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Entscheidungen - Tipp Nr. 26:
Den Entscheidungsspielraum eruieren
 
 
Oft fühlt man sich vor vollendete Tatsachen gestellt. In anderen Situationen glaubt man, eine Entscheidung treffen zu können, obwohl in Wirklichkeit schon alles entschieden ist. - Die Gründe dafür, dass wir so manches Mal auf dem Holzweg sind, liegen in

- Passivität
und
- Spekulation


Sehen wir uns beispielhaft einige typische Situationen dazu an:


1. Unklare Kommunikation

- Der Chef sagt: "Frau/Herr X, könnten Sie heute länger bleiben?"

Das "könnten" und die Frageform deuten auf eine Bitte hin. Aber ist das wirklich so? Können Sie also problemlos nein sagen oder wird Ihr Chef dann sauer, weil er Überstunden angeordnet hat?

- Der Lebenspartner sagt: "Am Samstag hätte ich Lust auf Schwimmbad. Du auch?"

Nein? Ist jetzt alles okay und Sie denken sich eine andere Freizeitaktivität aus - oder hängt jetzt der Haussegen schief, weil das "Ich hätte Lust, Du auch?" nur eine rhetorische Verpackung für "Am Samstag gehen wir ins Schwimmbad. Punkt." war?

 

2. Persönliche Beziehungen und damit verbundene Spekulationen

Geht es um Anliegen, die Freunde oder Verwandte an einen herantragen oder ein Bekannter eines guten Kunden o. Ä., fühlt sich so mancher auch nicht frei in seinen Entscheidungen.

Entweder, weil die Beziehung im Vordergrund steht, man sich automatisch verpflichtet fühlt oder aber befürchtet, dass sich negative Konsequenzen ergeben könnten, wenn man jemandem etwas abschlägt oder sich für etwas entscheidet, das im Konflikt mit jemand anderem stehen könnte.

Zum Beispiel:

- Ein naher Verwandter fragt, ob Sie ihm Geld leihen können. Sie möchten grundsätzlich kein Geld verleihen, aber fühlen sich gebunden, weil es sich um Familie handelt.

- Ein befreundetes Pärchen hat sich getrennt. Sie mochten beide immer gerne, aber einen davon kennen Sie länger. Sind Sie jetzt verpflichtet, den Kontakt zum anderen abzubrechen oder geheimzuhalten? Oder Sie möchten sich gerne raushalten, sind aber unsicher, ob diese Entscheidung angenommen oder vielleicht zu Streit führen wird.

 

3. Eigene Unsicherheiten machen einem einen Strich durch die Rechnung

- Sie haben jemanden kennen gelernt und möchten diese/n gern um ein Date bitten. Sie entscheiden sich von vornherein dagegen, weil Sie davon überzeugt sind, dass Sie "eh nicht interessant oder hübsch genug" sind.

- Jemand ist unsicher in seiner Beziehung und nimmt daher alles, was die andere Person sagt, tut und möchte, hin - auch wenn er eigentlich andere Bedürfnisse hat oder auch mal Nein sagen möchte. Anstatt also eine "echte" eigene Entscheidung zu treffen und diesen Standpunkt zu vertreten, wird das gesagt oder gemacht, von dem man annimmt, dass der andere es hören oder haben möchte.

Im Gegensatz zur tatsächlichen Erpressung, die wir weiter unten noch besprechen, geht es hier um eigene Spekulation: Die Befürchtung, dass die andere Person etwas nicht gut finden oder einem übel nehmen würde und beispielsweise Schluss macht, wenn man die Entscheidung nicht so trifft, dass sie dem (tatsächlichen oder angenommenen) Wunsch des anderen entspricht.

 

4. Keine Entscheidungsfreiheit, weil man Annahmen mit Tatsachen verwechselt

- Sie möchten eine Gehaltserhöhung, sind aber davon überzeugt, dass Ihr Chef Ihnen das übelnimmt und bei nächster Gelegenheit kündigen wird.

- Sie würden gerne den Job wechseln oder sich selbstständig machen, rechnen aber damit, dass das eh nicht glückt.

- Sie möchten Karriere im Unternehmen machen, sind aber überzeugt, dass Frauen - noch dazu mit Kindern - ohnehin keine Chance haben.

 

5. "Pseudo-Wahl" und Erpressung

Natürlich gibt es auch Situationen, in denen man nur scheinbar vor eine Entscheidung gestellt wird - tatsächlich setzt jemand einen Hebel an, der in eine bestimmte Richtung drängt:

Das kann eine offene Drohung sein ("wenn Du nicht xy machst, dann verlasse ich Dich/wird es wohl nichts mit der Beförderung") oder beispielsweise ein emotionaler Appell ("Du hast die Wahl - wobei ich schon sehr enttäuscht wäre, wenn Du nicht so hilfsbereit wärst"/"ohne Dich ist mein Leben sinnlos").

 

Die Lösung: Nachfragen!

Wie viel Entscheidungsspielraum vorhanden ist, wenn jemand mit einem Anliegen, einer Bitte oder Forderung an Sie herantritt, können Sie nur herausfinden, indem Sie nachfragen:

- Bei der betreffenden Person: Die Formulierung kommt bei mir soundso an. Ist es so gemeint?

- Und "bei sich selbst": Indem Sie hinterfragen, was Fakt ist und was lediglich Annahmen sind.

 

 
   
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