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Ich wollte ja noch ...
  von Gitte Härter
 

Ziele sind eine feine Sache. Aber nicht, wenn man sie vor sich hinschiebt und nicht wirklich etwas tut, um sie zu erreichen.

Kennt jeder, oder?
Ich wollte seit langem das Joggen anfangen
Ich wollte doch eigentlich das Rauchen aufhören
Ich müsste meine Wohnung mal wieder putzen
Ich hatte mir schon seit zwei Jahren vorgenommen, den Keller zu entrümpeln
Ich wollte mein Englisch aufpolieren
und und und ...

Irgendein Ziel, beruflich oder privat, hat man immer, das man vor sich herschiebt. Jetzt gibt es in diesem Zusammenhang ja verschiedene Stadien:

Das Ziel aussuchen
Da geht’s einem gut: das Ziel ist ausgewählt, mit Feuereifer malt man sich die Ergebnisse aus. Schön!

Das Ziel nicht weiterverfolgen
Das Ziel ist gesetzt, vor kurzer oder längerer Zeit, aber man hat bisher nichts dazu getan, um ihm näherzukommen. Es sitzt irgendwie drängelnd-quengelnd im Hintergrund. Und wenn es einem wirklich wichtig ist, dann trägt es dazu bei, unzufrieden mit sich selbst zu werden.

Das Ziel angehen, kurz weiterverfolgen, dann auf Eis legen
Am Anfang war die Motivation riesig – und Action war angesagt: Neue Joggingschuhe geholt, einmal gelaufen, verstaubt. Spanischkurs angefangen, nach der fünften Stunde aufgehört, weil das der Zeitpunkt war, an dem man sich hätte hinsetzen und lernen müssen.
Im Endeffekt ist es wie Variante 2: Das Ziel hängt irgendwo in der Luft, aber es passiert nichts, dass es greifbar wird.

 

Überprüfen: Ist mir das Ziel wirklich wichtig?

Die mangelnde Motivation, Ihr Ziel auch umzusetzen, kann an verschiedenen Aspekten liegen: Einer davon ist, dass Ihnen das Ziel vielleicht überhaupt nicht (mehr) wichtig ist. Bitte überprüfen Sie Ihre Ziele immer wieder neu. Sie verändern sich, Ihre Interessen auch. Was früher sehr wichtig für Sie war, ist vielleicht heute nur noch ein drängelnder Gedanke, der einfach nie umgesetzt wurde.

Am besten überprüfen Sie die Wichtigkeit, indem Sie sich wieder mal in Ruhe hinsetzen und Ihr Verhältnis zu dem Ziel ausloten.

Hier zwei Varianten: eine für Kopf-, eine für Gefühlsmensche

Kopfmensch-Methode:
Analysieren Sie Ihr Ziel – Blatt Papier, Bleistift. Wie genau sieht das Ziel aus, was genau müssen Sie dafür tun, wie lange dauert die Zielerreichung realistischerweise?
Wenn Sie alles aufgeführt haben, ziehen Sie Bilanz: Ist Ihnen der Einsatz von Zeit und Energie das Ergebnis wert?

Gefühlsmensch-Methode:
Setzen Sie sich in Ruhe hin und stellen Sie sich vor, Sie hätten das Ziel bereits erreicht. Steigern Sie sich total in die Phantasie hinein: Vielleicht sehen Sie sich eine souveräne Rede vor 500 Leuten halten, alle sind hin und weg von Ihrer Vortragskunst.
Wie geht es Ihnen jetzt? Wie ist das Gefühl, dort zu stehen? Es geschafft zu haben?

 

Wenn Ziele belasten

Wenn Sie ein lange gehegtes Ziel belastet, weil Sie es nicht auf die Reihe bekommen, dann gibt es nur eins: endlich aktiv angehen! Jetzt sofort! – Oder es freundlich aber bestimmt wirklich auf Eis zu legen oder ihm gar den "Ziele-Status" nehmen.

Wichtig ist, dass Sie eine bewusste Entscheidung treffen – und aktiv Ordnung in Ihre Ziele bringen. Auch hierfür zwei schöne Tipps:

 

Aktiv angehen

Ich hab’s erprobt: Ziele, die ich für mich selbst SICHTBAR mache, kann ich leichter erreichen. Nur im Kopf denken, das und das würdekönntesollte ich mal, hilft mir herzlich wenig. Ich muss und will sehen, was ich tue.

Zwei sehr schöne Methoden, die ich Ihnen vorstellen möchte, habe ich aus Büchern. Mir haben Sie sehr genützt:


1) Pain-to-power-Chart

In dem wunderbaren Buch "Feel the fear – and do it anyway" (deutsch: Selbstvertrauen gewinnen. Die Angst vor der Angst verliren -> Buchtipps) von Susan Jeffers ist diese Methode schwerpunktmäßig mit dem Thema Angst verbunden. Ich habe es für meine persönlichen Ziele verwendet.

