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Als Chef: lösungsorientiert sein
  von Christine Öttl
 

"Lösungsorientiertheit" anstelle von "Problemorientiertheit" - das ist eine der meistgefragten und wertvollsten Eigenschaften im (Arbeits)Leben. Kein Wunder, denn wie reibungslos und schnell Schwierigkeiten aus dem Weg geräumt werden und welcher "Geist" in einem Team/einer Abteilung und einem Unternehmen herrscht, wird ganz wesentlich dadurch bestimmt, worauf die Mitarbeiter ihr Augenmerk und ihre Energie richten.

Wie Ihre Leute sich in diesem Punkt bewähren, hat sehr viel mit Ihnen als Chef zu tun - nutzen Sie Ihre Vorbildfunktion und Ihre Position, um die Lösungsorientiertheit Ihres Teams zu stärken und auszubauen.

 

Lösungsorientiertheit fällt nicht vom Himmel

Auch wenn viele Vorgesetzte das nicht so gerne hören: Lösungsorientiertheit fällt nicht einfach vom Himmel und ist auch keine Eigenschaft, die man in jedem Mitarbeiter voraussetzen kann. Leider ist es ziemlich üblich und gängige Praxis, beim Auftreten von Schwierigkeiten nach dem/den Schuldigen zu suchen und sich so an Problemen festzubeißen. Natürlich ist es sinnvoll und hilfreich, Schwierigkeiten zu analysieren und die Fehlerquelle zu eruieren, um sie in Zukunft leichter vermeiden zu können. Wichtig ist jedoch, dass dies in konstruktiver Absicht und in möglichst positiver Stimmung geschieht - und dass der Fokus darauf liegt, Lösungsmöglichkeiten und bessere Wege auszuarbeiten.

Wie alle erwünschten Einstellungen und Verhaltensweisen lässt sich auch Lösungsorientiertheit nicht einfach verordnen. Sie als Führungskraft können und sollten in zwei Bereichen aktiv sein, um Ihre Mitarbeiter (noch) lösungsorientierter zu machen:

- die Lösungsorientiertheit selbst vorleben
- die Mitarbeiter zu Lösungsorientierheit anregen

 

Die Lösungsorientiertheit selbst vorleben

Da Sie als Vorgesetzter immer Modellfunktion haben, beeinflusst Ihr Verhalten - bewusst wie unbewusst - das Verhalten Ihrer Mitarbeiter. Wenn Sie selbst eher auf Probleme als auf Lösungen fokussiert sind, bleibt das Ihrem Team nicht verborgen und hat - früher oder später - Auswirkungen. Wenn Sie Ihre Leute dazu auffordern, Schwierigkeiten als Herausforderungen zu sehen und sich auf Lösungsmöglichkeiten zu konzentieren, sich selbst aber ganz anders verhalten, werden Ihre Worte auf wenig fruchtbaren Boden fallen - und Ihr Image als Führungskraft wird dadurch gewaltig beschädigt.

Es ist sehr wichtig, dass Sie auf sich selbst achten und sich klarmachen:

- Was bedeutet "Lösungsorientiertheit" für Sie? Wie definieren Sie diesen Begriff?

- Wie beurteilen Sie sich selbst in punkto Lösungsorientiertheit?

- Wie äußert sich diese Einstellung in Ihrem Arbeitsalltag? In welchen Aussagen, Verhaltensweisen usw. zeigt sich, dass Sie lösungsorientiert sind?

- Wie reagieren Sie, wenn Schwierigkeiten, Hindernisse, Probleme auftauchen? Bitte denken Sie an die unterschiedlichsten Situationen (wenn Sie alleine im Büro sind, am Telefon mit Kunden/Geschäftspartnern, mit Ihren Managementkollegen, mit Ihrem Chef, mit einzelnen Mitarbeitern, in Besprechungen, per E-Mail usw.).

- Wie reden Sie, wenn es um Schwierigkeiten, Hindernisse, Probleme geht? Welche Aspekte sprechen Sie an? Welches Vokabular benutzen Sie? Ist Ihre ganze Haltung eher lösungs- oder problemorientiert?


Wichtig:
Vor einigen Jahren ist das Motto "Don't tell me problems, tell me solutions!" in Mode gekommen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich ist es gut und wichtig, die Mitarbeiter zum Mitdenken zu animieren und sie auch mal richtig in die Pflicht zu nehmen. Aber das funktioniert nur, wenn Sie selbst immer den Blick auf Lösungen richten und diese auch umsetzen. Und wenn Sie Ihren Leuten aktiv und konstruktiv bei der Suche nach Lösungen unter die Arme greifen, sofern diese Ihre Hilfe und Unterstützung brauchen, was vorkommen kann. Andernfalls ist die Gefahr sehr groß, dass sich Ihre Leute nicht ernst genommen oder/und allein gelassen fühlen - keine guten Voraussetzungen, um den Blick auf Lösungs- und Verbesserungsmöglichkeiten zu richten.

