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E-Mails:
Fluch und Genialität vereint! Gab es ein Leben vor
der E-Mail? Ich kann mich dunkel daran erinnern. Wir hatten
Umläufe. Umläufe, die immer nur bis zu einem gekommen
sind, der keine Zeit hatte, den Umlauf zu lesen, aber den
guten Vorsatz, es doch noch zu tun. Und so lag der Umlauf
dann auf dessen Schreibtisch, ward vergessen oder wild gesucht.
Aktuell war er immer nur für die ersten auf der Liste.
Bitten und Drohungen halfen nicht, den Umlauf zu dem zu
machen, wofür er gedacht war: nämlich Informationen
schnell weiterzugeben.
Dann
war da das Gerücht der E-Mails. Sofort hatten wir zwei
Lager: die interessierten Befürworter und die absoluten
Skeptiker. Die E-Mail, war das Argument der Gegner, wird
dazu führen, dass niemand mehr miteinander redet. Keiner
kommt mehr persönlich ins Büro des anderen, niemand
ruft mehr an. Jeder wird nur noch schriftlich mit den anderen
kommunizieren. Und wir alle werden vereinsamen inmitten
von Kollegen und Kolleginnen.
Schließlich
war E-Mail da. Jeder hat sich gefreut wie ein Kind, wenn
das kleine Kuvert im Postkasten steckte und signalisierte:
Da ist ja Post. Und anfangs konnte man sich auch noch über
jede Post freuen. Denn die Messages waren in erster Linie
Test-Mails oder Wann-ist-endlich-Essenszeit-gehen-wir-zum-Italiener-Mails
oder es wurden Witze weiterverschickt.
Als
das Werkzeug E-Mail schließlich fest etabliert war
und sich jeder daran gewöhnt hatte, haben wir es endlich
richtig für den Beruf genutzt. Am Anfang zögernder,
denn wer weiß, ob das auch ankommt oder im Nirwana
verschwindet. Oder wir haben tatsächlich eine Mail
geschickt und zusätzlich eine Hardcopy auf den Schreibtisch
gelegt. Nur um auf Nummer sicher zu gehen.
Mail
ist eine gute Sache. Und aus dem Berufsleben überhaupt
nicht mehr wegzudenken. Aber ich weiß nicht, wie es
Ihnen geht: Leider wird dieses Kommunikationsmittel häufig
missbraucht. Da bekommt man täglich Dutzende von E-Mails.
Und wenn man vierzehn Tage in Urlaub war, braucht man den
Vormittag des ersten Arbeitstages alleine dafür, um
alles zu lesen.
Klar,
dass sich in Abwesenheit Einiges aufstaut (früher die
Umläufe ...), dennoch sollte dieses Medium sinnvoller
genutzt werden:
Der
Betreff
Leider
etwas, das viele nicht als das nutzen, was es ist: eine
Information, die dem Empfänger (und dem Absender!)
auf den ersten Blick mitteilt, worum es in der E-Mail geht.
So kann ich schon im Vorfeld, ohne alles zu lesen, feststellen,
wie wichtig diese Nachricht ist, und sie entsprechend ihrer
Priorität behandeln. Und, ebenso wichtig, ich finde
diese Nachricht auch später wieder, wenn ich sie suche.
Ich
habe unzählige Nachrichten bekommen, wo im Betreff
sinnvolle Angaben standen, wie:
>
Eine Mail von mir (ach was?)
>
Bitte lesen (echt wahr?)
>
Projekt (Himmelherrgott!)
Der
Betreff soll kurz und knackig den Gegenstand des mails verraten.
Statt Projekt sollte dann da stehen Kundennewsletter/erster
Entwurf" oder neue Preisliste Internet".
Der
Inhalt
Kommen
Sie auf den Punkt! Labern Sie nicht endlos herum. Der Empfänger
hat seine Zeit erstens nicht gestohlen und möchte zweitens
schnell und effektiv mit den Informationen oder mit Ihrer
Frage weiterarbeiten. Dazu muss er aber in der Lage sein,
Ihr Anliegen überhaupt zu erfassen.
Die
Prioriäten
Mailprogramme
bieten in der Regel auch die Möglichkeit der Priorisierung.
