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Bestimmte
Sprüche von Vorgesetzten hört man immer wieder.
Der Grund dafür ist oft einfach Unachtsamkeit. Manchmal
betrachtet man als Chef eine Situation auch zu oberflächlich
oder befindet sich gedanklich auf dem Holzweg.
Schließlich
sind - nicht nur für frischgebackene - Vorgesetzte
bestimmte Situationen einfach auch schwierig zu greifen.
Durch das Trivialisieren sollen Probleme dann weggeredet
oder an Mitarbeiter zurückgegegeben werden.
Sind
Sie also selbst Chef, checken Sie mal ab, ob Sie einen der
folgenden Sprüche auch im Repertoire haben. Denn mit
einigen ernten Sie ziemlich schräge Blick Ihrer Mitarbeiter:
manchmal belustigt, manchmal verärgert - und in argen
Fällen unterminieren Sie Ihre Autorität und Kompetenz
als Vorgesetzter.
"Gehst
Du schon?"
Zur
Verteidigung vieler Chefs muss gesagt werden, dass Mitarbeiter
diesen Spruch oft dann hören, wenn sie die eigenen
Grenzen zu weit hinausgeschoben haben: Schieben Sie also
von sich aus ständig Überstunden und es ist mehr
oder weniger normal geworden, dass sie eine oder zwei Stunden
über die normale Arbeitszeit hinaus am Schreibtisch
sitzen, so fällt Pünktlich-Gehen Ihrem Chef zwangsläufig
als Diskrepanz auf und wird das "Gehst Du schon?"
als rein sachliche Frage oder Ausdruck der Überraschung
nachvollziehbar.
Als
Mitarbeiter ist man - ebenfalls zu Recht - verärgert,
denn es kommt an: "Statt dass sich die Firma bei mir
bedankt, wenn ich Überstunden schiebe, werde ich noch
dumm angeredet, wenn ich mal pünktlich gehe."
Für
Sie als Chef bleibt erstmal zu hinterfragen: Wie meine ich
das denn tatsächlich? Nehme ich es wirklich als selbstverständlich
hin oder erwarte es vielleicht sogar, dass meine Mitarbeiter
ständig länger bleiben? Oder ist es eine Bemerkung,
die mir rausrutscht und die ich völlig anders meine?
In ersterem
Fall ist es wichtig, dass Sie Ihre Haltung gründlich
überdenken und Ihren Mitarbeitern Anerkennung zollen.
Sofern Überstunden ständig anfallen, ist es Ihre
Aufgabe, einen näheren Blick auf die Arbeitsleistung
des Mitarbeiters zu legen und auch darauf, ob dessen Aufgaben
in der üblichen Arbeitszeit überhaupt zu schaffen
sind.
Als
Chef/in müssen Sie darauf ein Auge haben und entsprechende
Maßnahmen ergreifen: Entweder ein realistisches Arbeitspensum
für Ihre Mitarbeiter schaffen, indem Sie die Arbeit
so verteilen, dass sie zu bewältigen ist, oder indem
Sie momentan oder bleibend für Unterstützung des
Mitarbeiters sorgen. Stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter
mit einer Aufgabe einfach überfordert ist und länger
in der Arbeit sein muss, weil er nicht genug Kenntnisse
und Fähigkeiten mitbringt, sich nicht gut organisieren
kann o. Ä., dann ist es wichtig, dort einzuhaken.
In letzterem
Fall, also wenn Sie einfach unbedacht kommentiert haben,
dass Ihr Mitarbeiter "schon" geht, dann stellen
Sie klar wie es gemeint ist. Und fragen Sie bei Ihrem Mitarbeiter
nach, wie es ihm mit seinem Arbeitspensum geht, bzw. erkennen
Sie sein Engagement über die normalen Arbeitszeiten
hinaus ganz offen und unmissverständlich an!
"Wir
sind doch alle erwachsene Menschen."
Stimmt.
Und gerade im Berufsleben tut es oftmal ganz gut, daran
zu erinnern. Denn wir sind eben auch alle nur Menschen,
und die reagieren schon mal emotional, wenn es zwischenmenschlich
funkt oder wenn man einen schlechten Tag hat.
Leider
höre ich diesen Satz aber insbesondere dann von Chefs,
wenn sie sich aus der Affäre ziehen möchten: Knatsch
zwischen Mitarbeitern steht man als Vorgesetzter oft genervt
oder hilflos gegenüber und möchte sich darum nicht
kümmern. Mit einem "Wir sind alle erwachsen"
oder auch "Wir sind doch nicht im Kindergarten"
möchten sich Vorgesetzte dann vor sich selbst oder
auch vor anderen gerne raushalten und hoffen, dass sich
die Problematik dann von alleine erledigt.
