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Entscheidungen - Tipp Nr. 25:
Aufmerksamkeit und Aktion im Alltag
 
 
Kürzlich in der U-Bahn: Der Zug fährt ein und endet außerplanmäßig an dieser Haltestelle. Eine Durchsage des Zugführers fordert alle Fahrgäste zum Aussteigen auf. Während sich der Zug leert, bleibt ein Mann in seine Zeitung versunken auf seinem Platz sitzen und macht keine Anstalten auszusteigen.

Vom Bahnsteig aus beobachte ich, wie die Leute, die die U-Bahn verlassen, und auch welche, die auf dem Bahnsteig stehen, den Mann neugierig beobachten. Noch einmal die Durchsage des Zugführers - und wieder bemerkt der lesende Mann nichts. Und noch immer gibt ihm niemand drum herum Bescheid. Als ich an das Fenster klopfe, springt er dankbar aus dem Zug und nun reagieren auch einige Leute am Bahnsteig.

Warum hat ihn niemand informiert, wo doch zahlreiche Leute bemerkt haben, dass der Mann ganz offensichtlich nichts mitbekommen hatte und, wenn es dumm gelaufen wäre, mit der U-Bahn eingerückt wäre?

Das gab mir zu denken: Wie ist es denn mit den alltäglichen Entscheidungen dieser Art? - Wie oft bemerken wir etwas und entscheiden uns dafür, nichts zu tun.

Reden wir noch nicht einmal von brenzligen Situationen, die Zivilcourage erfordern, sondern bleiben wir beim ganz banalen Alltag:

- Sie stehen auf der Rolltreppe und sehen, dass der Rucksack der Person vor Ihnen offen steht.

- Sie bemerken, dass eine Person ihre Bluse irrtümlich falsch geknöpft hat.

- Jemand steht im Bus auf und auf dem Sitz liegt ein Regenschirm oder eine Mütze. Sie wissen nicht genau, ob er/sie wirklich dieser Person gehört.

- Sie hören, wie jemandem auf der Straße ein Weg erklärt wird, bekommen jedoch mit, dass die Beschreibung falsch ist.

- Im Zug ist jemand fest eingeschlafen. Sie glauben, gehört zu haben, dass die Person am aktuellen Bahnhof aussteigen will, sind aber nicht ganz sicher.

- Auf einer Bank sitzt jemand in sich zusammengesunken, dem es nicht gut geht oder der schläft - könnte ohnmächtig, könnte aber auch einfach nur betrunken sein.


Das sind Situationen, die Ihnen so oder so ähnlich sicher öfter begegnen. Es wäre ein Leichtes, die andere Person einfach kurz aufmerksam zu machen - und dennoch entscheiden sich viele, ich behaupte sogar: die meisten Menschen dafür, nichts zu sagen. Sich nicht "einzumischen".


Die Ausrede, die man vor sich und anderen oft benützt, dass man es gar nicht "mitbekommen" hat, gilt nicht. Denn natürlich waren Sie aufmerksam genug, es zu bemerken - sonst würden Ihnen jetzt keine Gelegenheiten dieser Art einfallen.


Drehen wir mal wieder den Spieß um: Wenn Sie die betroffene Person wären, würden Sie sich doch ganz sicher wünschen, dass man Sie aufmerksam darauf macht, dass etwas an Ihrer Kleidung nicht okay ist, dass Sie vielleicht etwas liegen gelassen haben, dass Ihnen gerade eine falsche Auskunft gegeben wird, dass Ihre Tasche offensteht - oder einfach jemand, der sich um Ihr Wohlbefinden sorgt. Denn es könnte ja tatsächlich sein, dass Sie unterwegs umkippen.

Denken Sie auch schon die ganze Zeit daran, dass häufig beklagt wird, wir wären eine "Wegschau-Gesellschaft"? - Dann packen Sie sich bitte hier und jetzt mal kräftig an der eigenen Nase. Wegschauen bezieht sich nicht nur auf krasse Fälle von Gewalt oder Missständen. Es geht im Alltag los.


Und unser tägliches Verhalten beeinflusst natürlich auch unsere grundlegenden Entscheidungsfähigkeiten.

Gehören Sie zu den Menschen, die sich eher dafür entscheiden, in solchen Fällen nichts zu tun, weil "es bestimmt ein anderer tun wird", "es ja nicht so schlimm ist", "vielleicht ja gar nicht so zutrifft, wie ich denke (vielleicht hat jemand den Rucksack ja absichtlich offen gelassen, weil nichts Wertvolles drin ist)", dann fragen Sie sich, warum Sie nicht aktiv werden.

Geben Sie sich einen Ruck! Gerade in solchen banalen Alltagssituationen können Sie nur gewinnen: Sie zeigen, wie aufmerksam Sie sind, und punkten mit Hilfsbereitschaft. Außerdem werden Sie sich noch dazu sehr gut fühlen!

Ihre Entscheidungsfähigkeiten profitieren auch davon: Denn eine Situation zu erkennen und aktiv zu werden, ist eine positive Angewohnheit, die Ihnen auch in allen anderen Entscheidungssituationen hilft. - Genauso wie Passivität und Rückzug ebenfalls grundlegende Spuren in Ihren Entscheidungsmustern hinterlassen.

 

 
   
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