Da sieht man dann neben der Nachricht zum Beispiel ein rotes
Ausrufezeichen, das Dringlichkeit signalisiert oder einen
Pfeil nach unten, der low priority bedeutet.
Diese
Priorisierung ist ein wunderbares Mittel für Absender
und Empfänger. Der Absender stellt sicher, dass die
Dringlichkeit seiner E-Mail deutlich ist, und gibt dem Empfänger
gleich von vornherein die richtigen Signale. Manchmal wird
im Berufsleben eine Frage gestellt, aber keine Deadline
gegeben, bis wann die Antwort da sein soll. Plötzlich
steht der Kollege in der Tür und beschwert sich, dass
er schon lange auf die Antwort wartet. Haben Sie Respekt
davor, dass Ihr Kollege auch tief in seiner Arbeit steckt.
Sie müssen ihm schon signalisieren, zu wann Sie etwas
brauchen.
Dummerweise
werden auch die Prioriäten missbraucht oder nicht gebraucht.
Angefangen
bei denen, die überall ständig alles dringend
machen, bis hin zu denen, die einfach gern ihre Mails mit
einem roten Ausrufezeichen versehen, weil es ihnen gefällt.
Gibt
es bei Ihnen auch die sogenannten Kuchen-in-der-Küche-mails"?
Das sind diejenigen, die sehr kurzlebig sind und nur jedem
Mitarbeiter erzählen, dass es Kuchen oder Schokolade
oder Eis in der Küche gibt, meist weil jemand Geburtstag
hat. Oder
die Eintagsmails, die sich auf ein Meeting beziehen, das
nur für heute Gültigkeit hat?
Wir
haben in unserer alten Firma eine gute Regelung eingeführt:
Alle Eintagsmails werden immer mit einer low priority versehen.
Der Vorteil ist, dass jeder Urlauber, wenn er zurückkommt,
alle low priorities löschen kann, ohne sie zu lesen.
Sofern
häufig solche Eintagsfliegen verschickt werden, lohnt
sich dieser Vorschlag sicher auch für Sie!
cc-Empfänger
Der
Empfänger und der Kopie-Empfänger. Ebenfalls eine
gute Sache, gleich die relevanten Leute mit einzubeziehen.
Aber auch hier ist vielen die Regel nicht klar:
Der
Empfänger ist der, der im Zweifelsfall (je nach Inhalt
der Mail) etwas zu tun hat.
Der
Kopie-Empfänger wird nur informiert.
Wenn
dies nicht eingehalten wird, führt das manchmal zu
Verwirrung oder macht Rücksprache erforderlich, ob
der Kopie-Empfänger etwas tun soll oder nicht. Oder,
noch schlimmer, es führt dazu, dass die gestellten
Fragen einfach vom Kopie-Empfänger bearbeitet werden
und am Schluss zwei Leute die gleiche Arbeit gemacht haben.
Klären
Sie die Vorgehensweise in Ihrem Unternehmen ab. Machen Sie
einige Regeln klar, Sie vermeiden damit Zeitverschwendung!
E-Mails
weiterleiten
Es macht
Sinn und ist easy, eine E-Mail mit bestimmten Fragen an
eine andere, z. B. kompetentere Person weiterzuleiten. Aber
achten Sie bitte auf den Inhalt.
Es gibt
Mails, die was Wortwahl und Stil betrifft, nur für
Ihre Augen gedacht sind. Seien Sie sensibel in dieser Hinsicht,
formulieren Sie um und geben den Inhalt sinngemäß
weiter. Wenn nur ein Aspekt der E-Mail relevant für
eine dritte Person ist, schneiden Sie den betreffenden Absatz
aus und leiten nur diesen weiter.
Sofern
eine Frage oder ein Anliegen an Sie gerichtet wurde, aber
der Wortlaut ganz offensichtlich nur für Sie bestimmt
war, sollten Sie das mail niemals 1:1 weiterleiten.
Ein
Beispiel:
Eine
Abteilungsleiterkollegin kann Ihnen eine wichtige Information
nicht geben, weil sie seit zwei Wochen auf einen Report
wartet, den ihr nur die Computerabteilung erstellen kann.