Ob es
Ihnen gefällt oder nicht: Als Chef geht es nicht mehr
nur um das Fachliche. Sie haben sich für Personalverantwortung
entschieden und dazu gehört sehr wohl auch, dass Sie
sich um die persönliche Entwicklung Ihrer Leute und
auch um das Miteinander kümmern. Kommt es also zu Schwierigkeiten
in Ihrem Team, ist es durchaus Ihre Angelegenheit als Vorgesetzter,
sich aktiv darum zu kümmern.
"Die
Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut" & Co.
Jetzt
kommen wir zu all den Sprüchen, die sich Firmen gerne
mal plakativ auf die Fahnen schreiben. Unternehmen bauen
sich oft eine Traumwelt auf. Besonders häufig wird
das mit so genannten Firmenphilosophien gemacht. Da wird
auf Plakaten, Broschüren, Websites etc. etwas propagiert
- und in manchen Firmen wird durchaus was dafür getan,
dass das auch gelebt wird.
Leider
erlebe ich nur zu oft, dass Chefs es bei irgendwelchen Statements
belassen und glauben, dass sie damit automatisch die Realität
schaffen, die sie gerne hätten.
Da werden
Behauptungen aufgestellt wie:
- "Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut."
- "Wir sind die Größten, Schnellsten, Besten,
Höflichsten ..."
- "Unsere Kunden stehen immer im Mittelpunkt."
- "Wir respektieren uns alle gegenseitig und sind wie
eine große Familie."
- "Alle arbeiten eigenverantwortlich."
...
aber gelebt wird das überhaupt nicht. Treten Schwierigkeiten
auf, wird mal eben auf die Firmenphilosophie verwiesen.
Damit
wir uns richtig verstehen: Gibt es Leitlinien, die intensiv
durchdacht und konkretisiert sind, die als Ziel für
alle im Unternehmen gelten und die im Alltag umgesetzt werden,
ist das wunderbar.
Sind
Sie aber einer jener Chefs, die einfach mit derlei Sprüchen
loslegen, aber im Alltag nichts dafür tun, dann sind
Sie auf dem Holzweg - und, noch schlimmer, verspielen sich
jegliche Glaubwürdigkeit bei Ihren Mitarbeitern.
"Abteilungsleiter
X geht? Kein Problem, das mache ich nebenbei mit."
Das
ist mein Favorit! Inhaber oder Geschäftsführer,
die keinen rechten Einblick in eine Abteilungsleitung haben
und dann - auch um Geld zu sparen - gerne mal auf die Idee
kommen, sie könnten neben der Leitung der Firma alle
möglichen Abteilungen (plus Personalverantwortung!)
nebenbei mal eben mitmachen.
Leider
zeigt meine Erfahrung, dass das recht häufig passiert.
Sind Sie Vorgesetzter auf höherer Ebene und mit der
Leitung der Firma betraut, dann glauben Sie mir bitte, dass
das nicht gut funktioniert. Konzentrieren Sie sich auf die
Geschäftsführung und sorgen Sie dafür, dass
eine herrenlose Abteilung schnell einen guten Leiter bekommt.
Denken Sie dabei auch an fähige bestehende Mitarbeiter,
die zumindest interimsmäßig die Abteilung leiten
können. Sie können Personalverantwortung im größeren
Rahmen aussparen und diese - in Kooperation mit dem fachlichen
Leiter - selbst übernehmen.
Abgesehen
davon, dass Sie als Geschäftsführer andere Aufgaben
haben, die Ihre Ressourcen binden, ist es für jede
Abteilung wichtig, einen Teamleiter zu haben, der die fachlichen
Alltagsdetails innerhalb des Teams und die Schnittstellen
zu den anderen Abteilungen im Blick behält und regelt.
Gerade die persönlichen und fachlichen Details des
beruflichen Alltags sind relevant für die Ergebnisse
und die Arbeitsqualität - und diese kennen Sie als
"oberster Chef" schlichtweg nicht bzw. es ist
nicht Ihre Aufgabe, sich um solche Feinheiten zu kümmern.
"Du
darfst jetzt nicht mehr mit Kollegen zum Essen gehen!"
Dieser
Spruch kommt meistens, wenn ein Mitarbeiter zur Führungskraft
befördert wurde, also beispielsweise zu einem Teamleiter.
Witzigerweise
wird die Aussage - je nach Situation - auch gerne umgedreht:
Entweder um der neuen Führungskraft zu vermitteln,
dass sie jetzt in einer anderen Liga spiele und Abstand
zum Team nehmen soll ("Du darfst nicht mehr ...")
oder aber auch, um greifbarer für das Team zu sein
und Teamfähigkeit zu untermauern ("Du musst mehr
mit Kollegen zum Essen gehen!").
Beides
ist in dieser Einfachheit natürlich Unsinn. Das wäre
ja mal einfach, wenn man alleine durch gemeinsames Essengehen
die Beziehung bestimmen könnte.
