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Ich müsste extrovertierter sein!
  von Christine Öttl
 

Die kommunikativen Fähigkeiten spielen im (Arbeits)Leben eine zentrale Rolle und tragen wesentlich dazu bei, wie anerkannt und erfolgreich man ist. Ruhige und eher introvertierte Menschen befürchten oft, sich durch ihre Zurückhaltung selbst im Wege zu stehen, und wünschen sich, mehr aus sich herauszugehen und aktiver aufzutreten. Und das lässt sich tatsächlich lernen und trainieren.

Um das "Projekt Extrovertiertheit" konstruktiv und kraftvoll angehen zu können, ist es sehr wichtig, sich nicht umkrempeln zu wollen. Sondern sich Schritt für Schritt die Art von Offenheit und Extrovertiertheit zu erarbeiten und zu kultivieren, die wirklich zur eigenen Persönlichkeit passt.

 

Wichtig: die eigene Introvertiertheit respektieren

Ruhige und zurückhaltende Menschen tappen leicht in die Falle, sich selbst wegen dieser (vermeintlich nicht zeitgemäßen und hinderlichen) Charaktereigenschaften abzuwerten. Doch damit setzen sie sich selbst enorm unter Druck und nehmen sich viel Wind aus den Segeln.

Bitte beschäftigen Sie sich intensiv mit Ihrer Introvertiertheit und machen Sie sich ganz bewusst (aufschreiben!), welche positiven Aspekte damit verbunden sind. Das könnte z. B. sein, dass Sie sehr gut zuhören können, nur Dinge sagen, die Hand und Fuß haben, auch in hektischen Situationen ruhig bleiben usw. All das sind wichtige Eigenschaften und Verhaltensweisen, die sehr geschätzt werden!

Sich selbst anzuerkennen und sich bewusst zu machen, dass die weniger geliebten Facetten der eigenen Persönlichkeit sehr wohl auch gute Seiten haben, ist die beste Grundlage, um aktiv an sich zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

 

Schritt 1: Beschäftigen Sie sich mental mit Ihrem "Projekt Extrovertiertheit"

Am besten packen Sie die Sache an, indem Sie sich sowohl kopfmäßig intensiv damit beschäftigen als auch Ihr Verhalten gezielt und langsam ändern. Hilfreiche kognitive Vorgehensweisen sind:


- sich bewusst machen, warum Sie gerne extrovertierter sein möchten

Denken Sie darüber nach, was Sie sich davon versprechen, wenn Sie offener sind und stärker auf andere zugehen. Ihre Beweggründe zu kennen, ist sehr hilfreich und ein starker Motivator.


- festlegen, in welchen Situationen Sie gerne offener sein möchten

Der Vorsatz "offener und extrovertierter" zu werden, ist nicht sehr vielversprechend, da viel zu abstrakt und allgemein, um wirklich in Aktion treten zu können. Überlegen Sie genau und legen Sie konkret fest, wann Sie mehr aus sich herausgehen möchten (z. B. in Besprechungen, im Kollegenkreis, in Gesprächen mit dem Chef usw.).


- sich vorbereiten und Ihr Verhalten planen

Belassen Sie es nicht bei allgemeinen Plänen wie "Nächstes Mal beim Team-Stammtisch sage ich einfach öfter mal was!". Sondern bereiten Sie sich auf die Situation vor und legen Sie fest, wie Sie sich verhalten werden (z. B. ein bestimmtes Thema ins Spiel bringen, auf Fragen ausführlicher antworten als bisher, selbst fragen usw.).

 

Schritt 2: Werden Sie aktiv und trainieren Sie regelmäßig

Je besser Sie sich auf konkrete Situationen Ihrer Wahl vorbereiten, umso leichter wird es Ihnen fallen, sich dann entsprechend zu verhalten. Zusätzlich dazu können Sie Ihren "Extrovertiertheits-Muskel" trainieren, indem Sie:


- regelmäßig von sich aus Leute ansprechen

Es gibt viele Gelegenheiten, um ganz bewusst über den eigenen Schatten zu springen und ein kurzes Gespräch mit anderen anzuknüpfen. Anstatt den neuen Nachbarn im Aufzug nur zu grüßen, können Sie fragen, wie er sich eingelebt hat. Anstatt nur "Hallo!" zur Kollegin zu sagen, die Sie am Kopierer treffen, könnten Sie sich erkundigen, wie ein bestimmtes Projekt vorangeht.


- sich wirklich auf Gespräche einlassen

Üben Sie sich bei jeder Gelegenheit darin, ein guter Gesprächspartner zu sein, sprich ausführlicher auf Fragen zu antworten und einen Dialog zu gestalten. Auf die Frage "Wie geht es Ihnen?" können Sie entweder nur antworten "Ganz gut." Oder "Danke, ich bin wieder fit und habe mich gut von der Erkältung erholt. Wie geht es Ihnen?"

Setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern respektieren Sie Ihre Möglichkeiten und arbeiten Sie kontinuierlich an ihnen, um Schritt für Schritt offener und gesprächiger zu werden.

 

 

 

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