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Motivation: Weg von etwas/hin zu etwas
  von Gitte Härter
 
 
  

Der Antrieb für eine Veränderung kann sein, dass man "weg von etwas" oder "hin zu etwas" möchte. Oft ist natürlich auch beides ausschlaggebend.

Es lohnt sich, immer selbstkritisch abzuklopfen, wie der genaue Antrieb aussieht. Denn sonst kann es sein, dass Sie wichtige Aspekte unbeachtet lassen.

 

Weg von etwas

Wer unbedingt weg von etwas möchte, läuft Gefahr, nur noch dieses Ziel im Auge zu haben. So begegnen uns häufig Menschen, die von einer ungeliebten Stelle Hals über Kopf in eine neue flüchten - ohne genau zu überlegen, ob diese neue Stelle überhaupt das ist, was sie möchten. Leider kann das dazu führen, dass man vom Regen in die Traufe kommt - und schon nach kurzer Zeit eine erneute Veränderung ansteht. Oder natürlich die Option, in einer ungeliebten neuen Situation zu verharren.
Natürlich gilt das nicht nur für berufliche Angelegenheiten, sondern auch für private.

Wenn Sie unzufrieden mit einer Sache in Ihrem Leben sind, dann sind Sie immer gut beraten, sich erstmal hinzusetzen und zu konkretisieren, was Ihnen nicht passt:

- Was gefällt mir (genau!) nicht? Also nicht nur "ich bin unterfordert", sondern genauer aufschlüsseln, was Sie unter "unterfordert" verstehen, inwiefern konkret Sie unterfordert sind. Das hat auch den Vorteil, dass man sich selbst kritisch-konstruktiv betrachtet und nicht nur "die Situation" oder andere Leute als Auslöser sieht.

- Was müsste sich wie verändern, damit das nicht mehr der Fall ist?

- Was kann ich dafür tun?


Bei allen Radikalplänen, z. B. einer Kündigung, lohnt es sich, immer auch Alternativen ins Auge zu fassen. Denn es kann sehr gut sein, dass Sie grundsätzlich gern in Ihrer Firma und an Ihrem Arbeitsplatz sind und nur ein Aspekt davon Sie stört. Es wäre doch schade, alles andere einfach so unter den Tisch fallen zu lassen, anstatt erstmal zu prüfen, ob es Veränderungsmöglichkeiten für Ihre Schwierigkeite/Ihr Problem gibt.

Ein Beispiel: In einer früheren Firma, wo ich eigentlich gern tätig war, hatte ich keinen Spaß mehr an meiner Arbeit. Ich dachte "das kann's doch nicht gewesen sein". Da ich keine Perspektiven sah - weder Zusatzaufgaben noch einen Wechsel in eine andere Abteilung - sah ich die Kündigung als einzigen Ausweg. Ein Gespräch mit meinem Chef ergab, dass man eine Position für mich schaffte, die es bislang in der Firma gar nicht gab.
Sicherlich ist das nicht der Normalfall, doch es zeigt sehr eindrucksvoll, dass man selbst nicht immer alle Informationen hat bzw. anstatt zu spekulieren einfach mit offenen Karten spielen sollte.

Ein klassisches Beispiel bei negativer Motivation ist übrigens auch die Selbstständigkeit. Zahlreiche Menschen, die mit Chef oder Kollegen Schwierigkeiten haben, sehen die Lösung darin, sich selbstständig zu machen. Abgesehen von fachlichen und persönlichen Grundlagen für die Selbstständigkeit, die nicht jede/r gleichermaßen mitbringt, ist es gar nicht immer so, dass die Selbstständigkeit tatsächlich ein Ziel ist - sondern nur eine Flucht vor dem Angestelltendasein und der damit verbundenen Interaktion mit Chef und Kollegen.
Abgesehen von der Tatsache, dass es auch in der Selbstständigkeit natürlich Interaktion und Abhängigkeiten gibt, ist Flucht und Vermeidung keine gute Voraussetzung für's eigene Business.

