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Nehmen Sie sich Bedenkzeit
  von Gitte Härter
 
 

Lassen Sie sich gerne mal überrumpeln? Oder fühlen Sie sich oft so? Vielleicht sind Sie jemand, der die Dinge gerne genau überlegt, bevor er ein Urteil abgibt oder sich für etwas entscheidet.

Im Alltag werden wir ständig gefordert, schnell eine Meinung, Information oder Zusage zu geben. Doch das ist nicht immer einfach, denn zum einen sind manche Anliegen komplexer oder ziehen weitere Konsequenzen nach sich, z. B.

- man möchte von Ihnen eine wichtige Auskunft über ein Projekt oder eine Preiskalkulation,

- eine anstehende Entscheidung betrifft auch andere,

- es ergeben sich weitreichendere Konsequenzen, etwa durch eine Zu- oder Absage für eine Arbeitsstelle oder einen Auftrag,

- Sie haben ein komisches Gefühl im Bauch oder gehören zu den allzu schnell begeisterungsfähigen Menschen und möchten diesem Gefühl erstmal nachspüren.

Zum anderen gibt es ganz unterschiedliche Vorgehensweisen: Manche Menschen können jederzeit mal eben eine Antwort geben und werden sich manchmal erst später der Konsequenzen bewusst. Wieder andere haben generell ein Problem, sofort etwas zu sagen und müssen einfach erst darüber nachdenken.

Darum ist es wichtig, sich Bedenkzeit zu geben - und nicht von sich selbst zu erwarten, spontan etwas aus dem Ärmel zu schütteln.

 

  Schreien Sie nicht immer gleich "hier"!
 

Wenn Sie zu den Menschen gehören, die sich immer sofort verantwortlich fühlen oder die vor lauter Harmoniebedürfnis immer gleich "hier" schreien und sich auf diese Weise ständig irgendwelche Arbeit aufladen, dann ist es erst recht angezeigt, dass Sie sich Bedenkzeit nehmen.

Heißt es "Freiwillige vor" und Sie sind bisher immer gesprungen, dann bleiben Sie sitzen und beißen Sie sich auf die Zunge. Das wird Ihnen anfangs besonders schwer fallen. Schauen Sie freundlich in die Runde und halten Sie still, wenn sich niemand meldet. Wenn man Ihre "Das mach ich schon"-Mentalität schon kennt, mag es sein, dass man verwundert guckt (oder dass es Ihnen so vorkommt). Macht nichts! Halten Sie den Mund, rechtfertigen Sie sich nicht, sondern halten Sie es aus, sich diesmal nicht zu melden.

Es gibt einen weiteren guten Grund: Die Leute von der schnellen Truppe geben anderen oft gar nicht die Gelegenheit, sich zu melden, weil sie aus Pflichtbewusstsein immer direkt vorpreschen und buchstäblich zu schnell sind.

Geht es um eine Aufgabe, die Sie eventuell übernehmen wollen, dann sagen Sie das, aber bleiben Sie vage: "Ich könnte mir vorstellen, das eventuell zu machen, aber erst muss ich mehr darüber wissen/will ich mir überlegen, ob ich dafür überhaupt realistisch die Zeit aufbringen kann, um das gut zu machen."

 

 

  ... und wenn es eilt?

Gerade dann ist es wichtig, sich nicht drängeln zu lassen. Denn das vernebelt den Kopf und die Wahrscheinlichkeit, sich falsch zu entscheiden - oder sich einfach nicht recht wohl mit der Entscheidung zu fühlen - ist groß.

Machen Sie sich klar:

- Ist hier wirkliche Eile geboten?

Wenn ja, nehmen Sie sich eine kleine Auszeit, und wenn es nur fünf Minuten sind. Ich war früher ja Vertriebsleiterin und habe meinen Leuten immer gesagt: "Macht nie spontan einen Preis am Telefon. Ruft zurück. Wenn es eilig ist, ruft schnell zurück. Aber nehmt Euch die paar Minuten, in denen Ihr für Euch in Ruhe kalkulieren könnt."
Wenn Sie nicht gerade in einem Beruf arbeiten, wo es um Leben und Tod geht, haben Sie immer die Zeit, kurz zu unterbrechen, um die Situation in Ruhe zu reflektieren.


- Oder setzt Sie der andere künstlich unter Entscheidungsdruck?

Es kann sein, dass Ihr Gegenüber jetzt sofort eine Antwort von Ihnen möchte - weil er sich durch Überrumpeln einen Vorteil erhofft oder aber einfach, weil er nur mit Ihrer Antwort weiterarbeiten kann und gerne so schnell wie möglich wissen möchte, woran er ist.

Wenn Ihnen das zu schnell geht und Sie schlichtweg ad-hoc keine Antwort geben können oder möchten, dann sagen Sie das und geben Sie eine konkrete Angabe, wann Sie sich dazu melden: "Ich möchte darüber nochmal schlafen. Ich sage Dir morgen Bescheid." oder auch "Lass mich das erst mit xy besprechen. Er ist diese Woche nicht mehr da. Ich kann Dir am Montag definitiv sagen, ob oder ob nicht."

Reicht dem anderen das nicht und liegt keine wirklich dringliche Situation vor, dann sagen Sie im Zweifelsfall lieber ab statt zu: "Ich verstehe, dass Sie gerne jetzt eine Entscheidung von mir haben möchten, aber ich muss mir das erst durch den Kopf gehen lassen. Wenn es partout nicht bis morgen reicht, dann lautet meine Antwort ‚Nein'."

Sagen Sie das aber bitte in freundlichem Tonfall. Sie möchten ja Klarheit und Souveränität demonstrieren und nicht etwa beleidigt oder erpresserisch rüberkommen.

   
   
 

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