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Pro-aktiv sein: die eigenen Möglichkeiten ausschöpfen
  von Christine Öttl
 

Viele Menschen fühlen sich in ihrem Job nicht besonders wohl und anerkannt. "Ich bin fachlich doch gut und ich habe einiges auf dem Kasten. Aber irgendwie sehen das die anderen nicht – vor allem mein Chef nicht. Dabei möchte ich so gerne mitreden, etwas bewegen und voranbringen. Aber irgendwie komme ich einfach nicht zum Zug!"

Fachlich gut zu sein und über ein breites Know-how zu verfügen, ist ohne Zweifel sehr wichtig und eine fundamentale Voraussetzung, um die eigenen Aufgaben erfolgreich durchführen zu können. Aber keineswegs das Einzige, was im Berufsleben zählt und zum Vorankommen beiträgt. Es geht auch und ganz besonders darum, mit welchem "Geist" man die Dinge anpackt.

 

Innere Beteiligung zählt

Das Wichtigste ist, den eigenen Bereich gut auszufüllen - also hinter dem Job zu stehen und ihn wichtig zu nehmen, sein Bestes geben zu wollen und es auch zu tun. Das beste fachliche Know-how verblasst und verliert allmählich an Attraktivität, wenn jemand seine Aufgaben ohne erkennbare innere Beteiligung durchzieht. Diese Arbeitsweise macht mit der Zeit auch den letzten verbliebenen Rest an Motivation zunichte und der Arbeitsalltag wird immer düsterer.

Viel besser und befriedigender ist es, sich auf die eigenen Aufgaben zu konzentrieren und sie gut und mit Power erledigen. Zu beweisen, dass man sein Handwerk versteht und alles unter Kontrolle hat. Die Dinge schnell und rechtzeitig auf die Reihe zu kriegen und immer Ausschau nach Lösungen zu halten. Sich verantwortlich zu fühlen für das, was man tut. Dann strahlt man nämlich aus, dass man etwas kann und die Dinge ernst nimmt.

Der Schlüssel ist: Nicht die Hände in den Schoß legen und abwarten, bis jemand anderes die Lösung bringt oder Anregungen gibt. Sondern sich Gedanken machen und überlegen, was man selber tun kann.

Ein Beispiel:
Der Chef will von mir wissen, wie viel Zeit ich am Telefon verbringe, also wie viele Kunden ich so am Tag anrufe und wie lange das dauert. Aber die Telefonanlage kann diese Zahlen nicht ausspucken! Dann nicht aufgeben und die Schuld auf das Telefon abschieben. Sondern die Frage aller Fragen stellen: Was kann ICH tun? Das Schöne ist, dass es immer etwas gibt. Da draufzukommen und dann was in die Gänge zu bringen, ist der Clou. Denn so beweist man sich selbst und der Welt, dass man sich nicht so schnell unterkriegen lässt. Dass man Interesse hat an der Sache und was auf dem Kasten. Und dass man sich reinhängt.

Also: Vom Telefon krieg ich die Zahlen nicht, die ich brauche. Ich muss sie mir auf einem anderen Weg besorgen. Wie? Was ich auf jeden Fall machen kann, ist eine Strichliste. Das klingt zwar altmodisch, aber wenn mir die Technik nun mal nicht helfen kann. Und dann überlegen, was alles Sinn macht. Was genau will ich herausfinden? Welche Spalten brauche ich? Was ist praktischer, ein Formular im Computer oder ein Papierteil? Wie kann ich die Zahlen am schnellsten auswerten? Vielleicht kann ich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Und die Aktion nutzen, um auch noch andere interessante Sachen herauszukriegen. Zum Beispiel, ob es Zeiten gibt, wo Leute schlecht erreichbar sind. Damit lässt sich dann was anfangen. Vielleicht wäre ja eine ganz andere Tagesplanung schlauer. So kann man super Beiträge dazu leisten, um sich selbst und den anderen das Leben zu erleichtern und besser zu arbeiten.

 

Kontinuierlich verbessern

Es gibt immer etwas, was man anders und besser oder schneller machen kann. Auch im ganz normalen Arbeitsalltag. Es lohnt sich, nicht stehen zu bleiben nach dem Motto "Es läuft doch ganz gut!" Also immer Augen und Ohren offen halten, um neue Anregungen zu bekommen. Aha, da gibt es ein neues Ablagesystem. Vielleicht wäre das ja auch für uns was. Da habe ich was gelesen über einen interessanten Kurs, den einige von uns gut brauchen könnten. Ich arbeite als Rezeptionistin und habe normalerweise ziemlich viel zu tun: Kunden und Lieferanten empfangen, Anrufe beantworten und weiterverbinden. Aber zwischendrin gibt es immer mal wieder eine Flaute. Ich sehe, dass meine Kollegen in der Poststelle immer wieder ganz schön ins Schwimmen kommen. Eigentlich könnte ich denen was abnehmen. Ein guter Gedanke – den Sie nicht für sich behalten oder mal zwischen Tür und Angel ansprechen sollten. Lassen Sie sich die Sache durch den Kopf gehen: Was bringt das der Firma? Was haben wir davon, wenn wir dieses neue Ablagesystem einführen oder diesen Kurs besuchen? Wie lässt sich das alles organisieren, wenn ein paar Kollegen außer Haus sind? Wie kriegen wir die Arbeit trotzdem gebacken? Wie viel Zeit habe ich, um den Kollegen was abzunehmen und wann? Wie muss die Aufgabe sein, damit ich sie auch gut erledigen kann? Und dann - mit dieser guten Vorbereitung und klaren Vorstellungen – können Sie den Chef um ein Gespräch bitten und Ihre Vorschläge vorstellen. Oder eine Besprechung dafür nutzen.

 

Eine Vorwarnung:

Auch wenn die Idee gut ist, heißt das nicht unbedingt, dass Sie sofort super damit ankommen. Dann auf keinen Fall beleidigt sein und die Flinte ins Korn werfen. Lassen Sie sich die Sache noch mal durch den Kopf gehen und setzen Sie sich mit den vorgebrachten Einwänden und Bedenken auseinander. Seien Sie konstruktiv und bauen Sie die neuen Informationen ein - und nehmen Sie die Sache noch mal in Angriff. Engagement zeigen heißt oft, nicht zu schnell locker zu lassen.

Es gibt viele Gelegenheiten, die man nutzen kann, um aktiv zu werden und sich einzubringen. Zum Beispiel Besprechungen aller Art, um sich zu Wort zu melden. Um Vorschläge und Ideen, die man hat, vorzustellen. Oder um Dinge anzusprechen, die nicht so gut laufen. Wichtig ist die richtige Motivation. Und die muss immer sein: Lösungen finden wollen statt Probleme wälzen.

In vielen Unternehmen gibt es Mitarbeiter-Befragungen, um herauszubekommen, was gut läuft und was verändert werden sollte. Nutzen Sie solche Chancen auf jeden Fall, um zu zeigen, dass Sie dazugehören und etwas bewegen wollen. Setzen Sie sich mit den Fragen auseinander, machen Sie sich Gedanken und leisten Sie Ihren Beitrag.

 

Es geht aber nicht nur um neue Ideen oder große Projekte – sondern auch um die ganz kleinen Dinge im Alltag. Dass man vereinbarte Spielregeln einhält und beispielsweise Papier im Drucker nachlegt. Dass man einfach mal die Kartons selber wegräumt, die seit Tagen im Gang rumstehen. Oder dass man sich von sich ohne spezielle Aufforderung darum kümmert, ob das Licht auch überall aus ist, wenn man als Letzter nach Hause geht.

   
   
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