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Die
Frage nach dem Beruf ist allgegenwärtig: Sie ist ein
beliebtes Smalltalk-Thema bei privaten und geschäftlichen
Gelegenheiten. Und sie ist von zentraler Bedeutung, wenn
Sie sich mit potenziellen Kunden unterhalten. Ganz wichtig
ist auch, dass Sie sich bewusst machen, wie Sie mit bestehenden
Kunden über Ihre Leistungen sprechen. So passiert es
beispielsweise häufig, dass auch gute Kunden nicht
die volle Leistungspalette kennen - und einen so vielleicht
gerne und regelmäßig für Leistung A buchen,
aber von Leistung B gar nichts wissen und deshalb jemand
anderen damit beauftragen.
Die
kleine Frage nach dem eigenen Business ist für viele
Selbstständige gar nicht so einfach: Teilweise empfindet
man sie als äußerst unangenehm, sehr häufig
schöpft man das mögliche Potenzial, das diese
Frage mit sich bringt, leider nicht aus.
Passt
Ihnen die Frage nach Ihrem Beruf?
In meinen
Coachings stelle ich immer wieder fest, dass viele Selbstständige
sich fast unwohl mit dieser Frage fühlen, beispielsweise
weil
- sie
noch relativ frisch im Geschäft sind und es ihnen daher
innerlich nicht richtig vorkommt, von sich zu behaupten
"Ich bin ..." oder "Ich unterstütze
... bei ...", wenn sie in Wirklichkeit kaum oder noch
keinen Kunden hatten,
- sie
nur einen Teil ihrer Leistungen tatsächlich ausfüllen
(so bietet beispielsweise jemand Marketing-Konzeption und
Eventmanagement an, hat aber bisher nur Textaufträge
durchgeführt),
- sie
befürchten, dass sie bei Nennung des Berufes in irgendeiner
Schublade landen,
- sie
in einem Bereich tätig sind, der seltsame Kommentare
zu provozieren scheint bzw. immer dieselben Diskussionen
herausfordert (z. B. jemand ist Arzt und gerät immer
wieder in Diskussionen über Kassen/Privat-Patienten
und Praxisgebühr),
Sie sehen an diesen wenigen Beispielen, wie komplex die
Frage und die eigenen Gefühle dazu sein können.
Wenn man aber innerlich Vorbehalte hat, dann nützt
es einem gar nichts, vordergründig irgendwelche Werkzeuge
und Tipps anzuwenden und beispielsweise zu lernen, wie man
sich effektiv bei anderen vorstellt.
Denn wenn Sie innerlich ein Problem mit der Frage haben
oder befürchtete Konsequenzen umgehen möchten,
dann werden Sie auch mit der besten Antwort versuchen, das
Gespräch über Ihren Beruf zu vermeiden oder möglichst
kurz zu halten.
Deshalb fragen Sie sich:
- Wie
geht es mir mit der Frage nach meinem Beruf?
- Inwiefern habe ich Zweifel oder fühle mich unsicher
damit, über meine Leistungen zu sprechen?
- Was sind meine jeweiligen Befürchtungen?
Wenn
Sie sich klarer damit auseinander setzen, können Sie
mit Unsicherheiten auch umgehen - sich etwa durch Literatur
oder externe Unterstützung Sicherheit erwerben.
In vielen
Fällen ist alleine das konkrete (schriftliche) Auseinandersetzen
schon ausreichend, um innere Gedankenknoten zu lösen
und um souveräner ranzugehen.
Potenzial
für gute neue Kontakte (und Aufträge)
Man
darf nie unterschätzen, welche Kreise ein Kontakt und
ein Gespräch ziehen kann. Eine gute Sache ist es übrigens,
hier auch einmal zu überprüfen, wie Sie sich selbst
in Gesprächen verhalten: Fragen Sie interessiert nach,
wenn Sie sich mit jemandem über dessen Beruf unterhalten?
