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Der
Antrieb für eine Veränderung kann sein, dass man
"weg von etwas" oder "hin zu etwas"
möchte. Oft ist natürlich auch beides ausschlaggebend.
Es lohnt
sich, immer selbstkritisch abzuklopfen, wie der genaue Antrieb
aussieht. Denn sonst kann es sein, dass Sie wichtige Aspekte
unbeachtet lassen.
Weg
von etwas
Wer
unbedingt weg von etwas möchte, läuft Gefahr,
nur noch dieses Ziel im Auge zu haben. So begegnen uns häufig
Menschen, die von einer ungeliebten Stelle Hals über
Kopf in eine neue flüchten - ohne genau zu überlegen,
ob diese neue Stelle überhaupt das ist, was sie möchten.
Leider kann das dazu führen, dass man vom Regen in
die Traufe kommt - und schon nach kurzer Zeit eine erneute
Veränderung ansteht. Oder natürlich die Option,
in einer ungeliebten neuen Situation zu verharren.
Natürlich gilt das nicht nur für berufliche Angelegenheiten,
sondern auch für private.
Wenn
Sie unzufrieden mit einer Sache in Ihrem Leben sind, dann
sind Sie immer gut beraten, sich erstmal hinzusetzen und
zu konkretisieren, was Ihnen nicht passt:
- Was
gefällt mir (genau!) nicht? Also nicht nur "ich
bin unterfordert", sondern genauer aufschlüsseln,
was Sie unter "unterfordert" verstehen, inwiefern
konkret Sie unterfordert sind. Das hat auch den Vorteil,
dass man sich selbst kritisch-konstruktiv betrachtet und
nicht nur "die Situation" oder andere Leute als
Auslöser sieht.
- Was
müsste sich wie verändern, damit das nicht mehr
der Fall ist?
- Was
kann ich dafür tun?
Bei allen Radikalplänen, z. B. einer Kündigung,
lohnt es sich, immer auch Alternativen ins Auge zu fassen.
Denn es kann sehr gut sein, dass Sie grundsätzlich
gern in Ihrer Firma und an Ihrem Arbeitsplatz sind und nur
ein Aspekt davon Sie stört. Es wäre doch schade,
alles andere einfach so unter den Tisch fallen zu lassen,
anstatt erstmal zu prüfen, ob es Veränderungsmöglichkeiten
für Ihre Schwierigkeite/Ihr Problem gibt.
Ein
Beispiel: In einer früheren Firma, wo ich eigentlich
gern tätig war, hatte ich keinen Spaß mehr an
meiner Arbeit. Ich dachte "das kann's doch nicht gewesen
sein". Da ich keine Perspektiven sah - weder Zusatzaufgaben
noch einen Wechsel in eine andere Abteilung - sah ich die
Kündigung als einzigen Ausweg. Ein Gespräch mit
meinem Chef ergab, dass man eine Position für mich
schaffte, die es bislang in der Firma gar nicht gab.
Sicherlich ist das nicht der Normalfall, doch es zeigt sehr
eindrucksvoll, dass man selbst nicht immer alle Informationen
hat bzw. anstatt zu spekulieren einfach mit offenen Karten
spielen sollte.
Ein
klassisches Beispiel bei negativer Motivation ist übrigens
auch die Selbstständigkeit. Zahlreiche Menschen, die
mit Chef oder Kollegen Schwierigkeiten haben, sehen die
Lösung darin, sich selbstständig zu machen. Abgesehen
von fachlichen und persönlichen Grundlagen für
die Selbstständigkeit, die nicht jede/r gleichermaßen
mitbringt, ist es gar nicht immer so, dass die Selbstständigkeit
tatsächlich ein Ziel ist - sondern nur eine Flucht
vor dem Angestelltendasein und der damit verbundenen Interaktion
mit Chef und Kollegen.
Abgesehen von der Tatsache, dass es auch in der Selbstständigkeit
natürlich Interaktion und Abhängigkeiten gibt,
ist Flucht und Vermeidung keine gute Voraussetzung für's
eigene Business.
