Zeigen Sie, was in Ihnen steckt!  
   
.
Bewerbung & Karriere
Christine Öttl coacht Bewerber
+ Führungskräfte
  mehr erfahren
   
   
Business
Gitte Härter coacht Selbstständige und kleine Firmen
  mehr erfahren
   
   
Onlinetipps lesen:
...
Bewerbung
...
Karriere
...
Selbstmanagement
...
Entscheidungen
...
Kommunikation
...
Mitarbeiterführung
...
selbstständig
...
Buchtipps

 

 

 

Chefsprüche, die es in sich haben
  von Gitte Härter
 

Bestimmte Sprüche von Vorgesetzten hört man immer wieder. Der Grund dafür ist oft einfach Unachtsamkeit. Manchmal betrachtet man als Chef eine Situation auch zu oberflächlich oder befindet sich gedanklich auf dem Holzweg.

Schließlich sind - nicht nur für frischgebackene - Vorgesetzte bestimmte Situationen einfach auch schwierig zu greifen. Durch das Trivialisieren sollen Probleme dann weggeredet oder an Mitarbeiter zurückgegegeben werden.

Sind Sie also selbst Chef, checken Sie mal ab, ob Sie einen der folgenden Sprüche auch im Repertoire haben. Denn mit einigen ernten Sie ziemlich schräge Blick Ihrer Mitarbeiter: manchmal belustigt, manchmal verärgert - und in argen Fällen unterminieren Sie Ihre Autorität und Kompetenz als Vorgesetzter.

 

"Gehst Du schon?"

Zur Verteidigung vieler Chefs muss gesagt werden, dass Mitarbeiter diesen Spruch oft dann hören, wenn sie die eigenen Grenzen zu weit hinausgeschoben haben: Schieben Sie also von sich aus ständig Überstunden und es ist mehr oder weniger normal geworden, dass sie eine oder zwei Stunden über die normale Arbeitszeit hinaus am Schreibtisch sitzen, so fällt Pünktlich-Gehen Ihrem Chef zwangsläufig als Diskrepanz auf und wird das "Gehst Du schon?" als rein sachliche Frage oder Ausdruck der Überraschung nachvollziehbar.

Als Mitarbeiter ist man - ebenfalls zu Recht - verärgert, denn es kommt an: "Statt dass sich die Firma bei mir bedankt, wenn ich Überstunden schiebe, werde ich noch dumm angeredet, wenn ich mal pünktlich gehe."

Für Sie als Chef bleibt erstmal zu hinterfragen: Wie meine ich das denn tatsächlich? Nehme ich es wirklich als selbstverständlich hin oder erwarte es vielleicht sogar, dass meine Mitarbeiter ständig länger bleiben? Oder ist es eine Bemerkung, die mir rausrutscht und die ich völlig anders meine?

In ersterem Fall ist es wichtig, dass Sie Ihre Haltung gründlich überdenken und Ihren Mitarbeitern Anerkennung zollen. Sofern Überstunden ständig anfallen, ist es Ihre Aufgabe, einen näheren Blick auf die Arbeitsleistung des Mitarbeiters zu legen und auch darauf, ob dessen Aufgaben in der üblichen Arbeitszeit überhaupt zu schaffen sind.

Als Chef/in müssen Sie darauf ein Auge haben und entsprechende Maßnahmen ergreifen: Entweder ein realistisches Arbeitspensum für Ihre Mitarbeiter schaffen, indem Sie die Arbeit so verteilen, dass sie zu bewältigen ist, oder indem Sie momentan oder bleibend für Unterstützung des Mitarbeiters sorgen. Stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter mit einer Aufgabe einfach überfordert ist und länger in der Arbeit sein muss, weil er nicht genug Kenntnisse und Fähigkeiten mitbringt, sich nicht gut organisieren kann o. Ä., dann ist es wichtig, dort einzuhaken.

