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Ballast abwerfen - mal so richtig ausmisten
 

von Gitte Härter

 

Der Jahreswechsel ist für viele Leute ein Anstoß, um auszumisten und Ordnung zu schaffen. Doch auch ohne den Kalender hat wohl jeder mehr oder weniger den Wunsch (oder das schlechte Gewissen), mal so richtig zu entrümpeln. Endlich mal alte Papiere aussortieren und wieder Platz schaffen. Den bedenklich hohen Ablagestapel tatsächlich mal abzuheften oder wegzuwerfen. Und was ist überhaupt in dem Schrank da drüben?

Ich habe schon seit dem Sommer immer mal wieder hie und da etwas weggeworfen - Ende des Jahres packte mich jedoch so richtig die Lust, das mal wirklich richtig zu tun. Nachdem mir dann unabhängig voneinander zweimal in einer Woche noch das Buch "Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags" empfohlen wurde, musste ich es mir natürlich ansehen. Und was soll ich Ihnen sagen? Ich habe sage und schreibe vier Tage lang exzessiv "ausgemistet".

 

Was ist Krempel eigentlich?

Ausmisten ist eigentlich ein unschönes Wort. Denn es hat so den Touch von "Müllhalde". Dabei ist der wahre Krempel ja gar nicht unbedingt etwas, das man schon lange mal entsorgen sollte (wie etwa Altpapier oder der Sperrmüll im Keller): Es geht um den nicht unbedingt sichtbaren Krempel. Geschenke, die nett gemeint waren, die man aber nie benutzt, sondern nur rumstehen hat. Gegenstände, die einem früher gut gefallen haben, man jetzt aber gar nicht mehr so toll findet. Kleidung, die man wirklich nienienie anzieht. Alles, was sich in Schränken, Schubladen, Ordnern verbirgt - aber tatsächlich aussortiert werden könnte.

Meine Wohnung hat etwa 60 qm und kaum Schränke. Man könnte meinen, dass sich schon alleine dadurch wenig ansammelt. Weit gefehlt! Ich habe locker ein Dutzend Müllsäcke entsorgt. Die Hälfte davon waren Papiere, die sauber in Ordnern und Stehsammlern ihr Dasein fristeten.
Natürlich habe ich exzessiv Dinge "losgelassen". Also ohne Rücksicht auf Verluste Tschüss gesagt und mich von allen möglichen Sachen getrennt.
Nicht alles landete natürlich im Müll. Einiges ist einfach zu schade - und wenn andere sich drüber freuen können: Wunderbar.
Doch zum "Wohin mit dem Zeug" kommen wir gleich weiter unten noch.

 

Platz, Energie und Erinnerungen

In dem schon zitierten Feng-Shui-Gerümpel-Buch argumentiert die Autorin neben praktischen Gesichtspunkten (Räume, die aufgeräumt sind, putzen sich schneller etc.) schwerpunktmäßig mit dem Energiefluss.
Auch wer sich mit Feng Shui nicht näher befasst oder eher skeptisch ist, kann es sehr gut nachfühlen: Volle Schränke und Regale, herumstehende Kisten und Gegenstände können ganz schöner Ballast sein. Ganz zu schweigen davon, dass man in Platznöte kommt, wenn man alles hortet.

An einen weiteren Aspekt denkt man nicht unbedingt sofort: An die Erinnerungen, die man mit bestimmten Dingen verbindet. Sie haben vielleicht ein Bild an der Wand, das Sie mit Ihrem Ex-Partner gekauft haben. Leider sind Sie mittlerweile total sauer auf den/die - die einst schöne Erinnerung ruft mittlerweile negative Gedanken wach.
Genauso wie man sich bei schönen Geschenken gern an die schenkende Person erinnert, die man mag - so hat es umgekehrt natürlich auch gedankliche und emotionale Auswirkungen: Wenn man sich mit etwas umgibt, das einem gar nicht so schöne Gefühle beschert.

Ein guter Rat ist es, sich alles, was man in der Wohnung hat, mal ganz bewusst anzusehen und sich zu fragen: Ist mir das wichtig? Habe ich es gern um mich? - Oder ist es etwas, das nur so rumsteht? Das ich vielleicht nie wirklich gemocht habe?

 

Wo anfangen?

Wer die Krise hat und gar nicht weiß, wo anfangen, für den ist entsprechende Literatur sicher hilfreich. Neben dem empfohlenen Feng-Shui-Ausmist-Buch gibt es zahlreiche andere Bücher zu diesem Thema. Stöbern Sie einfach mal in der Buchhandlung.

Wer praktischer Natur ist, kann einfach mit den Kleinigkeiten anfangen: Alles, von dem ohnehin klar ist, dass es weg kann, gleich in den Müll oder weitergeben (siehe nächster Punkt).

Als ich mit dem Ausmisten begonnen habe, wurde es ein richtiges Fieber: Morgens aufstehen - während der Kaffee kocht, direkt den Hängeschrank durchforsten, was weg kann. Im Bad gleich mal eine Schublade aufziehen und wieder ein paar Dinge in den Müll.

Wenn Sie die viele Arbeit scheuen (und das ist es natürlich schon!), sollten Sie sich vorher Gedanken darüber machen, mit welcher Taktik Sie es sinnvoller durchziehen:

- Entweder immer mal ein bisschen, dafür länger brauchen, aber auch wirklich dranbleiben!

- Oder eine Hau-Ruck-Aktion: Lieber geballt und alles auf einmal.

Übrigens: Man kann auch wunderbar neben dem Musikhören oder Fernsehen sein Altpapier zerreißen oder Schubladen aussortieren.

Wichtig: Kaufen Sie sich zum Auftakt gleich zwei Rollen Müllsäcke!