Damit
sind wir schon bei den positiven Motiven:
Hin
zu etwas
Genauso
wie der Antrieb, etwas nicht mehr zu wollen, birgt auch
das reine "hin zu etwas" Schwierigkeiten, wenn
man es nicht genauer hinterfragt. Auch hier ein weit verbreitetes
Beispiel: Jemand wünscht sich einen Karriereschritt
- einen Titel, mehr Geld und die damit verbundene Anerkennung.
Zumindest ist das die Hoffnung. In dem Moment, wo das mein
einziges Ziel ist, kann es passieren, dass ich die erste
Gelegenheit wahrnehme, auch wenn es nicht das ist, was ich
möchte. Ich habe zahlreiche Techniker kennen gelernt,
die unbedingt eine Führungsaufgabe haben wollten -
und dann kreuzunglücklich waren und ihrer Führungsrolle
gar nicht gerecht wurden, weil sie eigentlich Praktiker
waren und nach wie vor selbst Hand anlegen wollten.
Dass
wir uns richtig verstehen: Etwas wirklich zu wollen ist
natürlich eine ganz starke Antriebskraft, die Ihnen
auch sehr dabei hilft, Ihre Ziele mit Energie zu verfolgen.
Wichtig dafür ist jedoch, wiederum genauer hinzusehen
und zu konkretisieren - sonst nimmt man nur das wahr, was
ins positive Blickfeld passt und sieht mögliche Nachteile
eventuell nicht bzw. blendet sie bewusst aus.
Nutzen
Sie also auch die Informationen, die Sie erhalten, wenn
Sie hinterfragen:
- Wohin
genau möchte ich? Was möchte ich erreichen?
- Warum
möchte ich das genau? Was erhoffe ich mir davon?
Bleiben wir kurz beim Beispiel Führungsposition: Manchmal
möchten Leute nur deshalb eine Führungsposition,
damit sie die Anerkennung, die sie sich von einem "Titel"
erhoffen, bekommen. Nun kann es gut sein, dass das "hin
zu etwas" in dem Fall nicht heißt "Ich will
ChefIn werden", sondern "Ich wünsche mir
mehr Anerkennung". Durch das Hinterfragen, was Anerkennung
individuell bedeutet und warum man sie sich wünscht,
kann herauskommen, dass man eigentlich ein schwaches Selbstvertrauen
hat. Das würde sich jedoch nicht durch eine Führungsposition
lösen. Selbst wenn ein "Titel" dazu führen
würde, einen gewissen Status im Unternehmen zu bekommen,
würde sich das eigene Selbstbild damit nicht automatisch
mit verändern.
Erfolgssucher
<-> Misserfolgsvermeider
In einem
Motivationsbuch las ich kürzlich, dass man in der Motivationsforschung
zwei verschiedene Typen unterscheidet: Erfolgssucher und
Misserfolgsvermeider.
Die
Begriffe sind selbsterklärend: Während der eine
Typ danach strebt, Erfolg zu haben, ist für den anderen
Typ wichtig, Misserfolge zu vermeiden.
Weiter
wird erklärt, dass bei einem Erfolg der Erfolgssucher
ein Erfolgserlebnis hat, das ihn motiviert - er kann den
Erfolg aktiv für sich verbuchen.
Der Misserfolgsvermeider hingegen zieht keine Motivation
aus seiner Handlung, sondern verspürt lediglich Erleichterung.
Eine
interessante Unterscheidung, nicht wahr? Allein anhand dieser
Begriffe kann man sich sehr gut Gedanken über sich
selbst machen:
- Wie
sehe ich mich generell? Strebe ich eher nach Erfolgen oder
versuche ich eigentlich eher, Misserfolge jeder Art zu vermeiden?
Habe ich vielleicht große Angst davor zu scheitern?
- Natürlich
lohnt sich dieser Gedanke auch von Fall zu Fall: So gibt
es sicher immer wieder mal eine Situation, wo man sich vielleicht
anders als sonst verhält. Wo jemand, der eigentlich
eher Erfolgssucher ist in diesem konkreten Fall zum Misserfolgsvermeider
wird und umgekehrt.
Die
eigenen Motive und "Antreiber" zu finden, bringt
Sie nicht nur aktiv weiter, sondern nützt Ihnen, Entscheidungen
genau auszuloten. So verhindern Sie, dass Sie sich Hals
über Kopf in etwas hineinstürzen (oder vor etwas
drücken), ohne wichtige weitere Aspekte zu beachten.
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