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Home-Office: von zu Hause aus arbeiten
  von Gitte Härter
 

Für viele ist es ein Traum - für manche ist es eine Notwendigkeit: das Büro in der eigenen Wohnung.
Die räumliche Verbindung von Arbeitsplatz und Wohnung bedeutet eine Verschmelzung von Job und Privatleben. Selbst wenn Sie einen deutlich abgegrenzten Arbeitsraum haben und buchstäblich die Tür zumachen können: Sie haben die Arbeit immer zu Hause präsent.

Offenbar ist das Home-Office nur für wenige Menschen tatsächlich ein Ideal. Auch wenn es vordergründig für viele praktisch ist: Beim näheren Nachfragen kommen die Feinheiten des Pro und Contra heraus.

Hier einige wichtige Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten - und jeweils ein paar Tipps dazu:

Disziplin: Beruf
Disziplin: Freizeit
Disziplin: Person
Vereinsamen
Telefon/Adressen
Kind und Kegel
Geschäftliche Termine
Disziplin, Disziplin, Disziplin

 

Disziplin: Beruf

Es gibt Menschen, die bei sich zu Hause in der Wohnung einfach nicht so richtig in die Gänge kommen, weil die privaten Dinge zu präsent sind. Das fängt beim regelmäßigen Aufstehen an: Theoretisch kann man ja länger schlafen, stört ja niemanden wirklich. Und ehe man sich versieht, kann das Später-aufstehen zur Gewohnheit werden. Dann erstmal Kaffee trinken ... die ganze Atmosphäre ist relaxt, die Hausarbeit kann man nebenbei machen, eben mal rausspringen, was einkaufen gehen. Oder sich ganz kurz auf die Couch setzen und was lesen ...

Tipps:

- Vereinbaren Sie mit sich selbst feste Arbeitszeiten und halten Sie sich daran. Je nachdem, wie sehr Sie klare Rahmenbedingungen brauchen, können Sie sich "sklavisch" an Arbeitszeiten wie 9-12, 14-18 Uhr halten - oder die Grenzen etwas verschwimmen lassen.
Besonders zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit möchte ich Ihnen zu einem engeren Rahmen raten, bis sich Ihr Business eingespielt hat und Sie selbst in die neue Situation reingewachsen sind.

- Nehmen Sie sich feste Tätigkeiten vor und machen Sie sich einen Plan, welche "To Do's" Sie jeweils erledigen müssen und möchten. Besonders wenn Sie erst seit kurzem selbstständig sind und das Telefon kaum klingelt und noch niemand von Ihnen weiß, ist das wichtig. Achten Sie generell (unabhängig von der Dauer Ihrer Selbstständigkeit) darauf, dass Sie Tätigkeiten einbauen, mit denen Sie Ihr Business nach außen bekannt machen und halten Sie Kontakt mit potenziellen und bestehenden Kunden.

- Machen Sie Hausarbeit & Co. nur in Ihren Pausen. Vermischen Sie das nur, wenn Sie sicher sind, dass Sie Privates und Berufliches im Griff haben. Wer von sich weiß, dass er sich verzettelt, wenn er beginnt Wäsche zu waschen und aufzuräumen, sollte das nicht zwischendrin tun.

 

Disziplin: Freizeit

Das andere Extrem sind Menschen, die arbeitsmäßig kein Ende mehr finden. Da der Schreibtisch so nah ist, braucht man eigentlich nicht schon aufzuhören, denn man hat ja keinen Heimweg. Und abends kann man auch grad noch schnell dies-und-jenes fertigmachen, die Ablage erledigen oder ein Konzept durchdenken.