Diese Kollegin schickt Ihnen auf Ihre Erinnerung hin folgende
E-Mail:
Die
Computerleute haben ganz offensichtlich andere Prioritäten.
Ich weiß nicht, was die den ganzen Tag tun. Ich hätte
Dir gerne die Informationen gegeben aber die bewegen
ihren Hintern nicht."
Diese
E-Mail ist definitiv nicht so für die Augen der Computer-Abteilung
bestimmt.
Natürlich
sollten Sie auch das offensichtlich bestehende Problem mit
den Computerleuten beseitigen. Aber es ist sicher nicht
vorteilhaft, die Mail ungefiltert und wörtlich weiterzuleiten.
(In
diese Kategorie zählt beim Telefonieren übrigens
auch das auf-Lautsprecher-stellen": Sagen Sie
immer, wenn Sie auf Lautsprecher stellen, bzw. fragen Sie,
ob das okay ist. Jemanden in dem Glauben zu lassen, dass
Sie 1:1 telefonieren und dann die Welt mithören zu
lassen, ist keine Art!)
Das
Layout
Es gibt
Leute, die ihre Mails völlig leserunfreundlich gestalten.
Da wird dann ohne Punkte und Komma, ohne Absätze hintereinander
weggeschrieben. Bitte! Sie haben keine Platznot.
Wenn
Sie wirklich einen Riesen-Sermon verschicken, machen Sie
Zwischen-Überschriften. Und machen Sie bitte vor allen
Dingen klar und deutlich, wenn es etwas zu tun gibt und
bis wann.
Nicht
selten gehen Fragen oder Deadlines in einem Wortwald unter.
Die
Anlagen
Auch
Anlagen gebührt der eine oder andere Gedanke:
- ausdruckbar
Bitte
formatieren Sie Ihr Dokument, das Sie anhängen, so,
dass der Empfänger es sofort ausdrucken kann, ohne
neu zu formatieren. Ich habe so häufig Word- und Excel-Dokumente
bekommen, an denen 10 leere Seiten dranhingen bzw. wo auf
dem Ausdruck dann nur die Hälfte zu sehen war, weil
die Seite nicht richtig für den Druck formatiert war.
- Anlagengröße
Besonders
wenn Sie Anlagen außerhalb des Unternehmens verschicken:
Achten Sie bitte auf die Größe. Vielleicht kennen
Sie es aus eigener Erfahrung wie das ist, wenn der Download
eines Dokumentes fünf bis zehn Minuten in Anspruch
nimmt und der Inhalt sich am Ende ärgerlicherweise
als Unsinn herausstellt, den man überhaupt nicht wollte.
Verstopfen
Sie anderer Leute Briefkasten, auch wenn es der elektronische
ist, nicht mit Müll
- Viren
Prüfen Sie Dateien, die Sie bekommen und senden, immer
auf Viren!
Noch
immer hat sich nicht überall rumgesprochen, dass es
nicht sinnvoll ist, einen tollen Bildschirmschoner mit unbekannter
Herkunft in der ganzen Firma zu verbreiten. Abgesehen davon,
dass es die Gefahr von Viren gibt, ist es schlicht und ergreifend
ein Unding, wenn alle Mitarbeiter irgendwelche Software
am Firmencomputer installieren und eventuell andere Programme
und Funktionsweisen beeinträchtigen (unabsichtlich
oder nicht).
- Serienbriefe
Serienbriefe
sind ätzend, nicht nur in ihrem snail mail-Postkasten.
Brechen Sie diese unsäglichen Ketten bitte. Leute,
die viel mit E-Mail arbeiten, brauchen als allerletztes
noch Dutzende von Kettenbriefen, die weit weniger witzig
sind, als der Absender vermutet.
Wenn
Sie diese Kommunikationsmittel-Etikette beherzigen, tragen
Sie in maßgeblicher Weise dazu bei, die Arbeit in
Ihrem Unternehmen effizienter zu machen. Sie dienen anderen
als Vorbild und stechen in positiver Weise hervor. Achten
Sie auch auf solche vermeintlichen Kleinigkeiten, sich zu
profilieren. Zumal, wenn es welche sind, von denen jeder
profitiert! Dank Ihnen!
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