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Als
Selbstständiger, so hört man oft, arbeite man
"selbst" und "ständig". Und was
Wahres ist da durchaus dran. Doch leider vergisst man darüber
oft, dass weder das "selbst" immer nötig
noch das "ständig" empfehlenswert ist.
Zum
Selbstständigsein gehört nämlich auch die
Fürsorgepflicht für sich selbst - bezogen auf
Sie selbst, aber natürlich auch auf Ihre Arbeitsergebnisse.
Und die können nur davon profitieren, wenn Sie das
"selbst" und "ständig" für
sich einmal näher unter die Lupe nehmen.
Ruhepausen
einlegen
Ich
will gleich mal mit einem Klassiker beginnen - der auch
bei mir einen wunden Punkt darstellt: die Ruhepausen. Vielleicht
können Sie es nachvollziehen oder es geht Ihnen ähnlich:
Bei mir passiert es häufig, dass ich komplett die Zeit
vergesse - und damit sowohl nötige und wohltuende Ruhepausen
verpasse als auch das Essen.
Erst wenn ich knatschig oder schlapp werde, fällt mir
plötzlich auf, dass es schon Nachmittag ist und ich
nonstop in den PC gestarrt habe.
Besonders
Einzelunternehmer haben in der Regel keinen klar eingeteilten
Arbeitstag. Mit Kollegen hält man schon einmal ein
Schwätzchen oder geht gemeinsam "in Mittag"
- doch alleine ist man da ganz auf die eigene Einteilung
und Disziplin angewiesen.
Natürlich
gibt es auch das andere Extrem. Eine Selbstständige
verriet mir in einem Workshop, dass sie es oft mit Pausen
übertreibt. Sie arbeitet im Home-Office und findet
sich schonmal nachmittags vor dem Fernseher wieder.
Checken
Sie mal, wie es bei Ihnen mit Ruhepausen aussieht:
- Ich
achte aktiv auf Pausen - ob es die kleine Stretchingpause
ist, ob ich mir schon mal die Füße vertrete oder
mir einfach in Ruhe eine Tasse Kaffee gönne.
- Ich
mache ausgedehnte Pausen: indem ich zu Terminen schon mal
zu Fuß gehe oder mir mittags die Beine im Park vertrete.
- Ich
achte auf Bewegung und gehe sogar mehrmals die Woche ins
Fitnesstudio/zum Joggen.
- Ich
mache gerne Nickerchen auf dem Sofa.
- oder
oder oder
Schreiben Sie sich einfach mal auf, wie das bei Ihnen genau
aussieht.
Es ist nämlich auch wichtig, dass Sie sich über
die Qualität Ihrer Pausen Gedanken machen: Denn wer
lieblos durch den Sport hetzt oder mit schlechtem Gewissen
mal eine Stunde gar nichts macht, der tut sich damit keinen
Gefallen.
Wichtig:
Was gibt es an Verbesserungspotenzial, wenn Sie an Ruhe
und Ausgleich denken? Damit sind nicht nur die Pausen zwischendrin
gemeint, sondern natürlich auch Ihre generelle Arbeitszeit:
Finden Sie kein Ende oder machen Sie gezielt Feierabend
- und lassen PC PC und Telefon Telefon sein (außer
es ist mal ausnahmsweise etwas brandeilig)?
Ihr
eigener Rhythmus
Selbstständige
haben oft etwas mehr Flexibilität, was die Zeiteinteilung
angeht. Kommt natürlich es darauf an, in welchem Business
Sie tätig sind. Wer nicht gerade einen Laden hat oder
auf feste Geschäftszeiten angewiesen ist, kann sich
"eigentlich" eine individuelle Einteilung erlauben
- und damit dem individuellen Lebensrhythmus entgegenkommen.
Das
bleibt häufig außen vor. Und auch hier ist der
Faktor oft das Wörtchen "ständig". Ob
es sich um frisch gebackene ExistenzgründerInnen handelt
oder um Selbstständige, bei denen vielleicht gerade
die Auftragslage nicht so rosig ist: Oft wird "viel
arbeiten" mit "gut arbeiten" verwechselt.
Ein paar typische Situationen sind:
- Man
zwingt sich morgens um acht Uhr an den Schreibtisch, obwohl
man alles andere als ein Morgenmensch ist. Aber "man
fängt einfach früh an".
- Die
Umwelt redet ständig von Überstunden, Selbstständige
reden davon, dass sie sich Tage und Nächte um die Ohren
schlagen: Und wenn die das alle machen, dann sollte man
es vielleicht besser auch tun.
