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Seien Sie mutig!
  von Christine Öttl
 

Keine Sorge: Sie sollen nicht auf die Barrikaden gehen, aktives Betriebsratsmitglied werden oder dem Chef endlich mal so richtig die Meinung sagen.

Der Mut, den ich meine, ist viel unspektakulärer und äußert sich in vielen kleinen Dingen und Situationen. Und genau diese Art von "alltäglichem" Mut beeinflusst meiner Meinung nach stark, wie sehr man sich selbst schätzt und die eigenen Potenziale und Möglichkeiten ausschöpfen kann.

Hier ein paar Beispiele, damit Sie sehen, was ich meine:

  • nachfragen, wenn Sie unsicher sind oder etwas nicht richtig verstanden haben
  • Ideen und Verbesserungsvorschläge ausarbeiten und aktiv einbringen
  • den ersten Schritt tun und auf einen Kollegen zugehen, mit dem es Streit gab
  • zu einem Fehler stehen
  • sich entschuldigen, wenn Sie sich mal im Ton vergriffen haben
  • das Gespräch mit dem Chef suchen, wenn Sie sich unfair behandelt fühlen
  • um Hilfe bitten, wenn Sie alleine nicht weiterkönnen
  • sich nicht auf Klatsch und Tratsch einlassen.

Unzufriedenheit und Frust haben nicht selten damit zu tun, dass man sich allzu sehr zurückhält, kaum seine Meinung oder eigene Ideen einbringt, die anderen machen lässt und einfach mitläuft oder gar nach deren Pfeife tanzt.

Als Folge davon entsteht leicht das Gefühl, ein unbedeutendes Rädchen im Getriebe und jederzeit ersetzbar zu sein. Auch unterminieren Zurückhaltung und Passivität das Selbstwertgefühl. Ich habe immer wieder Menschen kennengelernt, die sich selbst kritisieren und Vorwürfe machen, weil sie "zu feige" sind, um mal den Mund aufzumachen oder von sich aus etwas zu initiieren.

Doch im Clinch mit sich selbst zu liegen, macht die Sache nur noch schlimmer und senkt die Wahrscheinlichkeit, dass man aktiver wird. Schimpfen Sie also nicht mit sich selbst, wenn Sie (noch) nicht so mutig sind, wie Sie es gerne wären!

Viel besser und konstruktiver ist es:

- sich klarzumachen, in welchen Situationen Sie mutiger sein möchten

- für den Anfang eine bestimmte Situationen auszuwählen (am besten die einfachste) und sich auf diese Situation möglichst intensiv vorzubereiten
Sie können schriftlich formulieren, wie Sie sich genau verhalten wollen. Sie können sich die Situation vorstellen und Ihr angestrebtes Verhalten mental trainieren. Sie können die Situation alleine vor dem Spiegel oder als Rollenspiel mit jemand anderem durchspielen.

- die Situation eventuell selbst aktiv herbeizuführen (z. B. das Gespräch mit dem Chef suchen)

- den "Ernstfall" bewusst zu nutzen, um Ihr neues Verhalten zu üben.


Probieren Sie es aus. Natürlich ist das mit Ängsten, Unsicherheiten und Nervosität verbunden: Aber es lohnt sich, über den eigenen Schatten zu springen!

Allein die Tatsache, den "inneren Schweinehund" zu überwinden und sich zu trauen, gibt schon sehr viel Auftrieb. Und je öfter Sie es üben und praktizieren, umso lockerer und selbstsicherer werden Sie.

   
   
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