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Um sich
selbst im richtigen Licht zu präsentieren, ist es wichtig,
erst mal herauszufinden, mit wem man es zu tun hat: Was
bin ich für ein Mensch? Was sind meine Stärken
und Schwächen? Und wie steht es mit der Fremdeinschätzung?
Sehen andere mich auch so wie ich mich sehe?
Auf den ersten Blick relativ banale Fragen. Die wenigsten
Menschen nehmen sich jedoch die Zeit, sich mit sich selbst
auseinander zu setzen.
Im Wort
Selbstmarketing" steckt es schon drin, das Wort
Marketing. Wer etwas vermarkten möchte, in diesem Fall
sich selbst, sollte schon genau wissen, was die eigenen
Vorteile sind. Und natürlich auch, woran es zu arbeiten
gilt. Meine Güte, muss man sich denn jetzt auch noch
selbst vermarkten? Nein. Müssen tun Sie gar nichts.
Aber wenn Sie bestimmte Ziele erreichen möchten, tun
Sie gut daran, zu wissen, warum jemand sich ausgerechnet
für Sie entscheiden sollte. Denn wenn nicht einmal
Sie das wissen, warum sollte es Ihr Gegenüber tun?
Was
sind Sie für ein Mensch?
Diese
Frage habe ich früher in Bewerbungsgesprächen
immer gestellt. Die wenigsten konnten mit dieser Frage überhaupt
etwas anfangen. Beantworten Sie sich diese Frage doch gleich
mal spontan selbst. Am besten schriftlich.
Da sind
wir übrigens schon beim ersten Tipp: Halten Sie Ihre
Gedanken wann immer dies möglich ist, schriftlich fest.
So sind Sie gezwungen, genauer zu formulieren, es fallen
Ihnen Ungereimtheiten auf, und Sie haben eine Basis, auf
die Sie immer zurückkommen können. Und natürlich
darauf aufbauen.
Hier
einige weitere Fragen, die Ihnen helfen, eine Antwort zu
finden:
>
Wenn Sie sich nur für ein einziges Eigenschaftswort
entscheiden dürften, das für Sie steht: welches
wäre das?
>
Und jetzt dürfen Sie loslegen und alle anderen Eigenschaftswörter
auflisten, wie Sie so sind ... alle, die Ihnen so einfallen
... positiv wie negativ". Wer sich schwer tut,
hier eine Hilfestellung: Was würde Ihre Mutter, Ihr
bester Freund, Ihr Chef über Sie sagen? Es ist an dieser
Stelle noch gar nicht wichtig, ob das tatsächlich der
Fall ist ... manchen fällt es leichter, ihre Gedanken
damit in Gang zu bringen, wenn Sie sich überlegen,
was Dritte über sie sagen würden.
Eine
wunderschöne Aufgabe habe ich in einem Buch von Anthony
Robbins gelesen: Wenn Ihr Name in einem Lexikon erklärt
würde, was würde dort als Erklärung stehen?
Also eine kurze Zusammenfassung für andere, wer Sie
sind und was sie auszeichnet.
Jetzt
sind wir ja schon mal ein Stück weiter. Aber noch kratzen
wir erst an der Oberfläche.
Was
sind Ihre Stärken und Schwächen?
Stärken
und Schwächen zu kennen ist die wichtigste Grundlage
in erster Linie einmal für Sie persönlich.
Denn nur so können Sie sich selbst aktiv weiterentwickeln,
privat und beruflich.
Leider
wachsen wir häufig mit dem Spruch Eigenlob stinkt"
auf. Stolz auf sich zu sein wird meist mit Angeberei abgetan.
Zu Unrecht. Es ist doch klasse, wenn Sie etwas besonders
gut können. Und natürlich sollen Sie stolz darauf
sein! Und nur wenn Sie die Bestandsaufnahme komplett machen,
sich also auch Ihrer Schwächen bewusst sind, haben
Sie die Chance, sich in diesen Bereichen zu verbessern.
Abgesehen davon sind Sie ein weitaus sympathischerer Zeitgenosse,
wenn Sie nicht daherkommen wie Supermann persönlich.