- Der
Vormittag war super effektiv: Sie haben ein riesiges Pensum
weggeschafft und könnten "eigentlich" für
heute aufhören. Bleiben aber trotzdem im Geschäft.
- Heute
läuft es nicht: Sie haben keine Lust zu arbeiten, alles
geht schwerer von der Hand. Anstatt es erstmal hinzuwerfen
und sich eine Pause und Abwechslung zu gönnen oder
sich erst morgen oder übermorgen damit zu beschäftigen,
beißen Sie sich durch und quälen sich, um irgendein
Ergebnis zu erzielen. Dabei sitzt nicht immer eine enge
Deadline im Genick - und wenn das bei Ihnen Dauerzustand
ist, dann ist grundsätzlich was faul.
Überlegen Sie mal genauer:
- Wie
ist mein derzeiter Arbeitsrhythmus? (Arbeitsbeginn/-ende,
Wochenarbeitszeit, Reihenfolge der Tätigkeiten - vielleicht
brauchen Sie morgens eine Anlaufzeit und möchten erstmal
den Papierkram erledigen, anstatt sich hinters Telefon zu
klemmen etc.)
- Gefällt
mir das so? Wenn ja: Warum? - Oder: Womit bin ich nicht
zufrieden, warum und wie hätte ich es gern?
Wichtig: Erlauben Sie sich, erstmal Ihre Wünsche und
Bedürfnisse offen zu äußern. Auch wenn sie
Ihnen extrem oder nicht realistisch vorkommen.
Vielleicht hätten Sie liebend gern den Freitag komplett
frei, um Einkäufe und den Haushalt zu erledigen. Oder
Sie sind eher ein Nachtarbeiter und würden gern erst
um 11 Uhr zu arbeiten beginnen.
Anstatt
sich zu sagen "Das geht ja nicht, weil ..." ist
die bessere Frage: "Wie könnte es gehen?"
und "Was spricht dagegen/was ist ein Hindernis bzw.
mit welchem Aspekt würde ich mich nicht so wohl fühlen
- und warum?", natürlich gefolgt von einem "Was
wäre eine Lösung dafür?"
Im
Hamsterrad
Müssen
Sie viel arbeiten, um einigermaßen auf einen grünen
Zweig zu kommen? Dann lohnt sich auch der Blick auf Ihr
Angebot. Eventuell bieten Sie zu viel an oder eine Art von
Leistung, bei der Sie zu weit in die Details gehen.
Ein
noch weiter verbreiteter Grund ist es, dass man nicht effektiv
genug an die Arbeit geht und sich dadurch mit unnötigen
Arbeiten aufhält oder schlichtweg Zeit verschwendet.
Klingt provozierend? - Lohnt trotzdem den näheren Blick.
Hier mal zur Inspiration ein paar typische Situationen:
- Man
will ein Mailing rausschicken. Mit einer gut aufgebauten
Datenbank, ein paar grundlegenden Kenntnissen der Serienbrief-Funktion
und für einen "geübten Einkuvertierer"
keine große Sache. Wenn die Datenquelle aber unvollständig
oder ungeschickt aufgebaut ist (z. B. nicht im serienbrieffähigen
Format, sondern als Word-Datei - oder noch schlimmer: gar
nichts im PC eingegeben, sondern nur auf Papier festgehalten),
wenn man die Serienbrieffunktion gar nicht kennt etc., dann
dauert so eine Aktion, wenn's blöd läuft, einen
halben oder sogar einen ganzen Tag.
- Für
eine Veröffentlichung soll man eine kurze Selbstdarstellung
liefern. Wer sich schwer tut mit texten, kann auch an einem
kurzen Text viele Stunden festhängen.
- Verschickte
Angebote sind nicht ausführlich genug - so dass man
immer telefonische oder schriftliche Rückfragen erhält.
- Bei
der Recherche im Internet verzettelt man sich, weil man
nicht gezielt an der aktuellen Suche bleibt, sondern sich
von allen möglichen anderen Websites ablenken lässt:
Huch, schon zwei Stunden vergangen ... und vielleicht sogar
das eigentliche Suchthema noch gar nicht begonnen.
- Telefongespräche
sind viel zu lange: Man kommt selbst nicht auf den Punkt
oder man hat "Stammanrufer", die gerne plaudern
- und man weiß nicht genau, wie man sie stoppen kann.
