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Für
viele ist es ein Traum - für manche ist es eine Notwendigkeit:
das Büro in der eigenen Wohnung.
Die räumliche Verbindung von Arbeitsplatz und Wohnung
bedeutet eine Verschmelzung von Job und Privatleben. Selbst
wenn Sie einen deutlich abgegrenzten Arbeitsraum haben und
buchstäblich die Tür zumachen können: Sie
haben die Arbeit immer zu Hause präsent.
Offenbar
ist das Home-Office nur für wenige Menschen tatsächlich
ein Ideal. Auch wenn es vordergründig für viele
praktisch ist: Beim näheren Nachfragen kommen die Feinheiten
des Pro und Contra heraus.
Hier
einige wichtige Aspekte, die Sie berücksichtigen sollten
- und jeweils ein paar Tipps dazu:
Disziplin:
Beruf
Disziplin:
Freizeit
Disziplin:
Person
Vereinsamen
Telefon/Adressen
Kind
und Kegel
Geschäftliche
Termine
Disziplin,
Disziplin, Disziplin
Disziplin:
Beruf
Es gibt
Menschen, die bei sich zu Hause in der Wohnung einfach nicht
so richtig in die Gänge kommen, weil die privaten Dinge
zu präsent sind. Das fängt beim regelmäßigen
Aufstehen an: Theoretisch kann man ja länger schlafen,
stört ja niemanden wirklich. Und ehe man sich versieht,
kann das Später-aufstehen zur Gewohnheit werden. Dann
erstmal Kaffee trinken ... die ganze Atmosphäre ist
relaxt, die Hausarbeit kann man nebenbei machen, eben mal
rausspringen, was einkaufen gehen. Oder sich ganz kurz auf
die Couch setzen und was lesen ...
Tipps:
- Vereinbaren
Sie mit sich selbst feste Arbeitszeiten und halten Sie sich
daran. Je nachdem, wie sehr Sie klare Rahmenbedingungen
brauchen, können Sie sich "sklavisch" an
Arbeitszeiten wie 9-12, 14-18 Uhr halten - oder die Grenzen
etwas verschwimmen lassen.
Besonders zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit möchte
ich Ihnen zu einem engeren Rahmen raten, bis sich Ihr Business
eingespielt hat und Sie selbst in die neue Situation reingewachsen
sind.
- Nehmen
Sie sich feste Tätigkeiten vor und machen Sie sich
einen Plan, welche "To Do's" Sie jeweils erledigen
müssen und möchten. Besonders wenn Sie erst seit
kurzem selbstständig sind und das Telefon kaum klingelt
und noch niemand von Ihnen weiß, ist das wichtig.
Achten Sie generell (unabhängig von der Dauer Ihrer
Selbstständigkeit) darauf, dass Sie Tätigkeiten
einbauen, mit denen Sie Ihr Business nach außen bekannt
machen und halten Sie Kontakt mit potenziellen und bestehenden
Kunden.
- Machen
Sie Hausarbeit & Co. nur in Ihren Pausen. Vermischen
Sie das nur, wenn Sie sicher sind, dass Sie Privates und
Berufliches im Griff haben. Wer von sich weiß, dass
er sich verzettelt, wenn er beginnt Wäsche zu waschen
und aufzuräumen, sollte das nicht zwischendrin tun.
Disziplin:
Freizeit
Das
andere Extrem sind Menschen, die arbeitsmäßig
kein Ende mehr finden. Da der Schreibtisch so nah ist, braucht
man eigentlich nicht schon aufzuhören, denn man hat
ja keinen Heimweg. Und abends kann man auch grad noch schnell
dies-und-jenes fertigmachen, die Ablage erledigen oder ein
Konzept durchdenken.
Im ersten
Punkt sind die wichtigsten Aspekte schon genannt: die fixen
Arbeitszeiten (dran halten!) und die Pläne, was jeweils
zu tun ist.
Wenn Sie das tun, können Sie auch ohne schlechtes Gewissen
Ihrem Privatleben nachgehen. Denn das ist wichtig - die
Annahme, Sie seien erfolgreicher, wenn Sie wie ein Hamster
im Rad endlos werkeln, ist ein Trugschluss.
