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Konstruktiv fragen: auf die Motivation kommt es an!
  von Christine Öttl
 

Fragen zu stellen gilt als hilfreiches Werkzeug, um einen Dialog in Gang zu bringen und gute Gespräche zu führen - auch und ganz besonders dann, wenn es um weniger angenehme und kritische Themen geht. Oft wird empfohlen, mit Fragen zu beginnen, anstatt gleich die eigene Meinung mitzuteilen, Kritik zu üben oder einen Fehler anzusprechen. Und das ist natürlich absolut hilfreich und sinnvoll.

Allerdings: Frage ist nicht gleich Frage. Denn auch Fragen kann man als verbale Waffen einsetzen und damit genauso verletzen und die Kommunikation abwürgen wie mit Vorwürfen & Co. Ja, das kann sogar richtiggehend kontraproduktiv sein: Wenn das Fragen als oberflächliche und manipulative Technik ankommt - und man vielleicht in den Ruf kommt, zu feige zu sein, um Dinge offen und direkt anzusprechen.


Damit Ihnen das nicht passiert:

1. Bitte machen Sie sich klar: Ihre Motivation spielt eine immense Rolle dabei, wie Fragen beim Gesprächspartner ankommen und ob dessen Gesprächsbereitschaft steigt oder sinkt. Wenn Sie eigentlich nur Ihre Botschaft loswerden wollen (vermeintlich besser verpackt in einer Frage) und gar nicht an der Sichtweise Ihres Gegenübers interessiert sind, sind die Aussichten auf ein echtes Gespräch nicht so hoch. Wenn Sie dagegen wirklich erfahren möchten, was aus Sicht des anderen Sache ist, schaffen Sie bessere Voraussetzungen für ein offenes und konstruktives Gespräch - und dafür, auch selbst Gehör zu finden.


2. Stürzen Sie sich nicht einfach in ein Gespräch, sondern beschäftigen Sie sich im Vorfeld mit sich selbst. Überlegen Sie, in welchen Situationen oder bei welchen Menschen Sie Fragen einsetzen möchten. Warum wollen Sie das tun? Geht es Ihnen nur darum, oberflächlich konstruktiv zu sein - vielleicht weil Sie sich nicht trauen, eine Sache offen und direkt anzusprechen? Oder wollen Sie wirklich etwas von Ihrem Gesprächspartner erfahren?


3. Üben Sie eine konstruktive innere Einstellung: Machen Sie sich klar, wie hilfreich es für alle Beteiligten ist, wenn Sie wirklich etwas erfahren und den anderen zu Wort kommen lassen wollen. Auch Sie selbst profitieren davon, weil Sie viel eher etwas erfahren und wesentliche Grundlagen für ein konstruktives Gespräch legen.


4. Bitte machen Sie sich klar, dass auch Fragen sehr verletzend sein können und nicht an und für sich konstruktiv sind. Es ist wirklich sehr hilfreich, darüber nachzudenken. Am besten lassen Sie eigene Erlebnisse Revue passieren und beschäftigen sich damit, wie Fragen anderer auf Sie gewirkt haben, was Sie über den "Absender" gedacht haben und wie gut die Gespräche verlaufen sind. Das ist sehr lehrreich!

 

Sie werden es erleben: Wenn Sie eine konstruktive innere Einstellung haben, wird es Ihnen ziemlich leicht fallen, im Gespräch selbst den richtigen Ton und die passenden Worte zu finden - und eine positive Stimmung zu schaffen.

Mein Tipp: Wenn Sie wirklich etwas kritisieren wollen, dann legen Sie lieber die Karten auf den Tisch. Denn die meisten Leute merken sehr wohl, ob ihr Gesprächspartner das Fragen-Stellen als reine Technik benutzt oder wirklich einen Dialog im Sinne hat. Meiner Erfahrung nach ist es besser, gleich Klartext zu reden und offen zu sagen: "Ich bin sauer, weil ich mir das ganz anders vorgestellt hatte!..." - anstatt zu fragen "Was haben Sie sich dabei gedacht?/Warum hast du das so gemacht?!"

   
   
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