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Erfolgsbaustein: Schwierigkeiten als Chance nutzen
  von Christine Öttl
 

Ich weiß, ich weiß: Diese Aussage wirkt inzwischen ziemlich abgedroschen. Aber wenn man sie wirklich ernst nimmt und ihr auf den Grund geht, erkennt man, dass hier eine sehr wertvolle und hilfreiche persönliche Kompetenz - oder besser gesagt Lebenseinstellung - angesprochen wird. Denn die Realität ist nun mal so, dass nicht immer alles glatt läuft und Unangenehmes, Schwierigkeiten, Hindernisse und Probleme zum (Arbeits)Leben gehören. Und wie man mit dieser Tatsache umgeht, hat wesentlichen Einfluss auf Lebensgefühl, Image und Erfolg.

Welche grundsätzliche Einstellung man in Sachen Hindernisse und Schwierigkeiten hat und pflegt, spielt eine fundamentale Rolle. Wer sie nur als absolut überflüssige und unwillkommene Last und Mühsal interpretiert, als Steine, die einem unfairerweise in den Weg gelegt werden, und als etwas, das "eigentlich nicht so sein sollte", tut sich natürlich sehr schwer, klug und konstruktiv damit umzugehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man die Situation nur als mühsam, anstrengend und frustrierend erlebt - und auch nach außen nicht besonders stabil, belastbar und lösungsorientiert wirkt - ist sehr groß.

 

Wichtig: eine realistische Einstellung haben und sich selbst fordern

Viel besser als von einer Welt zu träumen, in der alles nach den eigenen Erwartungen und Vorstellungen läuft, ist:

1.) realistisch zu sein und den Tatsachen ins Auge zu sehen: Immer wieder, mal häufiger und mal seltener, werden kleinere oder größere Dinge passieren, die Ihnen nicht in den Kram passen oder Sie regelrecht aus der Bahn werfen.

2.) sich klar zu machen, dass Sie sehr wohl Möglichkeiten, Fähigkeiten und Potenziale haben, um damit umzugehen, ja daraus zu lernen und daran zu wachsen.


Es gibt unendlich viele Dinge, die sich einem in den Weg stellen und das Leben schwer machen können. Zum einen innere Faktoren (z. B. mangelndes Wissen, negative Stimmungen und Emotionen, Schwierigkeiten, sich zu motivieren oder dranzubleiben, usw.) und zum anderen äußere Faktoren (z. B. schlechte Stimmung im Team, schwierige Beziehung zum Vorgesetzten, zu wenig oder zu viel Arbeit usw.).

Egal um was es sich handelt: Wenn Sie die unangenehme Realität nur ablehnen - und als Folge dieser inneren Einstellung entweder die Zähne zusammenbeißen und darüber hinweggehen oder sich frustriert zurückziehen und passiv werden - legen Sie sich selbst in Ketten und verpassen die Gelegenheit, dazuzulernen und sich selbst weiterzuentwickeln.

Hier ein paar Anregungen, wie Sie konstruktiver mit den Steinen umgehen können, die Ihren Weg behindern:

 

Nehmen Sie die Realität an

Natürlich ist es ganz menschlich, unangenehme und schwierige Dinge abzulehnen und nichts damit zu tun haben zu wollen: Dieser Impuls ist sehr stark und manchmal richtiggehend überwältigend. Doch die ablehnende Haltung wird schwächer, wenn man sich nicht hineinsteigert und sie damit forciert. Sondern sich - nach einer angemessenen Erholungszeit - selbst an die Hand nimmt, der Realität ins Auge sieht und sich selbst aufmuntert. Beispielsweise durch konstruktive innere Monologe wie "Ok, es gefällt mir nicht, aber so ist es nun mal. Mal gucken, wie ich damit am besten umgehen kann!"

Tipp: Seien Sie neugierig!
Ja, ich meine das wirklich ernst. Denn Neugierde und Offenheit sind meiner eigenen Erfahrung nach die besten Grundlagen, um mit schwierigen Dingen möglichst gut umgehen zu können. Seit vielen Jahren experimentiere ich damit, wie ich meine Impulse, Unangenehmem einfach aus dem Weg zu gehen oder mich passiv auszuliefern, abschwächen und mir selbst schnell wieder auf die Beine helfen kann. Und ich kann Sie nur dazu animieren, die Überzeugung "Oh mein Gott! Das und das ist passiert. So etwas darf einfach nicht sein!" durch Gedanken wie "Mist, ich komme mit dem Projekt XY einfach nicht voran! Warum ist das so?" oder "Oh, XY war heute echt unfreundlich mit mir. Was wird wohl dahinterstecken?" zu ersetzen. Das ist natürlich schwierig, aber es lässt sich üben und trainieren.

 

Analysieren Sie die Situation

Belassen Sie es nicht bei einer oberflächlichen "Diagnose" wie "Ich trete auf der Stelle. Irgendwie geht einfach nichts voran!" oder "Diese angespannte Stimmung in unserem Team ist echt frustrierend!". Sondern gehen Sie der Sache auf den Grund und machen Sie sich klar:

Was genau bereitet Ihnen Schwierigkeiten?
Was löst diese Gedanken und Gefühle in Ihnen aus?

Wenn Sie den Eindruck haben, auf der Stelle zu treten, könnte das beispielsweise daher kommen, dass Sie von Ihrem Vorgesetzten seit Monaten keine Anerkennung bekommen haben, Sie mit der Qualität Ihrer eigenen Arbeit nicht wirklich zufrieden sind, ein Projekt, das Sie gerne bekommen hätten, an jemand anderen vergeben wurde usw. Die angespannte Situation im Team kann unterschiedlichste Facetten haben und sich zum Beispiel so äußern: Informationen werden nicht mehr rechtzeitig weitergegeben, zwei Kollegen sind oft kurz angebunden, es finden kaum noch Teammeetings statt usw.

Je konkreter Sie wissen, um was es geht, umso leichter können Sie herausfinden und entscheiden, was Sie unternehmen können und wollen.

 

Halten Sie Ausschau nach Handlungsspielräumen

Überlegen Sie, welche Möglichkeiten Sie haben, um die unangenehme Situation für Sie erträglicher zu machen, zu entspannen oder zu lösen.

Das kann beispielsweise sein: ein klärendes Gespräch mit dem Chef suchen, sich besser organisieren, sich stärker auf die Arbeit konzentrieren und sie gut machen, für sich überlegen, warum das Projekt an jemand anderen vergeben wurde, oder bei der verantwortlichen Person freundlich nachfragen, durch Gespräche mit einzelnen Kollegen herausfinden, warum die Infos so langsam weitergegeben werden, beim Chef und den Kollegen anregen, dass Meetings häufiger stattfinden, und eventuell die Organisation derselben anbieten usw.

 

Erkennen Sie, wo Ihre Lernpotenziale liegen

Nicht immer geht es darum, aktiv zu werden und nach außen etwas zu unternehmen. Häufig ist es am sinnvollsten und hilfreichsten, selbst dazuzulernen und sich persönlich weiterzuentwicklen.

Das kann beispielsweise sein: die eigenen Präsentationsfähigkeiten verbessern, lernen, besser mit den eigenen Stimmungen oder mit Kritik umzugehen, geduldiger oder weniger perfektionistisch zu werden oder sich besser zu konzentrieren und und und.


Wenn Sie schwierige und unangenehme Situationen nutzen, um sich persönlich weiterzuentwickeln und das Repertoire Ihrer Möglichkeiten zu erweitern, sind Sie immer erfolgreich: Selbst dann, wenn Sie nach außen nicht sehr viel verändern können.

   
   
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