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Es gibt
Situationen, da steht man kurz vor dem Platzen. Wenn dann
noch der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum
Überlaufen bringt, dazu kommt, ist alles zu spät
- man explodiert seinem Gegenüber ins Gesicht.
Die
Neigung, schnell mal auszurasten, hat durchaus was mit der
Persönlichkeit zu tun. Es gibt Leute, die generell
emotionaler reagieren, schneller reizbar sind und das auch
deutlich zeigen. Darüber hinaus gibt es aber verschiedene
weitere Faktoren, die das Nervenkostüm beeinflussen,
beispielsweise
- die
persönliche Verfassung (Nerven, Gesundheit, in-sich-ruhen,
...)
- wie
zufrieden man mit sich selbst ist und mit den Lebensumständen
(privat, beruflich)
- wie
aktiv man generell in seinem Leben handelt und Situationen
"managt", mit ihnen umgeht - und eben auch offen
Dinge anspricht
Tipp:
Nicht zu unterschätzen ist übrigens auch die Ernährung!
Wer sich schlecht ernährt, zu wenig oder in zu großen
Abständen etwas isst, der ist oft auch reizbar und
kann schneller aggressiv werden.
Wenn
Sie also schnell auf der Palme sind und wenn Sie die Wörter
"Ärger" und "Wut" häufig benutzen,
dann sollten Sie sich auf jeden Fall die genannten Aspekte
näher anschauen und nicht nur "Symptombekämpfung"
betreiben.
Was
tun, wenn's soweit ist? - Tipps
1. Die Auszeit
Es gibt
Empfehlungen wie "bis 10 zählen" und erst
dann reagieren - so gut dieser Tipp für einige Leute
funktioniert, so wichtig ist es, sich einfach mal mit der
Grundaussage dahinter auseinander zu setzen: Und die ist
einfach -> einen Break machen, aus der Situation ausbrechen.
Wie
das geschieht, ist völlig egal.
Das
kann das innerliche Zählen sein. Das
kann eine tatsächliche Pause mit "Abstand"
sein - also etwa die aktuelle Besprechung unterbrechen (bitte
NIEMALS einfach wortlos den Raum verlassen - das schürt
nicht nur Ärger, sondern ist extrem unhöflich
und, ja, fast verachtend, gegenüber den beteiligten
Personen, finde ich. Niemand möchte einfach stehengelassen
werden in einer Diskussion.)
Sprechen
Sie es ruhig an, wenn Sie gerade am Kochen sind und fünf
Minuten brauchen, um wieder runterzukommen.
Wenn
es nicht möglich ist, eine räumliche Distanz zu
schaffen, und wenn Sie im akuten Ärgerfall auch nichts
mit dem innerlich Runterkommen anfangen können, dann
machen Sie auf jeden Fall das:
->
ruhig und tief atmen!
Das geht immer und es funktioniert. Der Körper hört
darauf. Egal wie aufgeregt man ist, man wird ruhiger und
gefasster.
Konzentrieren Sie sich auf das Atmen (runter in den Bauch).
Das bringt dann auch den Kopf etwas zur Ruhe, weil man ihn
momentan anderweitig beschäftigt.
->
sich etwas vorstellen
Für manche Leute funktionieren innere Vorstellungen
- ein Symbol, ein Bild, eine Situation, um sich runterzubringen.
In einem Interview in der Süddeutschen Zeitung habe
ich kürzlich einen interessanten Tipp dazu gelesen
- den ich auch ganz praktikabel finde: Man solle sich ein
"Ärgerthermometer" vorstellen und sich überlegen,
wo man sich selbst auf dieser Skala einordnen würde.
Ich finde das eine witzige Idee - vielleicht nützt
sie Ihnen auch. Auch soetwas bringt "Auszeit"
mit sich, auch wenn sie nur kurz ist.
->
Ein weiterer Tipp ist, einfach auszusprechen, wie es Ihnen
geht. Auch das nimmt "Druck" raus, wie ein Ventil.
Also nicht einfach rummosern, sondern aussprechen, was ist:
"Ich könnte platzen." - "Ich bin jetzt
total stinksauer wegen dieser Sache."
->
Wenn Sie von der aktuellen Situation etwas Abstand bekommen
wollen, etwa um kurz auf die Toilette zu gehen, dann nutzen
Sie diese Pause: Atmen Sie tief durch und ziehen Sie sich
eine Grimasse im Spiegel. Das mag albern klingen und es
mag Ihnen in der Situationen nicht danach sein: Tun Sie's
trotzdem. Egal, was gerade vorgefallen ist - Sie werden
unwillkürlich lachen müssen.
Gleich danach kommt der Ärger sicher zurück -
keine "Sorge", der geht ja nicht verloren - aber
Sie haben den Automatismus des Hochschaukelns unterbrochen
und jetzt die Möglichkeit, klarer mit der Situation
umzugehen und das Gespräch fortzuführen.
