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Fragen
zu stellen gilt als hilfreiches Werkzeug, um einen Dialog
in Gang zu bringen und gute Gespräche zu führen
- auch und ganz besonders dann, wenn es um weniger angenehme
und kritische Themen geht. Oft wird empfohlen, mit Fragen
zu beginnen, anstatt gleich die eigene Meinung mitzuteilen,
Kritik zu üben oder einen Fehler anzusprechen. Und
das ist natürlich absolut hilfreich und sinnvoll.
Allerdings:
Frage ist nicht gleich Frage. Denn auch Fragen kann man
als verbale Waffen einsetzen und damit genauso verletzen
und die Kommunikation abwürgen wie mit Vorwürfen
& Co. Ja, das kann sogar richtiggehend kontraproduktiv
sein: Wenn das Fragen als oberflächliche und manipulative
Technik ankommt - und man vielleicht in den Ruf kommt, zu
feige zu sein, um Dinge offen und direkt anzusprechen.
Damit Ihnen das nicht passiert:
1. Bitte
machen Sie sich klar: Ihre Motivation spielt eine immense
Rolle dabei, wie Fragen beim Gesprächspartner ankommen
und ob dessen Gesprächsbereitschaft steigt oder sinkt.
Wenn Sie eigentlich nur Ihre Botschaft loswerden wollen
(vermeintlich besser verpackt in einer Frage) und gar nicht
an der Sichtweise Ihres Gegenübers interessiert sind,
sind die Aussichten auf ein echtes Gespräch nicht so
hoch. Wenn Sie dagegen wirklich erfahren möchten,
was aus Sicht des anderen Sache ist, schaffen Sie bessere
Voraussetzungen für ein offenes und konstruktives Gespräch
- und dafür, auch selbst Gehör zu finden.
2. Stürzen Sie sich nicht einfach in ein Gespräch,
sondern beschäftigen Sie sich im Vorfeld mit sich
selbst. Überlegen Sie, in welchen Situationen oder
bei welchen Menschen Sie Fragen einsetzen möchten.
Warum wollen Sie das tun? Geht es Ihnen nur darum, oberflächlich
konstruktiv zu sein - vielleicht weil Sie sich nicht trauen,
eine Sache offen und direkt anzusprechen? Oder wollen Sie
wirklich etwas von Ihrem Gesprächspartner erfahren?
3. Üben Sie eine konstruktive innere Einstellung:
Machen Sie sich klar, wie hilfreich es für alle
Beteiligten ist, wenn Sie wirklich etwas erfahren und den
anderen zu Wort kommen lassen wollen. Auch Sie selbst profitieren
davon, weil Sie viel eher etwas erfahren und wesentliche
Grundlagen für ein konstruktives Gespräch legen.
4. Bitte machen Sie sich klar, dass auch Fragen sehr
verletzend sein können und nicht an und für
sich konstruktiv sind. Es ist wirklich sehr hilfreich, darüber
nachzudenken. Am besten lassen Sie eigene Erlebnisse Revue
passieren und beschäftigen sich damit, wie Fragen anderer
auf Sie gewirkt haben, was Sie über den "Absender"
gedacht haben und wie gut die Gespräche verlaufen sind.
Das ist sehr lehrreich!
Sie
werden es erleben: Wenn Sie eine konstruktive innere Einstellung
haben, wird es Ihnen ziemlich leicht fallen, im Gespräch
selbst den richtigen Ton und die passenden Worte zu finden
- und eine positive Stimmung zu schaffen.
Mein
Tipp: Wenn Sie wirklich etwas kritisieren wollen, dann legen
Sie lieber die Karten auf den Tisch. Denn die meisten Leute
merken sehr wohl, ob ihr Gesprächspartner das Fragen-Stellen
als reine Technik benutzt oder wirklich einen Dialog im
Sinne hat. Meiner Erfahrung nach ist es besser, gleich Klartext
zu reden und offen zu sagen: "Ich bin sauer, weil ich
mir das ganz anders vorgestellt hatte!..." - anstatt
zu fragen "Was haben Sie sich dabei gedacht?/Warum
hast du das so gemacht?!"
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