| Oft
fühlt man sich vor vollendete Tatsachen gestellt. In
anderen Situationen glaubt man, eine Entscheidung treffen
zu können, obwohl in Wirklichkeit schon alles entschieden
ist. - Die Gründe dafür, dass wir so manches Mal
auf dem Holzweg sind, liegen in
- Passivität
und
- Spekulation
Sehen wir uns beispielhaft einige typische Situationen dazu
an:
1.
Unklare Kommunikation
- Der
Chef sagt: "Frau/Herr X, könnten Sie heute länger
bleiben?"
Das
"könnten" und die Frageform deuten auf eine
Bitte hin. Aber ist das wirklich so? Können Sie also
problemlos nein sagen oder wird Ihr Chef dann sauer, weil
er Überstunden angeordnet hat?
- Der
Lebenspartner sagt: "Am Samstag hätte ich Lust
auf Schwimmbad. Du auch?"
Nein?
Ist jetzt alles okay und Sie denken sich eine andere Freizeitaktivität
aus - oder hängt jetzt der Haussegen schief, weil das
"Ich hätte Lust, Du auch?" nur eine rhetorische
Verpackung für "Am Samstag gehen wir ins Schwimmbad.
Punkt." war?
2.
Persönliche Beziehungen und damit verbundene Spekulationen
Geht
es um Anliegen, die Freunde oder Verwandte an einen herantragen
oder ein Bekannter eines guten Kunden o. Ä., fühlt
sich so mancher auch nicht frei in seinen Entscheidungen.
Entweder,
weil die Beziehung im Vordergrund steht, man sich automatisch
verpflichtet fühlt oder aber befürchtet, dass
sich negative Konsequenzen ergeben könnten, wenn man
jemandem etwas abschlägt oder sich für etwas entscheidet,
das im Konflikt mit jemand anderem stehen könnte.
Zum
Beispiel:
- Ein
naher Verwandter fragt, ob Sie ihm Geld leihen können.
Sie möchten grundsätzlich kein Geld verleihen,
aber fühlen sich gebunden, weil es sich um Familie
handelt.
- Ein
befreundetes Pärchen hat sich getrennt. Sie mochten
beide immer gerne, aber einen davon kennen Sie länger.
Sind Sie jetzt verpflichtet, den Kontakt zum anderen abzubrechen
oder geheimzuhalten? Oder Sie möchten sich gerne raushalten,
sind aber unsicher, ob diese Entscheidung angenommen oder
vielleicht zu Streit führen wird.
3.
Eigene Unsicherheiten machen einem einen Strich durch die
Rechnung
- Sie
haben jemanden kennen gelernt und möchten diese/n gern
um ein Date bitten. Sie entscheiden sich von vornherein
dagegen, weil Sie davon überzeugt sind, dass Sie "eh
nicht interessant oder hübsch genug" sind.
- Jemand
ist unsicher in seiner Beziehung und nimmt daher alles,
was die andere Person sagt, tut und möchte, hin - auch
wenn er eigentlich andere Bedürfnisse hat oder auch
mal Nein sagen möchte. Anstatt also eine "echte"
eigene Entscheidung zu treffen und diesen Standpunkt zu
vertreten, wird das gesagt oder gemacht, von dem man annimmt,
dass der andere es hören oder haben möchte.
Im Gegensatz
zur tatsächlichen Erpressung, die wir weiter unten
noch besprechen, geht es hier um eigene Spekulation: Die
Befürchtung, dass die andere Person etwas nicht gut
finden oder einem übel nehmen würde und beispielsweise
Schluss macht, wenn man die Entscheidung nicht so trifft,
dass sie dem (tatsächlichen oder angenommenen) Wunsch
des anderen entspricht.
4.
Keine Entscheidungsfreiheit, weil man Annahmen mit Tatsachen
verwechselt
- Sie
möchten eine Gehaltserhöhung, sind aber davon
überzeugt, dass Ihr Chef Ihnen das übelnimmt und
bei nächster Gelegenheit kündigen wird.
- Sie
würden gerne den Job wechseln oder sich selbstständig
machen, rechnen aber damit, dass das eh nicht glückt.
- Sie
möchten Karriere im Unternehmen machen, sind aber überzeugt,
dass Frauen - noch dazu mit Kindern - ohnehin keine Chance
haben.
5.
"Pseudo-Wahl" und Erpressung
Natürlich
gibt es auch Situationen, in denen man nur scheinbar vor
eine Entscheidung gestellt wird - tatsächlich setzt
jemand einen Hebel an, der in eine bestimmte Richtung drängt:
Das
kann eine offene Drohung sein ("wenn Du nicht xy machst,
dann verlasse ich Dich/wird es wohl nichts mit der Beförderung")
oder beispielsweise ein emotionaler Appell ("Du hast
die Wahl - wobei ich schon sehr enttäuscht wäre,
wenn Du nicht so hilfsbereit wärst"/"ohne
Dich ist mein Leben sinnlos").
Die
Lösung: Nachfragen!
Wie
viel Entscheidungsspielraum vorhanden ist, wenn jemand mit
einem Anliegen, einer Bitte oder Forderung an Sie herantritt,
können Sie nur herausfinden, indem Sie nachfragen:
- Bei
der betreffenden Person: Die Formulierung kommt bei mir
soundso an. Ist es so gemeint?
- Und
"bei sich selbst": Indem Sie hinterfragen, was
Fakt ist und was lediglich Annahmen sind.
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