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Die eigene Arbeit einschätzen können
  von Gitte Härter
 

Ein häufiger Grund für Unzufriedenheit im Job ist mangelnde Anerkennung: Man weiß nicht, wo man steht. Feedback von Chef und Kollegen kommt spärlich oder gar nicht.
So schön Rückmeldung "von außen" ist, so schlecht ist es, sich ausschließlich darauf zu fixieren. Denn in erster Linie ist die eigene Einschätzung - und damit verbunden auch Anerkennung - wichtig.
Und: Macht Sie unabhängiger.

 

Wie sehe ich mich selbst?

Erstaunlich, aber wahr: Die meisten Menschen reflektieren gar nicht über sich und ihre Arbeitsleistung. Mit "reflektieren" ist nicht gemeint, mal eben von sich zu sagen: "Ich mache einen guten Job". Sondern es geht - wie bei jeder wirklichen Einschätzung - darum, konkret zu werden.

Überlegen Sie doch mal (schriftlich!) bei einer gemütlichen Tasse Kaffee:

- Bin ich allgemein zufrieden: mit meiner Leistung, dem Umgang mit Chef/Kollegen/Kunden?

- Gehen Sie dann ins Detail und splitten Sie die Bereiche Ihres Aufgabenfeldes näher auf: Projektplanung, Eigenorganisation, Umsatzverantwortung ... welche sinnvollen Bereiche sich ergeben, hängt von Ihrer individuellen Tätigkeit ab. Und auch diese lassen sich natürlich noch weiter herunter"brechen": Was gehört für mich zu Eigenorganisation (Schreibtischorga, Struktur und Aktualität der Ablage etc.)

- Sehen Sie sich dann diese einzelnen Bereiche konstruktiv-kritisch näher an: Was machen Sie gut (warum?), was könnten Sie verbessern (wie?) und wie werden Sie vorgehen?

 

Welche Ziele setze ich mir?

Wenn es um Ziele geht, denken die meisten Menschen an die großen Dinge (Karriereplanung etc.), doch wenn Sie Ihre eigene Leistung einschätzen können und Ihren Job wirklich gut machen möchten, geht es wiederum darum, konkret zu werden.

Ein Beispiel: Ich möchte, dass mein Chef zufrieden mit mir ist.

Wenn man es so vage ausdrückt, kann man selbst nicht wirklich einschätzen, wo man steht - und ist letztlich darauf angewiesen, dass der Chef etwas dazu sagt oder aber dass man versucht zu erkennen, wie zufrieden der Vorgesetzte ist. Und das ist nicht nur mühsam, sondern oft genug eine Quelle von Missverständnissen.

Besser ist es, einmal ganz pragmatisch vorzugehen und zu konkretisieren
- wie sich das idealerweise äußern soll
- was sein müsste, damit mein Chef zufrieden ist

Beispielsweise könnte das Ziel lauten, dass der Chef stolz auf einen ist und vielleicht bei anderen Leuten mit einem "angibt". Achtung: Dass man sich dieses Ziel setzt, bedeutet nicht, dass es mit der Realität gleichzusetzen ist - das können Sie nicht zu 100 % beeinflussen. Aber Sie können die Voraussetzungen dafür schaffen und die Wahrscheinlichkeit steigern.
Wenn man sich so ein Ziel - und die gewünschten Konsequenzen - vor Augen hält, wird man auch gleich viel einfallsreicher.

Denn nun können Sie brainstormen, was sein müsste, damit Sie nicht nur eine gute Arbeitsleistung zeigen, sondern sogar eine so hohe, die Stoff für "Angebereien" bietet.

 

Es geht darum, für sich selbst zu konkretisieren, was in einer bestimmten Tätigkeit an Leistung erfolgen muss, um wirklich gut zu sein. Und zu erkennen, wann die Erwartungen übertroffen werden.

Nehmen wir ganz banale Beispiele:

a) Vor einer Besprechung einen Termin zu bestätigen, ist "normal".
Dem Brief oder der E-Mail auch gleich eine Anfahrtsskizze mit beizulegen, damit der Gesprächspartner problemlos herfindet, ist ein Extra.

b) Post im Urlaub
Sie sichten für Ihren Chef die Post, während dieser in Urlaub ist. Sie haben abgesprochen, dass Sie Wichtiges erledigen und alles andere sammeln. Das ist die Vereinbarung.
Die Post in verschiedene Wichtigkeitsstapel zu sortieren, sie bereits soweit aufzubereiten, dass Ihr Chef sie schnell sichten und wegarbeiten kann und die paar Stapel entsprechend zu beschriften, ist ein Extra.


