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Als Chef: vertrauenswürdig sein
  von Christine Öttl
 

Wie gut Ihr Image als Vorgesetzter ist und wie viel Rückhalt Sie bei Ihren Mitarbeitern haben, hat unmittelbar damit zu tun, wie sehr man Ihnen vertraut. Und das wiederum hängt davon ab, wie sehr Ihre Mannschaft sich tatsächlich auf Sie verlassen kann, wie viel Vertrauen Sie sich durch Ihr Verhalten und Auftreten erwerben.

Im Arbeitsalltag gibt es eine Reihe von Möglichkeiten und Gelegenheiten, um zu beweisen, dass Sie eine zuverlässige und vertrauenswürdige Persönlichkeit sind.

Hier einige Beispiele dafür:


Für sich behalten, was Ihnen im Vertrauen gesagt wird

Ihre Vertrauenswürdigkeit wird sehr stark daran gemessen, ob Sie Informationen für sich behalten können oder nicht - ganz besonders, was Dinge anbelangt, die Ihnen unter vier Augen und im Vertrauen mitgeteilt werden.

Egal ob es sich um Schwierigkeiten eines Mitarbeiters oder um (noch) inoffizielle Informationen von einem Managementkollegen handelt: Was Ihnen im Vertrauen gesagt wird, sollten Sie auf alle Fälle für sich behalten. Abgesehen davon, dass die Verbreitung bestimmter Informationen fatale Auswirkungen haben kann, unterminieren Sie Ihre eigene Glaubwürdigkeit, wenn man nicht auf Ihre Verschwiegenheit zählen kann. Die Nachricht, dass ein Vorgesetzter Dinge nicht für sich behalten kann und man sich deshalb vor ihm hüten sollte, verbreitet sich übrigens in Windeseile.

Tipp: Es kann passieren, dass Sie von einem Mitarbeiter, einem Kollegen oder auch Ihrem Chef auf so ein vertrauliches Thema angesprochen werden. Besser als rumzudrucksen oder so zu tun, als wüssten Sie von nichts, ist folgendes: Sagen Sie ganz offen, dass Sie (im Moment) nichts darüber sagen können, weil es sich um etwas Vertrauliches handelt. Das ist vielleicht nicht das, was Ihr Gegenüber dann von Ihnen hören möchte - aber Sie beweisen, dass Sie vertrauenswürdig sind, und stärken so Ihre eigene Position.

 

Dinge direkt mit den Betroffenen klären

Bestimmt bemerken auch Sie im Arbeitsalltag immer mal wieder etwas, was Sie nicht so gut finden. Vielleicht stolpern Sie über einen Fehler, erwischen jemanden beim Rauchen, obwohl Rauchpausen in Ihrem Unternehmen nicht gestattet sind, oder hören, dass ein Mitarbeiter sich einem Kunden gegenüber im Ton vergreift.
Wie Sie in solchen Situationen reagieren und wie Sie mit solchen Informationen umgehen, prägt ganz wesentlich Ihr Image als Führungskraft.

Natürlich können Sie entweder stillschweigend darüber hinweggehen oder die Sache mit Dritten besprechen (z. B. in der Managementgruppe oder mit dem direkten Vorgesetzten des Mitarbeiters). Besser und zielführender ist es allerdings, wenn Sie erstmal Kontakt mit dem Betroffenen selbst aufnehmen und das Thema offen und direkt ansprechen. Zum einen erhöhen Sie so die Wahrscheinlichkeit, dass der Mitarbeiter sein Verhalten ändert bzw. den Fehler wieder gut macht. Zum anderen wissen die Mitarbeiter, woran sie mit Ihnen sind, und können sich darauf verlassen, dass Sie die Dinge ganz direkt ansprechen, die Sie nicht gut finden - und nicht hintenrum: Das ist eine wichtige Voraussetzung für Vertrauen.

 

Nicht schlecht über "die Firma", die eigenen Vorgesetzten reden

Es ist sehr wichtig, dass Sie sich nicht dazu verleiten lassen, über "die da oben" zu schimpfen und schlecht über Ihre eigenen Vorgesetzten oder die Firma insgesamt zu sprechen. Gerade wenn die Firmenleitung unpopuläre Entscheidungen fällt oder solche, die man selbst nicht so gut findet, ist die Versuchung groß: Das ist zwar kurzfristig meist der bequemste und einfachste Weg, aber längerfristig verspielt man als Führungskraft Ansehen und Vertrauenswürdigkeit - nicht nur von Seiten der eigenen Vorgesetzten, welche ein solches Verhalten immer irgendwie mitbekommen, sondern auch von Seiten der eigenen Mannschaft. Denn Mitarbeiter messen Loyalität und Zuverlässigkeit eines Vorgesetzten auch daran, wie sehr er zum Unternehmen steht und sich in brenzligen Situationen bewährt.

