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Viele
Selbstständige fragen sich, wie sie an Aufträge
und Kunden kommen - wenn ich näher nachfrage, stellt
sich raus, dass die Basisüberlegungen oft nicht gemacht
wurden. Eine der wichtigsten Fragen in diesem Zusammenhang
ist die nach der Zielgruppe.
Denn
nur wenn Sie wissen, wen Sie ansprechen und als Kunden gewinnen
möchten, können Sie sich gezielt an die Arbeit
machen.
Denn jede Ihrer Aktivitäten in puncto Marketing und
Akquise baut auf dieser Information auf: Ob Sie sich überlegen,
als Aussteller auf eine Tagung oder eine Messe zu gehen,
ob Sie ein Mailing machen, ob Sie sich überlegen, per
Internet zu akquirieren, eine Telefonaktion durchzuführen,
Anzeigen zu schalten und und und - Die Aktion an sich kann
gut durchdacht sein: Wenn Sie sie nicht an die passenden
Empfänger schicken, bleiben Sie unter den Möglichkeiten
- oder ziehen Kunden an, die Sie gar nicht wollen.
Die
Frage "Wer kann meine Leistung brauchen?" reicht
nicht aus!
Häufig
verwechseln Selbstständige den Begriff Zielgruppe mit
"Wer kann meine Leistung/mein Produkt brauchen?".
Ein trügerisches Sicherheitsgefühl ist es, wenn
man auf die Antwort "sehr viele" oder "eigentlich
jeder" kommt. Denn einerseits freut man sich darüber,
dass "der Markt" praktisch unerschöpflich
ist, andererseits führt das nicht selten dazu, dass
man kein Profil bekommt: Durch das Bemühen, für
jeden immer offen zu stehen und bloß keine Kundengruppe
auszuschließen, wird man nicht greifbar für mögliche
Kunden.
Beispiel:
Die Leiterin eines Büroservices hat ein Problem: Ihr
Geschäft geht zurück. In der Vergangenheit fielen
ihr die Aufträge zu, von daher musste sie sich nie
großartig um neue Kunden bemühen. Plötzlich
bleiben die Kunden aus.
Ihre Zielgruppe kann und möchte sie nicht eingrenzen,
denn ihrer Meinung nach kann einfach jeder einen Büroservice
brauchen. Das führt dazu, dass sie ins Blaue hinein
akquiriert: hier mal ein paar Telefonanrufe, da mal ein
Mailing, dort mal eine allgemeine Anzeige in der regionalen
Tageszeitung. Raus kommt dabei so gut wie nichts.
Die
Leiterin des Büroservice sollte einmal auflisten, was
"jeder" genau bedeutet. Da stehen dann Handwerksbetriebe
neben Anwaltskanzleien oder kleinen und großen Unternehmen
etc. (alles ganz konkret aufschreiben!). Aus dieser Liste
wird sofort erkennbar, dass einige dieser möglichen
Kunden vielversprechender sind als andere. Ein kleiner Handwerksbetrieb,
selbst wenn er einen Büroservice gebrauchen kann, hat
tendenziell ein geringeres Auftragspotenzial als eine Anwaltskanzlei
etc.
Oft
ist von Spezialisierung die Rede - man solle nicht wie ein
Bauchladen auftreten, da das unglaubwürdig wirke. Diese
Art von Unglaubwürdigkeit kann auch durch das Auftreten
Ihrer Firma ausgelöst werden, wenn es nicht stimmig
ist, sondern ein Gießkannenprinzip vermitteln ("Ich
mache alles für jeden"). Persönlich bin ich
übrigens nicht der Meinung, dass man sich unbedingt
spezialisieren muss - wichtig ist, dass das eigene Angebot
stimmig ist, man nur das anbietet, was man auch wirklich
kann und sich um ein starkes Profil nach außen bemüht.
Schreiben
Sie auf:
- Wer
kann meine Leistung/meine Dienstleistung brauchen? Definieren
Sie das Profil anderer Unternehmen (wenn Sie im Business-to-Business-Bereich
tätig sind) oder Privatkunden etwas genauer.
- Welche
Art von Kunden bevorzugen Sie und weswegen? Denken Sie hier
in die Breite - "bevorzugen" im Hinblick auf Art
des Auftrags/der Branche/des Umgangs miteinander/des Auftragsvolumens/des
Honorars.
Wichtig:
Bleiben Sie völlig offen, "brainstormen"
Sie - zensieren Sie nichts, sondern schreiben Sie einfach
einmal alles nieder, was Ihnen einfällt. Erlauben Sie
sich, "rumzuspinnen" und auch Dinge aufzunehmen,
die Sie als nicht so realistisch ansehen
Auf
wen zielen Sie ab?
Sicherlich
haben Sie unter Ihren potenziellen Kundenkreisen Favoriten:
eine bestimmte "Art" von Mensch/Unternehmen, mit
denen Sie zu tun haben möchten. Und/oder eine bestimmte
Leistung aus Ihrem Repertoire, die Sie ausbauen möchten.
Beispiel:
Eine
selbstständige Lektorin/Texterin arbeitet schwerpunktmäßig
für Fachverlage. Gleichzeitig ist ihr das Honorar zu
niedrig - ihr momentaner Arbeitsaufwand bei der aktuellen
Kundenstruktur ist viel zu hoch im Verhältnis zu dem,
was finanziell dabei herausschaut. Andererseits erscheint
dieser Selbstständigen die Verlagsbranche als Zielgruppe
die einfachste zu sein (und ist ihr auch vertraut). Von
daher akquiriert sie immer wieder im Verlagswesen - und
erhält zwar weiterhin Aufträge und neue Kunden,
diese jedoch immer in einem Bereich, den sie eigentlich
verkleinern möchte.