Sind
Sie bereit? Dann holen Sie sich mal ein Blatt Papier und
einen Stift. Jetzt brauchen Sie nur noch eine schöne
Tasse Kaffee und etwas Zeit für Sie alleine. Blatt
hochkant nehmen, einen senkrechten Strich in die Mitte und
dann die linke Spalte mit das kann ich gut" und
die rechte mit das kann ich nicht so gut" überschreiben.
Das ist wichtig: schreiben Sie nicht einfach Stärken
und Schwächen drüber! Ist meiner Meinung nach
zu distanziert. Was ich gut und weniger gut kann, das ist
gleich viel bodenständiger. Und wir wollen ja keine
Barrieren, die es uns schwerer machen, überhaupt an
den Kern ranzukommen.
Ein
weiterer Grund: Meine Erfahrung ist das Wort Stärken"
in vielen Fällen ein Hemmnis. Es gibt bestimmte Dinge,
die kann man einfach gut, sind für einen selbst aber
doch eher selbstverständlich oder mittelmäßig
das Wort Stärke" ist gleich wieder
ein Kaliber mehr. Und wenn jemand beispielsweise ein guter
Zuhörer ist, dann weiß er das zwar, würde
es aber nicht unbedingt als Stärke" verbuchen.
Mit den Schwächen ist es ähnlich. Ist ja nicht
alles gleich eine Schwäche.
Damit
Sie sich etwas leichter tun, hier ein paar Beispiele. Das
bringt Ihre Gedanken sicher auf die Sprünge: bin verlässlich,
pünktlich, kann gut zeichnen, Englisch, mich in andere
Leute versetzen, rechnen, kann mich gut ausdrücken,
zuhören, bleibe ruhig, ...
Und
die andere Seite: flippe leicht aus, bin beim Sprechen vor
anderen total nervös, kenne mich computermäßig
nicht gut aus, organisiere meine Zeit nicht so gut, ...
Bitte
alles möglichst spontan und unzensiert.
Achten
Sie darauf, dass Sie keiner stört idealerweise
niemand dabei ist ... zum jetzigen Zeitpunkt zumindest noch
nicht. Das hemmt sonst.
Jetzt
fällt Ihnen nichts mehr ein? Macht nichts. Liste liegen
lassen und morgen weitermachen. Da kommt schon noch was.
Keine Sorge. Wer ruckizucki mal eben kurz rausfinden will
wie und was, der ist schief gewickelt. Entweder richtig
oder gar nicht. Also nehmen Sie sich die Zeit für sich
selbst. Viele Leute verbringen mehr Zeit in ihrem Leben,
eine neue Software zu lernen, als sich mit sich selbst auseinander
zu setzen!
Wenn
Sie Ihre Liste immer wieder zur Hand genommen haben und
fleißig ergänzt, dann haben Sie jetzt schon eine
ganze Menge über sich gelernt. Vielleicht hat sich
auch Einiges geändert: Punkte, die Sie zunächst
als nicht so toll angesehen haben, haben sich vielleicht
verändert und finden sich jetzt in Ihrer Plus-Spalte
wieder. Und Teile der kann ich gut" sind vielleicht
doch rübergerutscht. Je mehr man darüber nachdenkt,
desto mehr lebt das Ganze.
Vielleicht sehen Sie sich jetzt mit ganz anderen Augen.
Was
wir jetzt noch brauchen ist, abzuchecken, wie es denn anderen
mit Ihnen geht. Ist Ihre eigene Einschätzung von sich
selbst auch die, die andere von Ihnen haben? Sehen wir mal
...
Fremdeinschätzung:
Was denken andere über Sie?
Ein
Bekannter von mir hatte vor einigen Jahren eine Super-Idee:
Als er sich für eine andere Stelle bewerben wollte,
verfasste er zunächst einen Fragebogen in eigener Sache,
den er Familienmitgliedern, Bekannten und Freunden zum ausfüllen
gab. Leuten, die ihn besser kannten und Leuten, die
ihn weniger gut kannten.
Nicht
vergessen: Es kommt darauf an, zu sehen, wie Sie auf andere
wirken. Und da ist es überhaupt nicht wichtig, wie
lange und wie gut Sie jemand kennt. Auch jemand, den Sie
vor fünf Minuten kennen gelernt haben, hat bereits
ein Bild von Ihnen. Und oft sogar ein ziemlich passendes.
