|
Die
Frage, ob man als Selbstständiger (s)eine Nische suchen
muss oder auch mit einem breit gefächerten Angebot
auf den Markt gehen kann, stellen sich viele. In der Regel
wird zur Spezialisierung geraten. Und das hat natürlich
durchaus seine Berechtigung:
- (potenzielle)
Kunden können einen klar einordnen und erinnern sich
eher
- die
Konzentration auf ein bestimmtes Fachgebiet erlaubt einschlägige
Vertiefung/Verbesserung der Fachkenntnisse und der Zielgruppe/Marktlage
- wer
einen klar abgesteckten Bereich abdeckt, kann gezielt und
überzeugend nach außen auftreten (Stichworte
Akquise und Werbung)
- Spezialisten
sind in der Regel überzeugender und werden lieber angesprochen
als Anbieter mit Bauchladen-Charakter
Doch
was ist, wenn man tatsächlich auf mehreren Gebieten
kompetent ist oder in einem bestimmten Bereich Komplettservice
bieten möchte? Und was ist, wenn man einfach ein Generalist
ist: jemand, der gerne verschiedene Gebiete und Tätigkeiten
abdeckt und das auch tatsächlich kann?
Feste
Grundlagen haben: Kompetenz!
Ganz
klar ist: Als Selbstständige/r ist es wichtig, dass
Sie in dem, was Sie anbieten, kompetent sind. Dazu gehört
nicht nur theoretisches Fachwissen, sondern idealerweise
auch Praxiserfahrung.
Besonders
in den ersten Jahren der Selbstständigkeit neigt man
dazu, das eigene Angebot möglichst breit zu halten,
in der Hoffnung auch ja keinen Auftrag (und damit Einkommen)
zu versäumen, oder weil man nicht in eine "Ausschließlichkeits"-Schublade
gesteckt werden möchte.
Ich
kenne leider auch Selbstständige, die jeden Auftrag
annehmen, auch wenn sie überhaupt nicht kompetent dafür
sind. Eine freiberufliche Marketingfachfrau beispielsweise
wurde von einem Kunden gefragt, ob sie auch im Erstellen
von Werbefilmen firm sei. - Aber natürlich, war ihre
Antwort ... unmittelbar nach dem Kundengespräch begann
sie schon im Auto fieberhaft rumzutelefonieren, wer ihr
da denn zur Seite stehen könne, weil sie von Tuten
und Blasen keine Ahnung hatte. Ein Trainer wurde gefragt,
ob er er NLP-Kurse anbietet. Klar! Er marschierte in die
nächste Buchhandlung, holte sich einen Ratgeber über
NLP und machte sich übers Wochenende "fit genug"
für das von ihm durchgeführte Training.
Sowas
mag kurzfristig gut gehen, wird jedoch schnell sehr kontraproduktiv.
Abgesehen vom fragwürdigen Ergebnis sollte es selbstverständlich
sein, hinter sich, seinen Versprechungen und seinem Angebot
stehen zu können. Und Aufrichtigkeit in einer Kundenbeziehung
ist mit eine der wichtigsten Grundlagen für eine zufriedene
und idealerweise langjährige Partnerschaft und dafür,
weiterempfohlen zu werden.
Prüfen
Sie also Ihr Angebot:
- Was
genau biete ich an?
- Wie
schlüsseln sich die einzelnen Produkte bzw. Leistungen
auf?
- Welche
Kompetenzbereiche leite ich daraus ab?
- Welche
Aspekte beherrsche ich völlig und wo bin ich nur "okay"
oder habe nur Grundkenntnisse bzw. relativ wenig Erfahrung
bisher?
Wichtig:
Seien Sie ehrlich zu sich! Nutzen Sie diese Übung,
Defizite zu identifizieren und sich zu überlegen, wie
Sie diese ausgleichen können und was Sie dazu brauchen.
Tipp:
Wenn Sie von einem Interessenten oder einem bestehenden
Kunden eine Anfrage bekommen, die Sie gerne annehmen würden,
jedoch wissen, dass sie nicht Ihrer Kernkompetenz entspricht,
dann sagen Sie das offen. Möglicherweise werden Sie
den Auftrag dennoch erhalten. Und auch wenn nicht: Sie können
sicher sein, dass Ihr Gegenüber es als Pluspunkt wertet,
dass Sie ihn rechtzeitig informiert haben und Ihre eigenen
Grenzen kennen.
