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Auch
wenn sich Funktion und Aufgaben des Vorgesetzten in den
letzten Jahrzehnten stark geändert haben, ist folgendes
nach wie vor gültig: Chefsein bedeutet nicht nur, eine
exponierte Stellung einzunehmen und "beobachtet"
zu werden. Es
bedeutet auch, dass man den Mitarbeitern als Orientierung
dient und großen Einfluss auf sie hat - im Positiven
wie auch im Negativen. Jeder Vorgesetzte sollte sich dessen
bewusst sein und die Vorbildfunktion nutzen, um die Unternehmenskultur
im positiven Sinne zu beeinflussen.
Das
Phänomen, dass Menschen von anderen lernen und Verhaltensweisen,
Überzeugungen und Kommunikationsmuster übernehmen,
nennt sich "Lernen am Modell" oder "Beobachtungslernen"
und wird von der Psychologie seit langem erforscht.
Als
Vorbilder dienen vor allem Menschen, die bekannt, angesehen,
erfolgreich, einflussreich und dergleichen sind. Egal ob
Sie als Chef positive oder negative Verhaltensweisen vorleben:
Das bleibt keineswegs ohne Folgen, sondern wird wahrgenommen
und hinterlässt Spuren bei Ihren Mitarbeitern. Das
wirkt sich zum einen auf Ihr Image als Vorgesetzter und
zum anderen auf das Engagement, die Motivation, die Kooperation
und das zwischenmenschliche Klima aus - Ihr Team spiegelt
wider, wie Sie als Persönlichkeit und als Führungskraft
sind und rüberkommen.
Es lohnt
sich, näher hinzugucken und Ihr Team zu beleuchten,
um dann Rückschlüsse auf sich selbst zu ziehen
- und gegebenenfalls an sich zu arbeiten, um besser zu werden
und Ihre Einflussmöglichkeiten konstruktiv zu nutzen.
Hier
einige zentrale Bereiche, die Sie analysieren können:
Engagement
und Interesse an der Arbeit
Wie
viel Einsatz zeigen Ihre Mitarbeiter und mit wie viel Elan
und Engagement sind sie bei der Sache? Gehen Ihre Leute
mit viel Eigeninitiative an ihre Aufgaben heran oder müssen
sie dazu aufgefordert und bei der Stange gehalten werden?
Wie sieht es mit der Bereitschaft aus, bei Engpässen
auszuhelfen oder Überstunden zu machen? Sehen Ihre
Mitarbeiter von sich aus, was alles zu tun ist? Wie motiviert
erledigen Ihre Leute ihren Job - wird oft gejammert oder
läuft es meistens reibungslos?
Und nun zu Ihnen selbst: Wie viel Engagement und Einsatz
leben Sie vor? Wie gehen Sie an Ihre eigenen Aufgaben heran?
Wie denken und sprechen Sie darüber?
Kooperation
und Teamgeist
Wie
gut und reibungslos arbeiten Ihre Mitarbeiter zusammen?
Wie sind Austausch und Kooperation mit anderen Teams/Abteilungen?
Gucken Ihre Leute auch mal über den Tellerrand hinaus
und bieten von sich aus Unterstützung an, wenn es bei
einem Kollegen eng wird? Geben Ihre Leute rechtzeitig Bescheid,
wenn sie in Zeitnot geraten und Hilfe brauchen?
Und
Sie als Chef: Was verstehen Sie unter "guter Teamarbeit"?
Was denken und wie reden Sie über andere Teams/Abteilungen?
Was sagen und machen Sie, wenn es mal Schwierigkeiten in
der Zusammenarbeit gibt? Inwiefern sind Sie selbst ein "guter
Teamplayer" - wie verhalten Sie sich selbst in Ihrem
eigenen Team (z. B. Managementteam)?
Umgang
mit Belastungen und stressigen Situationen
Was
passiert, wenn es zu Engpässen kommt und Ihre Leute
sehr viel zu tun haben? Wie souverän und ruhig bleiben
sie - wie konstruktiv gehen sie mit der Situation um? Wird
viel lamentiert und steigt die Fehlerquote an? Machen sich
Ihre Leute Gedanken, um Lösungen zu finden und die
schwierige Situation möglichst gut zu bewältigen?
