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Die
Frage, warum man sich selbstständig machen möchte
oder es bereits gemacht hat, lohnt sich. Und die können
Sie sich ruhig auch immer mal wieder stellen, um zu prüfen,
ob die Antworten mit Ihren Plänen und Zielen übereinstimmen.
Der
Wunsch, sein eigener Chef zu sein, hat immer unterschiedliche
Auslöser: Für manche Menschen geht es darum, sich
nichts sagen lassen "zu müssen", alles selbst
bestimmen zu können. Andere locken finanzielle Möglichkeiten:
das Korsett von Gehaltssystemen durchbrechen zu können.
Ein weiterer Grund, der mir oft begegnet, ist "keine
Routine" - immer mit Neuem konfrontiert zu werden und
tun und lassen, was man möchte. Und dann gibt es natürlich
auch die Flucht-Selbstständigkeit: Aus einer ungeliebten
Situation ausbrechen, sei es, weil man in einem Angestellten-
verhältnis unglücklich war oder das Gefühl
hat, nicht anerkannt zu werden.
Was
sind Ihre Gründe?
Hinterfragen
Sie doch mal, warum Sie sich gern selbstständig machen
möchten - oder warum Sie es "ursprünglich"
getan haben:
- Was
ist/war der Auslöser für meinen Wunsch, selbstständig
zu sein?
- Was
erwarte ich mir ganz konkret?
Wenn
Sie schon selbstständig sind:
- Haben
sich meine Wünsche/Erwartungen erfüllt? Wenn ja:
Inwiefern? Wenn nein: Inwiefern nicht?
·
Haben sich meine Gründe/Erwartungen mit der Zeit verändert?
Wenn ja: In welcher Beziehung?
Reflektieren
Sie - am besten schriftlich - und nutzen Sie die Gelegenheit,
sich über Ihre Gründe und Motivation klarzuwerden.
Denn zum einen hilft es dabei, realistisch zu planen. Zum
anderen: Nur, wenn Sie Ihre Ziele kennen, können Sie
Ihre Vorgehensweise beruhigt beibehalten oder zielgerichtet
korrigieren.
Sind
Sie "ein Selbstständiger"?
In den
Medien wird meist propagiert, dass der Schritt in die Selbstständigkeit
toll ist: Man bekommt Beispiele vorgeführt von jungen
Unternehmern und Unternehmerinnen, die im meist gestylten
Büro von einem Termin zum nächsten hetzen und
deren Auftragsbücher voll sind. Das einzige Problem
ist allenfalls wenig Zeit für das Privatleben.
Wenn
Sie selbstständig sind, dann wissen Sie, dass das nur
ein Teil der Wahrheit ist. Und dass dieser so gerne unterschlagene
Teil der Wahrheit gerade zu Beginn der Selbstständigkeit
ganz schön hart sein kann: Man sitzt allein am leeren
Schreibtisch, im gemieteten Büro oder zu Hause an einem
Heimarbeitsplatz, fühlt sich streckenweise vielleicht
sogar ziemlich alleine und fragt sich, wie man denn nun
an Kunden oder neue Aufträge kommen kann. Gerade am
Anfang gähnt einen der Terminkalender an und auch das
Telefon weigert sich zu klingeln.
Je nachdem, wie man selbst drauf ist, berühren einen
diese Umstände stärker - und können sogar
Ihre Energie und die Aktivität, die Sie brauchen, um
Ihren Laden in Schwung zu bringen und zu halten, lähmen.
Nehmen
Sie einmal den Alltag im Angestelltendasein ganz bewusst
wahr:
- Wie
verläuft mein Tag in Bezug auf Kontakte mit anderen
Menschen: Habe ich viel Trubel, tausche ich mich im Kollegenkreis
viel aus, kann ich bei anderen nachfragen oder unterstütze
ich gerne andere?
- Wie
stark sind meine Außenkontakte, z. B. mit Kunden oder
Lieferanten - telefonisch oder persönlich. Welche Aspekte
davon schätze ich im Prinzip, auch wenn mich Unterbrechungen
manchmal nerven?
Und
hier ein paar wichtige Stichworte, die für eine erfolgreiche
Selbstständigkeit maßgebend sind:
- Anerkennung:
Hand auf's Herz - wie stark sind Sie von der Anerkennung
anderer abhängig? Jeder Mensch freut sich darüber,
wenn er von anderen Lob und Anerkennung bekommt, wenn einem
das Umfeld zeigt, dass die eigene Person und die Leistung
geschätzt werden. Doch wie sieht es in Ihnen selbst
damit aus? Wissen Sie - auch ohne Rückmeldung anderer
- dass Sie gut sind und inwiefern? Wertschätzen Sie
sich denn selbst? Oder fallen Sie eher in sich zusammen
oder sind manchmal einfach verunsichert, wenn Sie kein Feedback
von außen erhalten?