Im ersten Punkt sind die wichtigsten Aspekte schon genannt: die fixen Arbeitszeiten (dran halten!) und die Pläne, was jeweils zu tun ist.
Wenn Sie das tun, können Sie auch ohne schlechtes Gewissen Ihrem Privatleben nachgehen. Denn das ist wichtig - die Annahme, Sie seien erfolgreicher, wenn Sie wie ein Hamster im Rad endlos werkeln, ist ein Trugschluss.
Tatsächlich erweisen Sie sich mit Ausgepowertsein einen Bärendienst, setzen Ihre Gesundheit und Ihre Lebensqualität aufs Spiel - und haben möglicherweise nach kurzer Zeit keinen Spaß mehr an Ihrer Arbeit. Übrigens: Ruhepausen und Abstand verhelfen auch Ihrer Kreativität und der Qualität Ihrer Arbeit auf die Sprünge!

Tipps:

- Achten Sie auf ein ausgefülltes Privatleben. Halten Sie Kontakt zu Freunden und Bekannten. Haben Sie Zeit für Ihren Lebenspartner und Ihre Familie. Selbstständige gehen meist zu sehr in ihrer Arbeit auf und vernachlässigen alles um sich herum. Kein Wunder, dass es dann privat oft Knatsch gibt oder Freundschaften in die Brüche gehen.
Wenn dies schon passiert ist: Dann rufen Sie jetzt sofort den betreffenden Freund an, den Sie vernachlässigt haben, und nehmen Sie Kontakt auf!

- Machen Sie Termine "draußen" - mit sich selbst
(z. B. Sport) und mit Freunden. Und halten Sie vor allen Dingen diese Termine auch ein: Nehmen Sie diese und Ihre privaten Vorhaben wichtig.

- Zu den Arbeitszeiten: Vielleicht arbeiten Sie tatsächlich lieber abends und bleiben vormittags lieber im Bett. Gestalten Sie sich Ihre Arbeitszeiten so wie es Ihnen gut tut. Probieren Sie ruhig ein wenig herum. Möglicherweise möchten Sie eine Vier-Tage-Woche und einen Tag frei haben. Wichtig ist nur, dass Sie Ihre Freizeit dann auch wirklich als freie Zeit nutzen.

 

Disziplin: Person

Auch auf die eigene Person bezogen, ist Disziplin angesagt. Erst kürzlich habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten: Wie schön es ist, dass ich mich schon mal direkt vom Bett an den Computer setzen und erst einmal etwas arbeiten kann, bevor ich mich etwas später daran mache, Kaffee zu machen und mich ordentlich anzuziehen. "Mein Gott!", meinte meine Gesprächspartnerin, "ich würde völlig verlottern, wenn ich zuhause arbeiten würde. Ich würde mich nie mehr richtig anziehen - und wenn ich ein Mann wäre, würde mir ein Bart wachsen und nach kurzer Zeit sähe ich aus wie Robinson Crusoe!"

Tipp:

- Ziehen Sie sich ruhig lockerer an zuhause - jedoch immer so, dass Sie sich damit auch nach außen trauen würden. Wenn Sie wichtige Gespräche am Telefon führen: Probieren Sie aus, ob Sie sich besser fühlen und wirken, wenn Sie sich businesslike anziehen, auch wenn Sie niemand sieht.

- Je nachdem, in welchem Bereich Sie tätig sind, müssen Sie vielleicht spontan außer Haus oder es kommt unangemeldet Besuch: Achten Sie darauf, dass Sie immer die Tür öffnen können.

- Nur wer sich im Griff hat und bei wem die Arbeitsleistung und das Wohlfühlen nicht vom Äußerlichen abhängen, sollte sich ausnahmsweise "gammeln" leisten.

 

Vereinsamen

Wenn Sie planen, von zu Hause zu arbeiten, dann prüfen Sie auch, wie gut Sie alleine

- arbeiten

und

- sein

können.

Gerade wenn Sie vorher angestellt waren und in einem Team gearbeitet haben, ist das eine große Umstellung.