Sich
selbst sortieren und priorisieren
Nehmen
Sie sich Ihre Aufzeichnungen von eben noch einmal vor: Sie
haben ja sowohl Ihre Leistungen aufgeschrieben als auch
die Kompetenzbereiche und Ihre eigene Einschätzung.
Sortieren
Sie jetzt weiter. Das kann jetzt - je nachdem, wie weit
Sie mit der ersten Aufgabe gekommen sind - bedeuten:
->
Sie haben nur wenige, dafür aber sehr große Bereiche
auf Ihrem Blatt Papier stehen. Dann ist erstmal angesagt,
die einzelnen Bereiche "runterzubrechen" und konkreter
zu sagen, was damit zusammenhängt.
Vielleicht
steht da: Firmentrainings Kommunikation und Verkauf - dann
konkretisieren Sie: Was genau vermitteln Sie? Welche einzelnen
Fertigkeiten und Kenntnisse fallen unter diese großen
Oberbegriffe? In welcher Form vermitteln Sie (Präsenz-
oder Online-Kurse, nur Inhouse- oder auch offene Seminare,
größere Gruppen oder Einzelcoachings etc.)?
->
Vielleicht haben Sie eine ganze Latte von Leistungen aufgeschrieben.
Dann geht es jetzt ans Sortieren: Was gehört zusammen?
Priorisieren
Sie:
->
wie wichtig diese Leistung für Ihr Geschäft ist
(Kernkompetenz, finanziell am erfolgreichsten - in Bezug
auf Aufwand/Ergebnis)
->
wie kompetent Sie jeweils sind (siehe erste Aufgabe) und
wodurch Sie das belegen
->
wie gut (Selbst-/Fremdeinschätzung) Sie im jeweiligen
Gebiet sind
->
wie gern Sie die jeweilige Leistung ausführen
Das
Angebot überzeugend machen
Kürzlich
las ich im Internet von folgender Geschäftsidee: Ein
junger Mann wollte zur Hälfte als Kurierfahrer tätig
sein und zur Hälfte als Grafiker. Die Tätigkeit
des Kurierfahrers sollte ihm ein festes Einkommen sichern.
Grafiker war sein eigentlicher Beruf. Prinzipiell ein ganz
guter Gedanke, nicht wahr? Nun wollte er diese beiden Stellen
jedoch verknüpfen und als Kurierfahrer Kunden für
seine Grafikerfirma akquirieren. Sowas kann nicht gutgehen.
Auch die Kombination "Ich betreibe eine Werbeagentur
und außerdem einen Getränkehandel" stach
mir letztens im Netz ins Auge. Schwierig, das beides gleichzeitig
nach außen zu tragen. Es wirkt nicht sehr kompetent
und vertrauenerweckend.
Tipp:
Sofern Sie verschiedene Leistungen anbieten, die sich möglicherweise
sogar an unterschiedliche Zielgruppen richten, sollten Sie
sich überlegen, ob Sie nicht zwei unterschiedliche
Unternehmensauftritte oder gar separate Firmen gründen
möchten.
Eine
andere nicht sehr überzeugende Variante ist, eine ganze
Latte von Leistungen/Produkten aufzuzählen - à
la "Ich mache das, das, das und das und das mache ich
auch noch und das kann ich auch und auf Anfrage mach ich
natürlich auch jenes, also eigentlich alles".
Wenn
Sie auf breiterer Basis tätig sind - und in allen "Disziplinen"
wirklich kompetent sind, dann finden Sie den gemeinsamen
Nenner - und vermitteln diesen entsprechend.
Spezialisierung
kann auch die Zielgruppe betreffen
Denken
Sie daran, dass "Spezialisierung" auch bedeuten
kann, dass Sie sich auf eine bestimmte Zielgruppe konzentrieren.
Vielleicht sind Sie Berater und konzentrieren sich auf medizinische
Berufszweige. Oder Sie übersetzen und texten und spezialisieren
sich auf technische Unternehmen.
Gerade
in Branchen, wo es Konkurrenz wie Sand am Meer gibt, kann
sich diese Spezialisierung auf einen bestimmten Markt/Fachbereich
lohnen.
|