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Entscheidungen - Tipp Nr. 10:
Fremde Meinungen bewerten, Teil 2
 
 
  Nun haben Sie qualitative Meinungen eingeholt, sich intensiv damit auseinander gesetzt, wie sehr Sie sich auch von Ihrem Gegenüber und eigenen Erfahrungen und/oder Vorbehalten beeinflussen lassen. Wie fügt man nun aber das Gehörte zusammen, um es für die anstehende Entscheidung zu verwerten?


Schritt 1: Zuhören!

Es klingt banal und trotzdem ist es für viele Menschen eine schwierige Übung: sich öffnen und eine fremde Meinung anhören und hinterfragen, auch wenn sie unpopulär ist oder von jemandem kommt, den man nicht besonders schätzt.

Wenn Sie Ihre Entscheidung bestmöglich abwägen möchten, dann ist es wichtig, immer ein offenes Ohr zu haben.

Sie können in jedem Fall davon profitieren! Das geht aber nur, wenn Sie nicht auf Durchzug schalten oder gleich dagegenreden.

Sofern Sie merken, dass Sie innerlich blocken, ist das in vielen Fällen ein Zeichen, dass Sie sich Ihrer eigenen Argumente und Ziele bisher nicht so sicher sind. Denn wer bereits klar ist und Pro und Kontra kennt, der kann auch mit kritischen Meinungen gut umgehen.


Schritt 2: Inhalte und Gefühle getrennt beachten

In Teil 1, Tipp 9, haben wir darüber gesprochen, dass man Meinungen anderer oft auch danach bewertet, wie es einem mit der Person oder dem Inhalt geht (z. B. Ich schätze einen Freund sehr und halte dessen Meinung daher automatisch für bedeutsamer; ich mag jemanden nicht und tue dessen Ansicht daher automatisch ab - mehr dazu).

Der Input einer Person, die Ihnen nicht so wichtig ist, kann für Ihren Entscheidungsprozess jedoch sehr hilfreich sein. Also warum darauf verzichten? Den größten Gefallen tun Sie sich, wenn Sie offen für Anregungen der Umwelt bleiben. Denn nur dann können Sie davon auch profitieren.

Am besten kommt man damit klar, wenn man Inhalt und Gefühl getrennt voneinander wahrnimmt.


Tipp: Schreiben Sie die fremde Meinung auf und notieren Sie dann auf einem Blatt Papier "Wer sagt was?", also:
o Was ist der genaue Inhalt des Feedbacks?
o Wie geht es mir mit dieser Meinung bzw. mit dieser Person?

Beispiel:
Ich will mich selbstständig machen. Mein Bruder sagt: "Das hältst Du nicht durch, Du bist einfach keine Unternehmerpersönlichkeit."

Kern:
Mein Bruder zweifelt mein Durchhaltevermögen an.
Und er glaubt, ich hätte nicht das Zeug zur Selbstständigkeit.

Gefühl:
Ich fühle mich bevormundet. Das hat mein Bruder, der älter ist als ich, immer schon getan.


An diesem groben Beispiel sieht man bereits: Man kann nun einerseits den Fehler machen, dem Feedback des Bruders einfach zu glauben, und die eigenen Pläne ad acta legen. Oder man kann im anderen Extrem trotzig werden und sich unfair behandelt fühlen - und seine Pläne auf Teufel komm raus umsetzen, um dem Bruder das Gegenteil zu beweisen.

In diesem Feedback steckt jedoch möglicherweise etwas sehr Wichtiges drin, denn Durchhaltevermögen ist eine grundlegende Voraussetzung dafür, eine eigene Existenz aufzubauen. Und es trifft auch zu, dass man bestimmte unternehmerische Qualitäten haben sollte, wenn man sich selbstständig macht.

Es ist also hilfreich, diese Punkte zu hinterfragen und sie nicht gleich als "stimmt" oder "stimmt nicht" zu etikettieren.

Natürlich ist die Meinung in dieser Form nicht hilfreich, weil sie nicht qualitativ genug ist (Wieso zweifelt der Bruder das Durchhaltevermögen an? Woran macht er das fest und was meint er damit genau? Und: Was genau bedeutet für ihn "Unternehmerpersönlichkeit" und was fehlt mir seiner Ansicht nach?
Mehr zum Einholen von qualitativem Feedback hier.


Schritt 3: Ernst nehmen und sortieren

Wenn Sie verschiedene Fremdmeinungen erhalten haben, dann fassen Sie zusammen und sortieren Sie:

o Wie detailliert ist die Meinung, die Sie erhalten haben (oder war der Input zu schwammig und allgemein, um wirklich etwas damit anfangen zu können)? Wo möchten Sie nochmal nachhaken?

o Lassen sich Argumente oder Anregungen erkennen und zusammenfassen?
Haben Sie ähnlichen Input bereits von anderen bekommen - oder sich selbst schon ähnliche Gedanken gemacht? Wenn ja: Was genau, welche und was möchten Sie in dieser Beziehung noch recherchieren oder sich aneignen?


Schritt 4: Auf die eigene Reaktion achten

Damit ist nun nicht die Reaktion der Person gegenüber gemeint, von der die Ansicht kommt - das hatten wir ja bereits -, sondern es geht um die emotionale Reaktion auf die Inhalte.

Sind Sie voller Euphorie oder verärgert? Wischen Sie etwas gleich vom Tisch? - Besonders bei extremen Reaktionen sollten Sie näher hinsehen:

- Warum stimme ich voll und ganz zu? Was finde ich gut an dieser Meinung?

Oder:

- Warum lehne ich diese Meinung so stark ab? Was stört mich daran? Wie geht es mir damit genau?


Sie werden sehen, dass Sie auf diese Weise sehr viel mehr von fremden Meinungen profitieren können - und dass diese auch inhaltlich sehr viel greifbarer und klarer einordenbar sind ... und damit beträchtlich zu Ihrer Entscheidungsfindung beitragen können.

 

 
   
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(c) 1999-2010 objektiv. Bewerbung & Business, Christine Öttl und Gitte Härter GbR
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