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Sich selbst gut behandeln
  von Christine Öttl
 

"Unser größter Kritiker sitzt in uns selbst."

Das mag auf den ersten Blick ziemlich unwahrscheinlich, ja absurd klingen, entpuppt sich aber als sehr zutreffend, wenn man sich näher damit beschäftigt. Die meisten Menschen konzentrieren sich auf ihre Schwächen und auf all das, was sie besser machen sollten/müssten, auf verpasste Chancen und Fehler, die ihnen unterlaufen sind. Gleichzeitig kennen sie ihre Stärken und positiven Seiten kaum und schätzen sich selber nicht besonders.

Natürlich ist das kein Plädoyer dafür, bloß nicht selbstkritisch zu sein und sich einfach auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Keineswegs! Es geht darum, eine gesunde und stabile Grundlage zu schaffen, um sich selbst annehmen und wertschätzen zu können. Denn mit einem solchen Fundament lebt es sich nicht nur leichter und unbeschwerter, sondern man hat viel mehr Power und Energie, die Dinge auch aktiv anzugehen, die man verbessern und verändern sollte.

Vorwürfe, Kritik, Angriffe, Druck: Dass uns all das schwächt, Spaß, Energie und Motivation raubt, wenn es von anderen kommt, weiß jeder aus eigener – mehr oder weniger leidvoller – Erfahrung. Dass es genau dieselben negativen, auf Dauer vergiftenden Auswirkungen hat, wenn wir uns selbst kritisieren und Vorwürfe machen, unter Druck setzen, auf uns schimpfen, ist dagegen nicht so offensichtlich. Dabei ist nichts so schlecht für das Selbstwertgefühl, und damit Zufriedenheit und Erfolg, wie Blindheit für die eigenen positiven Seiten und ein rüder Umgangston mit sich selbst.

 

Hier ein paar Anregungen, wie Sie pfleglicher mit sich selbst umgehen und so mehr Energie und positive Lebenseinstellung gewinnen können:


Machen Sie sich Ihre starken Seiten bewusst und freuen Sie sich darüber

Kennen Sie Ihre Stärken und wissen Sie, was Sie besonders gut können und was andere Menschen an Ihnen schätzen? Es lohnt sich, wenn Sie sich Zeit nehmen, um sich das klarzumachen und so ein realistischeres Bild von sich zu gewinnen. Wenn Sie sich schwer damit tun, lassen Sie sich von anderen helfen. Fragen Sie Ihre Familie, Freunde, Kollegen, was Sie gut an Ihnen finden. Denken Sie nach, wofür andere Leute (Eltern, Lehrer, Chefs) Sie schon gelobt haben.

 

Nehmen Sie die weniger guten Seiten nicht allzu ernst

Jeder macht Fehler und genauso hat jeder seine Schwächen oder "Schattenseiten". Worauf es ankommt, ist, wie Sie damit umgehen: Ob Sie sich selbst verurteilen und innerlich abwerten, Ihr Augenmerk nur auf das richten, was Ihnen weniger gefällt, und gleichzeitig alles andere ausblenden oder als nebensächlich abtun. Oder ob Sie Ihre Schwachstellen als etwas sehen, woran Sie arbeiten möchten, und auf die Sie wohlwollend blicken können. Idealerweise auch mit einer Portion Humor.

 

Gucken Sie hin und zählen Sie Ihre Erfolge

Gehen Sie nicht achtlos über das hinweg, was Sie Tag für Tag erreichen und schaffen: ganz besonders nicht über das, was Sie als "Kleinigkeit" betrachten oder als selbstverständlich ansehen. Schreiben Sie es auf und sprechen Sie darüber. Klopfen Sie sich mal selbst auf die Schulter und sagen Sie sich: "Hey, super gemacht!" Nehmen Sie sich die Freiheit, mit sich selbst zufrieden zu sein. Das tut nicht nur gut und motiviert, es trägt auch dazu bei, dass Sie immer weniger vom Urteil anderer abhängig sind und sich selbst etwas wert sind. Das hat wesentliche Auswirkungen darauf, wie gut Sie sich fühlen und wie zufrieden Sie mit Ihrem Leben sind.

 

Nehmen Sie Komplimente an und machen Sie sich selbst welche

Manche Menschen sind sehr skeptisch, wenn Sie Komplimente bekommen, und wittern immer irgendwelche Absichten. "Bestimmt will er mir wieder mehr Arbeit aufdrücken, der Chef. Deswegen hat er mich gerade gelobt und gesagt, dass ich alles immer so fix erledige." Tun Sie sich so was nicht an!

 

Lassen Sie auch mal locker

Wenn Sie ein Ziel partout nicht erreichen, sich nur damit rumquälen und in Selbstvorwürfen ertrinken, ist es Zeit, mal innezuhalten und einen Schritt zurückzutreten. Sich zu versteifen und es immer wieder zu versuchen, bringt es nicht.

Ein Beispiel: Sie schaffen es einfach nicht, sich morgens vor der Arbeit zum Joggen aufzuraffen. Es ist wenig hilfreich, wenn Sie sich unter Druck setzen, sich selbst für einen Schwächling halten, der den "inneren Schweinehund" nicht in den Griff bekommt. Jeder Morgen wird zur Qual und jedes "Versagen" schlägt auf der Negativ-Liste zu Buche. Stopp! Gehen Sie in sich und überlegen Sie sich, worauf es Ihnen überhaupt ankommt und ob das morgendliche Joggen wirklich Ihr Ziel ist. Denn offensichtlich bringen Sie nicht die nötige Energie dafür auf. Seien Sie sich selbst gegenüber tolerant und einfühlsam. Wenn es Ihnen um die Bewegung geht, gibt es eine ganze Reihe wunderbarer Alternativen zum Laufen. Und warum sollten Sie sich zum Frühaufstehen zwingen, wenn Sie das längere Schlafen einfach brauchen und genießen?

 

Stacheln Sie sich an, aber schimpfen Sie nicht mit sich selbst

Sie haben es wieder nicht geschafft, cool zu bleiben und souverän zu reagieren, als Ihnen ein Fehler unterstellt wurde? Nehmen Sie es zur Kenntnis, aber machen Sie es sich nicht selbst zum Vorwurf. Haken Sie das Ereignis als eine neue Lektion ab und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft: Was wollen Sie nächstes Mal besser machen? Wie wollen Sie reagieren, wenn Sie wieder in eine solche Situation geraten? Sie werden bestimmt noch viele Gelegenheiten haben, sich zu bewähren und sich so zu verhalten, wie Sie es gut finden und gerne möchten.

Kritisieren, nörgeln und schimpfen zieht immer innere Widerstände und schlechte Stimmung nach sich. Blockieren Sie sich nicht selbst und konzentrieren Sie Ihre Energie lieber darauf, wie Sie das ändern werden, was Sie wirklich ändern wollen. Und in einer freundschaftlichen, positiven Atmosphäre geht das alles viel viel leichter.

   
   
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