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Nicht
nur Nachwuchsführungskräfte tun sich häufig
schwer damit, wenn ihnen - ganz besonders in schwierigen
Zeiten oder wenn es um unpopuläre Entscheidungen geht
- ein rauer Wind entgegenschlägt und die eigenen Mitarbeiter
auf Distanz gehen. Doch es ist nun mal eine Tatsache, dass
Sie als Vorgesetzter automatisch auch so etwas wie "ein
Feind" sind - mal mehr und mal weniger, abhängig
von der Situation und von den einzelnen Mitarbeitern. Die
gute Nachricht lautet: Wenn Sie diesen Druck aushalten und
konstruktiv damit umgehen, meistern Sie nicht nur die Situationen
selbst, sondern bewähren sich in Ihrer Führungsposition
und können diese stärken und ausbauen.
Bitte
vergessen Sie nicht: Als Vorgesetzter spielen Sie in einer
anderen Liga als Ihre Mitarbeiter! Ihre Aufgabe besteht
im Wesentlichen darin, eine klare Richtung vorzugeben (die
mit den Unternehmenszielen übereinstimmt) und dafür
Sorge zu tragen, dass diese eingeschlagen und beibehalten
wird, und die Fäden zusammenzuhalten. Das bedeutet,
dass Sie - von den einen Mitarbeitern mehr und von anderen
weniger, in einfachen Zeiten weniger als in kritischen -
in erster Linie als Stellvertreter der "Firma"
gesehen werden, und damit auch als potenzieller "Feind".
Schließlich ist es ein wesentlicher Teil Ihres Jobs,
die Interessen des Unternehmens zu vertreten und umzusetzen.
Wichtig: die Vorgesetztenrolle voll übernehmen
Eine Führungsposition bringt viele Chancen und Risiken
mit sich, hat angenehme und weniger angenehme Seiten. Es
ist sehr wichtig, dass Sie sich Folgendes bewusst machen
und (zu) akzeptieren (lernen): Egal wie gut Sie mit Ihren
Leuten klarkommen, Sie stehen auf einer anderen Stufe und
gehören nicht (mehr) als "Gleicher" zum Team.
Sie sind der Chef und gehören aus Sicht Ihrer Mitarbeiter
zu "denen da oben". Es kann passieren,
dass Ihnen Ablehnung und Kritik entgegenschlagen oder Mitarbeiter
Ihnen die kalte Schulter zeigen - nur weil Sie der Chef
sind. Ja, das ist nicht angenehm, gar nicht bequem und aus
der eigenen Sicht höchst unfair. Aber es gehört
zum Chefsein einfach dazu. Nur wenn Sie auch diese Facette
akzeptieren und damit umgehen können, fühlen Sie
sich in Ihrer Vorgesetztenrolle sicher und können sie
souverän ausüben.
Nehmen
Sie es nicht persönlich!
Ich
weiß aus eigener jahrelanger Erfahrung als Abteilungsleiterin,
dass das leichter gesagt ist als getan. Aber ich weiß
auch, dass man es lernen kann, wenn man will. Bitte machen
Sie sich klar: Sie können es nicht verhindern, dass
einzelne oder mehrere Mitarbeiter (vor allem in schwierigen
Situationen) eine "Chef-Antihaltung" haben oder
aufbauen. Aber Sie können sehr wohl verhindern, dass
diese Haltung sich verstärkt oder gar auf das ganze
Team übergreift.
Um die
Kraft dafür aufzubringen, die Dinge anzupacken und
wieder in positive Bahnen zu lenken, ist eine gesunde Einstellung
zum ganzen Thema sehr hilfreich. Wenn Sie es schaffen, zwischen
Ihrer Rolle/Funktion und Ihrer Person zu unterscheiden -
und sich davon zu überzeugen, dass die "Antihaltung"
nichts mit Ihnen persönlich zu tun hat, dann haben
Sie gute Voraussetzungen, um sich auch in diesen kritischen
und schwierigen Zeiten zu bewähren.
