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Selbstmarketing
  von Gitte Härter
 

Um sich selbst im richtigen Licht zu präsentieren, ist es wichtig, erst mal herauszufinden, mit wem man es zu tun hat: Was bin ich für ein Mensch? Was sind meine Stärken und Schwächen? Und wie steht es mit der Fremdeinschätzung? Sehen andere mich auch so wie ich mich sehe?
Auf den ersten Blick relativ banale Fragen. Die wenigsten Menschen nehmen sich jedoch die Zeit, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

Im Wort „Selbstmarketing" steckt es schon drin, das Wort Marketing. Wer etwas vermarkten möchte, in diesem Fall sich selbst, sollte schon genau wissen, was die eigenen Vorteile sind. Und natürlich auch, woran es zu arbeiten gilt. Meine Güte, muss man sich denn jetzt auch noch selbst vermarkten? Nein. Müssen tun Sie gar nichts. Aber wenn Sie bestimmte Ziele erreichen möchten, tun Sie gut daran, zu wissen, warum jemand sich ausgerechnet für Sie entscheiden sollte. Denn wenn nicht einmal Sie das wissen, warum sollte es Ihr Gegenüber tun?

 

Was sind Sie für ein Mensch?

Diese Frage habe ich früher in Bewerbungsgesprächen immer gestellt. Die wenigsten konnten mit dieser Frage überhaupt etwas anfangen. Beantworten Sie sich diese Frage doch gleich mal spontan selbst. Am besten schriftlich.

Da sind wir übrigens schon beim ersten Tipp: Halten Sie Ihre Gedanken wann immer dies möglich ist, schriftlich fest. So sind Sie gezwungen, genauer zu formulieren, es fallen Ihnen Ungereimtheiten auf, und Sie haben eine Basis, auf die Sie immer zurückkommen können. Und natürlich darauf aufbauen.

Hier einige weitere Fragen, die Ihnen helfen, eine Antwort zu finden:

> Wenn Sie sich nur für ein einziges Eigenschaftswort entscheiden dürften, das für Sie steht: welches wäre das?

> Und jetzt dürfen Sie loslegen und alle anderen Eigenschaftswörter auflisten, wie Sie so sind ... alle, die Ihnen so einfallen ... positiv wie „negativ". Wer sich schwer tut, hier eine Hilfestellung: Was würde Ihre Mutter, Ihr bester Freund, Ihr Chef über Sie sagen? Es ist an dieser Stelle noch gar nicht wichtig, ob das tatsächlich der Fall ist ... manchen fällt es leichter, ihre Gedanken damit in Gang zu bringen, wenn Sie sich überlegen, was Dritte über sie sagen würden.

Eine wunderschöne Aufgabe habe ich in einem Buch von Anthony Robbins gelesen: Wenn Ihr Name in einem Lexikon erklärt würde, was würde dort als Erklärung stehen? Also eine kurze Zusammenfassung für andere, wer Sie sind und was sie auszeichnet.

Jetzt sind wir ja schon mal ein Stück weiter. Aber noch kratzen wir erst an der Oberfläche.

 

Was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Stärken und Schwächen zu kennen ist die wichtigste Grundlage – in erster Linie einmal für Sie persönlich. Denn nur so können Sie sich selbst aktiv weiterentwickeln, privat und beruflich.

Leider wachsen wir häufig mit dem Spruch „Eigenlob stinkt" auf. Stolz auf sich zu sein wird meist mit Angeberei abgetan. Zu Unrecht. Es ist doch klasse, wenn Sie etwas besonders gut können. Und natürlich sollen Sie stolz darauf sein! Und nur wenn Sie die Bestandsaufnahme komplett machen, sich also auch Ihrer Schwächen bewusst sind, haben Sie die Chance, sich in diesen Bereichen zu verbessern. Abgesehen davon sind Sie ein weitaus sympathischerer Zeitgenosse, wenn Sie nicht daherkommen wie Supermann persönlich.