Tatsächlich erweisen Sie sich mit Ausgepowertsein einen
Bärendienst, setzen Ihre Gesundheit und Ihre Lebensqualität
aufs Spiel - und haben möglicherweise nach kurzer Zeit
keinen Spaß mehr an Ihrer Arbeit. Übrigens: Ruhepausen
und Abstand verhelfen auch Ihrer Kreativität und der
Qualität Ihrer Arbeit auf die Sprünge!
Tipps:
- Achten
Sie auf ein ausgefülltes Privatleben. Halten Sie Kontakt
zu Freunden und Bekannten. Haben Sie Zeit für Ihren
Lebenspartner und Ihre Familie. Selbstständige gehen
meist zu sehr in ihrer Arbeit auf und vernachlässigen
alles um sich herum. Kein Wunder, dass es dann privat oft
Knatsch gibt oder Freundschaften in die Brüche gehen.
Wenn dies schon passiert ist: Dann rufen Sie jetzt sofort
den betreffenden Freund an, den Sie vernachlässigt
haben, und nehmen Sie Kontakt auf!
- Machen
Sie Termine "draußen" - mit sich selbst
(z. B. Sport) und mit Freunden. Und halten Sie vor allen
Dingen diese Termine auch ein: Nehmen Sie diese und Ihre
privaten Vorhaben wichtig.
- Zu
den Arbeitszeiten: Vielleicht arbeiten Sie tatsächlich
lieber abends und bleiben vormittags lieber im Bett. Gestalten
Sie sich Ihre Arbeitszeiten so wie es Ihnen gut tut. Probieren
Sie ruhig ein wenig herum. Möglicherweise möchten
Sie eine Vier-Tage-Woche und einen Tag frei haben. Wichtig
ist nur, dass Sie Ihre Freizeit dann auch wirklich als freie
Zeit nutzen.
Disziplin:
Person
Auch
auf die eigene Person bezogen, ist Disziplin angesagt. Erst
kürzlich habe ich mich mit jemandem darüber unterhalten:
Wie schön es ist, dass ich mich schon mal direkt vom
Bett an den Computer setzen und erst einmal etwas arbeiten
kann, bevor ich mich etwas später daran mache, Kaffee
zu machen und mich ordentlich anzuziehen. "Mein Gott!",
meinte meine Gesprächspartnerin, "ich würde
völlig verlottern, wenn ich zuhause arbeiten würde.
Ich würde mich nie mehr richtig anziehen - und wenn
ich ein Mann wäre, würde mir ein Bart wachsen
und nach kurzer Zeit sähe ich aus wie Robinson Crusoe!"
Tipp:
- Ziehen
Sie sich ruhig lockerer an zuhause - jedoch immer so, dass
Sie sich damit auch nach außen trauen würden.
Wenn Sie wichtige Gespräche am Telefon führen:
Probieren Sie aus, ob Sie sich besser fühlen und wirken,
wenn Sie sich businesslike anziehen, auch wenn Sie niemand
sieht.
- Je
nachdem, in welchem Bereich Sie tätig sind, müssen
Sie vielleicht spontan außer Haus oder es kommt unangemeldet
Besuch: Achten Sie darauf, dass Sie immer die Tür öffnen
können.
- Nur
wer sich im Griff hat und bei wem die Arbeitsleistung und
das Wohlfühlen nicht vom Äußerlichen abhängen,
sollte sich ausnahmsweise "gammeln" leisten.
Vereinsamen
Wenn
Sie planen, von zu Hause zu arbeiten, dann prüfen Sie
auch, wie gut Sie alleine
- arbeiten
und
- sein
können.
Gerade
wenn Sie vorher angestellt waren und in einem Team gearbeitet
haben, ist das eine große Umstellung.
Keine
Frage: Das Alleine-Arbeiten hat Vorteile - Sie können
konzentrierter und ohne ständige Unterbrechungen am
Ball bleiben. Und gerade wenn der Trubel in Ihrer Angestelltenzeit
Sie teilweise ganz schön nervte, ist das ein großer
Pluspunkt.
