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Einer
der meistgenannten Kritikpunkte, wenn es um Vorgesetzte
geht, lautet: Er oder sie nimmt alles, was funktioniert
und gut läuft, einfach für selbstverständlich
und geht stillschweigend darüber hinweg. Interessanterweise
machen viele Menschen genau diesen Fehler auch im Umgang
mit sich selbst und merken in ihrem (Arbeits)Leben oft gar
nicht mehr, was positiv ist, sondern nur all das, was nicht
in ihrem Sinne läuft. Das ist schade, denn so nimmt
man sich selbst viel Wind aus den Segeln.
Studien
haben es immer wieder gezeigt und wohl jeder kennt es aus
eigener Erfahrung: Der Mensch gewöhnt sich sehr schnell
an Bequemlichkeiten und an all das, was positiv ist - empfindet
es bald als selbstverständlich und registriert es gar
nicht mehr. Die Gesundheit ist ein gutes Beispiel dafür:
Solange es einem gut geht, nimmt man das kaum wahr. Erst
wenn man krank wird, weiß man Gesundheit zu schätzen.
Das ist schade: Denn bewusst wahrzunehmen und wertzuschätzen,
was man hat und was positiv ist, beeinflusst ganz wesentlich
die eigene Motivation, Zufriedenheit und Lebensqualität.
Wichtig:
Nehmen Sie Ihre Motivation selbst in die Hand!
Wer
seine Stimmung und seinen Motivationspegel davon abhängig
macht, wie viel positives Feedback und Anerkennung es von
anderen gibt (vom Chef, von Kollegen, von Kunden usw.),
macht sich sehr abhängig. Es gibt viele Möglichkeiten,
sich selbst zu stärken und mit Freude und Power am
Ball zu bleiben - auch in unangenehmen Zeiten. Eine davon
besteht darin, die eigene Wahrnehmung zu lenken und ganz
bewusst das Augenmerk auf das zu richten, was positiv ist
und gut läuft. Keine Frage: Das kann ganz schön
schwer fallen, vor allem, wenn man jahrelange Übung
darin hat, den Fokus auf das zu setzen, was nicht gut läuft
und unbedingt anders sein müsste. Aber es lohnt sich,
sich Schritt für Schritt umzupolen und diszipliniert
und bewusst zu steuern, worauf man seine Aufmerksamkeit
und seine psychische Energie richtet.
Hier ein paar Anregungen, wie Sie das tun können:
- eine
Liste der positiven Dinge erstellen
Überlegen
Sie mal grundsätzlich, was alles in Ihrem (Arbeits)Leben
gut läuft und wofür Sie "eigentlich"
dankbar sind. Das kann vieles sein - vom regelmäßigen
Einkommen und freien Getränken in der Arbeit über
angenehme Kunden und nette Kollegen bis hin zu einzelnen
Aufgaben, die Ihnen viel Spaß machen und in denen
Sie Ihre Fähigkeiten ausleben können.
Am hilfreichsten
und erhellendsten ist es, sich verschiedene Kategorien zurechtzulegen
(z. B. Rahmenbedingungen in der Arbeit, Aufgabenbereich,
Zusammenarbeit mit den Kollegen, persönliche Beziehungen
zu Kollegen usw.) und strukturiert ranzugehen. Schreiben
Sie Ihre Kategorien auf und notieren Sie darunter alles,
was Ihnen jeweils dazu einfällt. Beschäftigen
Sie sich regelmäßig und bewusst damit, ganz besonders,
wenn Sie einen Durchhänger haben. Und ergänzen
Sie immer wieder, wenn Ihnen etwas in den Sinn kommt, das
positiv für Sie ist.
- eine "Beobachtungswoche" einlegen
Setzen
Sie sich für eine Woche das Ziel, in Ihrem Alltag auf
alles Angenehme und Positive zu achten und es bewusst zu
registrieren.
Gehen
Sie eine Woche lang sehr aufmerksam durch's Leben und halten
Sie Augen und Ohren offen, um all das auch zu bemerken,
was gut für Sie läuft und Ihnen gefällt (z.
B. ein Kompliment von einem Kunden, ein Projekt abgeschlossen,
eine Reklamation gut über die Bühne gebracht,
etwas zum ersten Mal ohne große Mühe geschafft,
was Ihnen vorher immer schwer gefallen ist, und und und).
Am besten halten Sie Ihre Erlebnisse schriftlich fest -
entweder notieren Sie sie tagsüber nebenbei oder Sie
lassen am Abend denTag Revue passieren. Sie werden erstaunt
sein, wie viel jeden Tag zusammenkommt.
- auf Kleinigkeiten achten
Bitte
unterschätzen Sie nicht vermeintliche Kleinigkeiten!
Gerade solche Dinge sind es, die große Auswirkungen
haben. Genauso wie man sich von einem genervten Blick den
Tag vermiesen lassen kann, kann man sich von einem freundlichen
Gesicht aufbauen lassen!
Deshalb:
Achten Sie auf die kleinen und angenehmen Dinge, die Ihnen
über den Weg laufen und mit denen Sie zu tun haben
(z. B. die schöne Pflanze im Gang, der freundliche
Taxifahrer, der aufmunternde Blick des Chefs, bevor Sie
eine Präsentation halten usw.).
- sich auf das konzentrieren, was Ihnen gelingt
Richten
Sie Ihr Augenmerk auf die Dinge, die Ihnen gelingen, und
die Bereiche, die Ihnen liegen und in denen Sie gut sind.
Anstatt nur wahrzunehmen, dass Sie sich schwer tun mit ungeduldigen
Kunden, können Sie sich klar machen, dass Sie sehr
gut mit "normalen" Kunden umgehen können.
Achten
Sie auf Ihren inneren Dialog und wie Sie mit sich selbst
umgehen, vor allem in kritischen Situationen. Anstatt sich
durch ein "Und schon wieder habe ich einen Fehler gemacht,
ich Idiot! Mir gelingt auch gar nichts!" selbst zu
schelten, könnten Sie sich sagen: "Mist, jetzt
ist mir ein Fehler passiert - den muss ich korrigieren!
Aber das Meiste habe ich gut gemacht." Gewöhnen
Sie es sich Schritt für Schritt an, sich durch faire
und positive Kommentare selbst bei der Stange zu halten.
Und vermeiden Sie es immer öfter, sich selbst zu kritisieren
und schlecht zu machen. Denn nur auf Fehler und auf das
zu achten, was nicht so toll läuft, zieht runter und
bringt auf die Dauer enorm viel Frust und Unzufriedenheit.
Keine
rosarote Brille!
Bitte
verstehen Sie mich nicht falsch: Ich meine keineswegs, dass
Sie die rosarote Brille aufsetzen und so tun sollen, als
ob alles wunderbar und Sie selbst ohne Fehl und Tadel wären.
Es geht "nur" darum, fair und realistisch zu sein
- und die wenig hilfreiche Angewohnheit, alles Gute für
selbstverständlich zu nehmen und deshalb gar nicht
mehr wahrzunehmen, langsam aber sicher zu überwinden.
Zum
einen, um sich selbst zu helfen und sich mehr Freude, Zufriedenheit
und Energie zu verschaffen. Zum anderen auch deshalb, weil
das die allerbeste und stabilste Grundlage ist, um aktiv
anzupacken, was nicht in Ihrem Sinne und verbesserungswürdig
ist.
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