 

Wohin mit dem Zeug?

* In die Mülltonne

Aus Erfahrung kann ich Ihnen sagen: Die Mülltonne ist Ihr Freund! - Bei einer ernsthaften Ausmistaktion ist es nicht gut zu hadern. Bei allem "Eigentlich ist es zu schade, um es wegzuwerfen" zu sagen, führt nur dazu, dass Sie das Zeug an anderer Stelle wieder verstauen.
Ihr Urteil über die Sache sollte eindeutig sein: Will ICH das weiterhin haben. Ja oder nein?
Wenn Nein ist die Frage, ob Sie es sofort wegwerfen oder ob Sie es weitergeben werden (aber dann auch zügig, sonst landet es doch wieder im Schrank).
Ansonsten: Hau wech.


* verschenken

Haben Sie Dinge, von denen Sie glauben, dass sich einer Ihrer Bekannten/Freunde/Kollegen dafür interessieren könnte? Dann fragen Sie sofort: Schicken Sie gleich eine E-Mail oder rufen Sie an. Wenn Interesse da ist, gleich einen Termin vereinbaren oder ausmachen, dass Sie es vorbeibringen oder mit der Post schicken. Wenn die Person es dann doch nicht möchte, kann sie damit machen, was sie möchte. Hauptsache, Sie haben es weiter!

Denken Sie auch daran, dass auch Fremde Ihr Geschenk gerne annehmen. Vielleicht haben Sie schöne Stofftiere, die Sie einer Kindergruppe oder einer Arztpraxis anbieten möchten. Sie haben Spiele oder Kinderbücher, die Sie einem Krankenhaus geben möchten? Fragen Sie telefonisch dort nach!

Oder Sie haben gut erhaltene Möbel, die Sie einer städtischen Einrichtung spenden möchten. Diese holen teilweise sogar ab. Vor Jahren habe ich beispielsweise eine Sitzgruppe verschenkt und einfach ein paar Jugendzentren durchtelefoniert: noch in derselben Woche kamen zwei Leute mit Lkw vorbei und haben sie dankbar mitgenommen.

Es gibt Kleidersammlungen oder sonstige Sachspenden (z. B. alte Brillen beim Optiker abgeben).

Bücher können Sie in der Regel bei Büchereien abgeben: Diese freuen sich meistens sehr über Bücherspenden (vorher anfragen).

Inserieren Sie im Wochenblatt, dass Sie Flohmarktkisten verschenken oder Möbel etc. gegen Abholung vergeben. Oft gibt es kostenlose Anzeigenblätter (z. B. Kurz & fündig, Sperrmüll) etc.

 

* verkaufen

Wenn Sie nicht wirklich eifriger Flohmarktgeher sind, vergessen Sie bitte die Möglichkeit, Dinge "für den Flohmarkt" aufzuheben. Das führt nur dazu, dass Sie x Flohmarktkisten im Keller oder Speicher stehen haben, die dann dort ihr Dasein fristen.
Wer ausmisten will, sollte es bis zum Schluss durchziehen und nicht einfach den Lagerplatz verlegen.

Ein paar Anregungen fürs Verkaufen:

- In den Second Hand-Shop geben. Die gibt es mittlerweile nicht mehr nur für Klamotten.

- Das Internet nutzen: Über amazon.de lassen sich gebrauchte Bücher, CDs, DVDs, Videos etc. als Privatperson verkaufen. Man verkauft sehr gut, da man neben der Neuware gelistet wird (auch nicht mehr erhältliche Bücher werden dort noch gelistet). Es kostet etwas Aufwand für die Eingabe und bei erfolgreichem Verkauf eine Provision für amazon.de - Außerdem müssen Sie die Ware zur Post bringen.

- Wer kennt ebay.de nicht: per Online-Auktion können Sie so gut wie alles loswerden. Nicht immer zu hohen Preisen. Aber das sollte zweitrangig sein - in erster Linie wollen Sie das Zeug ja weiterbringen. Und wenn Sie hinterher für den Erlös auch noch Pizza essen gehen können, ist das ein schönes Extra. Ebay kostet eine kleine Einstellgebühr und Provision. Und wieder etwas Aufwand durch den Versand.


* Sperrmüll rufen

Prüfen Sie, ob in Ihrer Stadt oder Gemeinde der Sperrmüll auch abholt. In München beispielsweise kann man den Sperrmüll bequem per Online-Formular auf muenchen.de bestellen: Man gibt ein, was man alles abgeholt haben möchte. Abgerechnet wird pro angefangene Viertelstunde. Einige Wochen später bekommt man telefonisch einen Termin.
Dann fährt das Sperrmüllauto vor und ein paar Leute räumen ratzfatz den Sperrmüll aus Keller, Speicher oder Wohnung.

Wer also nicht selbst zum Sperrmüll fahren kann oder möchte, kann das sperrige Zeug einfach abholen lassen. Sofort drum kümmern, nicht auf irgendwann später verschieben!

 

Stoppt den Krempel!

Sie haben's geschafft? Toll! Freuen Sie sich drüber. Schieben Sie vor allen Dingen dem Krempel einen Riegel vor. Also nicht gleich wieder mit dem Stapeln und Horten anfangen.

Tipp: Freunden und Bekannten sagen, was Sie künftig nicht mehr haben möchten. Das klingt hart. Doch wenn Ihre Umwelt denkt, Sie finden Nippes so schön, weil Ihre Wohnung bisher voll davon war, dann können Sie sich auf entsprechende Mitbringsel ja schon einstellen.

Meine persönliche Erkenntnis, was mein Büro angeht: Tod dem Stehsammler!

 

 

Buchtipp:
Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags
(Buch bei amazon.de anschauen)


   
   
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