Viele Allein-zuhause-Arbeiter leiden auf Dauer jedoch unter
Vereinsamung: Es fehlt jemand, mit dem man sich mal austauschen
oder plauschen kann. Und auch die ganze Atmosphäre
ist anders.
Wenn Sie jemand sind, der dann so richtig zur Hochform aufläuft
und Ideen hat, wenn andere Leute da sind und Geschäftigkeit
in der Luft liegt, kann es sein, dass Sie plötzlich
merken, wie Ihre Energie und Gedankenflüsse ins Stocken
geraten.
Tipps:
- Gehen
Sie unter Leute - auch privat. Ich gehe beispielsweise gerne
in ein Café, wenn ich mir ein Konzept überlege.
Es fällt mir dann leichter, wohl weil Leute und mehr
"Energie" um mich rum sind. Probieren Sie aus,
was Sie brauchen.
- Treten
Sie mit anderen in Kontakt: Das können andere Selbstständige,
Geschäftspartner sein oder neue Bekanntschaften für
private Aktivitäten.
- Gerade,
wenn Sie geschäftlichen Austausch suchen: Bauen Sie
sich ein Netzwerk auf oder treten Sie einem Netzwerk oder
Berufs- bzw. Branchenverband bei.
- Vielleicht
tut es Ihnen auch gut, irgendwo anders einen Raum zu mieten,
wo Sie zeitweise arbeiten können und unter Leuten sind.
- Je
nachdem, in welchem Bereich Sie tätig sind, können
Sie sich einen Auftrag/Kunden suchen, wo Sie für einen
gewisse Zeit pro Woche bei Ihrem Auftraggeber vor Ort arbeiten.
Telefon/Adressen
Wer
von zu Hause aus arbeitet, muss sich auch darüber im
Klaren sein, dass die Privatadresse allgemein bekannt wird.
Besonders wenn Sie stark nach außen präsent sind,
zum Beispiel eine eigene Website haben, kann jedermann ohne
großen Aufwand Ihre persönlichen Details und
Kontaktdaten erfahren. Auch das will wohl bedacht sein.
Tipp:
- Legen
Sie sich ISDN zu und halten Sie Ihre geschäftliche
Telefonnummer auf jeden Fall separat von Ihrer privaten
Nummer. Geben Sie nur Ihre geschäftliche Nummer weiter.
Sie sollten einen eigenen Anrufbeantworter für die
Firmennummer haben - mit einer eigenen, professionellen
Ansage.
- Denken
Sie an eine eindeutige und ordentliche Beschriftung der
Klingel und des Briefkastens. Wenn Kunden zu Ihnen kommen,
bietet sich eventuell ein richtiges Schild an (ggf. Genehmigung
der Hausverwaltung einholen).
- Apropos
Privatwohnung: Lesen Sie Ihren Mietvertrag bzw. holen Sie
ggf. die Genehmigung des Vermieters ein, wenn Sie "Laufkundschaft"
etc. haben.
Kind
und Kegel
Haben
Sie Familie? Oder hören Sie zu Hause laute Musik? Es
bellt der Hund im Hintergrund? Achten Sie darauf, dass,
wenn Sie telefonische oder persönliche Gespräche
führen, nicht das große Tohuwabohu herrscht.
Das wirkt nicht nur störend, sondern - je nachdem,
was Sie tun - auch schnell unprofessionell.
Tipps:
- Planen
Sie innerhalb Ihrer Familie, dass Sie möglichst nicht
gestört werden, wenn Sie arbeiten. Ich höre immer
wieder von Selbstständigen, dass ihre Familie es nicht
als "Arbeit" empfindet und ständig etwas
möchte. Je nachdem wie klein Ihre Kinder sind und wie
die Betreuung geregelt ist, sollten auch kleinere Kinder
lernen, wenn Mama oder Papa arbeitet.