Keine Frage: Das Alleine-Arbeiten hat Vorteile - Sie können konzentrierter und ohne ständige Unterbrechungen am Ball bleiben. Und gerade wenn der Trubel in Ihrer Angestelltenzeit Sie teilweise ganz schön nervte, ist das ein großer Pluspunkt.
Viele Allein-zuhause-Arbeiter leiden auf Dauer jedoch unter Vereinsamung: Es fehlt jemand, mit dem man sich mal austauschen oder plauschen kann. Und auch die ganze Atmosphäre ist anders.
Wenn Sie jemand sind, der dann so richtig zur Hochform aufläuft und Ideen hat, wenn andere Leute da sind und Geschäftigkeit in der Luft liegt, kann es sein, dass Sie plötzlich merken, wie Ihre Energie und Gedankenflüsse ins Stocken geraten.

Tipps:

- Gehen Sie unter Leute - auch privat. Ich gehe beispielsweise gerne in ein Café, wenn ich mir ein Konzept überlege. Es fällt mir dann leichter, wohl weil Leute und mehr "Energie" um mich rum sind. Probieren Sie aus, was Sie brauchen.

- Treten Sie mit anderen in Kontakt: Das können andere Selbstständige, Geschäftspartner sein oder neue Bekanntschaften für private Aktivitäten.

- Gerade, wenn Sie geschäftlichen Austausch suchen: Bauen Sie sich ein Netzwerk auf oder treten Sie einem Netzwerk oder Berufs- bzw. Branchenverband bei.

- Vielleicht tut es Ihnen auch gut, irgendwo anders einen Raum zu mieten, wo Sie zeitweise arbeiten können und unter Leuten sind.

- Je nachdem, in welchem Bereich Sie tätig sind, können Sie sich einen Auftrag/Kunden suchen, wo Sie für einen gewisse Zeit pro Woche bei Ihrem Auftraggeber vor Ort arbeiten.

 

Telefon/Adressen

Wer von zu Hause aus arbeitet, muss sich auch darüber im Klaren sein, dass die Privatadresse allgemein bekannt wird. Besonders wenn Sie stark nach außen präsent sind, zum Beispiel eine eigene Website haben, kann jedermann ohne großen Aufwand Ihre persönlichen Details und Kontaktdaten erfahren. Auch das will wohl bedacht sein.

Tipp:

- Legen Sie sich ISDN zu und halten Sie Ihre geschäftliche Telefonnummer auf jeden Fall separat von Ihrer privaten Nummer. Geben Sie nur Ihre geschäftliche Nummer weiter. Sie sollten einen eigenen Anrufbeantworter für die Firmennummer haben - mit einer eigenen, professionellen Ansage.

- Denken Sie an eine eindeutige und ordentliche Beschriftung der Klingel und des Briefkastens. Wenn Kunden zu Ihnen kommen, bietet sich eventuell ein richtiges Schild an (ggf. Genehmigung der Hausverwaltung einholen).

- Apropos Privatwohnung: Lesen Sie Ihren Mietvertrag bzw. holen Sie ggf. die Genehmigung des Vermieters ein, wenn Sie "Laufkundschaft" etc. haben.

 

Kind und Kegel

Haben Sie Familie? Oder hören Sie zu Hause laute Musik? Es bellt der Hund im Hintergrund? Achten Sie darauf, dass, wenn Sie telefonische oder persönliche Gespräche führen, nicht das große Tohuwabohu herrscht. Das wirkt nicht nur störend, sondern - je nachdem, was Sie tun - auch schnell unprofessionell.

Tipps:

- Planen Sie innerhalb Ihrer Familie, dass Sie möglichst nicht gestört werden, wenn Sie arbeiten. Ich höre immer wieder von Selbstständigen, dass ihre Familie es nicht als "Arbeit" empfindet und ständig etwas möchte. Je nachdem wie klein Ihre Kinder sind und wie die Betreuung geregelt ist, sollten auch kleinere Kinder lernen, wenn Mama oder Papa arbeitet.