- Die
Ablage ist nicht auf Vordermann - muss man etwas nachschauen,
geht erstmal ein Suchmarathon los.
Ganz bestimmt kennen Sie diese und ähnliche Situationen
auch von sich selbst. Schauen Sie sich Ihre Zeitdiebe einmal
gezielt näher an und finden Sie heraus:
- Womit
verbringe ich am meisten Zeit? Was hält mich in meinem
Berufsalltag am meisten auf?
- Was
ist mein Anteil/meine Arbeitsweise?
- Nutze
ich technische Hilfsmittel (PC etc.) genug?
- Welche
Defizite sehe ich und wie kann ich sie ausgleichen? (Selbstorganisation
auf Vordermann bringen, Computerkurs machen etc.)
"Keine
Zeit" darf kein Argument sein
Übrigens:
"Keine Zeit", um sich besser zu organisieren oder
weiterzubilden darf kein Argument sein. Denn immerhin sollten
Sie gerade wenn Sie an Zeitnot leiden, alles dafür
tun, Ihre Arbeitsweise und Organisation zu verbessern. Das
kostet anfangs etwas Zeit und Energie, aber nur so können
Sie aus dem Zeitnot-Sumpf herauskommen. Wer darauf wartet,
dass "er mal Zeit übrig hat", kann lange
warten.
Nicht
umsonst habe ich öfter den PC als Beispiel genannt.
Ich sehe es sehr oft, dass sich Selbstständige hier
völlig unnötig Zeit klauen. Entweder, indem sie
sich völlig unnötige Software zulegen (z. B. viel
zu "große" Kundenmanagement-Software, die
nicht nur unnötig Geld kostet, sondern individuelle
intensive Einarbeitung braucht, bei Schnittstellen zu anderen
Programmen weitere Fragen aufkommen lässt, extra Kundenservice
braucht, um damit letztendlich nur viel zu viele Daten zu
erfassen, die man im Alltag gar nicht mehr benutzt).
Und auch, weil oft die gängigsten Computerkenntnisse
fehlen. Da gibt es keine Standardbriefe, die man bloß
anzupassen braucht, man weiß nicht, wie man häufige
Texte als Textbaustein speichert, sich eigene hilfreiche
Makros erstellt, die viele einzelne Handgriffe auf einen
einzigen Knopfdruck reduzieren und und und
Tipp:
Ich sage mir gerade beim Computer immer "Das muss doch
einfacher gehen" - und mache mich dann auf die Suche
- im Internet oder indem ich jemand anderen frage, wie es
geht. In der Regel geht's einfacher. Oft mit banalen kleinen
Tipps und Tricks.
Outsourcing
Sowohl
fachlich als auch persönlich kann es übrigens
äußerst bereichernd sein, einzelne Aufgaben an
Dritte weiterzugeben. Zum einen, wenn man weiß, dass
man etwas nicht so gut kann - bzw. wenn man weiß,
dass es Leute gibt, die etwas einfach besser können,
weil sie's gelernt haben und mehr Berufspraxis haben. Aber
auch, wenn man eine Aufgabe nicht mag und sich ständig
damit rumquält - möglicherweise sogar belastet,
weil man etwas ständig aufschiebt.
Natürlich
ist der Grund, etwas nach außen zu geben, auch, dass
man die eigene wertvolle Zeit für wichtigere Dinge
verwenden kann. Statt sich also stundenlang autodidaktisch
mit einem HTML-Editor zu beschäftigen, nur um unbedingt
selbst eine Website zu basteln, ist es besser investierte
Zeit, neue Aufträge für Ihr Business zu akquirieren.
Damit pushen Sie Ihr Business nicht nur mehr, sondern können
sich einen externen Dienstleister auch leisten.
Beispiele:
- Einen
Prospekt texten lassen anstatt selbst dran rumzudoktern.
- Ihre
Buchhaltung erledigen lassen.
- Ihr
Rechnungs- und Mahnwesen auslagern.
- ·
Jemanden für Ihre Öffentlichkeitsarbeit engagieren
(z. B. Pressearbeit machen).
- Eine
feste Bürohilfe für Ablage etc. nutzen, auch wenn
es nur ein paar Stunden im Monat sind.
Positiver Nebeneffekt ist auch, dass man mit anderen Menschen
zusammenarbeitet. Gerade Einzelunternehmer leiden ja häufig
etwas unter Vereinsamung.
Und Sie lernen von der externen Fachkraft ja auch.
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