 

Die Mitarbeiter zu Lösungsorientiertheit anregen

Bitte vergessen Sie nicht, dass viele Menschen zur Problemorientheit neigen, oft gar keinen anderen Weg kennen und einen neuen, konstruktiveren Umgang mit Schwierigkeiten erst lernen und üben müssen: Als Chef haben Sie viele Möglichkeiten, Ihre Leute in diese Richtung zu animieren und zu "erziehen", die Sie unbedingt nützen sollten. Hier ein paar Beispiele:


- konstruktive Impulse geben

Wenn Mitarbeiter mit Problemfällen und Schuldzuweisungen zu Ihnen kommen, dann hören Sie erstmal in Ruhe und intensiv zu. Es ist sehr wichtig, dass Sie niemals Partei ergreifen - auch dann nicht, wenn es sich um Ihren "Lieblingsmitarbeiter" handelt! Natürlich können Sie Verständnis für den Unmut Ihres Mitarbeiters zeigen und auch seine Meinung teilen, dass "es so nicht weitergehen kann". Aber unterstützen Sie niemals Schuldzuweisungen und Opferhaltung, sondern nutzen Sie die Gelegenheit, um den Betroffenen zum Nachdenken anzuregen und um konstruktive Impulse zu geben: Wie sollte es idealerweise sein? Wie könnte das Problem verhindert werden? Was schlagen Sie vor?

Tipp:
Oft handelt es sich um Themen, die mehrere Leute betreffen und intensiv durchdacht werden müssen. Versammeln Sie die betroffenen Mitarbeiter um sich und nehmen Sie sie in die Pflicht: Schildern Sie die Schwierigkeit, bitten Sie Ihre Leute um aktives Mitmachen und um Vorschläge, wie das Problem aus ihrer Sicht zu vermeiden/wie sich die Situation verbessern ließe.
Wenn die Sache komplex ist, kann es sehr sinnvoll sein, sie in kleinere Themen "herunterzubrechen" und an einzelne Mitarbeiter/Gruppen zu verteilen. Geben Sie Ihren Leuten Zeit, um sich fundierte Gedanken zu machen, und vereinbaren Sie einen Termin für das nächste Treffen.


- Lösungsorientiertheit zum Thema machen

Die beste Möglichkeit, um Ihre Mitarbeiter für das Thema zu sensibilisieren und eine bewusste Auseinandersetzung damit anzuregen, wie sie im Moment mit Schwierigkeiten umgehen und was sich hier im Interesse aller verbessern ließe, ist: genau das anzusprechen und eine Diskussion in Gang zu bringen.
Machen Sie Lösungsorientiertheit zum Thema: entweder aus gegebenem Anlass oder auch generell. Diskutieren Sie mit Ihren Leuten: Was bedeutet Lösungsorientiertheit für uns? Wie äußert sie sich im Arbeitsalltag? Was sind die Vorteile von Lösungsorientiertheit im Vergleich mit Problemorientiertheit? Wie beurteilen wir uns selbst in diesem Punkt? Wo gibt es Verbesserungspotenzial?

Wichtig:
Bitte regen Sie Ihre Leute dazu an, mit konkreten Beispielen zu arbeiten. Das ist viel effektiver und auch interessanter, als sich nicht nur abstrakt mit dem Thema zu beschäftigen.


Tipp:
Würgen Sie emotionale Ausbrüche und Schuldzuweisungen nicht von Anfang an ab. Gerade wenn Probleme seit längerer Zeit bestehen und lange nicht angesprochen wurden, hat sich enormer Druck aufgestaut, der sich erstmal entladen muss. Dann wäre es sehr kontraproduktiv, wenn Sie den Zeigefinger erheben und an die Vernunft appellieren würden. Lassen Sie das "reinigende Gewitter" vorüberziehen - und legen Sie so eine gute Basis, um dann wirklich konstruktiv zu werden - gemeinsam.

   
   
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Als Chef/in ist es oft gar nicht so einfach, Entscheidungen zu treffen, die eigene Wirkung zu kennen - und ehrliches Feedback und konstruktiven Rat zu bekommen, was man verbessern könnte.
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