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Ich
hatte über ein Jahr lang fleißig gearbeitet,
das Archiv komplett aufgebaut, die Arbeitsabläufe organisiert
und neue Mitarbeiter eingelernt. Da schlug mir mein Vorgesetzter
vor, die Leitung der Abteilung zu übernehmen. Ich lehnte
entsetzt ab und arbeitete fleißig weiter. Mein Chef
versuchte es wieder und wieder und wieder. Niemals!"
sagte ich. Bloß das nicht. Ich möchte einfach
nur meine Arbeit machen. Nichts weiter." Kurz und gut:
Ich wehrte mich viele Monate lang mit Händen und Füßen
dagegen, die Abteilungsleitung zu übernehmen. Bis ich
schließlich die Botschaft kapierte, die ich immer
wieder ignoriert hatte: Du leitest diese Abteilung
doch schon, warum solltest Du es nicht offiziell tun?"
Ja, warum? Was hielt mich davon ab, die Aufgabe offiziell
zu übernehmen? Was befürchtete ich denn?
Forschen
nach den Gründen
An der
fachlichen Kompetenz konnte es nicht liegen. Zum Glück
bekam ich von einigen meiner Kollegen Hilfe zur Selbsthilfe
und fand heraus, was mit mir los war.
Ich
hatte Angst davor:
- hauptsächlich
Verwaltungstätigkeiten und Schreibarbeit verrichten
und mein geliebtes Tagesgeschäft aufgeben zu müssen,
- dauernd
Überstunden zu schieben und keine Zeit für meinen
geliebten Sport und andere Aktivitäten mehr zu haben,
- zwischen
zwei Stühlen zu sitzen, dem Chef einerseits und den
Mitarbeitern andererseits, und von beiden Seiten Druck zu
bekommen,
- meinen
bisherigen Kollegen Vorschriften zu machen, schlimmstenfalls
unpopuläre Entscheidungen zu treffen,
- Konfrontationen
und Konflikte auszutragen
- im
Mittelpunkt zu stehen und Besprechungen zu leiten oder Ansprachen
zu halten,
- Kritik
ausgesetzt zu sein,
- von
den Mitarbeitern nicht mehr gemocht zu werden
Toll!
Was half mir nun diese Erkenntnis? Ich hatte ja ganz offensichtlich
einfach nicht das Zeug zu einer Führungskraft! Und
wieder bekam ich Unterstützung von anderen: Du
bist fachlich super und kannst gut mit Menschen umgehen."
Das gab mir Auftrieb. Ich beschloss, meine Entscheidung
daran zu knüpfen, ob ich weiterhin ein zufriedenes
Leben würde führen können oder nicht.
Ich
hatte zwar damals noch keine so klaren Ziele wie heute,
aber in einigen Dingen gab es für mich nie einen Zweifel.
Ich brauche Ausgewogenheit: zwischen Verwaltungsarbeit und
aktiv anpacken, zwischen Planen und Umsetzen, zwischen Spannung
und Anspannung, zwischen Arbeit und Freizeit. Das war und
ist für mich die Grundlage für ein zufriedenes
Leben. Und so eines wollte ich auch weiterhin führen.
Was
ist Ihnen wirklich wichtig?
Ich
kann nur jedem, der vor einer großen Entscheidung
steht, raten:
Finden
Sie heraus, was Ihnen wirklich wichtig ist. Worauf Sie nicht
verzichten wollen. Was Sie unbedingt haben wollen. Und entscheiden
Sie sich nur dann für die neue Situation, wenn keine
grundlegenden Dinge oder Werte in Gefahr sind.
Holen
Sie sich Rat bei anderen, wenn Sie Zweifel haben. Nutzen
Sie die Meinung von Leuten, denen Sie vertrauen können
und die ehrlich sind!
Ich
übernahm die Aufgabe und wurde Abteilungsleiterin.
Meine
Ängste und Zweifel verschwanden natürlich nicht
von heute auf morgen. Ehrlich gesagt, bin ich einige von
ihnen die ganzen Jahre über nie ganz losgeworden. Aber
meine Ängste und Zweifel haben mir sehr geholfen, mich
weiterzuentwickeln und ständig an mir zu arbeiten.
Wichtig ist, sich diese Ängste einzugestehen, ohne
jedoch eine Opferrolle einzunehmen. Meine Ängste lagen
hauptsächlich im menschlichen/zwischenmenschlichen
Bereich und hatten ganz offensichtlich viel mit persönlicher
Unsicherheit zu tun. Deshalb war das Ziel für mich,
meine Persönlichkeit zu stärken. Die Jahre als
Abteilungsleiterin haben mich sehr gefordert und mich ein
ganzes Stück auf meinem Weg vorangebracht. So heftig
ich anfangs gegen die neue Aufgabe gewesen war, so froh
bin ich heute, dass ich die Herausforderung angenommen habe!
Deshalb:
Lassen
Sie sich von Ängsten und Zweifeln nicht abschrecken!
Finden
Sie heraus, ob es sich für Sie um eine Herausforderung
oder um eine Zumutung handelt. Ist letzteres der Fall: Finger
weg!
Ist
aber ersteres der Fall: Stürzen Sie sich in die neue
Aufgabe!
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