Diese Beispiele zeigen, wie das Prinzip funktioniert: Anstatt immer das Große zu sehen, ist es wichtig, sich in kleinen Schritten die eigenen Tätigkeiten vor Augen zu führen und abzuchecken, was man momentan tut und entsprechend einzuschätzen:
- Extra
- selbstverständlich/gute Arbeit
- nicht gut

Denn Letzteres kann natürlich auch sein: Nehmen wir die Ablage, die bei vielen ein ungeliebtes Thema ist. Wenn Teil Ihrer Arbeit ist, sich um die Ablage zu kümmern, Sie aber alles endlos in einer Ecke stapeln, dann ist das ein Teil Ihrer Tätigkeit, den Sie nicht erfüllen.


Wichtig: Tauschen Sie sich auch mit anderen aus, was sein sollte bzw. was die Erwartungen sind. Fragen Sie Chef und Kollegen, mit denen Sie enger zusammenarbeiten, was diese von Ihnen erwarten, und verständigen Sie sich gemeinsam darauf. Brainstormen Sie mit anderen, was sein muss und was "Extra" ist. Sicherlich kennen Sie auch viele Beispiele aus Ihrem Privatleben.

 

"Erfolgskontrolle"

Eine ganz simple Möglichkeit, wenn Sie sich selbst nicht recht einschätzen können, ist, Ihre Tätigkeit einmal näher "aufzudröseln" (Übung oben), sich dann die einzelnen Bereiche detailliert anzusehen und konkrete Pläne für die Umsetzung zu machen.

Beispiel:
Sie nehmen sich den Bereich "Korrespondenz" vor. Den teilen Sie auf und stellen fest, dass Ihre Schriftstücke fehlerlos sind und von der Gestaltung her übersichtlich und einwandfrei. Rechnungen und Mahnungen, die auch zu Ihrem Tätigkeitsbereich gehören, erledigen Sie schnell und zuverlässig. Angebote schieben Sie eher etwas auf, weil Sie die Kalkulation nicht so gut können. Alle Briefe, die völlig frei zu schreiben sind, bereiten Ihnen Schwierigkeiten, weil Sie das Gefühl haben, nicht so gut formulieren können.
Das hat zur Folge, dass Sie Zeit verlieren: Die Reaktionszeiten sind länger als nötig und Sie verlieren mächtig Zeit, indem Sie an einem Brief ewig rumdoktern.


An dieser groben Darstellung erkennen Sie bereits, wie wichtig es ist, konkret zu werden - denn plötzlich wird greifbar:

- Was mache ich sehr gut (was ich vielleicht bisher gar nicht wahrgenommen habe)?

- Wo sind Bereiche, die ich nicht so gut erledige oder die ich verbessern möchte, weil ich selbst davon profitiere (z. B. nicht unnötig mit einer Aufgabe ewig Zeit zu verlieren)?

- Was genau muss sein, damit ich das besser erledige?

- Welche Möglichkeiten habe ich, das zu erreichen
(z. B. Kalkulation mit einem Kollegen aus dem Vertrieb nochmal üben, ein Training oder Coaching zum Formulieren von Briefen machen ...)?

- Woran erkenne ich/mache ich es fest, wenn ich mich verbessere?


Das Verfolgen des Zieles bedeutet auch, dass Sie sich nicht nur ein "End-Ziel" setzen, das vielleicht gar nicht machbar ist oder am Ende frustriert. Also kleinere Zwischenziele setzen, sich über die Erfolge freuen und auf das nächste Zwischenziel hinarbeiten.


Sie sehen: Auch für sich alleine können Sie Ihre eigene Arbeitsleistung sehr differenziert prüfen und einschätzen. Und ganz gezielt an Ihrer Weiterentwicklung arbeiten. - Natürlich ist es auch dann schön und wichtig, Feedback von anderen zu erhalten. Aber Sie sind nicht komplett davon abhängig, sondern können die Sache selbst in die Hand nehmen.

   
   
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