Welche Stimmung herrscht an solchen Tagen?
Beschäftigen
Sie sich dann damit, wie Sie sich selbst in derartigen Situationen
verhalten: Wie fühlen und geben Sie sich, wenn Sie
unter Druck stehen? Welche Stressbewältigungsstrategien
wenden Sie an - und wie gut gelingt Ihnen das? Welches Bild
vermitteln Sie Ihren Leuten - was bekommen diese konkret
mit, wenn Sie gestresst sind?
Umgangsformen
Wie
gehen Ihre Leute miteinander um, wie offen gehen sie aufeinander
zu? Grüßen sie sich und kommunizieren sie miteinander?
Gibt es einen regelmäßigen Austausch über
fachliche und auch persönliche Themen? Reden Ihre Leute
miteinander, um Missverständnisse zu klären und
Schwierigkeiten zu lösen? Wie gut ist das Betriebsklima?
Und
zu Ihnen als Chef: Worauf legen Sie Wert und was leben Sie
vor? Wie offen, freundlich und klar kommunizieren Sie selbst?
Wie gehen Sie mit Ihren Leuten um - im Arbeitsalltag, in
Meetings, in Mitarbeitergesprächen? Was machen Sie,
wenn Sie etwas gut bzw. weniger gut finden?
Umgang
mit Fehlern
Gelten
Fehler in Ihrem Team als etwas, was einfach immer wieder
passiert und womit man leben muss? Werden Fehler möglichst
geheimgehalten und vertuscht? Oder werden sie angesprochen,
um die Sache zu verbessern? Gehen Ihre Leute Fehlern auf
den Grund, um sie in Zukunft zu vermeiden? Oder herrschen
Schuldzuweisungen und Vorwürfe vor?
Wie
sieht es bei Ihnen selbst als Chef aus: Wie gehen Sie mit
Ihren eigenen Fehlern um? Was machen Sie, wenn Sie mal eine
Fehlentscheidung getroffen oder sich einfach geirrt haben?
Was machen Sie, wenn Ihre Mitarbeiter Fehler machen? Wie
sprechen Sie Fehler und nicht so gute Leistungen an? Machen
Sie Vorwürfe, sind Sie ärgerlich oder werden Sie
laut - möglicherweise gar vor versammelter Mannschaft?
Oder sind Sie zukunftsorientiert und regen dazu an, Lösungen
zu finden und in Zukunft Fehler zu vermeiden?
Servicequalität
und Kundenorientierung
Welche
Meinung haben Ihre Mitarbeiter über die Kunden - wie
wird über die Kunden geredet? Wie gehen Ihre Leute
mit den Kunden um? Wie zufrieden sind Ihre Kunden mit der
Qualität der Dienstleistung/des Produktes? Inwiefern
sehen Sie hier Verbesserungs- und Schulungsbedarf?
Und
dann zu Ihnen selbst: Welches Bild Ihrer Kunden haben und
vermitteln Sie? Wie definieren Sie "hohe Servicequalität"
und inwiefern leben Sie diese vor? Wie gehen Sie selbst
mit Kunden um?
Damit
keine Missverständnisse aufkommen: Natürlich beschränkt
sich Mitarbeiterführung keineswegs darauf, die gewünschten
Verhaltensweisen einfach nur vorzuleben. Es gibt eine ganze
Reihe von Führungstools - von klaren Zielen über
geregelten Informationsfluss bis hin zu offener und klarer
Kommunikation (die auch negatives Feedback beinhaltet),
die von essenzieller Bedeutung sind. Aber wie Sie sich selbst
verhalten und welche Werte Sie dadurch vermitteln, ist ein
wichtiger Baustein - und bestimmt ganz wesentlich, wie viel
Respekt und Vertrauen Ihre Mannschaft Ihnen entgegenbringt.
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