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Wenn Telefongespräche zu lange werden
  von Gitte Härter
 

In Telefontrainings kommt immer wieder ein wichtiges Thema zur Sprache: Wie kann man Telefongespräche abkürzen, ohne in irgendeiner Form unhöflich zu wirken? Dabei wird häufig völlig außer acht gelassen, dass die Dauer eines Telefongesprächs von sehr vielen Aspekten beeinflusst wird und nicht nur davon, dass der Gesprächspartner "zu lange" redet.


Übung: Prüfen Sie sich selbst!

Kaum zu glauben: Viele Leute, die darunter leiden, dass ihre Gesprächspartner kein Ende finden, sind selbst wesentlich daran beteiligt, zum Beispiel weil sie

- zum "Labern" einladen

- reaktiv sind (dem Gesprächspartner die Führung überlassen)

- undeutlich oder unstrukturiert reden, was häufiges Nachfragen erforderlich macht

- sehr ausschweifend sind und nicht auf den Punkt kommen

- nicht gut vorbereitet sind bzw. dem Gesprächspartner keine Vorab-Info zukommen lassen

- sich vom Kurs abbringen lassen (Themen nicht zu Ende führen)

- mit der falschen Person sprechen

 

Stichwort "Smalltalk"

Wir sind keine Maschinen - und zu einem freundlichen Miteinander gehört durchaus auch Smalltalk. Wichtig ist jedoch, hier ein gesundes Maß zu finden.

Es ist keinem damit gedient, stundenlang Privates oder gar Belangloses zu besprechen.

Ein Beispiel: In der Vertriebsabteilung eines Unternehmens war ein Kundenberater, der für viele Gespräche 20 bis 30 Minuten brauchte, nur ein Bruchteil bezog sich auf das Geschäftliche. Rechnen Sie sich aus, wie viel an Ressourcen buchstäblich verloren geht und wie uneffektiv so ein Verhalten ist (abgesehen davon, dass es Ärger im Kollegenkreis gab, die in dieser Zeit des Geplänkels die Vertretung übernehmen mussten - und dass andere Kunden nicht zu ihrem Ansprechpartner durchkamen und sich ärgerten bzw. ständige Rückrufe anfielen).

Fühlen Sie sich nicht verpflichtet, mit jedem umfassend Smalltalk zu machen. Natürlich ist es nett, ein paar persönliche Worte zu wechseln - und es gibt immer Geschäftspartner, mit denen man etwas ausführlicher darüber spricht, wie der Urlaub war, wie das Wetter ist etc. Das ist auch sehr wichtig. Zusammenarbeit soll nicht nur professionell gut laufen, sondern auch menschlich angenehm sein.

 

Seien Sie ein aktiver Gesprächspartner!

Wer sich aktiv im Gespräch verhält, beispielsweise durch gezieltes Fragen, erhält nicht nur schnell relevante Informationen, sondern übernimmt auch die Gesprächsführung.

Bei Fragen zu Ihrem Geschäft sind Sie der Fachmann. Sie kennen sich bei den internen Abläufen, Ihrer Dienstleistung, dem Produkt, Ihren Konditionen etc. selbstverständlich besser aus als Ihre Kunden. Viele Telefongespräche dauern deshalb so lange, weil der Anrufer "nicht auf den Punkt kommt" - vielleicht haben Sie diesen Eindruck. Denn Sie brauchen vielleicht ganz andere Angaben, um die Frage beantworten zu können, bzw. verstehen vor lauter Erklärungen die Frage erst gar nicht.

Gerade wenn sich die Frage auf einen laufenden Geschäftsvorgang bezieht, ist es für eine Antwort oftmals wichtig, den entsprechenden Vorgang erst einmal im Computer aufzurufen oder rauszusuchen.
Sagen Sie das! - Erfragen Sie gleich zu Beginn den Namen des Anrufers oder die Rechnungsnummer und in etwa, um welches Anliegen es geht. Damit erspart sich jeder unnötige Erklärungen und Wartezeiten, weil sofort die relevanten Informationen zugezogen werden können.

Tipp: Achten Sie bei der Gestaltung Ihrer Korrespondenz darauf, dass die Angaben, die Sie für die Weiterbearbeitung brauchen, sofort ins Auge springen. Früher war es die Bezugszeichenzeile auf Briefen, heute ist es häufig ein Info-Kasten oder einfach die Rechnungsnummer.

Wenn Sie Rechnungsnummern vergeben, können Sie durch entsprechende Formatierung bestimmte Informationen einbauen, die eine Beantwortung vereinfachen. Ein Beispiel: In einem Unternehmen verändert sich die Rechnungsnummer, wenn es zu Mahnungen kommt. Aus einer Rechnung 234 wird bei der ersten Mahnung eine X1-234 - bei der zweiten Mahnung eine X2-234 usw. In dem Moment, wo der Kunde seine Rechnungsnummer nennt, ist dem Mitarbeiter gleich klar, dass es sich um eine Mahnung handelt und um die wievielte.