- Wenn
Sie zu Hause arbeiten, weil Sie kleinere Kinder haben und
Sie parallel für Ihre Kinder da sind, überlegen
Sie sich generell, wie Sie Ihre Arbeitszeiten am besten
legen, so dass sich Arbeit und Familienleben nicht 100 Prozent
überschneiden. Sonst fühlen Sie sich ständig
hin- und hergerissen und sind mit den Gedanken mal bei der
Arbeit und mal bei Ihrer Familie.
- Wenn
Familienmitglieder Ihr Geschäftstelefon beantworten,
achten Sie darauf, dass das professionell geschieht und
die Nachrichten ordnungsgemäß aufgenommen und
ausgerichtet werden. Wenn dies nicht möglich ist, schalten
Sie lieber den Anrufbeantworter ein und rufen Sie zurück.
Ich telefoniere immer wieder mit Kindern und Eheleuten von
Selbstständigen und teilweise zieht es mir regelrecht
die Schuhe aus - von Desinteresse bis zur Unfreundlichkeit/Genervtheit
ist alles vertreten. Natürlich gibt es auch das positive
Beispiel: Ich möchte an dieser Stelle einfach sensibilisieren,
dass Sie mit Ihren Familienmitgliedern besprechen, wie sie
sich in Ihrem Sinne melden und was genau sie tun sollen.
Geschäftliche
Termine
Je nachdem,
in welcher Branche Sie tätig sind und welche Leistungen
Sie anbieten, haben Sie auch persönliche Kundenkontakte.
Nicht jeder hat eine Wohnung, wo das Arbeitszimmer so abgetrennt
ist, dass man problemlos Kunden oder potenzielle Auftraggeber
empfangen kann.
Oder:
Nicht jeder möchte geschäftliche Gespräche
in seiner Privatwohnung führen.
Tipps:
- Fragen
Sie sich, ob Sie geschäftliche Kontakte in Ihrer Wohnung
empfangen möchten. Wenn nicht, achten Sie auf Alternativen,
wenn Sie jemanden nicht in dessen Firma treffen möchten
oder können
(z. B. weil zu weit weg). Alternativen können sein:
ruhige Cafés oder Restaurants, eventuell eine Hotellobby
oder ein Raum, den Sie anmieten bzw. bei einer befreundeten
Firma für eine Besprechung nutzen können.
Übrigens:
Sagen Sie Ihrem Kontakt ruhig, dass Sie ein Home-Office
haben. Da ist nichts Schlimmes dran und es erspart Ihnen
Versteckspielen, wenn ein Geschäftskontakt unbedingt
zu Ihnen kommen möchte.
- Ist
Ihre Wohnung vorzeigbar? Stichworte: geputzt und aufgeräumt?
Disziplin,
Disziplin, Disziplin
Sie
sehen, dass immer wieder das Wort "Disziplin"
vorkommt - dass Disziplin von grundlegender Bedeutung ist,
ist meine eigene Erfahrung und diese Erkenntnis habe ich
auch aus zahlreichen Gesprächen mit Selbstständigen
gewonnen.
Das
Wörterbuch sagt zu Diszplin in dem Sinne, wie wir sie
hier verstehen:
die;
-,-en 1. kMz. Selbstzucht, Selbstbeherrschung 2. kMz. Ordnung,
Zucht, Benehmen nach Regeln 3. kMz. Unterordnung, Einordnung
Viele
der hier angesprochenen Punkte sind in einem Angestelltenverhältnis
von Haus aus für uns geregelt: Es gibt feste Arbeitszeiten,
einen vorgeschriebenen oder sich eingebürgerten "Dresscode"
und auch das Miteinander und Kontakte sind geregelt ...
Wenn dieser feste Rahmen, in den man sich einordnen und
an den man sich halten kann, wegfällt, ist es wichtig,
sich wieder einen zu schaffen.
Die
gute Nachricht: Sie sind selbstständig und
können den Rahmen so abstecken, dass Sie das Maß
an Freiheit haben, das Sie sich wünschen - jedoch unter
Berücksichtigung des Maßes, das Sie brauchen!
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