|
"Unser
größter Kritiker sitzt in uns selbst."
Das
mag auf den ersten Blick ziemlich unwahrscheinlich, ja absurd
klingen, entpuppt sich aber als sehr zutreffend, wenn man
sich näher damit beschäftigt. Die meisten Menschen
konzentrieren sich auf ihre Schwächen und auf all das,
was sie besser machen sollten/müssten, auf verpasste
Chancen und Fehler, die ihnen unterlaufen sind. Gleichzeitig
kennen sie ihre Stärken und positiven Seiten kaum und
schätzen sich selber nicht besonders.
Natürlich
ist das kein Plädoyer dafür, bloß nicht
selbstkritisch zu sein und sich einfach auf seinen Lorbeeren
auszuruhen. Keineswegs! Es geht darum, eine gesunde und
stabile Grundlage zu schaffen, um sich selbst annehmen und
wertschätzen zu können. Denn mit einem solchen
Fundament lebt es sich nicht nur leichter und unbeschwerter,
sondern man hat viel mehr Power und Energie, die Dinge auch
aktiv anzugehen, die man verbessern und verändern sollte.
Vorwürfe,
Kritik, Angriffe, Druck: Dass uns all das schwächt,
Spaß, Energie und Motivation raubt, wenn es von anderen
kommt, weiß jeder aus eigener mehr oder weniger
leidvoller Erfahrung. Dass es genau dieselben negativen,
auf Dauer vergiftenden Auswirkungen hat, wenn wir uns selbst
kritisieren und Vorwürfe machen, unter Druck setzen,
auf uns schimpfen, ist dagegen nicht so offensichtlich.
Dabei ist nichts so schlecht für das Selbstwertgefühl,
und damit Zufriedenheit und Erfolg, wie Blindheit für
die eigenen positiven Seiten und ein rüder Umgangston
mit sich selbst.
Hier
ein paar Anregungen, wie Sie pfleglicher mit sich selbst
umgehen und so mehr Energie und positive Lebenseinstellung
gewinnen können:
Machen
Sie sich Ihre starken Seiten bewusst und freuen Sie sich
darüber
Kennen
Sie Ihre Stärken und wissen Sie, was Sie besonders
gut können und was andere Menschen an Ihnen schätzen?
Es lohnt sich, wenn Sie sich Zeit nehmen, um sich das klarzumachen
und so ein realistischeres Bild von sich zu gewinnen. Wenn
Sie sich schwer damit tun, lassen Sie sich von anderen helfen.
Fragen Sie Ihre Familie, Freunde, Kollegen, was Sie gut
an Ihnen finden. Denken Sie nach, wofür andere Leute
(Eltern, Lehrer, Chefs) Sie schon gelobt haben.
Nehmen
Sie die weniger guten Seiten nicht allzu ernst
Jeder
macht Fehler und genauso hat jeder seine Schwächen
oder "Schattenseiten". Worauf es ankommt, ist,
wie Sie damit umgehen: Ob Sie sich selbst verurteilen und
innerlich abwerten, Ihr Augenmerk nur auf das richten, was
Ihnen weniger gefällt, und gleichzeitig alles andere
ausblenden oder als nebensächlich abtun. Oder ob Sie
Ihre Schwachstellen als etwas sehen, woran Sie arbeiten
möchten, und auf die Sie wohlwollend blicken können.
Idealerweise auch mit einer Portion Humor.
Gucken
Sie hin und zählen Sie Ihre Erfolge
Gehen
Sie nicht achtlos über das hinweg, was Sie Tag für
Tag erreichen und schaffen: ganz besonders nicht über
das, was Sie als "Kleinigkeit" betrachten oder
als selbstverständlich ansehen. Schreiben Sie es auf
und sprechen Sie darüber. Klopfen Sie sich mal selbst
auf die Schulter und sagen Sie sich: "Hey, super gemacht!"
Nehmen Sie sich die Freiheit, mit sich selbst zufrieden
zu sein. Das tut nicht nur gut und motiviert, es trägt
auch dazu bei, dass Sie immer weniger vom Urteil anderer
abhängig sind und sich selbst etwas wert sind. Das
hat wesentliche Auswirkungen darauf, wie gut Sie sich fühlen
und wie zufrieden Sie mit Ihrem Leben sind.
Nehmen
Sie Komplimente an und machen Sie sich selbst welche
Manche
Menschen sind sehr skeptisch, wenn Sie Komplimente bekommen,
und wittern immer irgendwelche Absichten. "Bestimmt
will er mir wieder mehr Arbeit aufdrücken, der Chef.
Deswegen hat er mich gerade gelobt und gesagt, dass ich
alles immer so fix erledige." Tun Sie sich so was nicht
an!
Lassen
Sie auch mal locker
Wenn
Sie ein Ziel partout nicht erreichen, sich nur damit rumquälen
und in Selbstvorwürfen ertrinken, ist es Zeit, mal
innezuhalten und einen Schritt zurückzutreten. Sich
zu versteifen und es immer wieder zu versuchen, bringt es
nicht.
Ein
Beispiel: Sie schaffen es einfach nicht, sich morgens vor
der Arbeit zum Joggen aufzuraffen. Es ist wenig hilfreich,
wenn Sie sich unter Druck setzen, sich selbst für einen
Schwächling halten, der den "inneren Schweinehund"
nicht in den Griff bekommt. Jeder Morgen wird zur Qual und
jedes "Versagen" schlägt auf der Negativ-Liste
zu Buche. Stopp! Gehen Sie in sich und überlegen Sie
sich, worauf es Ihnen überhaupt ankommt und ob das
morgendliche Joggen wirklich Ihr Ziel ist. Denn offensichtlich
bringen Sie nicht die nötige Energie dafür auf.
Seien Sie sich selbst gegenüber tolerant und einfühlsam.
Wenn es Ihnen um die Bewegung geht, gibt es eine ganze Reihe
wunderbarer Alternativen zum Laufen. Und warum sollten Sie
sich zum Frühaufstehen zwingen, wenn Sie das längere
Schlafen einfach brauchen und genießen?
Stacheln
Sie sich an, aber schimpfen Sie nicht mit sich selbst
Sie
haben es wieder nicht geschafft, cool zu bleiben und souverän
zu reagieren, als Ihnen ein Fehler unterstellt wurde? Nehmen
Sie es zur Kenntnis, aber machen Sie es sich nicht selbst
zum Vorwurf. Haken Sie das Ereignis als eine neue Lektion
ab und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft:
Was wollen Sie nächstes Mal besser machen? Wie wollen
Sie reagieren, wenn Sie wieder in eine solche Situation
geraten? Sie werden bestimmt noch viele Gelegenheiten haben,
sich zu bewähren und sich so zu verhalten, wie Sie
es gut finden und gerne möchten.
Kritisieren,
nörgeln und schimpfen zieht immer innere Widerstände
und schlechte Stimmung nach sich. Blockieren Sie sich nicht
selbst und konzentrieren Sie Ihre Energie lieber darauf,
wie Sie das ändern werden, was Sie wirklich ändern
wollen. Und in einer freundschaftlichen, positiven Atmosphäre
geht das alles viel viel leichter.
|