- Motivation:
Können Sie sich selbst motivieren? Wenn es beispielsweise
um Tätigkeiten geht, die Sie nicht gern machen - oder
wo Sie sich einfach nicht so ganz sicher sind, wie Sie es
anpacken sollen. Wenn eine Sache steckenbleibt, keine Entscheidungen
kommen oder Aufträge zurückgezogen werden. Wenn
es, gerade am Anfang, finanziell eng werden sollte und das
Monatsende naht. Wenn Sie zu Hause an Ihrem Schreibtisch
sitzen und keiner etwas von Ihnen will.
Oder natürlich im anderen Extremfall: Wenn Sie überfordert
sind. Nie genug Zeit dafür haben, das Berufliche und
das Private unter einen Hut zu bekommen.
- Entscheidungsfreude/Risikobereitschaft:
Selbstständige müssen Entscheidungen treffen können
und es auch tun. Das ist eng mit Risikobereitschaft verbunden.
Wobei das natürlich nicht bedeutet, dass es um unkalkulierte
Risiken geht und Sie sich einfach in Neues werfen sollen.
Die Entscheidung für eine Strategie, eine Vorgehensweise
- auch die Entscheidung, einen Kunden oder einen neuen Auftrag
abzulehnen oder nicht weiter zu machen, gehört dazu.
- Auf
sich selbst schauen: Selbstständige müssen auch
auf sich selbst schauen können. Ganz persönlich.
Geht es mir gut? Stimme ich mit dem, was ich tue, noch überein
- möchte ich das überhaupt noch? Oder möchte
ich bestimmte Leistungen nicht mehr machen? Wie geht es
mir persönlich? Stehe ich morgens gerne auf oder quäle
ich mich durch den Tag? Fühle ich mich wie in einem
Hamsterrad, möglicherweise ohne richtig zu Potte zu
kommen? Oder bin ich begeistert und erfolgreich ... doch
merke, dass mir irgendwie persönlich etwas fehlt?
- Wichtiges
Grundlagenwissen haben oder sich aneignen. Dazu gehört
Wissen zu Finanzen, Steuern und es gehören Fähigkeiten
in puncto Strategie, Marketing und Verkauf dazu. Nur fachlich
gut zu sein, reicht nicht aus. Natürlich müssen
Sie nicht alles hundertprozentig selbst können - doch
ist es wichtig, dass Sie Ihre Grenzen kennen und sich nach
verlässlichen Dienstleistern für Bereiche umsehen,
die Sie selbst nicht im Griff haben
Wenn Sie bereits selbstständig sind, dann haben Sie
beim Lesen dieser Punkte sicherlich wissend genickt. Möglicherweise
haben Sie sich bei einigen Aspekten ertappt gefühlt
und sind aufmerksam geworden, dass es hier etwas zu tun
gibt.
Fragen
Sie sich auch:
- Worauf
sind Sie stolz in puncto Selbstständigkeit? Was läuft
gut?
- Gibt
es Themen, mit denen Sie hadern? Welche und weswegen?
- Welche
Vorteile/Aspekte habe ich schätzen gelernt?
- Welche
Nachteile sehe ich/was mag ich nicht so gerne? Weswegen
Selbstständig
oder angestellt?
Selbstständig
zu sein ist nicht besser, als angestellt zu sein. Und umgekehrt.
Ich kenne viele Angestellte, die sehr selbstständig
arbeiten und der viel zitierte "Unternehmer im Unternehmen"
sind. Und ich kenne Selbstständige, die seit Jahren
vor sich hinkrebsen und in sehr engem Wirkungskreis vor
sich hin malochen.
Gerade
deshalb finde ich es wichtig, sich die oben gestellten Fragen
einmal in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen. Denn dann
können Sie Ihre Ziele prüfen und abklopfen: um
sich zu bestätigen (auch das tut gut). Oder um eine
Kurskorrektur vorzunehmen. Das kann im Extremfall bedeuten,
dass Sie den Wunsch der Firmengründung zurückstecken
- oder auch, dass Sie sich vom Selbstständigen zum
Angestellten verändern möchten.
Noch
ein Tipp: Stellen Sie immer sich selbst in den Mittelpunkt
Ihrer Pläne. Denn Erfolg misst sich nicht nur an äußeren
Kriterien, sondern ein wichtiger Aspekt im Leben ist die
eigene Zufriedenheit ... und Ihre Lebensqualität.
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