Wichtig: Das heißt nicht, dass Sie zu allem Ja und Amen sagen und die Entscheidungen offiziell schönreden sollen, von denen Sie selbst nicht überzeugt sind. Es spricht durchaus für Sie, wenn Sie eine Firmenentscheidung kritisch sehen und das auch mitteilen: Wichtig ist aber, dass Sie sich nicht negativ darüber auslassen, sondern die Entscheidung und die Gründe dafür für sich selbst und Ihre Mitarbeiter nachvollziehbar machen - und Ihre Leute dazu animieren, das Beste aus der Situation zu machen.

 

Schwierigkeiten und Probleme ernst nehmen

Schwierigkeiten gehören zum Arbeitsleben einfach dazu. Es ist sehr wichtig, dass Sie als Führungskraft keine Schönfärberei betreiben. Wenn Vorgesetzte Hindernisse und Probleme einfach als "Herausforderungen" abtun oder ihren Leuten nur sagen "Das schafft ihr schon. Ihr seid ja so ein gutes Team!", dann verunsichern sie die Mitarbeiter, die sich nicht ernst genommen fühlen, und verspielen sehr viel Vertrauen. Schließlich ist ein Chef ja dafür da, die Richtung und den Weg zu weisen und zu Lösungen zu animieren.

Wichtig: Wenn Sie merken, dass Ihr Team oder einzelne Mitarbeiter Schwierigkeiten haben, dann ergreifen Sie die Initiative und sprechen Sie das an: in Einzelgesprächen oder in Teambesprechungen.
Wenn Mitarbeiter mit schwierigen Themen wie Überarbeitung, schlechter Zusammenarbeit, Kommunikationsproblemen usw. zu Ihnen kommen: Bitte nehmen Sie die Sache und Ihre Leute ernst. Animieren Sie Ihre Mitarbeiter dazu, der Sache auf den Grund zu gehen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen - und unterstützen Sie sie aktiv dabei.

 

Eigene Vorgaben/Regeln selbst einhalten

In unseren Coachings und Workshops lernen wir immer wieder Leute kennen, die an ihrem Arbeitsplatz demotiviert und frustriert sind, weil sie durch ihre Vorgesetzten "ausgebremst" werden.
Da der Chef sich oft nicht an die vereinbarten Abläufe und Abgabetermine hält, können sie ihren Job nicht so gut machen, wie sie möchten und "eigentlich" auch könnten. Welche Gründe auch immer dahinterstecken: Das hat fatale Auswirkungen auf das Image der Vorgesetzten - und längerfristig natürlich auch auf Leistungen und Arbeitsergebnisse.

Es ist sehr wichtig, dass Sie Ihren Part zu einem möglichst reibungslosen Arbeitsablauf beitragen - und getroffene Absprachen und Vereinbarungen auf jeden Fall einhalten bzw. rechtzeitig Bescheid geben, wenn es mal ausnahmsweise nicht klappt.

Wichtig: Chefs unterminieren ihre Vertrauenswürdigkeit auch dann, wenn sie sich nicht an im Unternehmen geltende, eventuell sogar von ihnen selbst aufgestellte Regeln halten. Wenn Pünktlichkeit ein wichtiger Wert in Ihrer Firma ist, dann sollten Sie sich als Führungskraft unbedingt daran halten.

 

Wie sieht es bei Ihnen aus?

Da Vertrauenswürdigkeit ein so zentrales Thema für Sie als Führungskraft ist, lohnt es sich, sich damit auseinander zu setzen und sich selbst kritisch zu betrachten:

Wie definieren Sie selbst den Begriff Vertrauenswürdigkeit?
Welche Erfahrungen haben Sie selbst mit Chefs in punkto Vertrauen gemacht?
Wie muss sich aus Ihrer Sicht ein Vorgesetzter verhalten, damit Sie ihm vertrauen und sich auf ihn verlassen?
Welche Ihrer Kriterien für Vertrauenswürdigkeit erfüllen Sie selbst?

   
   
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