- Wenn Sie zu Hause arbeiten, weil Sie kleinere Kinder haben und Sie parallel für Ihre Kinder da sind, überlegen Sie sich generell, wie Sie Ihre Arbeitszeiten am besten legen, so dass sich Arbeit und Familienleben nicht 100 Prozent überschneiden. Sonst fühlen Sie sich ständig hin- und hergerissen und sind mit den Gedanken mal bei der Arbeit und mal bei Ihrer Familie.

- Wenn Familienmitglieder Ihr Geschäftstelefon beantworten, achten Sie darauf, dass das professionell geschieht und die Nachrichten ordnungsgemäß aufgenommen und ausgerichtet werden. Wenn dies nicht möglich ist, schalten Sie lieber den Anrufbeantworter ein und rufen Sie zurück. Ich telefoniere immer wieder mit Kindern und Eheleuten von Selbstständigen und teilweise zieht es mir regelrecht die Schuhe aus - von Desinteresse bis zur Unfreundlichkeit/Genervtheit ist alles vertreten. Natürlich gibt es auch das positive Beispiel: Ich möchte an dieser Stelle einfach sensibilisieren, dass Sie mit Ihren Familienmitgliedern besprechen, wie sie sich in Ihrem Sinne melden und was genau sie tun sollen.

 

Geschäftliche Termine

Je nachdem, in welcher Branche Sie tätig sind und welche Leistungen Sie anbieten, haben Sie auch persönliche Kundenkontakte. Nicht jeder hat eine Wohnung, wo das Arbeitszimmer so abgetrennt ist, dass man problemlos Kunden oder potenzielle Auftraggeber empfangen kann.

Oder: Nicht jeder möchte geschäftliche Gespräche in seiner Privatwohnung führen.

Tipps:

- Fragen Sie sich, ob Sie geschäftliche Kontakte in Ihrer Wohnung empfangen möchten. Wenn nicht, achten Sie auf Alternativen, wenn Sie jemanden nicht in dessen Firma treffen möchten oder können
(z. B. weil zu weit weg). Alternativen können sein: ruhige Cafés oder Restaurants, eventuell eine Hotellobby oder ein Raum, den Sie anmieten bzw. bei einer befreundeten Firma für eine Besprechung nutzen können.

Übrigens: Sagen Sie Ihrem Kontakt ruhig, dass Sie ein Home-Office haben. Da ist nichts Schlimmes dran und es erspart Ihnen Versteckspielen, wenn ein Geschäftskontakt unbedingt zu Ihnen kommen möchte.

- Ist Ihre Wohnung vorzeigbar? Stichworte: geputzt und aufgeräumt?

 

Disziplin, Disziplin, Disziplin

Sie sehen, dass immer wieder das Wort "Disziplin" vorkommt - dass Disziplin von grundlegender Bedeutung ist, ist meine eigene Erfahrung und diese Erkenntnis habe ich auch aus zahlreichen Gesprächen mit Selbstständigen gewonnen.

Das Wörterbuch sagt zu Diszplin in dem Sinne, wie wir sie hier verstehen:

die; -,-en 1. kMz. Selbstzucht, Selbstbeherrschung 2. kMz. Ordnung, Zucht, Benehmen nach Regeln 3. kMz. Unterordnung, Einordnung

Viele der hier angesprochenen Punkte sind in einem Angestelltenverhältnis von Haus aus für uns geregelt: Es gibt feste Arbeitszeiten, einen vorgeschriebenen oder sich eingebürgerten "Dresscode" und auch das Miteinander und Kontakte sind geregelt ... Wenn dieser feste Rahmen, in den man sich einordnen und an den man sich halten kann, wegfällt, ist es wichtig, sich wieder einen zu schaffen.

Die gute Nachricht: Sie sind selbstständig und können den Rahmen so abstecken, dass Sie das Maß an Freiheit haben, das Sie sich wünschen - jedoch unter Berücksichtigung des Maßes, das Sie brauchen!

   
  Ein toller Ratgeber für Einzelkämpfer, die im Home-Office arbeiten:
 
 
   
   
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