Sind Sie bereit? Dann holen Sie sich mal ein Blatt Papier und einen Stift. Jetzt brauchen Sie nur noch eine schöne Tasse Kaffee und etwas Zeit für Sie alleine. Blatt hochkant nehmen, einen senkrechten Strich in die Mitte und dann die linke Spalte mit „das kann ich gut" und die rechte mit „das kann ich nicht so gut" überschreiben. Das ist wichtig: schreiben Sie nicht einfach Stärken und Schwächen drüber! Ist meiner Meinung nach zu distanziert. Was ich gut und weniger gut kann, das ist gleich viel bodenständiger. Und wir wollen ja keine Barrieren, die es uns schwerer machen, überhaupt an den Kern ranzukommen.

Ein weiterer Grund: Meine Erfahrung ist das Wort „Stärken" in vielen Fällen ein Hemmnis. Es gibt bestimmte Dinge, die kann man einfach gut, sind für einen selbst aber doch eher selbstverständlich oder mittelmäßig – das Wort „Stärke" ist gleich wieder ein Kaliber mehr. Und wenn jemand beispielsweise ein guter Zuhörer ist, dann weiß er das zwar, würde es aber nicht unbedingt als „Stärke" verbuchen. Mit den Schwächen ist es ähnlich. Ist ja nicht alles gleich eine Schwäche.

Damit Sie sich etwas leichter tun, hier ein paar Beispiele. Das bringt Ihre Gedanken sicher auf die Sprünge: bin verlässlich, pünktlich, kann gut zeichnen, Englisch, mich in andere Leute versetzen, rechnen, kann mich gut ausdrücken, zuhören, bleibe ruhig, ...

Und die andere Seite: flippe leicht aus, bin beim Sprechen vor anderen total nervös, kenne mich computermäßig nicht gut aus, organisiere meine Zeit nicht so gut, ...

Bitte alles möglichst spontan und unzensiert.

Achten Sie darauf, dass Sie keiner stört – idealerweise niemand dabei ist ... zum jetzigen Zeitpunkt zumindest noch nicht. Das hemmt sonst.

Jetzt fällt Ihnen nichts mehr ein? Macht nichts. Liste liegen lassen und morgen weitermachen. Da kommt schon noch was. Keine Sorge. Wer ruckizucki mal eben kurz rausfinden will wie und was, der ist schief gewickelt. Entweder richtig oder gar nicht. Also nehmen Sie sich die Zeit für sich selbst. Viele Leute verbringen mehr Zeit in ihrem Leben, eine neue Software zu lernen, als sich mit sich selbst auseinander zu setzen!

Wenn Sie Ihre Liste immer wieder zur Hand genommen haben und fleißig ergänzt, dann haben Sie jetzt schon eine ganze Menge über sich gelernt. Vielleicht hat sich auch Einiges geändert: Punkte, die Sie zunächst als nicht so toll angesehen haben, haben sich vielleicht verändert und finden sich jetzt in Ihrer Plus-Spalte wieder. Und Teile der „kann ich gut" sind vielleicht doch rübergerutscht. Je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr lebt das Ganze.
Vielleicht sehen Sie sich jetzt mit ganz anderen Augen.

 

Was wir jetzt noch brauchen ist, abzuchecken, wie es denn anderen mit Ihnen geht. Ist Ihre eigene Einschätzung von sich selbst auch die, die andere von Ihnen haben? Sehen wir mal ...

 

Fremdeinschätzung: Was denken andere über Sie?

Ein Bekannter von mir hatte vor einigen Jahren eine Super-Idee: Als er sich für eine andere Stelle bewerben wollte, verfasste er zunächst einen Fragebogen in eigener Sache, den er Familienmitgliedern, Bekannten und Freunden zum ausfüllen gab. Leuten, die ihn besser kannten – und Leuten, die ihn weniger gut kannten.

Nicht vergessen: Es kommt darauf an, zu sehen, wie Sie auf andere wirken. Und da ist es überhaupt nicht wichtig, wie lange und wie gut Sie jemand kennt. Auch jemand, den Sie vor fünf Minuten kennen gelernt haben, hat bereits ein Bild von Ihnen. Und oft sogar ein ziemlich passendes.