In letzterem Fall, also wenn Sie einfach unbedacht kommentiert haben, dass Ihr Mitarbeiter "schon" geht, dann stellen Sie klar wie es gemeint ist. Und fragen Sie bei Ihrem Mitarbeiter nach, wie es ihm mit seinem Arbeitspensum geht, bzw. erkennen Sie sein Engagement über die normalen Arbeitszeiten hinaus ganz offen und unmissverständlich an!

 

"Wir sind doch alle erwachsene Menschen."

Stimmt. Und gerade im Berufsleben tut es oftmal ganz gut, daran zu erinnern. Denn wir sind eben auch alle nur Menschen, und die reagieren schon mal emotional, wenn es zwischenmenschlich funkt oder wenn man einen schlechten Tag hat.

Leider höre ich diesen Satz aber insbesondere dann von Chefs, wenn sie sich aus der Affäre ziehen möchten: Knatsch zwischen Mitarbeitern steht man als Vorgesetzter oft genervt oder hilflos gegenüber und möchte sich darum nicht kümmern. Mit einem "Wir sind alle erwachsen" oder auch "Wir sind doch nicht im Kindergarten" möchten sich Vorgesetzte dann vor sich selbst oder auch vor anderen gerne raushalten und hoffen, dass sich die Problematik dann von alleine erledigt.

Ob es Ihnen gefällt oder nicht: Als Chef geht es nicht mehr nur um das Fachliche. Sie haben sich für Personalverantwortung entschieden und dazu gehört sehr wohl auch, dass Sie sich um die persönliche Entwicklung Ihrer Leute und auch um das Miteinander kümmern. Kommt es also zu Schwierigkeiten in Ihrem Team, ist es durchaus Ihre Angelegenheit als Vorgesetzter, sich aktiv darum zu kümmern.

 

"Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut" & Co.

Jetzt kommen wir zu all den Sprüchen, die sich Firmen gerne mal plakativ auf die Fahnen schreiben. Unternehmen bauen sich oft eine Traumwelt auf. Besonders häufig wird das mit so genannten Firmenphilosophien gemacht. Da wird auf Plakaten, Broschüren, Websites etc. etwas propagiert - und in manchen Firmen wird durchaus was dafür getan, dass das auch gelebt wird.

Leider erlebe ich nur zu oft, dass Chefs es bei irgendwelchen Statements belassen und glauben, dass sie damit automatisch die Realität schaffen, die sie gerne hätten.

Da werden Behauptungen aufgestellt wie:
- "Die Mitarbeiter sind unser wichtigstes Gut."
- "Wir sind die Größten, Schnellsten, Besten, Höflichsten ..."
- "Unsere Kunden stehen immer im Mittelpunkt."
- "Wir respektieren uns alle gegenseitig und sind wie eine große Familie."
- "Alle arbeiten eigenverantwortlich."

... aber gelebt wird das überhaupt nicht. Treten Schwierigkeiten auf, wird mal eben auf die Firmenphilosophie verwiesen. Damit wir uns richtig verstehen: Gibt es Leitlinien, die intensiv durchdacht und konkretisiert sind, die als Ziel für alle im Unternehmen gelten und die im Alltag umgesetzt werden, ist das wunderbar.

Sind Sie aber einer jener Chefs, die einfach mit derlei Sprüchen loslegen, aber im Alltag nichts dafür tun, dann sind Sie auf dem Holzweg - und, noch schlimmer, verspielen sich jegliche Glaubwürdigkeit bei Ihren Mitarbeitern.

 

"Abteilungsleiter X geht? Kein Problem, das mache ich nebenbei mit."

Das ist mein Favorit! Inhaber oder Geschäftsführer, die keinen rechten Einblick in eine Abteilungsleitung haben und dann - auch um Geld zu sparen - gerne mal auf die Idee kommen, sie könnten neben der Leitung der Firma alle möglichen Abteilungen (plus Personalverantwortung!) nebenbei mal eben mitmachen.

