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Sich nochmal wo bewerben: Darf man das?
  von Christine Öttl
 

Vielleicht geht es auch Ihnen so: Sie haben gesehen oder erfahren, dass ein Unternehmen, bei dem Sie sich schon mal beworben haben, wieder neue Mitarbeiter sucht. Eigentlich möchten Sie sich gerne bewerben, haben aber so Ihre Zweifel, ob man das überhaupt darf und wie das wohl bei der Firma ankommt.

Natürlich dürfen Sie! Und wenn Sie es geschickt machen, werden Sie kaum einen negativen Eindruck hinterlassen.

 

Lassen Sie Ihre frühere Bewerbung nicht unter den Tisch fallen

Während meiner langjährigen Zeit als Abteilungsleiterin kam es immer wieder vor, dass Leute ihre Bewerbungsunterlagen schickten, die sich bereits früher auf eine Stelle beworben hatten. Und die allermeisten erwähnten ihre frühere Bewerbung mit keiner Silbe, sondern präsentierten sich wie total Fremde mit distanzierten Anschreiben an "Sehr geehrte Damen und Herren"! Das war für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, ganz besonders dann, wenn ein Bewerbungsgespräch stattgefunden hatte.

Bitte machen Sie es anders! Verschweigen Sie nicht, dass Sie bereits Kontakt mit dem Unternehmen hatten, sondern nutzen Sie diese Tatsache lieber aktiv für sich.

Zum einen ist es so, dass das eh nicht verborgen bleibt: Denn in den meisten Firmen werden Bewerber-Datenbanken angelegt und kann leicht festgestellt werden, dass es sich um eine Zweitbewerbung handelt. Und dann fragen sich viele Personalentscheider (genauso wie ich früher), warum der Bewerber diese Tatsache wohl nicht erwähnt. Zum anderen ist eine frühere Bewerbung einfach ein guter "Aufhänger" für eine erneute Bewerbung, um sich in Erinnerung zu bringen und um Ihre Motivation, für das jeweilige Unternehmen zu arbeiten, zu untermauern.


Tipp: Nehmen Sie die Perspektive des Personalentscheiders ein

Am besten versetzen Sie sich mal so gut es geht in die Situation des Personalers und fragen sich: Wie würde ich es finden, wenn ich die Unterlagen eines früheren Bewerbers vor mir liegen hätte - und dieser präsentiert sich so, als wäre er ein total Fremder? Und wie würde ich es finden, wenn der Bewerber den früheren Kontakt explizit erwähnt und mich persönlich anspricht und sich in Erinnerung bringt?

Meiner Erfahrung nach ist dieser Perspektivenwechsel sehr aufschlussreich und motivierend. Denn wenn es Ihnen so geht wie meinen bisherigen Coachingkunden, mit denen ich diese Übung gemacht habe, dann erkennen Sie schnell, dass das Erwähnen einer früheren Bewerbung nicht nur kein schlechtes Licht auf Sie wirft, sondern dass das Gegenteil der Fall ist.


Nutzen Sie den "Beziehungsfaden", den Sie durch die frühere Bewerbung geknüpft haben, ganz bewusst und gezielt. Hier ein paar Anregungen, was Sie tun können.

 

Sie haben nach der schriftlichen Bewerbung eine Absage bekommen.

Verschweigen Sie das nicht, sondern kommen Sie im Anschreiben darauf zu sprechen. Sie können:

- gleich im ersten Absatz mitteilen, dass und wann Sie sich bereits beworben haben,

- zum Ausdruck bringen, wie schade Sie es finden, dass es damals nicht geklappt hat,

- kurz und klar Ihre Motivation rüberbringen, warum Sie sich jetzt wieder bewerben und was genau Sie am Unternehmen und an der Position (immer noch oder vielleicht sogar noch mehr) anspricht,

- sich damit verabschieden, dass Sie sich wirklich sehr über eine Einladung freuen und hoffen, diesmal die Möglichkeit für ein persönliches Gespräch zu bekommen.

 

Sie sind zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden und dann ausgeschieden.

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Sie bringen das im Anschreiben zur Sprache oder Sie rufen erstmal im Unternehmen an und nehmen Kontakt zu der zuständigen Person auf. Am besten machen Sie Ihr Vorgehen davon abhängig, wie lange das Jobinterview zurückliegt, ob der Ansprechpartner immer noch derselbe ist und in welcher Atmosphäre das Gespräch verlaufen ist.

Sind inzwischen Jahre vergangen und der Ansprechpartner neu, ist wahrscheinlich die Schriftform angemessen. Bringen Sie im Anschreiben zur Sprache, dass und wann Sie sich beworben haben und ein Bewerbungsgespräch geführt haben - und bringen Sie klar auf den Punkt, was Sie zu einer erneuten Bewerbung motiviert (siehe Tipps oben).

Wenn das Gespräch ein paar Monate zurückliegt oder besonders angenehm und konstruktiv verlaufen ist, bietet es sich an, im Unternehmen anzurufen und mit dem Personalverantwortlichen zu sprechen, bevor Sie die Unterlagen hinschicken. Sie können:

- sich in Erinnerung bringen, indem Sie sagen, wer Sie sind und wann Sie sich kennengelernt haben, für welche Position Sie zum Bewerbungsgespräch dort waren,

- etwas ins Spiel bringen, damit sich Ihr Gesprächspartner leichter an das Gespräch und an Sie erinnern kann (z. B. bestimmte Themen, über die Sie intensiv gesprochen haben, oder Gemeinsamkeiten, die Sie im Gespräch festgestellt haben, usw.),

- "vorwarnen", dass Sie sich jetzt nochmal bewerben und die Unterlagen hinschicken möchten,

- rüberbringen, warum Sie das tun wollen.


Ihr Anschreiben können Sie dann mit diesem Telefongespräch beginnen, sich dafür bedanken und ruhig nochmal erwähnen, warum Sie sich jetzt nochmal bewerben, um sich in Erinnerung zu bringen.

 

Sie sehen:

Dass Sie sich schon mal beworben haben, ist keineswegs ein Makel.

Machen Sie sich klar, dass der frühere Kontakt vielmehr einen sehr guten Anknüpfungspunkt darstellt, und nutzen Sie die Tatsache, dass Sie eben gerade keine vollkommen fremde Person sind, ganz bewusst für sich. So stellen Sie auch gleich unter Beweis, dass Sie eine starke Persönlichkeit sind, die auf andere Menschen zuzugehen versteht und die Dinge aktiv in die Hand nimmt.

   
   
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