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Klar:
Geschäfte sind Geschäfte. Aber wir alle wissen,
dass eine Geschäftsbeziehung nur dann angenehm - und
auf Dauer tragfähig - ist, wenn sie tatsächlich
partnerschaftlich ist: Wenn beide Seiten respektvoll miteinander
umgehen und auch die eigenen Bedürfnisse und Grenzen
berücksichtigt werden.
Viele
Selbstständige haben leider eine andere Vorstellung
und denken, dass "der Kunde bestimmt". Diese eher
unterwürfige und oft resignierte Sicht der Dinge impliziert,
dass man als Selbstständiger nicht viel zu melden hat.
Doch das stimmt nicht nur nicht, sondern birgt eine Menge
Sprengstoff für sich - und für den Auftraggeber.
Die
eigenen Bedürfnisse, Erwartungen und Grenzen
Werden
die eigenen Grenzen überschritten, fühlen wir
uns nicht wohl. Je nachdem, worum es geht, kann das so weit
führen, dass wir sauer oder enttäuscht sind: Weil
ein anderer unsere Erwartungen nicht erfüllt, Bedürfnisse
nicht ernst nimmt oder egoistisch nur an eigenen Zielen
interessiert zu sein scheint.
Wenn
wir von anderen enttäuscht oder wütend sind -
beruflich wie privat - dann lohnt sich ein näherer
Blick darauf, inwieweit man seine Bedürfnisse oder
Erwartungen überhaupt geäußert hat. Denn
nur dann kann ein anderer diese überhaupt wahrnehmen.
Oft
sind "Grenzverstöße", die einen selbst
wurmen, für den anderen überhaupt nicht ersichtlich.
Ein
Beispiel: Ein IT-Freiberufler betreut das Netzwerk eines
mittleren Unternehmens. Da er sich mit den Mitarbeitern
dort gut versteht, rufen diese auch bei allen möglichen
Anwenderfragen schnell mal bei ihm an. Dies geht ihm mittlerweile
zu weit, er fühlt sich zunehmend ausgenutzt, weil diese
"informellen kurzen Fragen nebenbei" nicht bezahlt
werden. Schließlich ist er auf die Personen, mit denen
er sich bislang wunderbar verstand, auch nicht mehr gut
zu sprechen. Schon wenn die Telefonnummer im Display erscheint,
steigt sein Blutdruck: Die schon wieder! Die Mitarbeiter
wiederum wissen nichts von seiner Unzufriedenheit, sondern
fragen sich, warum der vormals so nette Computermensch plötzlich
so kurz angebunden ist und eher unfreundlich reagiert. Was
dem wohl über die Leber gelaufen ist?!
siehe
auch: Was berechnen
- und was nicht?
Wichtig: Seien Sie fair mit sich und Ihren Kunden. Nur wenn
Sie Ihre Erwartungen, Bedürfnisse und Grenzen kennen
und diese klar kommunizieren, können Sie Missverständnissen,
unangenehmen Situationen und Konflikten vorbeugen. Außerdem
erleichtern Sie anderen den Umgang mit Ihnen, weil diese
wissen, woran sie mit Ihnen sind.
So
setzen Sie Grenzen
Wenn
Sie von Anfang an klare Aussagen treffen, dann kennt Ihr
Kunde die Rahmenbedingungen. Das geht beispielsweise beim
Vereinbaren von Auftragsdetails los. Unser Netzwerkbetreuer
aus dem obigen Beispiel muss klar sagen, was "Betreuung"
alles umfasst. Wird er nach Pauschale bezahlt, muss für
beide Seiten transparent sein, was darin enthalten ist und
was separat berechnet wird.
Nehmen
wir ein anderes Beispiel: die Erreichbarkeit. Wenn Sie Ihrem
Kunden für Notfälle Ihre Handynummer gegeben haben,
dieser aber wegen jeder Kleinigkeit abends und am Wochenende
bei Ihnen anruft, dann ist es wichtig, ihm zu sagen, dass
Sie das stört, und einen Vorschlag zu machen, wie normale
Anfragen besser geregelt werden (z. B. per E-Mail senden,
weil Sie das in Ihrer Arbeit weniger unterbricht - das wird
dann angenommen, wenn Anfragen über diesen Weg auch
ebenso verlässlich und zeitnah von Ihnen bearbeitet
werden).
Haben
Sie keine Angst davor, dass Sie Ihren Kunden verärgern
könnten. Wie so oft kommt es darauf an, WIE Sie etwas
sagen. Um sachlich und freundlich zu bleiben, ist es wichtig,
dass Sie auf Dinge, die Ihre Grenzen verletzen, schnell
reagieren. Andernfalls staut sich Groll auf und die Wahrscheinlichkeit,
dass es irgendwann unkontrolliert oder vorwurfsvoll aus
Ihnen rausbricht, ist sehr hoch.
Darauf kommt es an:
- Verständnis für den anderen plus Klartext
- statt Schuldzuweisungen und Vorwürfe:
"Ich weiß, dass Sie das Projekt lieber gestern
als heute fertigstellen möchten. Aber es nützt
uns allen nichts, wenn wir im Punkt xy schludern. Mein Vorschlag
ist ..." statt "Dann hätten Sie Ihrem Chef
keinen viel zu kurzen Termin für das Projektende vorschlagen
dürfen! Das war doch klar, dass das nicht klappt."
- die eigene Entscheidung mitteilen und begründen
- statt jammern:
"Mir geht es heute nicht so gut und ich brauche ein
bisschen Abstand. Darum gehe ich heute zur Happy Hour mit
dem Team nicht mit." statt "Jetzt muss ich auch
noch dahin mitgehen. Wo es mir doch nicht so gut geht. Immer
diese Teamveranstaltungen!"
