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Sich selbst motivieren und dranbleiben
  von Christine Öttl
 

Ist denn das überhaupt möglich: gut drauf sein und die Dinge auch dann mit Energie und Schwung anpacken, wenn nicht alles nach Plan läuft? Oder wenn sich Routine breit macht und man eigentlich gar keine Lust darauf hat? Viele Menschen sind davon überzeugt, dass es ganz natürlich ist, wenn unter weniger günstigen Umständen die Motivation auf der Strecke bleibt und man dann einfach "Dienst nach Vorschrift" macht. Und dass es überhaupt keine Alternativen zu diesem passiven Verhalten gibt.

Doch das ist viel zu kurz gegriffen: Denn mit wie viel Power und wie gerne wir etwas machen, hat sehr viel mit uns selbst zu tun. Dazu ein kurzer Ausflug in die Psychologie, die zwei Sorten von Motivation kennt. Die so genannte extrinsische Motivation, die von anderen Leuten, von materiellen Dingen, also von außen kommt (zum Beispiel die Gehaltserhöhung oder ein Lob vom Chef). Und die so genannte intrinsische Motivation, die in uns selbst steckt, also die von innen kommende Freude daran, sich mit etwas zu beschäftigen und etwas zu tun (zum Beispiel der Ehrgeiz und Spaß des Kochs, ein super Menü für seine Gäste zu zaubern, oder die Lust daran, eine Besprechung perfekt zu organisieren).

 

Motivation von innen macht unabhängig

Das Gute an dieser Motivation von innen ist die Unabhängigkeit. Dass man nicht auf andere Leute angewiesen ist. Dass man sich gut fühlt, weil man sich selbst etwas wert ist. Klar macht es Spaß, gelobt zu werden und Belohnungen zu bekommen. Das soll ja auch so sein. Aber nur gut drauf zu sein, wenn man von außen aufgemuntert wird, macht abhängig. Bleibt nämlich der Input auf der Strecke, sinkt die Lebensfreude ganz schnell. Die gute Nachricht: Man kann sich selber pushen und das, was man tut, gerne und gut anpacken.

Gerade wenn es mal nicht so richtig flutscht, sollte man sich an der Nase packen und Bestandsaufnahme machen: Was ist toll an meinem Job? Was macht mir so richtig Spaß? Welche Fähigkeiten kann ich ausleben? Was mache ich gerne? Und was stört mich jetzt? Am besten alles aufschreiben, weil allein das bringt schon sehr viel bringen kann. Da man bewusst und intensiv hinguckt und die guten Seiten wieder sieht statt nur alles grau in grau. Es kann auch sehr hilfreich sein, sich mit anderen Leuten darüber zu unterhalten, wo der Schuh drückt. Mal zu hören, wie es anderen so geht. Erst wenn man Vergleiche hat, weiß man viele Dinge (wieder) zu schätzen. Es ist wichtig, das Bild wieder gerade zu rücken und auch die positiven Seiten wahrzunehmen.

Womit wir bei den Erfolgen sind. Erfolge sind dafür da, dass man sie feiert: die großen genauso wie die kleinen. Halten Sie die Augen offen und freuen Sie sich ganz bewusst über das, was Sie gut machen. Ein Brief ist besonders gut gelungen? So schnell hat das noch nie geklappt mit dem Einsortieren der neuen Ware? Ein Telefongespräch mit einem schwierigen Kunden gut über die Bühne gebracht? Super! Haken Sie es nicht einfach als selbstverständlich ab, wenn Sie etwas gut machen, sondern speichern Sie es in Ihrem Kopf als Pluspunkt. Es kann auch sehr sinnvoll und beflügelnd sein, sich die eigenen Fortschritte und Erfolge aufzuschreiben und sich ab und zu mal zu Gemüte zu führen, was man so geschafft hat. Und warum nicht sich auch selbst belohnen? Mit einem schönen Essen, dem Kleid, das man sich schon lange gewünscht hat.

Auch wie man mit dem Lob von anderen umgeht, hat riesige Auswirkungen auf den eigenen Gemütszustand und wie sehr man sich selbst wertschätzt. Lassen Sie sich auf das Lob von anderen ein, nehmen Sie es an und freuen Sie sich darüber.

 

Kennen Sie schon die Methode des "Als ob"?

Ja, man kann sich auch selbst aufbauen, indem man so tut, als ob man Spaß an einer Sache hätte – obwohl es gar nicht stimmt. Wenn man sich zum Beispiel auf das lästige Fensterputzen voll einlässt und so putzt, als hätte man wirklich Freude dran, dann kann es tatsächlich passieren und plötzlich auch Spaß machen. Das kommt vermutlich daher, dass Aufmerksamkeit und Konzentration eine so wichtige Rolle spielen. Am meisten Freude hat man nämlich, wenn man voll konzentriert und total bei der Sache ist. Dann vergeht auch die Zeit wie nichts und die Dinge gehen einem leichter von der Hand. Zum Glück kann man die Aufmerksamkeit steuern, die Gedanken lenken und sich bewusst auf eine Tätigkeit konzentrieren. Es lohnt sich, den inneren Schweinehund zu überwinden, weil man dann was voranbringt, sich besser fühlt und die inneren Energien zurückkommen. Anders rum passiert garantiert nichts Positives: Wenn man sich vorsagt, wie langweilig und wie schlimm alles ist, wird alles nur noch schlimmer.

 

Äußere Einflüsse

"Es gibt aber auch äußere Dinge, die einem das Leben schwer machen. Zum Beispiel, wenn man einfach zu wenig Platz hat, um vernünftig zu arbeiten."

Ja, die äußeren Grenzen, die einen behindern, spielen eine große Rolle. Es gibt nur eine gute Lösung: sie als Hürde zu sehen, über die man drüberspringen will. Wenn der Platz nicht reicht, sich Gedanken machen und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen. Wie kann man den Platz besser nutzen? Den Raum umstellen kann Wunder wirken. Neue Regale vielleicht, um die Höhe zu nutzen? Oder kann man mit Kollegen das Zimmer tauschen? Muss alles in diesem Raum sein, kann man was ausmisten oder auslagern? Neue Möglichkeiten zu suchen und aus dem Weg zu räumen, was nicht so toll ist, tut einfach gut. Und bringt Schwung rein.

Diese Motivation und Power sind auch noch ansteckend. Man zieht nicht nur sich selber aus dem Schlamassel, sondern pusht auch die Kollegen. Und das baut ganz schön auf.

   
   
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