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Pro-aktiv sein im Bewerbungsgespräch
  von Christine Öttl
 
 

Pro-Aktivität ist eine der persönlichen Kompetenzen, die im Berufsleben immer stärker gefragt werden: Deshalb nehmen Personalentscheider ihre Bewerber auch unter diesem Aspekt unter die Lupe und machen sich ein Bild davon, wie viel Eigeninitiative, Engagement und Aktivität die Einzelnen mitbringen.

Vergeben Sie keine Chancen und nutzen Sie die verschiedenen Möglichkeiten im Job-Interview, um rüberzubringen und unter Beweis zu stellen, dass Sie zu den proaktiven Bewerbern gehören und auch unter diesem Aspekt ein vielversprechender Kandidat/eine vielversprechende Kandidatin sind.

 

Was soll "pro-aktiv" eigentlich heißen?

Da der Begriff Pro-Aktivität nicht einheitlich verwendet wird bzw. leicht missverständlich interpretiert werden kann, möchte ich gleich klarstellen, was hier damit gemeint ist.

 

 

Pro-aktiv sein bedeutet nicht:

 

- laut sein und möglichst viel reden
- sich wichtig machen und alles besser wissen
- sich alles zutrauen
- immer wieder betonen, wie pro-aktiv man ist

- Allgemeinplätze wie "Stillstand bedeutet Rückschritt" einzuflechten, ohne sich mit dieser Aussage auseinander gesetzt zu haben und sie fundiert begründen zu können

    
  Unter Pro-Aktivität verstehen wir, dass man
 

- sich bewusst ist, dass man in jeder Situation etwas tun und erreichen kann (manchmal mehr und manchmal weniger) - und keineswegs anderen oder den Umständen ausgeliefert ist und gar nichts tun kann

- aufgrund dieser Einstellung die eigenen Handlungsspielräume ausschöpft, sich einbringt und die Dinge aktiv mitgestaltet, auch ohne offizielle Einladung.

 

Was Sie tun können

Hier ein paar Anregungen, was Sie im Bewerbungsgespräch tun können, um Ihren Gesprächspartner davon zu überzeugen, dass Sie zu den pro-aktiven Kandidaten gehören:

- Machen Sie sich Gedanken darüber, was Pro-Aktivität für Sie bedeutet und wie sich diese Eigenschaft Ihrer Meinung nach in der Praxis zeigt. Überlegen Sie, inwiefern Sie selbst pro-aktiv sind, wo Sie das bisher unter Beweis gestellt haben und inwiefern das zu Ihrem Erfolg beigetragen hat/noch beitragen wird.

Immer mehr Personalentscheider gehen den Dingen auf den Grund und begnügen sich nicht damit, wenn Bewerber sich als "kommunikativ, selbstverantwortlich und pro-aktiv" bezeichnen. Es wäre schade, wenn Sie dann ins Stottern kommen oder nur ein "Gute Frage!" parat haben.

 

- Sehen Sie sich vor dem Gespräch, während Sie auf den Termin warten oder zum Besprechungszimmer geführt werden, in den Räumlichkeiten um: Nehmen Sie bewusst so viele Dinge wie möglich wahr und verschaffen Sie sich einen ersten Eindruck. Diese ersten Eindrücke können Sie eventuell später im Gespräch erwähnen und so zeigen, dass Sie Augen und Ohren offen halten und gut beobachten können.

 

- Gehen Sie ausführlich auf die Fragen ein und geben Sie Ihrem Gesprächspartner die Möglichkeit, dass er Sie wirklich mit Ihren fachlichen und persönlichen Kompetenzen zu fassen kriegt. Manche Bewerber geben im Anschreiben an, dass Eigeninitiative, Pro-Aktivität oder etwas in dieser Art zu ihren persönlichen Qualitäten zählt - und untergraben dann im Gespräch die eigene Glaubwürdigkeit, weil sie sich alles aus der Nase ziehen lassen und sich sehr passiv verhalten.

 

- Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht ganz verstanden haben oder Sie sich unsicher sind. Gerade gute Personalentscheider sehen es Ihnen an der Nasenspitze an, wenn das der Fall ist - und ziehen daraus den Schluss, dass Sie entweder nicht wirklich interessiert sind oder sich nicht trauen. Beides kann kontraproduktiv sein.

 

- Stellen Sie Ihre Fragen, die Sie vorbereitet haben, sobald die Reihe an Sie kommt. Sollte man Ihnen nicht offiziell das Wort erteilen, fragen Sie nach und bitten Sie darum, Ihre Fragen stellen zu können: Auch damit beweisen Sie, dass Sie die Dinge aktiv angehen. Wenn Sie Ihre Fragen schriftlich vorbereitet haben und einen Blick darauf werfen wollen, teilen Sie das mit. Sagen Sie, dass Sie sich schriftlich vorbereitet haben und Ihre Liste als Leitfaden nutzen möchten, um nichts zu vergessen.

 

- Sprechen Sie Ihre Erwartungen an das Unternehmen und Ihre Vorstellungen von der Aufgabe/dem Arbeitsplatz usw. an ("Für mich ist sehr wichtig, dass..."). Damit zeigen Sie, dass Sie Klarheit über sich selbst haben und wissen, was Sie wollen - und wo Sie bereit sind, Kompromisse einzugehen.

 

- Wenn Sie wollen, können Sie sich während des Gespräches Notizen machen. Fragen Sie am Anfang nach, ob es für Ihren Gesprächspartner in Ordnung ist, dass Sie sich das Wichtigste notieren möchten.

 

- Fragen Sie am Ende des Gespräches von sich aus nach, welchen ersten Eindruck Ihr Gegenüber von Ihnen gewonnen hat.

 

Worte & Taten

Und vergessen Sie nicht: Sie wirken nicht nur durch das, was Sie verbal sagen, sondern durch Ihr gesamtes Auftreten und Verhalten.

Wenn Sie beispielsweise auf dem Weg in das Besprechungszimmer oder bei einer Führung durch das Unternehmen Augen und Ohren offenhalten - und somit Interesse und Aktivität beweisen - , dann wird das bemerkt. Wenn Sie während des ganzen Gespräches konzentriert und interessiert sind, bei Unklarheiten sofort nachhaken und aktiv Fragen stellen, vermitteln Sie durch all das, dass Sie pro-aktiv sind - dann brauchen Sie es gar nicht explizit zu sagen.

   
   
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