- die eigenen Gefühle und Wünsche aussprechen
- statt abwerten und schimpfen:
"Ich bin verärgert, weil Sie einfach an meinen
Laptop gegangen sind. Bitte fragen Sie mich, wenn Sie etwas
brauchen." statt "Typisch! Hier gibt es ja keine
Privatsphäre. Mit den Freiberuflern kann man es wohl
machen!"
- um Kooperation bitten - statt verlangen und Druck ausüben:
"Gerne würde ich das noch vor dem Wochenende erledigen.
Würden Sie mir helfen, indem Sie mir die Daten von
Z noch schnell rübermailen?" statt "Wenn
Sie mir die Daten nicht mailen, geht es eben nicht mehr
vor dem Wochenende. Das wird dann wohl Ärger auf höherer
Ebene geben!"
Verärgerung
und Streit
Es wird
immer mal passieren, dass ein Gespräch aus dem Ruder
läuft. Etwa wenn ein Gespräch hitzig wird, weil
etwas schief gelaufen ist. Bestimmt kennen Sie es aus eigener
Erfahrung, dass man sich schnell an einem "falschen
Ton" aufhängt, selbst wenn man dem Gesprächspartner
inhaltlich sogar Recht gibt.
Nehmen
wir das Beispiel, dass ein Auftraggeber laut und unsachlich
wird. Wenn Sie die Emotionalität komplett ignorieren
und gleich versuchen gegenzuargumentieren, werden Sie nicht
weit kommen. Denn je saurer Ihr Gesprächspartner ist,
desto weniger kommen Sie gerade mit Tatsachen durch - besonders
wenn Sie sich auch noch rechtfertigen und das den Eindruck
macht, Sie wollten sich rausreden. Wenn Sie sich mitreißen
lassen und ebenfalls emotional werden (etwa laut oder bockig),
dann schütten Sie unnötig Öl ins Feuer.
Demnach
ist es wichtig, die kritische Situation konstruktiv zu unterbrechen.
Indem Sie einerseits eine klare Grenze ziehen ("So
nicht!"), andererseits aber Ihre Lösungsorientiertheit
in Bezug auf den Inhalt unterstreichen. Zum Beispiel:
- das Gespräch höflich abbrechen
("Bitte schreien Sie mich nicht an."/"So
lange Sie so sauer sind, habe ich nicht das Gefühl,
dass wir sachlich darüber sprechen können.")
- das Gespräch verschieben
("Momentan haben wir uns festgefahren. Ich schlage
vor, dass wir uns um x Uhr nochmal zusammensetzen und eine
Lösung suchen."/"Ich möchte die Angelegenheit
gerne mit Ihnen besprechen, aber momentan fühle ich
mich ehrlich gesagt sehr angegriffen und merke, dass ich
total geladen bin. Lassen Sie uns am Nachmittag nochmal
telefonieren.")
- sich eine Auszeit nehmen
("Das sind heftige Geschütze! Im Moment kann ich
nichts dazu sagen, ich muss darüber nachdenken.")
- die Sache direkt ansprechen
("Stopp, jetzt reden wir über
und nicht
über
Bitte lenken Sie nicht ab!"/"Nein,
das finde ich nicht gut. Das will ich so nicht stehen lassen.
Das finde ich nicht ok.")
Wichtig ist, dass Sie die Zügel in die Hand nehmen:
Dadurch, dass Sie aussprechen, dass momentan ein konstruktives
Gespräch nicht möglich ist, und das auf sachlich-freundliche
Weise tun, beweisen Sie Souveränität und Lösungsorientiertheit.
Das setzt aber natürlich voraus, dass Sie diesen Break
sachlich herbeiführen und nicht selbst angreifen oder
anklagen.
Konsequenz!
Jede
Grenze braucht Konsequenz. Wenn Sie einerseits mit Ihrem
Kunden darüber gesprochen haben, dass er Ihnen nicht
immer erst kurz vor knapp die relevanten Daten übermittelt,
Sie andererseits dann doch wieder kommentarlos alles annehmen
und eine hektische Deadline einhalten (obwohl es kein Notfall
war), dann ist diese Grenze offenbar für Sie doch nicht
so wichtig. Denn wenn Sie selbst sie nicht einmal einhalten,
warum sollte Ihr Kunde das dann tun?
Damit
Ihre Grenzen auch ernst genommen werden, ist es wichtig,
dass Sie
- sich
selbst dran halten und eine zuvor besprochene Konsequenz
dann auch eintritt.
- Ihre
Grenze wieder (und manchmal noch ein paar Mal) kommunizieren.
Haben Sie das Gefühl, dass es gar nicht um eine aktuelle
Sache geht, sondern dass in der Geschäftsbeziehung
allgemein der Wurm ist - oder dass Sie bei einem bestimmten
Auftraggeber einfach persönlich "nichts gelten",
dann haben Sie den Mut, für sich selbst festzulegen,
unter welchen Umständen Sie die Geschäftsbeziehung
aufrecht erhalten. Natürlich
ist es wichtig, Aufträge und damit ein Einkommen zu
haben. Das sollte aber nicht auf Dauer gegen Ihr Wohlbefinden
gehen.
Ziehen
Sie also in Ihrem eigenen Interesse auch einen Schlusstrich,
wenn Sie das Gefühl haben, dass die Geschäftsbeziehung
immer Schlagseite haben wird. Je kontinuierlicher Sie sich
um Ihre Akquise und um eine breite Kundenbasis bemühen,
desto eher gelingt Ihnen das, weil Sie sich nicht abhängig
von einzelnen Kunden machen.
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