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Schönes Wetter heute!
- 7 Tipps für Smalltalk -
  von Gitte Härter
 
 
  
 

Keine Ahnung, wie's Ihnen geht: Ich kenne fast nur Menschen, die beim Thema "Smalltalk" zusammenzucken. Ob's das Gespräch in der U-Bahn, der kleine Plausch mit Nachbarn im Hausflur, im Büro oder bei Veranstaltungen ist: Lockerflockig ins Gespräch zu kommen, ist offenbar nicht jedermanns Sache. Erst recht nicht, wenn es sich um völlig fremde Personen handelt, die man nicht einmal einschätzen kann.

Wenn Sie auch jemand sind, der nicht einfach so ohne groß nachzudenken mit der Welt ins Plaudern kommt, dann nützen Ihnen vielleicht folgende Tipps. Ich reiße jeweils kurz ein paar Beispiele an, damit Sie sich mehr darunter vorstellen können.

Tipp 1: selbst etwas von sich preisgeben
Tipp 2: allgemeine Themen als Sprungbrett nutzen
Tipp 3: möglichst offene Fragen stellen oder nachhaken
Tipp 4: Themen entfalten lassen
Tipp 5: gut zuhören
Tipp 6: verständlich sprechen und erklären
Tipp 7: Das Wichtigste: aufrichtig interessiert sein!

 

 

Tipp 1: selbst etwas von sich preisgeben

Der Schlüssel zu einem angenehmen und flüssigen Smalltalk-Gespräch ist, dass man selbst aktiv etwas von sich preisgibt. Das bedeutet: nicht nur auf die aktuelle Frage eingehen, sondern auch etwas ausschweifender antworten oder ein Detail am Rande einfließen lassen. Damit erreichen Sie, dass Sie "Haken" bieten, an denen ein Gesprächspartner aktiv anknüpfen kann.

 

 

Beispiel A:
Frage: "Schönes Wetter heute ..."
Antwort: "Ja."

Beispiel B:
Frage: "Schönes Wetter heute ..."
Antwort: "Ja! Endlich Frühling, ich warte schon dauernd drauf. Endlich wieder Radfahren ..."

Beispiel C:
Frage: "Schönes Wetter heute ..."
Antwort: "Ja, endlich! Ich wohne direkt unter'm Dach - ich kann Ihnen sagen, da staut sich die Hitze vielleicht ..."

    

Im Beispiel A ist es etwas schwierig, weiterzumachen. Vielleicht erkennen Sie die Situation von beiden Seiten wieder. Wenn Ihr Gesprächspartner einsilbig antwortet, lassen Sie sich nicht irritieren. Die Smalltalk-Scheu ist sehr weit verbreitet und häufig tut sich einfach der Gesprächspartner auch schwer. Natürlich sollten Sie Ihre Antennen ausfahren und darauf achten, ob Einsilbigkeit einfach auch bedeutet, dass die Person gerade keine Zeit oder Lust auf ein Schwätzchen hat.

Im Beispiel B kann man schön einhaken. Entweder indem man auf den Frühling oder aufs Radfahren oder generell auf Sport/Bewegung, Natur eingeht - hier ist das Tor für weitere Themen schon recht weit auf.

Auch im Beispiel C kann man einhaken: entweder auf Wohnsituation, Häuser, Hitze-Empfindlichkeit oder Urlaubsthemen - auch hier sind gute Voraussetzungen geschaffen, um weiterzuplaudern.

 

Tipp 2: allgemeine Themen als Sprungbrett nutzen

Ganz klar: Klassiker wie das Wetter oder die Verkehrslage sind oft ein guter Einstieg - doch diese sollten lediglich als "Starterkabel" dienen. Viele Leute machen bei "Wetter"-Themen folgende Fehler:

-> Sie finden es zu banal, sich über derlei Themen zu unterhalten
oder:
-> Sie verbeißen sich darin und hören nicht mehr auf, darüber zu reden

Beides ist natürlich extrem hinderlich, wenn es darum geht, ins Gespräch zu kommen.