Sind
Sie ein neuer Vorgesetzter und hören diesen Spruch
von Ihrem Chef, dann hinterfragen Sie, was genau dahintersteckt,
und prüfen Sie, wie Sie selbst dazu stehen.
Richtig
ist natürlich, dass man als Kollege, der nun Chef geworden
ist, unter Umständen die Beziehung neu definieren muss.
Das hängt aber davon ab, wie die Beziehung zuvor war.
Haben Sie früher alles Mögliche mit Ihren Kollegen
besprochen oder sogar über die Firma und andere Kollegen
gelästert, dann muss nun natürlich ein neues Kapitel
anbrechen. Denn so etwas ist keine Art - als Vorgesetzter
schon gleich gar nicht.
Und
ist es so, dass Sie sich komplett von Ihrem Team abschotten
und Ihre Leute Sie als Chef/in einfach nicht einordnen können,
dann kann das Prinzip, das hinter dem Rat steht, gemeinsam
zum Mittagessen zu gehen, schon stimmen: Kontakt aufzunehmen
und für eine gute Beziehung zueinander zu sorgen. Doch
das muss natürlich nicht beim Essen geschehen, sondern
gilt für den normalen Alltag.
"Komm
mal rein und mach die Türe zu."
Fahren
Sie Auto? Dann kennen Sie das Gefühl, wenn Sie im Rückspiegel
ein Polizeiauto erblicken: "Fahre ich zu schnell?",
"Ist mein TÜV noch gültig?", "Habe
ich was falsch gemacht?" - Blitzschnell geht man erschrocken
durch, was alles schiefgelaufen sein könnte. Dabei
fährt da einfach gerade ein Polizeiwagen.
Ihren
Mitarbeitern geht das mit dem Satz "Komm mal rein und
mach die Türe zu." bzw. mit einer Ankündigung
"Wir müssen mal miteinander reden." genauso.
Wenn Sie als Chef/in ein Gespräch ankündigen,
werden die meisten Mitarbeiter erstmal erschrecken. Insbesondere
wenn das Gespräch unter vier Augen passieren soll,
ist oft der erste Reflex ein "Was habe ich falsch gemacht?",
"Was wird der/die Chef/in von mir wollen?" Kommt
dazu, dass irgendwelche Fehler passiert sind, dass die Firma
momentan schlecht dasteht o. Ä., dann kann das sogar
zu der existenziellen Angst führen, den Job zu verlieren.
Seien
Sie also immer taktvoll genug und weihen Sie Ihre Mitarbeiter
ein. Wenn es um ein Kritikgespräch geht, dann kündigen
Sie es nicht nur vage an, sondern sagen Sie klar, worüber
Sie sprechen möchten. Dann braucht der Mitarbeiter
keine dubiose Angst haben und kann sich - emotional und
fachlich - vorbereiten. Bei einem Kritikgespräch sollte
auch vorab nicht ewig Zeit vergehen. Damit quälen Sie
Ihren Mitarbeiter nur.
Möchten
Sie einfach vertraulich mit einem Mitarbeiter sprechen,
um eine Sache zu klären, oder sogar, weil Sie gute
Nachrichten haben, dann sagen Sie das gleich mit dazu! Sonst
machen sich Ihre Mitarbeiter grundlos Sorgen.
"Seid
froh, dass Ihr in der heutigen Zeit einen Job habt."
Dieser
Spruch ist wirklich eine Todsünde - und es ist unfassbar,
dass doch so viele Chefs diese Bemerkung fallen lassen.
Stellen
Sie sich vor, Sie haben eine private Beziehung und Ihr Partner
sagt: "Du kannst froh sein, dass Du überhaupt
eine Beziehung hast." Genauso entsetzt wie Sie (hoffentlich)
darauf reagieren, dass man so etwas zu seinem Partner sagt,
sind Mitarbeiter, wenn ein Vorgesetzter das von sich gibt.
Die
guten und selbstbewussten Mitarbeiter reagieren darauf oft
nicht nur verschnupft, sondern starten meist damit, sich
wegzubewerben. Die unsicheren Mitarbeiter werden demotiviert
oder bekommen ständige Angst, weil sie es als Drohung
auffassen, dass der Job jederzeit weg sein könnte.
Wenn
ein Chef so einen Spruch loslässt, steckt ja immer
etwas dahinter. Also gehen Sie Ihren Gedanken auf den Grund,
wenn Sie in diese Richtung denken.
Beispiel:
- Sind Sie ungehalten, weil Mitarbeiter zu viel fordern?
- Oder haben Sie die Anmerkung einfach gemacht, um eine
geforderte Gehaltserhöhung abzublocken, und gar nicht
näher darüber nachgedacht?
Bringen
Sie immer klar und sachlich zum Ausdruck, was Sie denken,
anstatt solche allgemeinen Kommentare, die sehr viel kaputtmachen,
von sich zu geben. Nur so wissen Ihre Mitarbeiter, woran
sie sind und Sie können beide zur Lösung beitragen.
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