Alle
Fragebögen haben das Problem, das man leicht suggestiv
wird. Auch unbeabsichtigt. Mit bestimmten Fragen die Leute
in bestimmte Richtungen drückt. Oder aber man bekommt
nicht unbedingt ehrliche Antworten, weil die Leute kritische
oder gar negative Aussagen scheuen. Tun Sie sich also den
Gefallen:
Stellen
Sie möglichst offene Fragen. Also kein multiple choice
zum Ankreuzen und machen Sie auch möglichst
wenig Vorgaben, was Beispiele angeht.
Ich
rate Ihnen zu einem Mix: ein paar Vorgaben mit Möglichkeit
für den anderen, zu werten. So können Sie die
für Sie wichtigsten Eigenschaften gegenchecken.
Bei
der Wertung ist es wichtig, dass Sie entweder ja/nein-Antworten
haben oder eine Abstufung, die es dem anderen erlaubt, ehrlich
zu sein. Ich rate dringend von Schulnoten-Wertung"
ab und empfehle Ihnen, Smileys zu nutzen.
Der
Rest Ihres persönlichen Fragebogens sollten offene
Fragen sein. Am besten funktioniert es, wenn Sie Sätze
beginnen, die der andere vervollständigt.
Wichtig
ist, dass Sie auf Ihrem Fragebogen noch mal groß schriftlich
darauf hinweisen, dass Ihnen die ehrliche Antwort sehr wichtig
ist.
Beispiel:
Fragebogen
über mich
Ich
bin gerade dabei, mich näher kennen zu lernen und Deine
Meinung ist mir sehr wichtig. Bitte fülle diesen Fragebogen
für mich aus: ganz offen und ehrlich, auch wenn es
sich um negative Dinge handelt. Herzlichen Dank für
Deine Hilfe.
| 1.
Wie beurteilst Du mich aus Deiner Sicht: |
| a)
guter Zuhörer |
|
| b)
man kann sich immer auf mich verlassen |
 |
| c)
pünktlich |
 |
| d)
... |
 |
oder
so:
| a) guter
Zuhörer |
ja
nein
|
| b)
man
kann sich immer auf mich verlassen |
ja
nein
|
| c)
pünktlich |
ja
nein
|
| d)
... |
ja
nein
|
---
und dran denken, näher nachzufragen: also "weil"-Antworten
bzw. Beispiele, damit Sie die Antworten auch richtig einschätzen
können ---
2. Bitte
vervollständige folgende Sätze:
Ich
schätze an Dir besonders, dass ...
Ich
würde mir wünschen, dass Du ...
oder
auch so:
Wenn
Du eine Farbe wärst, wärst Du ..., weil ...
Der
Vergleich mit Farbe oder Tier oder Pflanze oder Musikstück
ist oft eine gute Möglichkeit, überraschende Erkenntnisse
zu gewinnen. Und es macht zusätzlich Spaß für
denjenigen, der den Fragebogen ausfüllt. Man kommt
auf ganz neue Gedanken.
Selbst-
und Fremdeinschätzung vergleichen
Damit
Sie die Meinung anderer über Sie und Ihre eigene Einschätzung
gut vergleichen können, sollten Sie den Fragebogen
auch für sich selbst ausfüllen zusätzlich
zu der ganzen Vorarbeit, die Sie bereits mit Ihren eigenen
Listen gemacht haben. Nur so können Sie direkt vergleichen.
Achten
Sie sowohl auf die Übereinstimmungen, als auch auf
die Unterschiede. Nehmen Sie jede einzelne Antwort ernst.
Es macht überhaupt keinen Sinn, statistisch vorzugehen.
Nach dem Motto:
80
% aller Befragten finden, ich bin zuverlässig, da sind
die restlichen 20 % ja in der Minderheit. Fragen Sie nach,
woran Menschen, die Ihnen wichtig sind, bestimmte Eigenschaften
festmachen. Warum wirken Sie so auf andere.
Und
noch mal der Tipp: Fragen Sie auch Leute, diese Einschätzung
für Sie abzugeben, die Sie erst seit kurzem kennen.
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