Es ist
daher wichtig, dass Sie Ihre Zielgruppe auch unter diesem
Gesichtspunkt wählen. Denn es geht ja nicht nur um
die Quantität der Aufträge, sondern auch darum,
dass Ihnen der Auftrag/die Art der Tätigkeit gut gefällt
und Sie sie gerne machen. Und natürlich, dass das Ergebnis
entsprechend ist.
Zum
Thema "gerne machen": Gerade Selbstständige,
die am Anfang stehen, tendieren dazu, alles zu machen, nur
damit sie einen Auftrag bekommen. Das ist mehr als verständlich.
Dennoch sollten Sie sich immer auch überlegen, ob und
was Sie gerne/am liebsten machen und das deutlich in Ihre
Akquise und Zielgruppenansprache einfließen lassen.
Sonst kann es Ihnen passieren, dass Ihr Unternehmen zwar
floriert, Sie jedoch irgendwann auf eine Tätigkeit
festgelegt sind, die Sie nicht gerne machen und damit auch
den Spaß an Ihrer täglichen Arbeit verlieren.
Das ist nicht nur für Sie selbst hinderlich, sondern
macht sich auch bei Ihren Kunden und bei weiterer Akquise
bemerkbar.
Überlegen
Sie sich auch, welche Art von Aufträgen Sie brauchen,
um möglichst wenig Aufwand in Bezug auf Akquise zu
haben: Wenn Sie stets Einzelaufträge für kleinere
Beträge akquirieren, dann brauchen Sie viel mehr Energie
und Aufwand, weil Sie sich ständig um weitere Einzelaufträge
bemühen müssen. Wenn Sie sich um Aufträge
bemühen, die größer sind bzw. eine Zielgruppe
ansprechen, die immer wieder Aufträge vergibt, dann
ist das für Sie günstiger.
Wichtig:
Machen Sie sich jedoch nicht von einem oder von einigen
wenigen Kunden abhängig! Abgesehen vom Thema "Scheinselbstständigkeit"
kommen Sie auch leicht in eine ungute Abhängigkeit
- die entweder dazu führt, dass Sie sich selbst in
der Falle fühlen. Oder Sie ganz schnell ins Straucheln
kommen lässt, wenn diese Auftragsquelle versiegt
Priorisieren
Sie!
Sehen
Sie sich Ihre Liste , die Sie auf Basis der Fragen weiter
oben erstellt haben, näher an. Und spinnen Sie die
Strategie pro Zielgruppe weiter. Denn nun kennen Sie die
einzelnen Bereiche. Fragen Sie sich jeweils:
- Weswegen
ist diese Zielgruppe vielversprechend für mich?
- Welche
Art von Leistung möchte ich verstärkt (pro Zielgruppe)
bewerben?
- Wo
hält sich meine Zielgruppe auf (persönlich: Treffen,
Verbände, Messen etc./virtuell: Informationen und Communities
etc.)?
- Welche
Wege der Ansprache gibt es - so viele wie Ihnen einfallen
(nicht zensieren, ob und was für Sie günstig oder
machbar ist bzw. ob Sie etwas tun möchten oder lieber
nicht)?
Priorisieren
Sie nun diese Liste: Welche Zielgruppe möchten Sie
besonders aktiv angehen? Welche Informationen/Kontakte fehlen
Ihnen gegebenenfalls dafür? Gehen Sie die möglichen
Ansprache-Wege durch: Was möchten/können Sie sofort
umsetzen? Was brauchen Sie dazu?
Tipp:
Überprüfen Sie Ihre jetzigen Maßnahmen und
Ihren jetzigen Unternehmensauftritt unter diesem Gesichtspunkt
- passt das zu Ihrem neuen Plan/zu Ihrer neuen Priorität,
was Zielgruppen angeht? Oder stellen Sie fest, dass das,
was Sie bisher tun, nicht zusammenpasst?
Beispiel:
Ein Trainer/Berater bietet seine Leistungen bisher auf den
Lebensmittelhandel bezogen an. Seine gesamte Internetseite
und Aussendungen sind darauf abgestimmt. Nun könnte
er seine Trainings auch branchenübergreifend anbieten.
Wenn er sich dazu entschließt, ist es nötig,
dass er entweder seinen bisherigen Auftritt neutraler formuliert
- oder für den zweiten Bereich eine extra Webseite
erstellt, um die beiden Bereiche getrennt zu halten. Der
Trainer entschließt sich für letzteres.
Das
ist ein sehr wichtiger Aspekt: Verschlimmbessern Sie bitte
nichts. Der erwähnte Trainer wäre dumm, wenn er
sein gut etabliertes Profil im Lebensmittelbereich beschädigen
würde, indem er seinen Auftritt "neutralisiert".
Denken Sie Ihre Pläne immer bis zum Ende durch: Wenn
ich Strategie A verfolge, was sind die Konsequenzen - für
mich, für mein bisheriges Geschäft, für eine
Weiterentwicklung? Wenn ich Strategie B verfolge, was sind
die Konsequenzen ...
Tipp:
Machen Sie sich diese Gedanken immer schriftlich. Dann können
Sie besser damit arbeiten, Ideen und Strategien konsequent
weiterverfolgen - und es fallen Ihnen Ungereimtheiten oder
auch Fragezeichen auf, die Sie dann gezielt lösen können.
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