Anhängern der Smalltalk-Gegner-Fraktion, denen "das alles" zu oberflächlich ist, ist zu empfehlen, mal realistisch zu bleiben: Hier geht es darum, ein lockeres Gespräch zu führen - entweder ohnehin nur ganz kurz, weil man beispielsweise einen Besucher in der Firma in einen Besprechungsraum führt und dort noch einige Minuten überbrückt, bis der Kollege frei ist. Oder darum, sich an die Person und das Gespräch heranzutasten, etwa auf einer Veranstaltung.

Mit "Verbeißen" ist gemeint, dass manche Leute nicht mehr aufhören, vom Wetter-Thema zu reden. Das wird dann nicht nur extrem langweilig, sondern vor allen Dingen furchtbar anstrengend, denn wie lange will man über das Wetter sprechen?!

Was also tun? -> Das oberflächliche Thema als das benutzen, was es ist: als unkomplizierten Einstieg. Entweder, um eine gute Atmosphäre zu schaffen, während man Zeit überbrückt. Oder aber um ein Gespräch zu beginnen, das in Themen mündet, die die Gesprächspartner wirklich interessieren.

 

  Beispiel A:
Person 1: "Sind Sie gut durchgekommen? Leider haben wir in der Rush Hour oft Stau am Autobahnende ..."
Person 2: "Ja, es ging ganz gut. Ich bin schon auch etwas im Stau gestanden, aber es war erträglich."
Person 1: "Die meisten Besucher beklagen sich, dass sie lange stehen."
Person 2: "Wie gesagt, ging es ganz gut. Ich bin auch früh genug losgefahren, denn Verzögerungen können vorkommen."
Person 1: "Ich weiß auch nicht, warum die Münchener Stadt da nicht bessere Verkehrsplanung macht. Es ist doch klar, dass gerade in der Rush Hour ein extremer Andrang herrscht, gerade bei der A 9!"
 

 
Das ist ein klassisches Beispiel von "verbeißen" - relativ schnell wird es für beide Seiten sehr anstrengend werden. In diesem Beispiel wird die Person 2 sicherlich in Kürze zudem ziemlich angenervt sein, denn sie hat gleich am Anfang bestätigt, dass der Verkehr kein Problem darstellte.

 

  Beispiel B:
Person 1: "Sind Sie gut durchgekommen? Leider haben wir in der Rush Hour oft Stau am Autobahnende ..."
Person 2: "Ja, es ging ganz gut. Ich bin schon auch etwas im Stau gestanden, aber es war erträglich."
Person 1: "Das freut mich. Ich selbst fahre ja nicht Auto, sondern bin nur öffentlich unterwegs."
Person 2: "Tatsächlich? Das ginge bei mir gar nicht, weil ich beruflich ständig auf Achse bin."
Person 1: "Oh. Was machen Sie denn genau?"
 

 
Und schon sind wir beim Beruf und Tätigkeiten und weg vom Verkehrsthema. Außerdem weiß Person 2, wenn sie gut zugehört hat (siehe Tipp 6), dass Person 1 selbst gar nicht Auto fährt, und kann darauf, wenn sie möchte, später noch einmal zurückkommen.

Klar, wenn das Treffen zu einem bestimmten Zweck stattfindet, wird man relativ schnell auch zum Kern des Gespräches übergehen und den Smalltalk wirklich nur als Einleitung wählen.

 

 

Tipp 3: möglichst offene Fragen stellen oder nachhaken

Das kennen Sie natürlich: Besser ist es, eine offene Frage zu stellen, auf die Ihr Gegenüber nicht nur mit "Ja" oder "Nein" antworten kann. Das hat nicht nur den positiven Nebeneffekt, dass ein flüssigeres Gespräch in Gang kommt, Sie mehr von Ihrem Gesprächspartner erfahren und dort wieder einhaken können, sondern Sie wirken auch selbst angenehmer: Denn es demonstriert Interesse und Offenheit, wenn Sie offene Fragen stellen.

Sollten Sie doch schon eine "geschlossene Frage" gestellt haben, dann können Sie auf eine einsilbige Antwort immer noch nachhaken: "Inwiefern?" oder "Wie genau meinen Sie das?" ...

 

 

Beispiel A:
Person 1: "Fahren Sie im Urlaub weg?"
Person 2: "Ja, meistens."