Damit sind wir schon bei den positiven Motiven:

 

Hin zu etwas

Genauso wie der Antrieb, etwas nicht mehr zu wollen, birgt auch das reine "hin zu etwas" Schwierigkeiten, wenn man es nicht genauer hinterfragt. Auch hier ein weit verbreitetes Beispiel: Jemand wünscht sich einen Karriereschritt - einen Titel, mehr Geld und die damit verbundene Anerkennung. Zumindest ist das die Hoffnung. In dem Moment, wo das mein einziges Ziel ist, kann es passieren, dass ich die erste Gelegenheit wahrnehme, auch wenn es nicht das ist, was ich möchte. Ich habe zahlreiche Techniker kennen gelernt, die unbedingt eine Führungsaufgabe haben wollten - und dann kreuzunglücklich waren und ihrer Führungsrolle gar nicht gerecht wurden, weil sie eigentlich Praktiker waren und nach wie vor selbst Hand anlegen wollten.

Dass wir uns richtig verstehen: Etwas wirklich zu wollen ist natürlich eine ganz starke Antriebskraft, die Ihnen auch sehr dabei hilft, Ihre Ziele mit Energie zu verfolgen.
Wichtig dafür ist jedoch, wiederum genauer hinzusehen und zu konkretisieren - sonst nimmt man nur das wahr, was ins positive Blickfeld passt und sieht mögliche Nachteile eventuell nicht bzw. blendet sie bewusst aus.

Nutzen Sie also auch die Informationen, die Sie erhalten, wenn Sie hinterfragen:

- Wohin genau möchte ich? Was möchte ich erreichen?

- Warum möchte ich das genau? Was erhoffe ich mir davon?


Bleiben wir kurz beim Beispiel Führungsposition: Manchmal möchten Leute nur deshalb eine Führungsposition, damit sie die Anerkennung, die sie sich von einem "Titel" erhoffen, bekommen. Nun kann es gut sein, dass das "hin zu etwas" in dem Fall nicht heißt "Ich will ChefIn werden", sondern "Ich wünsche mir mehr Anerkennung". Durch das Hinterfragen, was Anerkennung individuell bedeutet und warum man sie sich wünscht, kann herauskommen, dass man eigentlich ein schwaches Selbstvertrauen hat. Das würde sich jedoch nicht durch eine Führungsposition lösen. Selbst wenn ein "Titel" dazu führen würde, einen gewissen Status im Unternehmen zu bekommen, würde sich das eigene Selbstbild damit nicht automatisch mit verändern.

 

Erfolgssucher <-> Misserfolgsvermeider

In einem Motivationsbuch las ich kürzlich, dass man in der Motivationsforschung zwei verschiedene Typen unterscheidet: Erfolgssucher und Misserfolgsvermeider.

Die Begriffe sind selbsterklärend: Während der eine Typ danach strebt, Erfolg zu haben, ist für den anderen Typ wichtig, Misserfolge zu vermeiden.

Weiter wird erklärt, dass bei einem Erfolg der Erfolgssucher ein Erfolgserlebnis hat, das ihn motiviert - er kann den Erfolg aktiv für sich verbuchen.
Der Misserfolgsvermeider hingegen zieht keine Motivation aus seiner Handlung, sondern verspürt lediglich Erleichterung.

Eine interessante Unterscheidung, nicht wahr? Allein anhand dieser Begriffe kann man sich sehr gut Gedanken über sich selbst machen:

- Wie sehe ich mich generell? Strebe ich eher nach Erfolgen oder versuche ich eigentlich eher, Misserfolge jeder Art zu vermeiden? Habe ich vielleicht große Angst davor zu scheitern?

- Natürlich lohnt sich dieser Gedanke auch von Fall zu Fall: So gibt es sicher immer wieder mal eine Situation, wo man sich vielleicht anders als sonst verhält. Wo jemand, der eigentlich eher Erfolgssucher ist in diesem konkreten Fall zum Misserfolgsvermeider wird und umgekehrt.

 

Die eigenen Motive und "Antreiber" zu finden, bringt Sie nicht nur aktiv weiter, sondern nützt Ihnen, Entscheidungen genau auszuloten. So verhindern Sie, dass Sie sich Hals über Kopf in etwas hineinstürzen (oder vor etwas drücken), ohne wichtige weitere Aspekte zu beachten.


   
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