| Die
Fakten sprechen für eine Sache ... wenn da nur das komische
Gefühl im Bauch nicht wäre! Und nun? Meldet sich
hier die schlaue Intuition, der man blind vertrauen sollte
und die letztlich doch immer richtig ist? Oder führt
uns der Bauch vielleicht auf's Glatteis?
Wie
so oft ist die Devise: Erstmal näher hinschauen! Es
ist nämlich keineswegs so, dass das Bauchgefühl
von irgendwoher kommt und geheimnisvolle Signale sendet,
sondern es gibt ganz handfeste Gründe, die den "Bauch"
wecken. Zum Beispiel:
- Schutzmechanismus: Ängste und Unsicherheiten
Hat
man vor etwas Angst oder ist sich seiner Sache nicht sicher,
dann reagiert man sehr viel sensibler. Außerdem verhalten
wir uns entsprechend. Beispielsweise entscheiden sich Leute,
die sich mit neuen Kontakten und Smalltalk schwer tun, häufig
dafür, gar nicht zu solchen Events zu gehen. Auch wenn
sie "eigentlich" durchaus gerne gehen würden.
Unbegründete
Eifersucht ist auch ein gutes Beispiel: Da wird ein bestimmtes
Verhalten umgedeutet, entsprechende Signale werden aufgefangen
und schon hat man "intuitiv" das Gefühl,
dass der andere einen vielleicht doch betrügen könnte.
- Frühere Erfahrungen
Bleiben
wir beim Beispiel eben: Nehmen wir an, jemand wurde in einer
früheren Beziehung betrogen. Wir lernen idealerweise
aus unseren Erfahrungen. Das führt aber leider durchaus
auch dazu, dass man Wissen und Erkenntnisse 1:1 auf etwas
Neues überträgt und nicht mehr merkt, dass die
Situation und die beteiligten Personen anders sind.
Möglicherweise
trifft man deshalb folgende Entscheidung: Ich lasse meinen
Partner nicht mehr alleine zu irgendwelchen Parties, denn
ein früherer Partner hat bei dieser Gelegenheit jemanden
kennen gelernt und ist fremdgegangen.
Das
Ganze ist natürlich auch auf berufliche Situationen
anwendbar. Angenommen Sie haben in einer früheren Stelle
ein Projekt verhauen. Nun scheuen Sie sich davor, wieder
eine verantwortungsvolle Rolle im Beruf anzunehmen und lehnen
lieber ab, weil Sie das Desaster nicht wiederholen möchten.
Das "Bauchgefühl" bei der Aussicht auf ein
eigenverantwortliches Projekt wird also nicht positiv ausfallen.
Was aber nicht bedeutet, dass Sie das Projekt nicht handlen
könnten. Sie trauen sich nur nicht.
- Erziehung
Die
Oma, die immer gesagt hat "Gut Ding' will Weile haben",
hat Sie so weit beeinflusst, dass Sie keine spontanen Entscheidungen
treffen möchten, weil das dann eh nichts sein kann.
Der Vater, der eher entmutigend war: "Das schaffst
Du doch nie!" ... Doch natürlich kann uns unser
Bauchgefühl auch in die andere Richtung "täuschen":
Etwa wenn es ein grenzenlos gutes Gefühl bringt und
uns darüber hinwegschauen lässt, dass es wichtige
"Kopf-Gründe" gibt, die berücksichtigt
werden wollen. Vielleicht sind Sie mit sehr ermutigenden
Statements groß geworden: "Du bist ein Glückskind!
Der gelingt eh immer alles!" Eine schöne Sache,
die aber ebenso ihre Tücken hat.
- Unkonkrete Beobachtungen und Eindrücke
Stellen
Sie sich vor, Sie hatten ein Job-Interview. Sie erhalten
eine Zusage. Die Fakten (Konditionen etc.) klingen wunderbar
und alles spricht dafür, die Stelle anzunehmen. Aber
Ihr Bauch sagt "Nein".
Nehmen
Sie dieses unangenehme Gefühl nicht einfach so hin.
Und machen Sie auch nicht den Fehler, das Signal sofort
als klares Nein zu deuten. Sondern machen Sie sich die Mühe,
zu hinterfragen, woher das komische Gefühl kommt.
- Zu wenig hinterfragt
Ein
Patentrezept für gute Entscheidungen ist es, die Dinge
zu konkretisieren. Eben auch das Bauchgefühl.
Nehmen
wir an, Ihr schlechtes Gefühl nach dem Vorstellungsgespräch
kommt davon, dass Ihnen Ihr Gegenüber unsympathisch
war.
- Warum?
Was ist der Grund? Näher hinterfragt, stellt sich nun
vielleicht raus, dass Sie den Eindruck hatten, der Personalentscheider
mochte Sie nicht - darum war er Ihnen auch nicht angenehm
und Sie haben ein schlechtes Gefühl. Woran machen Sie
den Eindruck fest, dass Sie nicht gut angekommen sind? ...
Auf diese Weise kommen Sie Ihrem Gefühl auf die Schliche.
Die Übung
Nr.13 hilft Ihnen dabei, herauszufinden, was
das Bauchgefühl auslöst.
- Nicht genug Informationen/Fakten
Sehr
häufig fehlen auch weitere Informationen: So haben
Sie vielleicht große Lust, zu Ihrem Partner nach Wuppertal
zu ziehen, Ihr Bauch grummelt aber bei der Frage, wie es
sich dort wohl lebt und ob Sie überhaupt eine gute
Arbeit bekommen werden. Anstatt die Gedanken nun einfach
um das Bauchgefühl kreisen zu lassen, ist Ihnen mehr
damit gedient, weitere hilfreiche Informationen und Fakten
zu recherchieren und Ihre Bedenken damit zu überprüfen.
*
Gehören
Sie zu den kopflastigeren Menschen? Oder treiben Sie Tipps
wie "Hör einfach in Dich rein, wie es Dir damit
geht!" in den Wahnsinn, weil Sie einfach nichts "hören"?
Dann seien Sie gespannt auf den nächsten
Tipp.
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