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Angst vor der Wahrheit?
  von Gitte Härter
 
 

Ist Ihnen das auch schon mal so gegangen, dass Sie ein komisches Gefühl hatten oder gerne wissen wollten, woran Sie sind ... sich aber letztlich nicht zu fragen gewagt haben? - Was, wenn ich etwas erfahre, das ich nicht hören will? Wenn sich meine Befürchtungen bestätigen?

Zum Beispiel

- wenn Sie eine neue Stelle angefangen haben und wissen möchten, ob Sie die Probezeit überstehen werden,

- wenn Sie irgendwie spüren, dass sich Ihr/e Partner/in entfremdet,

- wenn Sie denken, der Kollege hat etwas gegen Sie.


Beruflich und privat haben wir immer wieder mit Situationen zu tun, die wir einerseits klären möchten, bei denen uns andererseits aber irgendwie das Nichtwissen lieber ist als klare Worte.

 

   
 

Sie können nur gewinnen!

So nachvollziehbar die Furcht ist, etwas bestätigt zu bekommen, das einem gar nicht angenehm ist, so können Sie nur gewinnen, wenn Sie Antworten einfordern. Denn das reine Spekulieren darüber, was der andere denken oder tun könnte, bringt Sie ohnehin schon aus der Spur.

Spekulationen werden zu schnell mit Fakten verwechselt, dabei ist es ja nur das, was im eigenen Kopf vorgeht.

- Der Nachbar, der nicht gegrüßt hat. Hat er wirklich was gegen Sie? Ist er sauer, weil Sie sich letztens über den Grill-Rauch beklagt haben?

- Der Kunde, der sich noch nicht auf Ihr Angebot hin gemeldet hat: Ist es ihm zu teuer? Werden Sie den Zuschlag darum nicht bekommen?

- Der Chef, der im Meeting so kurz angebunden auf Ihren Einwurf reagiert hat. Hat er sich darüber geärgert, dass Sie nicht seiner Meinung waren? Oder hält er Sie für unfähig?


Solche Gedankengänge machen einen nicht nur selbst ganz kirre, sondern sie sind schlichtweg unfair. Denn Sie unterstellen der anderen Person etwas. Und je nachdem, welche Gedanken Sie so haben, können diese die Beziehung beeinträchtigen und Ihre eigene Handlungsfähigkeit lähmen.

Nachfragen ist die einzig wahre Möglichkeit, Klarheit zu schaffen.

 

 

  Wie können Sie sich Mut machen, es anzusprechen?
   
 

Am besten ist es immer, sich erstmal mit sich selbst näher auseinanderzusetzen. So können Sie mit Ihrer Angst konstruktiv umgehen und sich Mut machen, das Gespräch zu suchen:

 

  Schreiben Sie Ihre Befürchtungen auf
  Was könnte passieren?
Wovor genau haben Sie Angst und warum?
   
Nutzen Sie die Technik des "Wilden Spekulierens"

Suchen Sie möglichst viele Antworten, die der andere Ihnen geben könnte, und überlegen Sie, welche Konsequenzen (positive und negative) sich daraus ergeben könnten.

Ziel ist, den Blick dafür zu schulen, wie viele Alternativen es zu Ihren Befürchtungen gibt.

   
  Setzen Sie sich mit den möglichen Konsequenzen auseinander
 

Nehmen Sie sich alle Ihre Überlegungen einzeln vor und durchdenken Sie, wie Sie jeweils damit umgehen können.

- Welche Lösungen gäbe es?

- Was könnten Sie im Vorfeld tun, um eine unschöne Konsequenz zu umgehen?

- Was können Sie tun, wenn der Ernstfall eintritt - für sich selbst und auch im Umgang mit Ihrem Gesprächspartner?

   
  Führen Sie sich die Vorteile vor Augen!
 

Meist verbeißt man sich in die Furcht vor der direkten Aussprache. Dabei belastet die Sache ja und innerlich wissen Sie, dass Sie sie lieber klären möchten.

Führen Sie sich also den Nutzen vor Augen, den Sie haben, wenn Sie genauer nachfragen.

Auch wenn Sie inhaltlich nicht das hören sollten, was Sie gerne hören möchten, so stehen Sie auf jeden Fall gut da, haben ein persönliches Erfolgserlebnis, weil Sie sich getraut haben, und stärken auch die Beziehung zum Gegenüber.

   
  Bringen Sie Ihre Unsicherheit zum Ausdruck
 

Wenn Ihnen das Fragen sehr unangenehm ist, können Sie auch das thematisieren.

Leiten Sie die Frage einfach entsprechend ein:

- "Ehrlich gesagt, traue ich mich gar nicht so recht, nachzufragen ..."

- "Es ist mir jetzt wirklich unangenehm ..."

- "Ich befürchte, dass ..."

Allein das Aussprechen entschärft die Situation schon mal. Und Ihr Gegenüber wird Ihnen in vielen Fällen den Rest Nervosität nehmen.

   
   
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