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Kürzlich
erreichte mich in einem Internet-Forum folgende Frage, die
sich viele Bewerber stellen: Was mache ich während
des Bewerbungsprozesses, wenn mich eine Stelle ganz besonders
interessiert, die betreffende Firma jedoch länger braucht?
Im Einzelnen
ging es um folgende Punkte:
- Was
mache ich, wenn ich von einer Firma einen Vertrag angeboten
bekomme, mich eine andere Stelle jedoch mehr reizt - ich
von dort allerdings noch nichts gehört habe? Kann und
sollte man das Unternehmen, das einen einstellen möchte,
hinhalten - und wenn ja, wie lange?
- Kann
ich die Firma, wo ich lieber hinmöchte, bitten, mir
innerhalb von zwei Tagen Bescheid zu geben? Bzw. wie lange
dauert diese Entscheidung üblicherweise?
Wenn Sie sich schon einmal beworben haben oder momentan
aktiv in Bewerbungen stecken, kennen Sie dieses Dilemma
aus eigener Erfahrung. Man will keinen komischen Eindruck
machen, man möchte die einen weder hinhalten, noch
die anderen drängeln. Aber irgendwie einfach einen
Vertrag unterschreiben, nur weil eine Firma schneller "Ja"
sagt, das will man nun auch nicht.
Was also tun?
Wie
lange dauert der Entscheidungsprozess?
Es gibt
keine "festen Zeiten" wie lange ein Unternehmen
für eine Entscheidung braucht. Die eine Firma entscheidet
sich zeitnah, bei der anderen dauert es Wochen. Es gibt
Unternehmen, die mehrere Monate brauchen.
Natürlich heißt das nicht, dass Sie das als Bewerber
einfach hinnehmen müssen. Selbstverständlich sind
Sie am Bewerbungsprozess auch aktiv beteiligt und nicht
"wartender Bittsteller". Zum anderen sagt es auch
einiges über die Firma aus, wenn sich diese über
Gebühr Zeit lässt oder gar Monate braucht, bis
sie sich bei ihren Bewerbern meldet.
In den
meisten Fällen wird man Ihnen einen ungefähren
Zeitrahmen mitteilen, wie es nun weitergeht und wie lange
die Entscheidung in etwa dauern wird. Wenn dies nicht passiert:
Fragen Sie ruhig danach. Es ist jedem Unternehmen klar,
dass sich Bewerber aktiv um eine neue Stelle bemühen
und deshalb natürlich auch ungefähr wissen müssen,
wie die Planung seitens der Firma aussieht.
Manche
Bewerber trauen sich nicht, nachzufragen aus Angst, das
könnte schlecht ankommen. Ein guter Personalentscheider
wird es jedoch positiv auffassen, wenn sich ein Bewerber
aktiv meldet. Viele Firmen bieten sogar von sich aus an,
sich ruhig zu melden, wenn es während des Bewerbungsprozesses
Fragen gibt.
Achten
Sie jedoch darauf, dass auch dieser Anruf einen positiven
Eindruck von Ihnen vermittelt. Wer sich meldet und schon
ganz pessimistisch meint, dass die Stelle sicher schon vergeben
sei, der macht nicht den besten Eindruck. Auch ein unentschlossenes
"Ich wollte nur mal fragen ..." ist nicht die
Krönung. Seien Sie freundlich und selbstbewusst, erkundigen
Sie sich danach, wie der Stand des Entscheidungsprozesses
ist. Je nachdem, in welcher Phase des Bewerbungsprozesses
Sie sind, können Sie den Anruf dazu nutzen, weitere
Informationen zu geben, Fragen, die sich aus dem Gespräch
ergeben haben, zu stellen oder auch eine Probearbeit anzubieten.