Wichtig: abchecken, ob es tatsächlich nichts Persönliches
ist
Damit keine Missverständnisse aufkommen: Das bedeutet
keineswegs, dass eine ablehnende Haltung NIE etwas mit Ihnen
als Person zu tun hat, sondern grundsätzlich NUR mit
Ihrer Position. Da auch Sie nur ein Mensch sind und auch
Sie Fehler machen, kann der Auslöser sehr wohl auch
etwas ganz Konkretes sein: etwas, was Sie gesagt oder nicht
gesagt bzw. getan haben, eine Bemerkung, die falsch interpretiert
worden ist, ein Missverständnis usw. Aus diesem Grunde
ist es sehr wichtig, dass Sie den Dingen auf den Grund gehen,
für sich selbst analysieren und herausfinden, was möglicherweise
dahinterstecken könnte, und das Gespräch mit dem
betroffenen Mitarbeiter suchen. Nur so können Sie die
wahren Hintergründe aufdecken und dann handeln.
Im
Arbeitsalltag beweisen, dass Sie kein "Feind"
sind
Sie
haben sehr viele Möglichkeiten, um die Wahrscheinlichkeit,
von Ihren Mitarbeitern als "Feind" angesehen und
entsprechend behandelt zu werden, zu minimieren. Wenn Sie
Ihren Leuten durch Ihre Führungspraxis und Ihr Verhalten
beweisen, dass Sie sich für sie interessieren und ihre
Leistungen wertschätzen, wenn Sie sie fördern
und fordern und zu Eigenverantwortlichkeit wie aktivem Mitmachen
animieren, dann haben Sie sehr gute Karten.
Wichtig: Es geht nicht darum, allen alles recht zu machen
Manchmal denken Chefs in Schwarz-Weiß-Kategorien:
Ich kann nur entweder der Freund meiner Leute sein (dann
darf ich sie nicht überfordern oder etwas Negatives
sagen, dann muss jede Entscheidung einstimmig gefällt
werden usw.) oder ihr Feind (das bin ich automatisch, wenn
ich etwas Unpopuläres sage oder als Chef eine Entscheidung
treffe und diese dann durchsetze usw.). Ja, das ist natürlich
der Weg des geringsten Widerstandes und kann für eine
bestimmte Zeit auch gut funktionieren.
Aber erstens kommt früher oder später immer eine
kritische Situation, in der man als Chef eine unpopuläre
Entscheidung treffen oder weitergeben muss - und dann ist
das die Hölle für denjenigen, der bisher immer
auf Harmonie gesetzt hat. Zweitens wird es von einem Chef
einfach erwartet (bewusst oder unbewusst), dass er die Zügel
in die Hand nimmt und Farbe bekennt. Ansonsten kommen bald
grundsätzliche Fragen auf wie: "Wofür brauchen
wir unseren Vorgesetzten eigentlich? Wofür bekommt
er/sie eigentlich ein höheres Gehalt?!" Und so
läuft dieser Typus von Chef viel stärker Gefahr,
als "Feind" angesehen zu werden.
Hier
nur ein paar Anregungen, wie Sie in der Realität/im
Arbeitsalltag beweisen können, dass Sie nicht der "Feind"
Ihrer Leute sind:
- Sorgen
Sie dafür, dass Informationen rechtzeitig weitergegeben
werden, und nutzen Sie jeweils die sinnvollsten Wege (E-Mail,
Telefon, Schwarzes Brett usw.)
- Geben
Sie der persönlichen Informationsübermittlung
den Vorrang. Versammeln Sie Ihre Mannschaft regelmäßig
um sich und geben Sie wichtige Informationen persönlich
und direkt weiter.
- Suchen
Sie im Arbeitsalltag das Gespräch mit Ihren Mitarbeitern.
Zeigen Sie sich an den Arbeitsplätzen und interessieren
Sie sich für die Tätigkeiten und die Fortschritte
Ihrer Leute.
