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Vom Umgang mit Kletten
  von Gitte Härter
 

- "Bin ich froh, dass Sie da sind. Ich kenne hier sonst keinen, am besten wir setzen uns gleich zusammen!"

- "Wenn du nicht wärst, dann wüsste ich nicht, was ich tun sollte! Ich genieße unsere wöchentlichen Telefongespräche so, da kann ich mich richtig aussprechen."

- "Hallo, Frau Nachbarin, genießen Sie auch die Sonne? Wissen Sie was: Ich habe gerade Kaffee aufgesetzt und leiste Ihnen Gesellschaft."


Natürlich ist an diesen Beispielen gar nichts auszusetzen, sofern Sie sich damit wohl fühlen. Doch wenn Sie es mit jemandem zu tun haben, der sich ungefragt an Sie klettet, den Sie nicht andauernd um sich herum haben möchten, dann wird das schnell zum Problem.

 

Tipps zu mehr Gelassenheit im Umgang mit Kletten:

Kletten wünschen sich Gesellschaft. In vielen Situationen auch aus der eigenen Unsicherheit heraus. Und das ist durchaus verständlich. Die meisten Menschen fremdeln beispielsweise in einer ungewohnten Umgebung: Da ist man einfach froh, ein bekanntes Gesicht zu sehen.

Manchmal kommt es auch vor, dass ein anderer die Beziehung falsch einschätzt: Für Sie ist die Nachbarin eben nur die Nachbarin, mit der Sie höflich ein paar Worte wechseln und hin und wieder einen Kaffee trinken. Die Nachbarin aber hat Sie zur Freundin erkoren!

Oder Sie haben ein ausgefülltes Leben und viele Menschen um sich herum, der andere hat einen sehr viel eingeschränkteren Freundeskreis und darum sind Sie eine wichtige Säule in seinem Leben. In vielen Fällen geht es um ehrliche Zuneigung, die man nicht immer im gleichen Maß und mit dem gleichen Bedürfnis an Miteinander empfindet.

Übrigens: Selbst jemand, der Sie nur als Statist braucht, beispielsweise um irgendjemanden zum Reden zu haben, hat das Bedürfnis nach Gesellschaft. Das verändert das Ergebnis nicht, aber es erleichtert den Umgang, weil man weitaus weniger angenervt ist, wenn das Motiv so ein menschliches Bedürfnis ist.

 

Strategien, wie Sie mit der Klette umgehen können:

Nur, weil Sie verstehen, was im anderen vorgeht, heißt das natürlich nicht, dass Sie sein Verhalten aushalten müssen. Im Gegenteil! Bitte hören Sie immer auf Ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse und machen Sie Kompromisse nur dann, wenn Sie sich damit auch wohlfühlen.

Bevor wir uns ansehen, wie Sie mit Kletten umgehen können, hier einige Tipps, was Sie auf keinen Fall tun sollten:

- sich totstellen: So zu tun, als seien Sie verreist, oder sich einfach nie mehr melden und hoffen, dass der andere merkt, dass er unerwünscht ist, ist keine Art: zum einen ist es sehr unhöflich und verletzend, zum anderen ist es für Sie selbst nervig. Denn wenn Ihre "Klette" nicht weiß, woran sie ist, wird sie verstärkt versuchen, Sie zu erreichen.

- Ausreden erfinden: Heute können Sie nicht, weil Sie Kopfweh haben. Dann ist die Tante gestorben. Am Freitag ist das Fußballspiel des Sohnes. - Machen Sie das nicht! Sie verstricken sich in Lügen, was ohnehin absurd ist, denn man sollte nicht lügen, um seine Bedürfnisse heimlich durchzusetzen. Zum anderen schränken Sie sich ein. Am Ende gehen Sie Freitag abends nicht Eis essen, weil Sie ja laut Alibi auf dem Fußballplatz sein sollten ...

 

Reden Sie immer Klartext. Freundlich. Aber unmissverständlich.


Ich habe die Beispiele so gewählt, dass Sie sie auf unterschiedliche Situationen anpassen können: Manchmal möchte man sich komplett ausklinken, manchmal aber einfach nur etwas den Kontakt reduzieren - oder von Mal zu Mal entscheiden.


- "Bin ich froh, dass Sie da sind. Ich kenne hier sonst keinen, am besten wir setzen uns gleich zusammen!"

- "Schön, dass Sie auch hier sind, Herr Huber. Für mich sind diese Netzwerkveranstaltungen sehr wichtig, weil ich viele kenne und zusätzlich neue Kontakte mache. Darum werde ich mich heute nicht zu Ihnen setzen. Sehr gerne stelle ich Ihnen aber jemanden vor, um das Eis für Sie zu brechen."