Oder belassen Sie es dabei, wenn jemand einfach kurz seine
Berufsbezeichnung nennt? Hier können Sie nicht nur
eine Menge Neues lernen - und auf diese Kontakte später
einmal zurückgreifen -, sondern Ihre Gesprächspartner
erleben Sie auch als sehr angenehm und aufmerksam, was wiederum
Ihrem Image und neuen Kontakten zu Gute kommt.
Wichtig
ist, dass das nicht aus reiner Berechnung geschieht (das
würde man auch merken), sondern dass es um aufrichtiges
Interesse geht.
Besonders
wenn Ihnen Berufe fremd sind oder Sie diese als uninteressant
oder unattraktiv empfinden, lohnt sich das Nachfragen. Da
erschließen sich Ihnen bestimmt ganz neue Details
und Informationen. Man erweitert buchstäblich seinen
Horizont.
Die
Frage nach Ihrem Beruf birgt - neben einem interessanten
Gesprächseinstieg - ein wunderbares Netzwerkpotenzial.
Ich empfehle beispielsweise gerne andere Menschen weiter
(wenn ich sie selbst als überzeugend und sympathisch
erlebe) und schon alleine deswegen frage ich auch immer
nach Details - denn so kann ich auch bei selteneren Leistungen
oft jemanden nennen: "Da hab ich doch kürzlich
auf der Veranstaltung jemanden kennen gelernt, der dies-und-jenes-macht"
oder "Moment mal, über dieses Thema hab ich doch
kürzlich schon mal was gehört ...". Das macht
mir Spaß und andere schätzen mich für dieses
aktive Herstellen von Kontakten. Sie sehen, dass das eigene
Verhalten immer in vielschichtiger Weise auf einen selbst
zurückfällt.
Wichtig
ist, dass Sie Ihren Gesprächspartnern - Fremden oder
Bekannten - kurz und präzise Auskunft geben können,
was Sie tun (siehe weiter unten).
Ein
Tabu ist es übrigens, die Frage nach dem Beruf als
Einstieg in ein aufgedrängtes Verkaufsgespräch
zu nutzen. Nichts turnt mehr ab, als wenn man sich bei jemandem
nach seinem Business erkundigt, um ein nettes Gespräch
zu starten, und man sich dann bedrängt fühlt und
irgendwelche Verkaufsargumente runtergenudelt bekommt.
So etwas beschädigt das eigene Image fast unwiderbringlich.
Sehr
häufig lässt sich dieses Verhalten übrigens
auf beruflichen Veranstaltungen beobachten: Selbstständige
gehen auf Branchen- oder Berufstreffs und wanzen sich nur
mit dem Zweck des Kundenfangs (anders kann man es leider
nicht nennen) an jeden ran, der "nicht bei 3 auf dem
Baum ist". Meistens ist das gar nicht so gemeint, sondern
entsteht aus Unsicherheit oder weil man nicht genau weiß,
wie Netzwerken und Akquise funktioniert. Gerade im Rahmen
derlei Netzwerke und Veranstaltungen macht man sich leider
in Nullkommanichts sehr unbeliebt - und das spricht sich
auch schnell herum. Also eine eigentlich wunderbare Chance
bleibt nicht nur ungenutzt, sondern schlägt im schlimmsten
Fall sogar völlig um und Sie bekommen dort keinen Fuß
mehr auf den Boden.
Absichtlich
vage halten?
"Ach,
Sie sind Doktor - ich habe ja seit zwei Wochen so komische
Schmerzen im Hals ...", "Oh, Sie sind Rechtsanwalt,
da muss ich Sie grade mal kurz fragen ...", "Das
ist ja super, dass Du Dich mit Computern so gut auskennst,
da kannst Du mir ja bestimmt ...", "Haha, Life-Coach?
Was soll das denn sein ..."
Auch
Angestellte kennen das natürlich ("Was, Sie arbeiten
bei der Telekom ...?????", "Echt? Ein Finanzbeamter!