Es handelt sich um die "Pain-to-Power-Chart". Grundprinzip ist, dass wir ein bestimmtes Ziel gesetzt haben, das wir gern erreichen möchten. Aber es irgendwie nicht auf die Reihe bekommen. Das Nichterreichen oder Nichtverfolgen des Zieles quält und belastet jedoch vielleicht (deshalb "pain"). Das aktive Angehen des Zieles oder gar das Erreichen beflügelt uns und gibt uns Zufriedenheit und Kraft – und das erreichte Ziel obendrauf (deshalb "power").

Das Ganze sieht dann so aus:

PAIN ----->----->------>------>------>------>----> POWER

Schreiben Sie Ihr Ziel über die Chart. Was für ein Ziel das ist, ist zweitrangig – es kann ein großes Ziel wie "selbstständig machen" genauso wie ein kleines "morgens regelmäßig frühstücken" sein. Hängen Sie die Chart am besten an eine Pinwand und stecken Sie eine Pin an die Stelle der Chart, wo Sie sich momentan (ehrlich) sehen: Wenn Sie also, wie ich, schon seit 100 Jahren versuchen, sich zum Frühstücken hinzutrainieren, dann stecken Sie ziemlich weit links.

Immer, wenn Sie denken, dass Sie wirkliche Fortschritte gemacht haben, dann rücken Sie den Pin weiter nach rechts. Aber auch hier: realistisch einschätzen. Sie dürfen große Sprünge auf der Chart nur dann machen, wenn Sie sie auch im wirklichen Leben gemacht haben ;o)

 

2) Punkte geben

Weiß leider nicht mehr, wo ich es gelesen habe ... aber ich bin Punktegeber aus Leidenschaft geworden. Auch hier ist der Effekt des Sichtbarmachens am Werk. Kaufen Sie sich bunte Klebepunkte im Schreibwarenhandel.

Ich verrate Ihnen mal noch ein Ziel von mir: Ich wollte regelmäßig in Sport gehen, idealerweise hatte ich mir dreimal pro Woche vorgestellt. Nachdem ich ewig nichts gemacht habe, bin ich auf die Punkte gekommen. Ich habe mir also immer, wenn ich in Sport war, hinterher einen Punkt in meinen Kalender (den ich täglich benutze) geklebt. Ganz stolz war ich! – Wenn ich aber Wochen drin hatte, wo ich nur einmal oder gar überhaupt nicht war, konnte ich SEHEN, dass ich meine eigenen Ziele nicht verfolgte. Und das stachelte meinen Ehrgeiz an.

Mittlerweile bin ich seit drei Jahren sehr zufrieden mit dem regelmäßigen In-Sport-gehen und trete jetzt schon im Ehrgeiz gegen mich selbst an: indem ich die Letzte-Jahres-Punkte parallel zu den Diese-Jahres-Punkte klebe. Das hilft mir wiederum doppelt: Wenn ich aktuell keine Lust habe in Sport zu gehen, aber sehe, dass ich im letzten Jahr sehr fleißig war, lasse ich mich nicht so hängen. Wenn ich aber sehe, dass ich letztes Jahr nur einmal war, freue ich mich doppelt, dass ich heuer schon dreimal war.

Wichtig ist immer:
Finden Sie eine Methode für sich, die Sie unterstützt – nicht eine, die Sie unter Druck setzt. Das Verfolgen und Erreichen von Zielen sollte immer Spaß machen!

 

Auf Eis legen

Wenn Sie momentan keine Zeit, kein Geld, keinen Nerv für bestimmte Ziele haben, legen Sie sie freundlich und bewusst auf Eis. Dann quält sie nichts im Hinterkopf.

Eine frühere Kollegen hat ein kleines Büchlein mit ihren Zielen geführt. Eine wunderbare Sache, die ich gleich begeistert für mich übernommen habe:

Besorgen Sie sich ein schönes, leeres Buch im Schreibwarenhandel und notieren Sie dort Ihre Pläne, Ziele. Wenn Sie etwas erreicht haben, versehen Sie es mit einem Vermerk und dem Datum. Wenn Sie etwas noch nicht weiterverfolgt haben, ist es auch nicht schlimm: Es hat ja seinen Platz im Zielebuch.
So geht Ihnen nichts verloren.

Und es entsteht mit der Zeit ein schönes Album darüber, was Sie noch machen möchten – und was Sie schon alles erreicht haben.

Viel Erfolg!

   
   
   
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