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Zu jedem
Vorstellungsgespräch gehören natürlich auch
Fragen - diese reichen von "Faktenfragen" (z.
B. Erzählen Sie doch mal bitte Ihren Lebenslauf in
eigenen Worten.) über Erfahrungen bis hin zu Meinungsfragen.
Letztere
verunsichern manche Bewerber ganz schön. Ich erinnere
mich beispielsweise an eine Bekannte, die völlig erbost
von einem Bewerbungsgespräch kam und sich mordsmäßig
über die "unmöglichen Psychofragen"
aufgeregt hat. Auf meine Frage, was das denn für Fragen
waren, meinte sie: "Wie gehen Sie mit Stress um?"
- Diese Frage fand sie total "unmöglich"
für ein Interview. Ich fand sie total normal.
Und
da ist auch die Grenze, wie man sich selbst - gerade in
so Ausnahmesituationen wie einem Bewerbungsgespräch
fühlt:
- Welche
Fragen bringen einen aus dem Konzept?
- Mit welchen Fragen tut man sich selbst schwer?
Ausnahmezustand
Alleine
die Tatsache, dass man in einem Bewerbungsgespräch
quasi unter Beobachtung steht und natürlich einen möglichst
guten Eindruck machen möchte, bringt einen Ausnahmezustand
mit sich. Man ist nervös - manche Menschen mehr, manche
weniger.
Und, ganz klar: Bei Fragen - gerade wenn es um Meinungsfragen
geht - kann man selbst nicht einschätzen, was das Gegenüber
hören möchte. Und gerade darin besteht für
viele Bewerber der innerliche Stolperstein: Können/sollen
sie ihre ehrliche Meinung sagen oder lieber nicht? Was ist
denn nun "die richtige" oder gerade die falsche
Antwort?
Einer
unserer Kunden erzählte von folgender Situation im
Bewerbungsgespräch: Er bewarb sich bei einem großen
deutschen Automobilkonzern. Die Frage an ihn lautete: "Wir
werden im nächsten Jahr einige Hundert Arbeitsplätze
streichen müssen und Leute entlassen. Wie stehen Sie
dazu?"
Doch
auch weniger schwierige Themen haben es in sich. In meiner
Zeit als Vertriebsleiterin eines Medienkonzerns stellte
ich oft die Frage "Der Kunde ist König. Was halten
Sie von diesem Spruch?" - Die meisten Bewerber bestätigten
vollen Herzens, weil sie dachten, ich wolle das hören.
Tatsächlich stehe ich diesem Spruch mehr als skeptisch
gegenüber.
Wichtig hierbei ist: Es ging mir weniger um das, was Bewerber
inhaltlich sagten, als vielmehr um das WIE.
Meinungsfragen
dienen dem Interviewer also dazu
->
eine Meinung/Standpunkte des Bewerbers auszuloten (Wobei
gute Personalentscheider dies mit Vorsicht genießen,
weil sie wissen, dass viele sich scheuen oder einfach zu
nervös sind, ihre eigene Meinung zu sagen.)
->
zu sehen, wie ein Bewerber überhaupt mit einer Frage
umgeht
->
zu sehen, wie sehr sich der Bewerber mit dem Thema/mit sich
selbst beschäftigt hat
->
zu erkennen, wie und ob der Bewerber eine spontane Meinung
hat/sie sich zu sagen traut
->
und sich generell einen Eindruck zu machen: Außerdem
dienen gerade Meinungsfragen dazu, einen Bewerber etwas
ausführlicher zum Sprechen zu bringen.
Was
können Sie im Gespräch machen?
Erstmal:
Nur die Ruhe.
Wie gesagt, geht es dem Personentscheider darum, ein konkreteres
Bild von Ihnen zu bekommen - und zwar nicht nur, was Ihren
beruflichen Werdegang und die fachliche Qualifikation anbelangt,
sondern vor allen Dingen im Hinblick auf Ihre Person.
Genauso
schwierig wie es für Sie ist, aufgrund eines einstündigen
Gespräches herauszufinden, wie das Unternehmen, die
Stelle, die Leute sind und ob Sie dort gern arbeiten möchten
und sich wohlfühlen, genauso schwer tun sich Personalentscheider.
Darum
ist es gerade wichtig - und auch gut für Sie! - wenn
Sie Meinungsfragen gestellt bekommen. Denn sie geben Ihnen
die Gelegenheit, Profil zu zeigen - und nicht nur als "irgendein
weiterer Bewerber auf die Stelle" zu erscheinen.
Am geeignetsten
sind dazu Fragen wie
- Wie
finden Sie ...?
- Was halten Sie von ...?
- Was war ein peinliches Erlebnis für Sie ...?
- und und und
Sicherlich
sagen Sie - mal abgesehen von der Bewerbersituation - eigentlich
ganz gerne auch Ihre eigene Meinung, oder?
Stellen
Sie sich einmal vor, wir sind befreundet und sitzen gemütlich
beim Kaffee zusammen. Das Gespräch kommt aufs Berufsleben
- und ich frage: "Hey, was fandest Du in Deiner letzten
Stelle denn am schwierigsten?" oder "Was erwartest
Du eigentlich von einem guten Chef?", dann würden
Sie sicherlich sofort loslegen und gern Ihre Meinung sagen,
oder?
Es ist
also weniger die Frage, die im Bewerbungsgespräch meist
verunsichert, sondern die Situation und die Tatsache, dass
Sie nicht recht einschätzen können, was man von
Ihnen erwartet.
Und
... oft mangelnde Vorbereitung: Mit vielen Fragen kann man
sich nämlich tatsächlich vorher beschäftigen
- wie man dazu steht, welche Meinung man hat. Und ganz wichtig:
Auch Beispiele dazu überlegen. Sonst bleibt man nämlich
meist sehr an der Oberfläche.
Beispiel?
"Ich
bin total flexibel und ich brauche Druck, um gut zu arbeiten."
"Oh,
was verstehen Sie denn unter flexibel? Und was genau ist
der Druck, den Sie offenbar brauchen? Arbeiten Sie nicht
gut, wenn kein Druck da ist?"
Boing!
- Die meisten Bewerber kommen genau hier ins Stottern, weil
sie nämlich Schlagwörter ins Spiel bringen und
diese dann nicht näher begründen können.
Also:
Freuen Sie sich über Meinungsfragen! Sie sind eine
schöne Chance für Sie ... und sie zeigen auch,
dass das Unternehmen an Ihnen als Person interessiert ist
und nicht nur nach "Papier und Lebenslauf" entscheidet.
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