Bitte
haben Sie Verständnis, wenn sich eine Firma nicht sofort
meldet. In der Regel ist mir einer Stellenausschreibung
eine Menge Arbeit verbunden - vom Sichten der Bewerbungen
angefangen bis hin zu administrativen Dingen wie dem Verschicken
von Zwischenbescheiden, Einladungen, Absagen. Und dem Koordinieren
von Gesprächsterminen. Das braucht seine Zeit - insbesondere,
wenn in einem Unternehmen mehrere Leute an der Entscheidung
beteiligt sind.
Wenn
eine Firma eine Zusage gibt
Tun
Sie sich einen Gefallen und wägen Sie Firmen nicht
endlos gegeneinander ab. Wenn Sie bei Firma A ein Vorstellungsgespräch
hatten und begeistert sind, das Angebot auch passt, dann
schlagen Sie ein! Sie würden ja auch privat, wenn Sie
jemanden kennenlernen, nicht ständig denken: Vielleicht
ist die/der nächste ja "besser", oder?
Wenn
Sie beide Vorstellungsgespräche hatten - und von Ihrer
"zweiten Wahl" eher ein Angebot bekommen, dann
rufen Sie Ihre Favoritenfirma, die sich noch nicht gemeldet
hat, an und sagen Bescheid: "Ich habe ein Angebot von
einer anderen Firma vorliegen, ich würde jedoch lieber
bei Ihnen anfangen. Haben Sie sich schon entschieden?"
- Dann wird man Ihnen sagen, ob Sie vorne mit dabei sind
oder getrost bei den anderen zusagen sollen. Und eine gute
Firma wird sich jetzt schnell entscheiden und Sie nicht
in die Situation bringen, das andere Unternehmen hinzuhalten.
Hinhalten
ist übrigens immer schlecht. In meiner Zeit als Abteilungsleiterin,
wenn ich jemandem zugesagt hatte, und die Person eine endgültige
Entscheidung hinauszögerte, fühlte ich mich immer
veräppelt und wollte am liebsten sofort wieder das
Angebot zurückziehen. Meist haben sich Leute, die gezögert
haben, auch nicht "gehalten" oder selbst wieder
umorientiert.
Denken Sie auch an die weiteren Konsequenzen: Sie zögern
mit einer Zusage - und Ihr Hinhalten zögert den gesamten
Bewerbungsprozess auch für andere Kanidaten hinaus.
Manche Firmen sagen ihren anderen Bewerbern sogar gleich
vollständig ab, sobald sie einen Vertrag verschickt
haben. "Was Du nicht willst, das man Dir tu ..."
gilt also auch hier.
Wichtig
ist: Wenn Sie sich über das Angebot einer Firma nicht
so recht freuen können, dann konzentrieren Sie sich
nicht nur darauf, ob die andere Firma vielleicht besser
ist. Zum einen haben Sie von beiden Unternehmen nur einen
ersten Eindruck erhalten und kennen die Praxis nicht. Zum
anderen ist es wichtig, dass Sie die Stellen und Angebote
auch separat beurteilen.
Wenn Sie ein Angebot von einer Firma erhalten und zögern
und nicht sicher sind, dann gibt es in der Regel auch Gründe
für Ihre Zweifel: Hinterfragen Sie Ihr Zögern
und Ihre "Nicht-Freude" über das Angebot
- Was begeistert mich an dieser Stelle/Firma? Was gefällt
mir weniger? Warum zögere ich? Hatte ich schon im Vorfeld
ein schlechtes Gefühl? Setzen Sie sich mit den einzelnen
Aspekten auseinander.
Manchmal
stellt sich auf diese Weise heraus, dass man das Angebot
einfach nicht annehmen will - völlig unabhängig
von anderen Möglichkeiten. Verstellen Sie sich den
Blick nicht, indem Sie eine weitere Firma mit in die Waagschale
werfen.
Möglicherweise
stellt sich auch heraus, dass Sie voller Überzeugung
bei der ersten Firma einschlagen möchten - und nur
im direkten Vergleich zögerlich waren.
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