die Firma dieselben Rechte hat, gilt
oft als "Machtausübung".
Natürlich
ist es verständlich, dass man sich als Bewerber nicht
gerade bestens fühlt: Für eine freie Stelle sind
in der Regel zahlreiche andere Kandidaten mit im Rennen.
Und so fühlt man sich eher in einer unguten Position.
Problematisch
wird es dann, wenn sich ein Bittsteller-Verhalten einstellt.
Was ist mit "Bittsteller-Verhalten" gemeint? Darunter
verstehe ich im Wesentlichen zwei große Bereiche:
1. ein
reaktives Verhalten
2. es dem Gegenüber so recht wie möglich machen
zu wollen
Die
Gefahren
Es liegt
auf der Hand, dass sich Bewerber hier ins eigene Fleisch
schneiden.
Wer
während des gesamten Bewerbungsprozesses nur reagiert,
- kommt
passiv rüber (im schlimmsten Fall uninteressiert)
- vergibt
sich selbst die Chance, eigene Fragen/Vorstellungen einzubringen,
um sich ein klareres Bild über Unternehmen und Stelle
zu machen
- zeigt
kein aktives und klares Profil bzw. bringt keine konkreten
Argumente für sich selbst vor.
Wer dem Personalentscheider grundsätzlich nach dem
Mund redet,
- verhindert,
dass sich die Firma ein echtes Bild über persönliche
und fachliche Qualifikation bilden kann
- macht
möglicherweise Versprechungen oder Zugeständnisse,
die er/sie nicht halten kann oder möchte
- und:
kommt schlimmstenfalls erneut passiv und profillos an.
Die
Firma möchte, dass Sie erfolgreich sind
Anstatt
Unternehmen als "Gegenseite" zu betrachten oder
sogar pauschal den "Macht-Schwarzen-Peter" unterzuschieben,
ist es hilfreicher, die Sache neutral und konstruktiv zu
betrachten: Der Kern ist, dass die Firma nichts anderes
möchte, als einen persönlich und fachlich qualifizierten
neuen Mitarbeiter.
Entsprechend hofft ein Unternehmen darauf, dass sich gute
und passende Bewerber melden. Das heißt, dass eine
Firma sich in erster Linie wünscht, dass sich hinter
jeder einzelnen Bewerbung ein vielversprechender Kandidat
verbirgt.
Wichtig:
Ein Unternehmen versucht im Auswahlverfahren, die "besten"
Kandidaten zu finden. Es ist nicht das Ziel, bei jeder Bewerbung
ein Haar in der Suppe zu finden oder sonstige Eliminierungsschablonen
anzulegen.
Eigenverantwortlich
sein!
Ob und
inwieweit dem Personalentscheider das gelingt, ist in erster
Linie einmal Ihre Sache! Denn Sie als Bewerber haben die
Verantwortung dafür, ein authentisches und überzeugendes
Profil von sich zu zeichnen.
Es ist Ihre Aufgabe - und Chance! - Interesse zu wecken,
mit Argumenten zu überzeugen und wichtige Zusammenhänge
oder Highlights zu betonen.
Ein
guter Bewerber
- weiß,
dass er/sie etwas zu bieten hat
- geht aktiv in eigener Sache vor
- bemüht
sich um Informationen und stellt seine Fragen/Wünsche
gleichberechtigt.
Verzweiflung
ist unattraktiv
Das
klingt hart, ich weiß. Und es gibt natürlich
Situationen während der Arbeitssuche, in der man gar
nicht anders kann, als frustriert und verzweifelt zu sein.
Dennoch ist es eine Tatsache: Wenn ein Bewerber so rüberkommt,
als ob er "alles annehmen würde", nur um
Arbeit zu haben, ist das fast garantiert ein sofortiger
Grund für eine Absage.
Das
kennen Sie sicherlich auch aus dem Privatleben: Angenommen,
Sie lernen jemanden kennen, dem die Verzweiflung ins Gesicht
geschrieben steht. Jemand, der unbedingt Anschluss sucht,
nur um nicht alleine sein zu müssen - egal zu wem.
Genauso
ist es in der Arbeitswelt: Ein Unternehmen will nicht einen
Bewerber einstellen, der alles anzunehmen bereit wäre,
was er kriegen kann. Eine Firma möchte, dass sich ein
neuer Mitarbeiter gezielt beworben hat und dass er eine
konkrete Motivation dafür hat, sich ausgerechnet auf
diese Stelle/Firma zu bewerben.
Wie
schätzen Sie sich selbst ein?
Hier
einige angefangene Sätze, die Sie für sich einmal
(schriftlich) zu Ende führen können, um sich klarer
zu werden:
(1)
Ich fühle mich in meiner Rolle als Bewerber
o gut, weil ...
o mittelmäßig, denn ...
o schlecht, weil ...
(2)
Bewerber-Auswahl: Unternehmen sind ...
(3)
Fachlich:
o Ich weiß, was ich kann. Bei den Stellen, auf die
ich mich bewerbe, ist besonders vorteilhaft, dass ich ...
o Ich bin mir nicht sicher, was ich kann. Problem für
mich ist ...
o Ich glaube, ich bin irgendwie nur Durchschnitt oder noch
schlechter, weil ...
(4)
Persönlich:
o Ich mag mich und bin zufrieden mit mir, weil ...
o So la la, weil ...
o Ich bin unsicher/unzufrieden mit mir, weil ...
(5)
Bei Bewerbungen
o ... bereite ich mich gut vor, nenne eigene Vorstellungen
und stelle aktiv Fragen. Das ist für mich selbstverständlich,
weil ...
o ... bin ich eher zurückhaltend und stelle nur teilweise
Fragen, weil ...
o ... sage ich selbst nie besonders viel aktiv, weil ...
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