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Als Chef: Die Mitarbeiter unterstützen
  von Christine Öttl
 

Natürlich liegt Ihnen als gutem Vorgesetzten viel daran, dass Ihre Leute selbstständig arbeiten, Eigenverantwortung zeigen und Dinge von sich aus in die Hand nehmen, sprich möglichst wenig auf Sie angewiesen sind. Gleichzeitig sollten Sie jedoch nicht vergessen, dass es zu Ihren wesentlichen Führungsaufgaben gehört, eine Anlaufstelle für Ihre Mitarbeiter zu sein, ihnen Orientierung zu geben und sie immer mal wieder an die Hand zu nehmen.

Damit ist auf keinen Fall gemeint, dass Sie Ihren Leuten ständig unter die Arme greifen, alle Schwierigkeiten selbst lösen oder ihnen gar ihre Arbeit abnehmen! Nein, es geht darum, die eigene Mannschaft nicht sich selbst zu überlassen, sondern einen bestimmten festen Rahmen sowie Rückhalt zu bieten und sie dabei zu unterstützen, wirklich gut zu sein und sich weiterzuentwickeln.

 

Wichtig: die Unterstützung auf den einzelnen Mitarbeiter abstimmen

Menschen sind unterschiedlich und haben unterschiedliche Fähigkeiten, Stärken und Schwächen, Bedürfnisse und Erwartungen. Gute und effiziente Unterstützung bedeutet, dass sie auf die einzelnen Mitarbeiter abgestimmt ist und nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgt. Denn was für den einen eine große Hilfe darstellt, bringt dem anderen überhaupt nichts oder ist sogar kontraproduktiv. So kann es sein, dass beispielsweise:

- ein Mitarbeiter klare und detaillierte Arbeitsanweisungen und Deadlines braucht - während ein anderer das als Bevormundung und Einengung empfindet und sich nicht ernst genommen fühlt

- ein ruhigerer Mitarbeiter erst dann mit eigenen Ideen und Vorschlägen herausrückt, wenn er explizit darum gebeten wird - während ein anderer sich sehr stark in den Mittelpunkt stellt, zunehmend als "Wichtigtuer" angesehen und gemieden wird und deshalb von Ihnen eher gebremst werden sollte

- ein Mitarbeiter sich stark weiterentwickelt hat und neue Aufgaben/mehr Verantwortung möchte und bräuchte - während ein anderer fachlich überfordert ist und deshalb eine Schulung benötigt.

 

Viele Möglichkeiten der Unterstützung

Die Palette von Unterstützung und Hilfestellungen, die Sie als Chef geben können, ist sehr breit: Sie reicht vom grundsätzlichen Rahmen, den Sie Ihren Mitarbeitern geben, bis hin zu spezifischen Situationen, in denen Sie um Unterstützung gebeten werden bzw. selbst erkennen, dass Ihre Hilfe erforderlich ist.

Hier nur zwei Beispiele dafür, wie eine grundsätzliche Unterstützung im ganz normalen Arbeitsalltag aussehen kann:


- klare Rahmenbedingungen schaffen

Ja, auch der organisatorisch-administrative Rahmen fällt in die Kategorie Unterstützung durch den Vorgesetzten und es ist sehr sinnvoll, sich die Bedeutung dieser oft unterschätzten Dinge bewusst zu machen. Denn ein klarer Rahmen gibt Orientierung und Sicherheit - erleichtert den alltäglichen Arbeitsablauf und lässt viele Missverständnisse und Fehler gar nicht erst entstehen.
Wenn ein strukturierender Rahmen fehlt oder ad hoc entschieden wird, fühlen sich Mitarbeiter leicht alleingelassen und "schwimmen"

Zu den Rahmenbedingungen, die Sie festlegen und klar kommunizieren sollten, gehören beispielsweise: Aufgabenverteilung und Zuständigkeiten, "Dienstwege" und Regeln, Ihre eigenen Erwartungen, Urlaubs- und Vertretungsregelungen usw.

Übrigens: Auch Ausnahmeregelungen sollten allen Beteiligten bekannt sein. Wenn Sie beispielsweise mit einem Mitarbeiter spezielle Arbeitszeiten vereinbaren, dann ist es sehr wichtig, das publik zu machen.


