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Wenn andere Sie in eine Schublade gesteckt haben
  von Christine Öttl
 

Wohl die meisten kennen das aus eigener Erfahrung: Man fühlt sich von jemandem nicht richtig oder gar unfair behandelt und hat den Eindruck, falsch beurteilt und in eine bestimmte Ecke gedrängt zu werden.

Ganz automatisch kommen einem dann Gedanken wie "Ich weiß gar nicht, warum XY so mit mir umspringt, so über mich redet, mir diese Hindernisse in den Weg legt … Als ob ich … wäre: Aber das bin ich doch überhaupt nicht! Aber XY sieht das einfach nicht. Er/sie hat mich vom ersten Tag an in eine Schublade gesteckt und ich habe einfach keine Chance, da jemals wieder rauszukommen!"

Ja, solche Erlebnisse sind schwierig und schmerzhaft. Und meiner Meinung nach ist es angemessen und hilfreich, als Allererstes diese negativen Gefühle und Gedanken in sich selbst zuzulassen und bewusst zu erleben ("Ja, ich bin total frustriert und sauer auf XY, weil sie/er schon wieder …" - "Es schmerzt mich wirklich sehr, dass …" - "Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum …, und am liebsten möchte ich nie wieder mit ihr/ihm zu tun haben!").

Ich mache immer wieder, mit mir selbst und mit anderen, die Erfahrung, dass man so eine bessere Startposition schafft, um aktiv, verantwortungsvoll und kreativ an das Problem herangehen zu können, als wenn man seine Gefühle unterdrückt, sie sich nicht zugesteht oder/und sich zu schnell in die Suche nach Lösungsmöglichkeiten stürzt.


Erstmal Klarheit gewinnen!

Wichtig ist natürlich, dass man nicht in dieser Phase steckenbleibt, sondern, sobald man sich wieder etwas besser und stärker fühlt, sich selbst an der Hand nimmt und möglichst viel Klarheit über das gewinnt, was da passiert.

Hier ein paar Anregungen, wie Sie vorgehen können:

- Machen Sie sich klar, in welcher Schublade Sie zu stecken glauben (z. B. "XY behandelt mich, als ob ich etwas schwer von Begriff wäre" - "Mein Chef traut mir viel zu wenig zu bzw. viel zu viel." - "Meine Kollegen halten mich alle für langweilig und uninteressant.")

- Beschreiben Sie anhand von konkreten Beispielen, wie Sie darauf kommen: Was genau sagt oder tut bzw. unterlässt die andere Person? Woraus schließen Sie, dass er/sie Sie in diese Schublade gesteckt hat?

- Beschäftigen Sie sich ein bisschen intensiver mit der anderen Person. Überlegen Sie, ob diese sich nur Ihnen gegenüber so verhält oder ob das mit anderen auch passiert. Wenn Letzteres der Fall ist, stecken Sie vielleicht gar nicht in einer Schublade, sondern geht es "nur" um eine Eigenheit des Betroffenen.

- Überlegen Sie, wie sich die Beziehung zwischen Ihnen und der anderen Person grundsätzlich gestaltet. Ist eventuell mal etwas Unangenehmes vorgefallen und steht seitdem zwischen Ihnen? Falls ja, hat es vielleicht gar nichts mit Schubladendenken zu tun, sondern mit der ungelösten Sache.

- Gehen Sie von der Schublade aus, in die Sie sich gesteckt fühlen, und machen Sie sich klar, wie Sie "eigentlich" sind und deshalb auch von der anderen Person gerne gesehen werden möchten.

- Nehmen Sie sich selbst unter die Lupe und versuchen Sie so gut es geht, sich von außen zu betrachten. Überlegen Sie und beobachten Sie sich selbst ganz bewusst im Alltag, um herauszufinden, ob und wie sehr Sie sich so verhalten, wie Sie gerne wahrgenommen werden möchten.


Je klarer Sie sehen, umso besser ist Ihre Ausgangsbasis, um zu den Schritten und Lösungsmöglichkeiten zu kommen, die Ihrer ganz speziellen Situation und Persönlichkeit wirklich angemessen sind.

Je nachdem, was Sie herausfinden, werden Sie entweder die Sache auf sich beruhen lassen und üben, lockerer damit umzugehen, Ihr eigenes Auftreten und Ihre Kommunikation verbessern oder Kontakt mit dem anderen aufnehmen, um ein Gespräch zu suchen und die Sache zu bereden und zu klären.

   
   
  Mehr zum Thema: Raus aus der Schublade!
   
   
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