Beispiel B:
Person 1: "Wohin fahren Sie im Urlaub immer so?"
Person 2: "Oh, wir machen gern in Deutschland Urlaub - zuletzt waren wir im Schwarzwald ..."

Beispiel C:
Person 1: "Fahren Sie im Urlaub weg?"
Person 2: "Ja, meistens."
Person 1: "Wo waren Sie denn schon?"

 

 
Übrigens tragen natürlich immer beide Personen zu einem guten Gespräch bei. Das heißt, egal auf welcher "Seite" Sie gerade stehen, ob Sie die fragende Person sind oder die antwortende, so können Sie das Gespräch gut in Fluß bringen und halten.

 

 

Tipp 4: Themen entfalten lassen

Häufig sind Gespräch deswegen unangenehm, weil jeder für sich spricht und dann der Eindruck entsteht, dass man nebeneinander spricht. Das kennen Sie:
Person 1: "Ich war in Urlaub in Marokko."
Person 2: "Ich war in Italien."
Person 1: "Wir haben uns ein Auto gemietet und haben das Land erkundet."
Person 2: "Wir sind geflogen."
...

Klar ist es sehr wichtig aufeinander einzugehen. Das andere Extrem ist jedoch, dass man vor lauter Anspruch, TOTAL auf die andere Person einzugehen, jedes Gespräch im Keim erstickt, beispielsweise, indem man jede Antwort sofort mit einer Gegenfrage quittiert.

So gut Fragen sind, so wichtig ist es auch, Themen entfalten zu lassen. Wenn beispielsweise die Frage kommt, was Sie beruflich machen, dann ist es gut, erstmal nur diese Frage zu beantworten, um dem Gesprächspartner die Möglichkeit zu geben, dort einzuhaken oder etwas mehr über Ihren Beruf zu sprechen.
Setzen Sie nicht gleich ein "Und was machen Sie?" drauf. Das kann immer noch etwas später kommen.

Das gilt natürlich für alle Themen, nicht nur für den Beruf: Nicht eine Antwort mit einer weiteren Frage zudecken, sonst ist es schwierig, ein Gespräch zu führen. Und man springt total unruhig von einem Thema zum anderen.

 

  Beispiel A:
Person 1: "Unser letzter Urlaub war im August."
Person 2: "Ach ja? Wo waren Sie denn?"
Person 1: "In Marokko. Und Sie?"
Person 2: "Marokko. Das klingt ja interessant. Wir waren in Italien. Wie hat es Ihnen gefallen?"
Person 1: "Gut, danke. Und wo waren Sie in Italien?"
 

 
Wenn's so weitergeht, gibt es entweder schnell ein Kuddelmuddel, vor allen Dingen aber ein sehr gezwungenes Gespräch, weil jeder bemüht ist, auf den anderen einzugehen, ohne den Themen Luft zu lassen und sich auf ein Thema näher einzulassen.

 

  Beispiel B:
Person 1: "Unser letzter Urlaub war im August."
Person 2: "Ach ja? Wo waren Sie denn?"
Person 1: "In Marokko. Wir können ja leider nur in den Schulferien fahren - diesmal haben wir das voll ausgenützt und sind drei Wochen gefahren! Das war mal so richtig erholsam!"
Person 2: "Drei Wochen ist super, da kann man so richtig abschalten ... ich war noch nie in Marokko. Wie ist es dort?"
 

 
In dem Fall geht das Gespräch erstmal um Marokko (Person 2 hätte natürlich auch auf Urlaubszeiten und Schulferien einsteigen können, dann wäre es in diese Richtung gegangen). Natürlich sollte Person 2 nur in eine Richtung nachfragen, die sie interessiert. Wenn Marokko sie als Gesprächsthema also überhaupt nicht interessiert, sollte sie nicht so tun als ob. Da wir davon ausgehen, dass Person 2 das Thema spannend findet und gerne Näheres wissen will, können sich beide jetzt erstmal darüber unterhalten. Entweder das Gespräch nimmt einen lockeren Verlauf und es ergeben sich weitere Themen. Oder aber Person 1 kann, wenn das Thema soweit "fertig" ist, einfach die Gegenfrage stellen, wo Person 2 zuletzt war oder gerne mal hin möchte.