- Möglichkeiten zur Kommunikation mit Ihnen bieten

Machen Sie es Ihren Leuten leicht, auf Sie zuzukommen und Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Das heißt nicht, dass Sie zu jedem Zeitpunkt ansprechbar sein müssen - obwohl der Austausch mit den Mitarbeitern Ihnen als gutem Vorgesetzten natürlich am Herzen liegen und eine hohe Priorität einnehmen sollte. Es heißt nur, dass Sie klar machen und offen kommunizieren, wann Ihre Leute zu Ihnen kommen und Sie sich definitiv und intensiv mit ihnen beschäftigen können. Das ist für alle Beteiligten viel besser, als wichtige Dinge zwischen Tür und Angel zu besprechen oder immer wieder sagen zu müssen "Jetzt geht es gerade nicht." Sie könnten beispielsweise vereinbaren: Eine offene Tür bedeutet, dass Sie Zeit haben und zur Verfügung stehen. Eine geschlossene Tür bedeutet, dass Sie beschäftigt sind und nicht gestört werden möchten.

 

Brenzlige Situationen

Hier ein paar Beispiele dafür, wie Unterstützung in "brenzligen" Situationen aussehen kann:


- ein offenes Ohr haben für Schwierigkeiten und Bedürfnisse

Wie Sie reagieren, wenn Ihre Mitarbeiter kritische Themen aufs Parkett bringen und Schwierigkeiten ansprechen, spielt eine große Rolle. Es ist sehr wichtig, mit Interesse und intensiv zuzuhören und erfahren zu wollen, was genau Sache ist. Allein die Tatsache, dass Sie als Chef ein offenes Ohr haben und wirklich zuhören, nachfragen und den Dingen auf den Grund gehen, ist schon eine Art von Unterstützung - und nicht selten ist es damit bereits getan.


- konkrete Unterstützung bieten

Natürlich gibt es Situationen, in denen Sie aktiv werden und Ihren Leuten richtig weiterhelfen sollten: mit einem Rat, einer Information oder auch durch Ihre tatkräftige Hilfe. Wenn Mitarbeiter ständig überlastet sind und einfach zu viel zu tun haben, ist es Chefsache, alle zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Situation zu normalisieren - durch Einstellung neuer Leute (eventuell nur stundenweise), Umstrukturierung der Arbeitsabläufe, Notprogramm für Phasen der Unterbesetzung (z. B. gemeinsam mit anderen Abteilungen) usw.

Tipp: In Spitzenzeiten selbst Hand anzulegen, hilft nicht nur in der Sache weiter, sondern kommt bei den Mitarbeitern sehr gut an. So loben wir immer wieder den Geschäftsführer in unserem früheren Unternehmen, der sich in den Hochphasen nicht zu schade war, beim Postversand mit anzupacken.


- Hilfe zur Selbsthilfe geben

Eine sehr wichtige und effektive Unterstützung und Hilfestellung, die Sie Ihren Mitarbeitern bieten können, ist oft, sie zu Selbstständigkeit und Eigeninitiative zu animieren und zu motivieren. Wenn es beispielsweise mit der Zusammenarbeit im Team hapert, sich bestimmte Fehler häufen oder die Stimmung im Keller ist: Versammeln Sie Ihre Leute um sich, sprechen Sie die Sache an und animieren Sie sie dazu, sich Gedanken zu machen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Wenn ein Mitarbeiter mit einer bestimmten Aufgabe nicht klarkommt: Unterstützen Sie ihn, indem Sie ihn dazu auffordern sich bewusst zu machen und Ihnen mitzuteilen, woran es liegt und was passieren müsste, um die Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. Sehr oft sind Anregungen dieser Art die allerbeste Unterstützung, die Sie Ihren Leuten geben können.

 

Selbst-Check:

Hier ein paar Fragen, um sich selbst in puncto Unterstützung unter die Lupe zu nehmen:

· Was verstehen Sie selbst unter Hilfestellung und Unterstützung für Ihre Mitarbeiter?

· Wie wichtig ist das für Sie?

· Was konkret tun Sie bisher, um Ihre Leute zu unterstützen?

· Wie verteilt sich das auf die einzelnen Mitarbeiter? Verteilen Sie Ihre Hilfe gleichmäßig?

· Wissen Sie, welche Art von Hilfestellung Ihr Team/einzelne Mitarbeiter von Ihnen brauchen und möchten?

· Was könnten und möchten Sie verändern?

 

Reden Sie mit Ihren Leuten!

Um Ihren Leuten die Unterstützung zukommen zu lassen, die diese auch wirklich brauchen und die sinnvoll für alle Beteiligten ist, müssen Sie die einzelnen Leute und ihre Bedürfnisse kennen.

Viel besser als darüber zu spekulieren, was Ihre Mitarbeiter von Ihnen wohl am meisten brauchen, ist es, Ihre Leute direkt darauf anzusprechen. Sie können die formellen Gelegenheiten dafür nutzen oder auch bei einer passenden Gelegenheit einzelnen Mitarbeitern wie auch dem Team insgesamt Frage in diese Richtung stellen: "Welche Art von Unterstützung braucht ihr/brauchen Sie von mir? Wie kann ich euch/Ihnen am meisten helfen?"

   
   
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