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Entscheidungen - Tipp Nr. 19:
Den eigenen Einflussbereich nutzen
 
 

Im letzten Tipp haben wir uns den Gründen gewidmet, die dazu führen, eine Entscheidung vor uns herzuschieben (Tipp Nr. 18).

In der begleitenden Übung ging es darum, zu eruieren, warum man im Alltag etwas nicht getan hat, was man "eigentlich" gerne gemacht hätte (z. B. sagen, wenn einem das Essen im Restaurant nicht schmeckt, oder einen Laden mit schlechtem Service verlassen, statt zähneknirschend doch dort einzukaufen).

Unser Leser, Herr Berger, hat uns netterweise daraufhin geschrieben:

*

Was mir persönlich am besten hilft, ist, mich nicht mit den Gründen zu beschäftigen, warum ich etwas Sinnvolles nicht tue, sondern
a) mich zu fragen: "Unter welchen Umständen würde ich es tun?" und dann
b) zu versuchen, diese Umstände zu schaffen.

*

Herr Berger hat vollkommen Recht: Denn die Frage "Wie es denn gehen könnte" bzw. "Was sein müsste, damit ich etwas tue" ist sehr lösungsorientiert. Wenn man mit diesen Erkenntnissen dann auch wirklich etwas anfängt.

Unterschiedliche Frage-Formen bieten allerdings auch andere Antwortmöglichkeiten. Darum greife ich Herrn Bergers Anregungen gerne noch einmal auf:

Sich zu fragen, WARUM man etwas nicht tut, hat eine etwas andere Qualität.
In der Regel führt uns das "Warum mach ich das jetzt nicht?" mehr zu uns selbst. Die Frage nach den Umständen und was sein müsste birgt bei vielen Leuten die Gefahr, dass sie sich zu sehr auf Umwelt und Umstände konzentrieren und sich manchmal selbst völlig außen vor lassen.

Beispiel:

- Ich würde mich dafür entscheiden, mit meiner Schwester Frieden zu schließen und wieder mit ihr zu reden, wenn sie sich endlich ändern würde.

- Ich würde kündigen, wenn der Arbeitsmarkt besser wäre.


Bitte verstehen Sie mich richtig: Selbstverständlich spielen für jede Entscheidung auch andere Aspekte eine Rolle - es geht nie ausschließlich um einen selbst. Wir selbst können jedoch sehr viel tun, wenn wir nicht nur den Blick auf andere werfen, sondern auch auf unseren Einflussbereich.

Vielleicht kennen einige von Ihnen das Buch "Die sieben Wege zur Effektivität" (Buch anschauen bei amazon.de) von Stephen R. Covey. Dieser bringt es sehr plakativ auf den Punkt, indem er ein Modell mit zwei Kreisen vorstellt: Malen Sie einen Kreis und darum herum einen größeren.
Der innere Kreis ist Ihr unmittelbarer Einflussbereich ("circle of influence"). Der Kreis drumherum ist der Bereich, über den wir uns Gedanken machen, den wir aber nicht direkt beeinflussen können ("circle of concern").

Nehmen wir an, Sie sind unzufrieden in Ihrem Job, weil Ihr Chef Sie nicht genug anerkennt und sich öfter mal im Ton vergreift. Sie entscheiden sich zur Kündigung, obwohl Sie eigentlich - bis auf die Sache mit dem Chef - gerne dort arbeiten.
Die meisten Menschen in dieser Situation tappen in die Falle, dass sie sich nur auf den Chef konzentrieren und ihre Entscheidung davon abhängig machen, ob DIESER sich anders verhält, tun aber selbst überhaupt nichts dazu. Suchen meist nicht mal das persönliche Gespräch.

Nur wer sich in derlei Situationen auch intensiv mit sich selbst befasst: Was kann ich dazu tun, dass sich die Situation verändert? Was habe ich bisher getan und mit welchem Erfolg? Wie reagiere ich meinem Chef gegenüber? Wie verhalte ich mich im Büroalltag: Kann er überhaupt erkennen, was ich tue und was anerkennenswert ist? Wie gehe ich damit um, wenn mein Chef sich im Ton vergreift? Habe ich mit ihm bereits darüber gesprochen? In welcher Form?

Nutzen Sie daher immer unterschiedliche Frageformen. Und konzentrieren Sie sich stets darauf:

- Ihren eigenen Einflussbereich wahrzunehmen

- und nach dem Zusammentragen aller Gedanken, Bedürfnisse, Wünsche und Hindernisse lösungsorientiert vorzugehen à la "Wie könnte es klappen?"

Nebenbei bemerkt können Sie auf diese Weise auch sehr viel fröhlicher und gesünder durch's Leben gehen. Es ist erwiesen, dass man bedrückt ist (das kann bis zu Depressionen gehen!), wenn man das Gefühl hat, das Leben nicht mehr selbst in der Hand zu haben und praktisch zum Spielball von Umständen und anderen zu werden.

 

 
   
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