 

 

Tipp 5: gut zuhören

Gut zuhören ist auch wichtig. Denn dann können Sie jederzeit auf Nebeninformationen, die der Gesprächspartner vorher irgendwann gegeben hat, auch später wieder gut eingehen. ("Sie hatten vorher erzählt, Sie waren mal in Irland ...")

 

 

Beispiel:
Person 1: "Jetzt ist es glücklicherweise wieder warm. Im Januar hatten wir ja ein paar verdammt kalte Tage!"

Person 2: "Stimmt! Ich wohne noch dazu in einer schlecht isolierten Dachwohnung und habe gefroren wie ein Schneider. Allerdings kein Vergleich zu den USA: Bekannte in Connecticut haben von bis zu 30 Grad Minus berichtet. Da sind wir ja gut dran - und jetzt kommt er ja, der Frühling!"

Person 1: "Pünktlich zum Frühlingsanfang noch dazu!"
Person 2: "Genau! So soll's sein."
Person 1: "Sie hatten von Bekannten in Connecticut erzählt. Sind Sie öfter in Amerika?"

 

 
Sie sehen, dass manchmal ein aktuelles Thema nicht wichtig ist oder nicht wirklich etwas hergibt. In dem Fall ist es gut, Nebeninformationen (die man selbst auch immer kräftig einstreuen kann, siehe Tipp 1) auch aktiv zu nutzen. Hier ist die Person 1 auf das Stichwort Connecticut eingestiegen. Natürlich kann man auch jederzeit auf früher angesprochene Themen eingehen.

Wichtig ist, dass Sie das Gespräch möglichst schnell auf ein Thema bringen, das Sie wirklich interessiert, sonst bleibt das Gespräch schleppend und auch uninteressant für Sie (siehe Tipp 2).

 

 

Tipp 6: Verständlich sprechen und erklären

Das klingt jetzt banal. Und doch wird es häufig nicht beachtet: ob es um Fachjargon, um Fremdwörter geht oder auch um Themen, die das Gegenüber nicht oder nicht gut genug kennt.

Eine simple Übung ist es, sich mal vor Augen zu führen, wie man selbst seinen Beruf erklärt.

 

 

Beispiel A:
Frage: "Was machen Sie beruflich?"
Antwort: "Ich bin Entwicklungsingenieur in einer medizintechnischen Firma."

Beispiel B:
Frage: "Was machen Sie beruflich?"
Antwort: "Ich bin selbstständiger Coach."

Beispiel C:
Frage: "Was machen Sie beruflich?"
Antwort: "Ich arbeite als Beraterin. Wir sind auf Merger spezialisiert."

 

 
Anhand dieser Beispiele sehen Sie schon, dass es manchmal leichter ist und manchmal schwerer, zu folgen. Wenn man mit einem Bereich schon zu tun hatte, wird man eher verstehen, worum es geht. Doch auch, wenn einzelne Begriffe bekannt sind, so heißt das noch lange nicht, dass sich das Gegenüber tatsächlich mehr darunter vorstellen kann.

Interessant wird es oft, wenn der Gesprächspartner näher nachfragt. Viele Menschen können ihre eigene Tätigkeit nicht verständlich in einem oder wenigen Sätzen erklären. Dabei ist gerade die Frage nach dem Beruf eine der üblichsten, wenn es um Smalltalk geht. Also gehen Sie mal in sich und testen Sie Ihre Antwort bei Leuten aus, die Ihren Beruf nicht kennen. Tipp: anschließend fragen, was sich die andere Person darunter vorstellt.

 

 

Tipp 7: Das Wichtigste: aufrichtig interessiert sein!

Das Wichtigste am Smalltalk und an einem Gespräch ist das (ehrliche!) Interesse an der anderen Person. Das heißt nicht, dass Sie dicke Freunde werden müssen. Es bedeutet jedoch, dass Ihnen in diesem Augenblick das Gespräch/die Person wichtig genug ist, um sich voll darauf einzulassen.

Und gerade das ist auch das Spannende: Sie erfahren neue Meinungen und Sichtweisen, neue Themen (Informationen oder Hobbies), kommen vielleicht auf gemeinsame Interessen oder knüpfen ganz nebenbei gute berufliche Kontakte.

Relax!

Schönes Wetter heute, nicht wahr?

 

   
   
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