- Führen
Sie regelmäßige Mitarbeitergespräche und
nutzen Sie sie, um Ihren Mitarbeitern ausführliches
Feedback zu geben und gemeinsam Ziele wie Erwartungen zu
klären.
- Gucken
Sie nicht weg, wenn es schlechte Stimmung und Schwierigkeiten
gibt. Kümmern Sie sich darum, sprechen Sie die Sache
bei den Betroffenen an und unterstützen Sie sie dabei,
gemeinsam eine Lösung zu finden.
- Regen
Sie Ihre Leute dazu an, über Verbesserungen nachzudenken
und ihre Vorschläge publik zu machen. Interessieren
Sie sich für das, was Ihre Mitarbeiter zu sagen haben,
und tragen Sie dafür Sorge, dass sinnvolle Vorschläge
sofort umgesetzt werden. Und erklären Sie, warum bestimmte
Ideen (noch) nicht verwirklicht werden können.
Tipp: nichts "Inoffizielles" ausplaudern
Es kann sein, dass Sie ganz schön in die Bredouille
kommen. Beispielsweise dann, wenn Veränderungen anstehen,
über die Sie noch nicht offiziell sprechen dürfen
- aber bereits Gerüchte kursieren oder man Sie direkt
auf das Thema anspricht: Tun Sie nicht so, als wüssten
Sie von nichts oder als bildeten sich Ihre Leute das alles
nur ein, sondern sagen Sie, wie es ist: dass es Gespräche
gibt, sie aber im Moment nichts sagen dürfen.
Es ist sehr wichtig, dass Sie nicht der Versuchung erliegen,
die Informationen hinter vorgehaltener Hand an Ihre Leute
weiterzugeben: "Ich darf das eigentlich nicht sagen
- und es ist auch noch nichts beschlossen. Deshalb müsst
ihr das unbedingt für euch behalten und dürft
es niemandem weitersagen: Es ist so, dass..." Vielleicht
machen Sie sich damit erstmal lieb Kind. Aber ganz schnell
gefährden Sie Ihren guten Ruf als vertrauenswürdige
und zuverlässige Persönlichkeit, was sich fatal
auswirken kann. Die Gefahr, dass Sie bald von zwei Seiten
als "Feind" gesehen werden - nämlich von
den Mitarbeitern plus den eigenen Vorgesetzten - ist sehr
groß.
Herausfinden,
was dahintersteckt
Eine
weitere Bewährungsprobe können Sie bestehen, wenn
Sie kritische Signale wahr- und ernst nehmen. Bitte lassen
Sie sich nicht dazu verleiten, die Augen vor der Realität
zu verschließen und so zu tun, als wäre alles
in Ordnung, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass irgendetwas
im Busch ist. Halten Sie Augen und Ohren offen und werden
Sie hellhörig, wenn Sie beispielsweise mitbekommen,
dass:
- Mitarbeiter
Ihnen die kalte Schulter zeigen
(z.B. Sie nur "widerwillig" grüßen,
nicht mehr von sich aus zu Ihnen kommen usw.)
- Ihre
Leute still werden, sobald Sie dazukommen
- Mitarbeiter
nur einsilbig auf Ihre Fragen antworten oder sich in Meetings
kaum mehr zu Wort melden
- der
Ton schärfer wird, in dem Mitarbeiter mit Ihnen sprechen
Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen nur raten: Geben Sie
sich einen Ruck und suchen Sie das Gespräch mit dem/den
Betroffenen. Abgesehen davon, dass Sie so Licht in die Sache
und Lösungen auf den Weg bringen können, vermitteln
Sie Ihren Leuten eindeutig die Botschaft, dass Sie Schwierigkeiten
erkennen und diese auch anpacken. Nutzen Sie solche Situationen
als Chancen, um Ihren Mitarbeitern zu beweisen, dass Sie
sich für ihre Belange interessieren und sich darum
kümmern - so hat die Mentalität "Chef ist
gleich Feind" keine Chance, sich langfristig in den
Köpfen einzunisten!
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