Leider zeigt meine Erfahrung, dass das recht häufig passiert. Sind Sie Vorgesetzter auf höherer Ebene und mit der Leitung der Firma betraut, dann glauben Sie mir bitte, dass das nicht gut funktioniert. Konzentrieren Sie sich auf die Geschäftsführung und sorgen Sie dafür, dass eine herrenlose Abteilung schnell einen guten Leiter bekommt. Denken Sie dabei auch an fähige bestehende Mitarbeiter, die zumindest interimsmäßig die Abteilung leiten können. Sie können Personalverantwortung im größeren Rahmen aussparen und diese - in Kooperation mit dem fachlichen Leiter - selbst übernehmen.

Abgesehen davon, dass Sie als Geschäftsführer andere Aufgaben haben, die Ihre Ressourcen binden, ist es für jede Abteilung wichtig, einen Teamleiter zu haben, der die fachlichen Alltagsdetails innerhalb des Teams und die Schnittstellen zu den anderen Abteilungen im Blick behält und regelt. Gerade die persönlichen und fachlichen Details des beruflichen Alltags sind relevant für die Ergebnisse und die Arbeitsqualität - und diese kennen Sie als "oberster Chef" schlichtweg nicht bzw. es ist nicht Ihre Aufgabe, sich um solche Feinheiten zu kümmern.

 

"Du darfst jetzt nicht mehr mit Kollegen zum Essen gehen!"

Dieser Spruch kommt meistens, wenn ein Mitarbeiter zur Führungskraft befördert wurde, also beispielsweise zu einem Teamleiter.

Witzigerweise wird die Aussage - je nach Situation - auch gerne umgedreht: Entweder um der neuen Führungskraft zu vermitteln, dass sie jetzt in einer anderen Liga spiele und Abstand zum Team nehmen soll ("Du darfst nicht mehr ...") oder aber auch, um greifbarer für das Team zu sein und Teamfähigkeit zu untermauern ("Du musst mehr mit Kollegen zum Essen gehen!").

Beides ist in dieser Einfachheit natürlich Unsinn. Das wäre ja mal einfach, wenn man alleine durch gemeinsames Essengehen die Beziehung bestimmen könnte.

Sind Sie ein neuer Vorgesetzter und hören diesen Spruch von Ihrem Chef, dann hinterfragen Sie, was genau dahintersteckt, und prüfen Sie, wie Sie selbst dazu stehen.

Richtig ist natürlich, dass man als Kollege, der nun Chef geworden ist, unter Umständen die Beziehung neu definieren muss. Das hängt aber davon ab, wie die Beziehung zuvor war. Haben Sie früher alles Mögliche mit Ihren Kollegen besprochen oder sogar über die Firma und andere Kollegen gelästert, dann muss nun natürlich ein neues Kapitel anbrechen. Denn so etwas ist keine Art - als Vorgesetzter schon gleich gar nicht.

Und ist es so, dass Sie sich komplett von Ihrem Team abschotten und Ihre Leute Sie als Chef/in einfach nicht einordnen können, dann kann das Prinzip, das hinter dem Rat steht, gemeinsam zum Mittagessen zu gehen, schon stimmen: Kontakt aufzunehmen und für eine gute Beziehung zueinander zu sorgen. Doch das muss natürlich nicht beim Essen geschehen, sondern gilt für den normalen Alltag.

 

"Komm mal rein und mach die Türe zu."

Fahren Sie Auto? Dann kennen Sie das Gefühl, wenn Sie im Rückspiegel ein Polizeiauto erblicken: "Fahre ich zu schnell?", "Ist mein TÜV noch gültig?", "Habe ich was falsch gemacht?" - Blitzschnell geht man erschrocken durch, was alles schiefgelaufen sein könnte. Dabei fährt da einfach gerade ein Polizeiwagen.