Also ..."). Es gibt Gelegenheiten, da hält man
sich bewusst bedeckt. Weil man befürchtet, dass man
auch in privatem Ambiente ständig mit seiner Arbeit
konfrontiert wird, vielleicht sogar mit der Bitte um schnellen
Rat oder Freundschaftsdiensten umgehen muss - was besonders
Menschen, die schlecht Grenzen ziehen können, große
Nöte beschert.
Selbstverständlich
können Sie je nach Situation und Gesprächspartner
abwägen, wie viel Sie preis geben möchten - und
ganz bewusst etwas allgemeiner erzählen, was Sie beruflich
machen. Da jedoch gerade über persönliche Kontakte
sehr viel läuft und das für Ihr Business sehr
zuträglich sein kann, ist es nicht empfehlenswert,
sich absichtlich bedeckt zu halten. Damit blockieren Sie
Ihr Geschäft auch. Und gerade, wenn Sie mit Ihrer Selbstständigkeit
frisch am Start sind, ist es ja sehr wichtig, dass man Sie
kennen lernt und auf Sie zukommt.
Wie
wir oben schon besprochen haben: Nur wenn andere Leute einordnen
können, was Sie anbieten, kann man auch an Sie denken
und Sie weiterempfehlen.
In diesem
Zusammenhang ist noch ein weiteres Detail zu beachten: Abgesehen
vom Inhalt prägen Sie natürlich auch den persönlichen
Eindruck, den andere von Ihnen bekommen. Und wer sich auf
die Frage nach dem Beruf recht einsilbig verhält, das
Thema wechselt oder absichtlich um den Brei herumredet,
der wird auch als verschlossen erlebt. Das kann sogar so
weit gehen, dass es als "Unsicherheit in eigener Sache"
ankommt und Ihr Gesprächspartner Sie als nicht kompetent
oder überzeugend genug erlebt. Damit endet ein potenzieller
"Netzwerk-Strang" in einer Sackgasse.
Wägen
Sie also immer ab und seien Sie sich Ihrer Wirkung bewusst.
Das
Thema "Grenzen setzen" und auch freundlich, aber
bestimmt ablehnen, Fachgespräche zu führen oder
irgendwie kostenfreie Hilfsdienste zu leisten, bleibt aktuell.
Wenn Sie damit Schwierigkeiten haben, lohnt sich entsprechende
Literatur (siehe
Bibliothek Kommunikation) oder Sie gönnen
sich einen Kommunikationskurs oder ein Coaching (Coaching).
Kurz
und prägnant - gar nicht so einfach
Probieren
Sie mal, spontan in einem Satz zu erklären, was Sie
eigentlich machen. Damit ist nicht gemeint, einfach eine
Berufsbezeichnung zu verkünden: "Ich bin Entwicklungsingenieur."
- "Ich bin Finanzdienstleister." - "Ich bin
Eventmanagerin." ... Sondern es geht darum, dass
- man
versteht, was Sie anbieten
- auch Laien ein Gefühl dafür bekommen, wer Ihre
Leistungen brauchen kann
Denken
Sie bitte auch daran, dass für Sie selbst Ihr Beruf
und Ihr Fachgebiet völlig eindeutig sind. Dass aber
zwei Leute, die denselben Beruf ausüben, tatsächlich
ganz unterschiedliche Leistungen haben können.
Ein
einfaches Beispiel: "Ich bin Trainer in der Erwachsenenbildung."
Okay, aber welche Erwachsenen werden trainiert und in welcher
Hinsicht? Es ist ein Unterschied, ob jemand Arbeitslosen
Computerkurse anbietet oder Managern Business-Englisch-Seminare.
Am besten
ist es, sich einmal in Ruhe hinzusetzen und ein, maximal
zwei Sätze schriftlich zu formulieren: Bringen Sie
Ihr Business und Ihre Leistungen so aussagekräftig
wie möglich auf den Punkt.
Und
bringen Sie diese Formulierung dann mal bei anderen Menschen
an und fragen Sie diese, was sie nun verstanden haben und
glauben, was genau Sie anbieten. Sie werden sehen, dass
in den meisten Fällen noch Feintuning nötig ist!
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