| Nun
haben Sie qualitative Meinungen eingeholt, sich intensiv damit
auseinander gesetzt, wie sehr Sie sich auch von Ihrem Gegenüber
und eigenen Erfahrungen und/oder Vorbehalten beeinflussen
lassen. Wie fügt man nun aber das Gehörte zusammen,
um es für die anstehende Entscheidung zu verwerten?
Schritt 1: Zuhören!
Es klingt
banal und trotzdem ist es für viele Menschen eine schwierige
Übung: sich öffnen und eine fremde Meinung anhören
und hinterfragen, auch wenn sie unpopulär ist oder
von jemandem kommt, den man nicht besonders schätzt.
Wenn
Sie Ihre Entscheidung bestmöglich abwägen möchten,
dann ist es wichtig, immer ein offenes Ohr zu haben.
Sie
können in jedem Fall davon profitieren! Das geht aber
nur, wenn Sie nicht auf Durchzug schalten oder gleich dagegenreden.
Sofern
Sie merken, dass Sie innerlich blocken, ist das in vielen
Fällen ein Zeichen, dass Sie sich Ihrer eigenen Argumente
und Ziele bisher nicht so sicher sind. Denn wer bereits
klar ist und Pro und Kontra kennt, der kann auch mit kritischen
Meinungen gut umgehen.
Schritt 2: Inhalte und Gefühle getrennt beachten
In Teil
1, Tipp 9, haben wir darüber gesprochen, dass man Meinungen
anderer oft auch danach bewertet, wie es einem mit der Person
oder dem Inhalt geht (z. B. Ich schätze einen Freund
sehr und halte dessen Meinung daher automatisch für
bedeutsamer; ich mag jemanden nicht und tue dessen Ansicht
daher automatisch ab - mehr
dazu).
Der
Input einer Person, die Ihnen nicht so wichtig ist, kann
für Ihren Entscheidungsprozess jedoch sehr hilfreich
sein. Also warum darauf verzichten? Den größten
Gefallen tun Sie sich, wenn Sie offen für Anregungen
der Umwelt bleiben. Denn nur dann können Sie davon
auch profitieren.
Am besten
kommt man damit klar, wenn man Inhalt und Gefühl getrennt
voneinander wahrnimmt.
Tipp: Schreiben Sie die fremde Meinung auf und notieren
Sie dann auf einem Blatt Papier "Wer sagt was?",
also:
o Was ist der genaue Inhalt des Feedbacks?
o Wie geht es mir mit dieser Meinung bzw. mit dieser Person?
Beispiel:
Ich will mich selbstständig machen. Mein Bruder sagt:
"Das hältst Du nicht durch, Du bist einfach keine
Unternehmerpersönlichkeit."
Kern:
Mein Bruder zweifelt mein Durchhaltevermögen an.
Und er glaubt, ich hätte nicht das Zeug zur Selbstständigkeit.
Gefühl:
Ich fühle mich bevormundet. Das hat mein Bruder, der
älter ist als ich, immer schon getan.
An diesem groben Beispiel sieht man bereits: Man kann nun
einerseits den Fehler machen, dem Feedback des Bruders einfach
zu glauben, und die eigenen Pläne ad acta legen. Oder
man kann im anderen Extrem trotzig werden und sich unfair
behandelt fühlen - und seine Pläne auf Teufel
komm raus umsetzen, um dem Bruder das Gegenteil zu beweisen.
In diesem
Feedback steckt jedoch möglicherweise etwas sehr Wichtiges
drin, denn Durchhaltevermögen ist eine grundlegende
Voraussetzung dafür, eine eigene Existenz aufzubauen.
Und es trifft auch zu, dass man bestimmte unternehmerische
Qualitäten haben sollte, wenn man sich selbstständig
macht.
Es ist
also hilfreich, diese Punkte zu hinterfragen und sie nicht
gleich als "stimmt" oder "stimmt nicht"
zu etikettieren.
Natürlich
ist die Meinung in dieser Form nicht hilfreich, weil sie
nicht qualitativ genug ist (Wieso zweifelt der Bruder das
Durchhaltevermögen an? Woran macht er das fest und
was meint er damit genau? Und: Was genau bedeutet für
ihn "Unternehmerpersönlichkeit" und was fehlt
mir seiner Ansicht nach?
Mehr zum Einholen von qualitativem Feedback hier.
Schritt 3: Ernst nehmen und sortieren
Wenn
Sie verschiedene Fremdmeinungen erhalten haben, dann fassen
Sie zusammen und sortieren Sie:
o Wie
detailliert ist die Meinung, die Sie erhalten haben (oder
war der Input zu schwammig und allgemein, um wirklich etwas
damit anfangen zu können)? Wo möchten Sie nochmal
nachhaken?
o Lassen
sich Argumente oder Anregungen erkennen und zusammenfassen?
Haben Sie ähnlichen Input bereits von anderen bekommen
- oder sich selbst schon ähnliche Gedanken gemacht?
Wenn ja: Was genau, welche und was möchten Sie in dieser
Beziehung noch recherchieren oder sich aneignen?
Schritt 4: Auf die eigene Reaktion achten
Damit
ist nun nicht die Reaktion der Person gegenüber gemeint,
von der die Ansicht kommt - das hatten wir ja bereits -,
sondern es geht um die emotionale Reaktion auf die Inhalte.
Sind
Sie voller Euphorie oder verärgert? Wischen Sie etwas
gleich vom Tisch? - Besonders bei extremen Reaktionen sollten
Sie näher hinsehen:
- Warum
stimme ich voll und ganz zu? Was finde ich gut an dieser
Meinung?
Oder:
- Warum
lehne ich diese Meinung so stark ab? Was stört mich
daran? Wie geht es mir damit genau?
Sie werden sehen, dass Sie auf diese Weise sehr viel mehr
von fremden Meinungen profitieren können - und dass
diese auch inhaltlich sehr viel greifbarer und klarer einordenbar
sind ... und damit beträchtlich zu Ihrer Entscheidungsfindung
beitragen können.
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