Je reaktiver Sie sich verhalten - etwa durch Einsilbigkeit oder Unaufmerksamkeit (nebenbei etwas anderes machen oder gar den Hörer weghalten, was zudem sehr respektlos ist!) - desto mehr verlängert sich das Gespräch. Sie tragen durch die passive Haltung erst dazu bei, dass der Gesprächspartner "unkontrolliert" weiterspricht.

Reaktiv ist in dem Fall auch ein passives, zurückgenommenes "Aha." oder "Tatsächlich?" Alles oft verzweifelte Versuche, einerseits höflich genug zu sein, andererseits aber den Gesprächspartner nicht zu ermutigen, indem man selbst mehr einbringt als einsilbige Statements. Tatsächlich ist auch das eine Einladung zum Weitersprechen, die das Gespräch nur weiter "befeuert".

 

Wenn es sinnvoll ist: verschieben

Manchmal merkt man während des Gespräches, dass einem oder beiden Gesprächspartnern wichtige Informationen fehlen. Entweder weil man Unterlagen, die vorausgeschickt wurden, noch nicht erhalten oder noch nicht gelesen hat - oder weil spontan ein Thema aufkommt, das man ohne Details nicht effektiv besprechen kann.

In solchen Fällen ist es besser festzulegen, wer welche Information einholt - und einen neuen Termin zu vereinbaren. Anstatt sich im Kreis zu drehen, alles noch einmal zu erklären oder während des Gesprächs immer wieder auf Informationslücken zu stoßen, die durch das Lesen von Unterlagen zu vermeiden wären.

Generell sollten Sie ansprechen, wenn ein Gespräch blockiert. Ein ständiges Wiederholen gegensätzlicher Argumente bringt nicht nur wenig, sondern es frustriert nur und stört damit die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern.

 

Versichern Sie sich, dass Ihr Gesprächspartner folgen kann und möchte

Telefongespräche können auch deshalb unnötig lange werden, weil eine Seite einen Monolog hält und sich nicht rückversichert, dass das Gegenüber noch folgen kann. Oder möchte.

Ein häufiger Fehler liegt darin, dass zu viele Informationen auf einmal gebracht werden: Man selbst kennt sich im eigenen Fachbereich und mit den internen Abläufen ja aus, der Gesprächspartner tut das nicht oder nur begrenzt. Wer nun zu viele Nachrichten auf einmal bringt, überfordert den anderen. Es gehen Informationen verloren, die später nachgeliefert werden müssen - oder es kommt zu mehrmaligem Nachhaken.

Das "nicht folgen möchte" bezieht sich darauf, dass Inhalte angeschnitten werden, für die der Gesprächspartner nicht offen ist. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Anrufer ein ganz anderes Anliegen hat - oder aber durch etwas abgelenkt wird.

Sie sollten generell darauf achten, dass sich zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner ein Dialog abspielt. Sprechen Sie langsam und deutlich, machen Sie Pausen - und versichern Sie sich durch Nach- oder Rückfragen, dass Ihr Gesprächspartner Ihnen folgt.

 

Höfliche Formulierungen, wenn Sie jemandem ins Wort fallen

Eine große Angst ist es oft, unhöflich rüberzukommen, wenn man jemandem ins Wort fällt. Doch das haben Sie in der Hand: Es ist ein großer Unterschied, ob Sie jemanden rüde unterbrechen oder höflich einhaken, um das Gespräch voranzubringen.

Denn unhöflich ist eine Unterbrechung nur dann, wenn Sie sie auch unhöflich vorbringen. Wenn Sie das freundlich tun, nimmt es Ihnen niemand krumm. Erst recht nicht, da Sie für die Unterbrechung ja einen guten Grund haben.

Und diesen sollten Sie natürlich gleich dazusagen: "Entschuldigen Sie, dass ich Sie unterbreche - seien Sie bitte so nett und sagen Sie mir gleich die Rechnungsnummer, dann kann ich mir die Daten parallel im Computer aufrufen und Ihnen ganz konkret Auskunft geben." - "Verzeihung, dass ich Ihnen ins Wort falle - bei dieser Frage ist meine Kollegin, Frau x, die bessere Ansprechpartnerin."

Wichtig ist auch, dass Sie immer auf den Gesprächspartner eingehen. Eine Unterbrechung, um einfach ein ganz neues Thema ins Spiel zu bringen, wäre tatsächlich unhöflich!

 

   
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