Sagen Sie immer die Wahrheit! Sie würden also nicht sagen "Schön, Sie zu sehen", wenn Sie es gar nicht schön finden, sondern es durch eine neutrale Formulierung ersetzen ("Sie auch hier?!") oder weglassen ("Guten Tag, Herr ...").

Achten Sie im Beispiel auch auf das Angebot, dem anderen Starthilfe zu geben. Damit ist ganz klar: Ich stelle Ihnen eine Person vor, dann sind Sie wieder alleine. Nicht, dass er denkt, Sie sind den ganzen Abend der Kontakte-Assistent.

Wenn Sie sich mit so einer direkten Absage, auch wenn sie noch so freundlich ist, unwohl fühlen, dann sagen Sie das dazu: "Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht krumm, wenn ich mich nicht zu Ihnen setze. Mir ist wichtig, diese Veranstaltungen sehr gut zu nutzen und viele mir jetzt noch fremde Leute anzusprechen."

 

Kommen wir nun zu einem engeren, nicht immer erwünschten Kontakt:


- "Wenn du nicht wärst, dann wüsste ich nicht, was ich tun sollte! Ich genieße unsere wöchentlichen Telefongespräche so, da kann ich mich richtig aussprechen."


Wenn es jemand ist, an dem Ihnen auch liegt:

- "Das freut mich. Mir liegt auch viel an Dir. Ehrlich gestanden ist es mir jedoch etwas viel, jede Woche so lange zu telefonieren."


Wenn es jemand ist, der nur nervt:

- "Ich bin erleichtert, dass Sie die wöchentlichen Telefonate ansprechen. Auch wenn es mich freut, dass Ihnen unsere Gespräche so gut tun, so ist es mir ehrlich gesagt so etwas zu eng. Wir arbeiten zusammen im Verein und ich freue mich, dass es so gut klappt. Ich bin froh, dass es Ihnen jetzt wieder besser geht, und ich möchte gerne wieder zu unserem kollegialen Kontakt innerhalb des Vereins zurückkehren."


Ich weiß, das klingt hart, insbesondere dann, wenn Ihnen der andere sagt, wie viel Sie ihm bedeuten.

Doch bitte halten Sie es aus, wenn der andere nun verletzt reagiert. Sie können so eine Beziehung, bei der Sie jemand gegen Ihren Willen als Freund oder Seelenmülleimer auserkoren hat, nicht durch die Blume lösen. Sie können klare und freundliche Worte finden. Auf diese Weise haben Sie von Ihrer Seite konstruktiv die Beziehung geklärt.

 

Sehen wir uns das Beispiel mit der Nachbarin an. Eine "Klette", die sich selbst einlädt - ob in dieser nachbarschaftlichen Konstellation oder ob es eine Arbeitskollegin ist, die sich selbst zum Mittagessengehen einlädt ... Wichtig ist immer, dass Sie bei der Wahrheit bleiben. Wenn die andere Person total nett ist, sagen Sie ihr das, wenn nicht, lassen Sie es natürlich wieder bleiben.


- "Hallo, Frau Nachbarin, genießen Sie auch die Sonne? Wissen Sie was: Ich habe gerade Kaffee aufgesetzt und leiste Ihnen Gesellschaft."


Wenn Sie in diesem Moment Lust auf einen Kaffee haben, willigen Sie ein und bringen beim gemütlichen Zusammensitzen die Zukunft zur Sprache:

- "Christiane, ich freue mich sehr, so eine nette Nachbarin zu haben. Wir verstehen uns ja wirklich super, und es ist schön, hin und wieder miteinander einen Kaffeeplausch zu halten. Doch lassen Sie es uns doch bitte sporadisch ausmachen und es wäre mir auch wohl, wenn wir uns jetzt versprechen, dass wir uns auch ehrlich einen Korb geben, wenn es uns gerade nicht passt. So dass keine von uns beiden ein schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn ihr mal nicht danach ist."


Wenn Sie heute nicht möchten, sagen Sie es:

"Das ist sehr nett von Ihnen. Heute möchte ich gerne hier in der Sonne liegen und in meinem Buch schmökern. Sehr gerne ein andere Mal wieder! Das machen wir dann spontan aus."


Wenn Sie nie mehr möchten, sagen Sie es auch:

"Das ist nett von Ihnen, und ich freue mich, dass wir so einen netten Kontakt zueinander haben. Das ist viel wert, nette Nachbarn zu haben. Ich bin allerdings ein wenig eigenbrötlerisch, darum seien Sie mir bitte nicht böse, wenn ich nicht regelmäßig mit Ihnen Kaffee trinke."

... selbstverständlich gelten diese exemplarischen Beispiele für jede andere Klettensituation ganz genauso.

   
 
   
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