Ihren Mitarbeitern geht das mit dem Satz "Komm mal rein und mach die Türe zu." bzw. mit einer Ankündigung "Wir müssen mal miteinander reden." genauso. Wenn Sie als Chef/in ein Gespräch ankündigen, werden die meisten Mitarbeiter erstmal erschrecken. Insbesondere wenn das Gespräch unter vier Augen passieren soll, ist oft der erste Reflex ein "Was habe ich falsch gemacht?", "Was wird der/die Chef/in von mir wollen?" Kommt dazu, dass irgendwelche Fehler passiert sind, dass die Firma momentan schlecht dasteht o. Ä., dann kann das sogar zu der existenziellen Angst führen, den Job zu verlieren.

Seien Sie also immer taktvoll genug und weihen Sie Ihre Mitarbeiter ein. Wenn es um ein Kritikgespräch geht, dann kündigen Sie es nicht nur vage an, sondern sagen Sie klar, worüber Sie sprechen möchten. Dann braucht der Mitarbeiter keine dubiose Angst haben und kann sich - emotional und fachlich - vorbereiten. Bei einem Kritikgespräch sollte auch vorab nicht ewig Zeit vergehen. Damit quälen Sie Ihren Mitarbeiter nur.

Möchten Sie einfach vertraulich mit einem Mitarbeiter sprechen, um eine Sache zu klären, oder sogar, weil Sie gute Nachrichten haben, dann sagen Sie das gleich mit dazu! Sonst machen sich Ihre Mitarbeiter grundlos Sorgen.

 

"Seid froh, dass Ihr in der heutigen Zeit einen Job habt."

Dieser Spruch ist wirklich eine Todsünde - und es ist unfassbar, dass doch so viele Chefs diese Bemerkung fallen lassen.

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine private Beziehung und Ihr Partner sagt: "Du kannst froh sein, dass Du überhaupt eine Beziehung hast." Genauso entsetzt wie Sie (hoffentlich) darauf reagieren, dass man so etwas zu seinem Partner sagt, sind Mitarbeiter, wenn ein Vorgesetzter das von sich gibt.

Die guten und selbstbewussten Mitarbeiter reagieren darauf oft nicht nur verschnupft, sondern starten meist damit, sich wegzubewerben. Die unsicheren Mitarbeiter werden demotiviert oder bekommen ständige Angst, weil sie es als Drohung auffassen, dass der Job jederzeit weg sein könnte.

Wenn ein Chef so einen Spruch loslässt, steckt ja immer etwas dahinter. Also gehen Sie Ihren Gedanken auf den Grund, wenn Sie in diese Richtung denken.

Beispiel:
- Sind Sie ungehalten, weil Mitarbeiter zu viel fordern?
- Oder haben Sie die Anmerkung einfach gemacht, um eine geforderte Gehaltserhöhung abzublocken, und gar nicht näher darüber nachgedacht?

Bringen Sie immer klar und sachlich zum Ausdruck, was Sie denken, anstatt solche allgemeinen Kommentare, die sehr viel kaputtmachen, von sich zu geben. Nur so wissen Ihre Mitarbeiter, woran sie sind und Sie können beide zur Lösung beitragen.

   
   
zurück zur Übersicht:
Mitarbeiterführung
alle Artikel

 

 

 
  
Unschlagbar durch gutes Teamwork
Details zum Buch
 

 
Als Chef/in ist es oft gar nicht so einfach, Entscheidungen zu treffen, die eigene Wirkung zu kennen - und ehrliches Feedback und konstruktiven Rat zu bekommen, was man verbessern könnte.
mehr
 
 
(c) 1999-2010 objektiv. Bewerbung & Business, Christine Öttl und Gitte Härter GbR
St.-Cajetan-Straße 10, 81669 München, Tel. (0 89) 40 90 69 61, E-Mail:
objektiv@selbstmarketing.de