Alle Fragebögen haben das Problem, das man leicht suggestiv wird. Auch unbeabsichtigt. Mit bestimmten Fragen die Leute in bestimmte Richtungen drückt. Oder aber man bekommt nicht unbedingt ehrliche Antworten, weil die Leute kritische oder gar negative Aussagen scheuen. Tun Sie sich also den Gefallen:

Stellen Sie möglichst offene Fragen. Also kein multiple choice zum Ankreuzen – und machen Sie auch möglichst wenig Vorgaben, was Beispiele angeht.

Ich rate Ihnen zu einem Mix: ein paar Vorgaben mit Möglichkeit für den anderen, zu werten. So können Sie die für Sie wichtigsten Eigenschaften gegenchecken.

Bei der Wertung ist es wichtig, dass Sie entweder ja/nein-Antworten haben oder eine Abstufung, die es dem anderen erlaubt, ehrlich zu sein. Ich rate dringend von „Schulnoten-Wertung" ab und empfehle Ihnen, Smileys zu nutzen.

Der Rest Ihres persönlichen Fragebogens sollten offene Fragen sein. Am besten funktioniert es, wenn Sie Sätze beginnen, die der andere vervollständigt.

Wichtig ist, dass Sie auf Ihrem Fragebogen noch mal groß schriftlich darauf hinweisen, dass Ihnen die ehrliche Antwort sehr wichtig ist.

Beispiel:

Fragebogen über mich

Ich bin gerade dabei, mich näher kennen zu lernen und Deine Meinung ist mir sehr wichtig. Bitte fülle diesen Fragebogen für mich aus: ganz offen und ehrlich, auch wenn es sich um negative Dinge handelt. Herzlichen Dank für Deine Hilfe.

 

1. Wie beurteilst Du mich aus Deiner Sicht:
a) guter Zuhörer
b) man kann sich immer auf mich verlassen
c) pünktlich
d) ...

 

oder so:

a) guter Zuhörer
ja nein
b) man kann sich immer auf mich verlassen
ja nein
c) pünktlich
ja nein
d) ...
ja nein

--- und dran denken, näher nachzufragen: also "weil"-Antworten bzw. Beispiele, damit Sie die Antworten auch richtig einschätzen können ---

 

2. Bitte vervollständige folgende Sätze:

Ich schätze an Dir besonders, dass ...
Ich würde mir wünschen, dass Du ...

oder auch so:

Wenn Du eine Farbe wärst, wärst Du ..., weil ...

Der Vergleich mit Farbe oder Tier oder Pflanze oder Musikstück ist oft eine gute Möglichkeit, überraschende Erkenntnisse zu gewinnen. Und es macht zusätzlich Spaß für denjenigen, der den Fragebogen ausfüllt. Man kommt auf ganz neue Gedanken.

 

Selbst- und Fremdeinschätzung vergleichen

Damit Sie die Meinung anderer über Sie und Ihre eigene Einschätzung gut vergleichen können, sollten Sie den Fragebogen auch für sich selbst ausfüllen – zusätzlich zu der ganzen Vorarbeit, die Sie bereits mit Ihren eigenen Listen gemacht haben. Nur so können Sie direkt vergleichen.

Achten Sie sowohl auf die Übereinstimmungen, als auch auf die Unterschiede. Nehmen Sie jede einzelne Antwort ernst. Es macht überhaupt keinen Sinn, statistisch vorzugehen. Nach dem Motto:
80 % aller Befragten finden, ich bin zuverlässig, da sind die restlichen 20 % ja in der Minderheit. Fragen Sie nach, woran Menschen, die Ihnen wichtig sind, bestimmte Eigenschaften festmachen. Warum wirken Sie so auf andere.

Und noch mal der Tipp: Fragen Sie auch Leute, diese Einschätzung für Sie abzugeben, die Sie erst seit kurzem kennen.

   
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