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Im Ton vergriffen?
Wie Sie besser damit klarkommen können
  von Christine Öttl
 
Wohl die meisten Menschen, sensible ganz besonders, fühlen sich überfordert und wissen sich nicht so recht zu helfen, wenn andere sich im Ton vergreifen oder harsch, unfreundlich und überzogen reagieren. Grobe, gemeine oder kritische Bemerkungen und/oder entsprechende körpersprachliche Botschaften können ganz schön an die Nieren gehen. Und je tiefer sie einen treffen, umso unwahrscheinlicher wird es, dass man auf gesunde und gute Art damit umgehen kann.

Der Rat, den Betroffene wohl meistens zu hören bekommen (und das wirklich in bester Absicht), lautet, er/sie solle sich nicht alles gefallen lassen und auf keinen Fall klein beigeben, sondern sich zur Wehr setzen und den anderen in seine Schranken weisen.

Mal ganz abgesehen davon, dass das meistens nicht wirklich die beste Wahl der Mittel ist, sind sensible und zurückhaltende Menschen dazu gar nicht in der Lage - oder fühlen sich meistens, wenn sie sich doch mal dazu durchringen, alles andere als wohl mit dieser "Lösung".


Meiner Meinung und Erfahrung nach ist es am hilfreichsten, sich erstmal intensiv mit sich selbst zu beschäftigen und stabile innere Grundlagen zu legen.

Das könnte so aussehen:


1. Üben Sie, das Verhalten des anderen nachzuvollziehen.

Die am weitesten verbreitete und übliche Art, über einen "Angreifer" zu denken, ist negativ ("Was ist das für ein fiese Type!" - "Solche Menschen sollte es nicht geben!" - "Unglaublich gemein ist dieser Mensch, hat wohl gar kein Gefühl und kennt keinerlei Rücksicht!"). Doch Gedanken dieser Art machen das Erlebnis umso brisanter und lassen einen erst recht unter Druck und Stress geraten.

Viel entlastender und hilfreicher ist es, den anderen als menschliches Wesen zu betrachten und sich klar zu machen, dass es viele Gründe für sein unangenehmes Verhalten gibt (z. B. Steht selbst unter Druck und ist gestresst. - Hat gerade etwas Schlimmes erlebt. - Hat einfach mal einen schlechten Tag.).

Überlegen Sie, was alles dahinterstecken könnte, und experimentieren Sie damit, wie sich dieses Verständnis auf Sie auswirkt.


2. Reden Sie sich selbst innerlich gut zu.

Überlegen Sie und schreiben Sie auf, welche Gedanken Ihnen in den Sinn kommen, wenn Sie sich in einer entsprechenden Situation befinden bzw. jetzt darüber nachdenken. Das könnten beispielsweise Sätze sein wie: "Oh, wie furchtbar, das darf doch nicht passieren!", "Nein, ich kann es nicht ertragen, wenn man so mit mir umgeht!", "Ich habe einfach ein zu dünnes Fell und jetzt macht mich wieder mal einer fertig. Wirklich schlimm …!"

Zwangsläufig erhöhen solche Einstellungen den eigenen Stresspegel und schwächen einen enorm. Deshalb: Schreiben Sie sich andere und hilfreichere Gedanken auf (z. B. "Oh, wie unangenehm! Das gefällt mir gar nicht, wie er/sie mit mir redet, aber das haut mich nicht um. Ich kann damit zurechtkommen!"), lesen Sie sie regelmäßig und mit der tiefen inneren Absicht, sie fest in Ihrem Kopf und Herzen zu verankern, um sich selbst zu stärken.


Auf dieser Basis wird es Ihnen viel leichter fallen, im "Ernstfall" Ruhe zu bewahren bzw. bald wieder zurückzugewinnen - und dann wirklich in Ihrem Sinne und Ihren Werten und Ansprüchen entsprechend zu reagieren.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie hier:
"Wenn ich nur schlagfertiger wäre!"

   
   
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