->
Achten Sie auch darauf, wie Sie sich unwillkürlich
in solchen Situationen anspannen: die Stirn gerunzelt, der
Kiefer angespannt ... wir spannen sowieso völlig unbewusst
ständig irgendwas an - oft sogar regelmäßig,
so dass es zu muskulären Verspannungen kommt.
Abgesehen
von allen genannten Dingen ganz oben, ist der wichtigste
Teil:
2. Kommunikation
Zu lernen,
die Dinge anzusprechen. Wer immer nur explodiert, aber nicht
wirklich darüber spricht, was ihn so sauer macht und
warum, der ist unfair mit sich und seinem Umfeld. Häufig
kommt es auch erst dadurch zu kritischen Situationen: Weil
man nicht rechtzeitig Dinge anspricht und sie sich irgendwann
hochschaukeln.
Hier
gleich noch der Hinweis: Schauen Sie sich immer auch die
Gründe an. Ich habe es oft erlebt, dass Leute in der
Arbeit ausgerastet sind und sich dann rausgestellt hat,
dass der eigentliche Ärger und Auslöser im Privatleben
lag - oder umgekehrt. Es gibt Leute, die wissen sich in
der Firma nicht zu helfen und rasten dafür im Familien-
und Freundeskreis aus.
Ist
es schon passiert?
Manchmal
ist es einfach schon passiert: Man ist in einer Situation
ausgerastet, vielleicht schon vor einigen Tagen und es arbeitet
innerlich - nicht nur wegen der Ursache, sondern auch, weil
man mit sich und der heftigen Reaktion nicht ganz zufrieden
ist.
Wenn
Sie also "explodiert" sind, dann entschuldigen
Sie sich bitte auf jeden Fall für Ihr Verhalten. Ich
gehe davon aus, dass "Explodieren" auch explodieren
heißt: also entweder laut oder krass oder Vorwürfe
oder unfair oder Türen knallen oder was-auch-immer
zu einer Explosion gehört.
Für so ein Verhalten ist eine Entschuldigung wirklich
das Mindeste.
Wichtig:
Das heißt nicht, dass Sie "klein beigeben",
und es heißt auch nicht, dass Sie einer anderen Person
oder bestimmten Inhalten zustimmen. Es spricht für
Sie und Ihren Charakter, wenn Sie merken und zugeben, dass
das Verhalten nicht in Ordnung war.
Halten
Sie sich immer den weisen Spruch "Was Du nicht willst,
dass man Dir tu" vor Augen.
Und:
Haben Sie keine Angst vor der Entschuldigung! Eine aufrichtig
gemeinte Entschuldigung kommt auf jeden Fall positiv an.
Die
Folgen, wenn man schnell explodiert
Manche
Leute denken, dass es Stärke ausdrückt, wenn man
offensiv und auch "laut" nach außen geht,
sich nichts gefallen lässt und einfach auch mal ausrastet
und auf den Tisch haut.
Tatsächlich hat Lautstärke nie mit Selbstsicherheit
und Überzeugungskraft zu tun - im Gegenteil: Der Spruch
von wegen "wer schreít, hat Unrecht" hat
schon seine Berechtigung. Ich kann das von mir aus bestätigen:
Die wenigen Situationen, wo ich mich dabei ertappe, dass
ich so richtig laut werde (und ich tue das so gut wie nie)
haben durchaus mit berechtigtem Ärger zu tun ->
aber eben auch damit, dass irgendwas bei mir selbst grad
nicht stimmt und ich das durch Lautstärke ausgleichen
will.
Das
Schlimmere ist, dass das Explodieren einem selbst auch schadet.
Denn Inhalte und Argumente werden nicht mehr (so) wahrgenommen
oder auch nicht mal ernst genommen.
Beispielsweise
überschattet das Verhalten die Inhalte: "Die ist
immer gleich hysterisch, mit der kann man nicht reden."
oder auch "Recht hätte er ja, aber wenn er sich
so benimmt, kann er mich mal." oder auch "Das
könnte man auch sachlich und konstruktiv sagen, auf
diese Art kann und will ich das nicht ernst nehmen".
Der
zweite Aspekt ist, dass es sein kann, dass man bestimmte
Dinge schlichtweg nicht mehr mit Ihnen bespricht oder auch
bestimmte Projekte/Situationen einfach mit anderen Leuten
macht. Weil man Ihnen entweder nicht zutraut, dass Sie die
Dinge im Griff haben, wenn Sie oftmals ausflippen. Oder
auch, weil man es sich selbst einfach ersparen will, Ihren
Zorn zu spüren.
Noch
ein Aspekt für Leute, die ambitioniert sind, Personalverantwortung
zu erhalten oder "aufzusteigen": Sie können
sicher sein, dass häufiges Ausflippen und Außer-Kontrolle-Sein
gewichtige Argumente sind (zu Recht!), Ihnen derlei Positionen
zu versperren.
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