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Entscheidungen - Tipp Nr. 27:
Emotionale Appelle
 
 
Im letzten Tipp ("Entscheidungsspielraum eruieren") kam es bereits kurz zur Sprache: Manchmal steht man vor einer Entscheidung, doch die Ausgangslage ist nicht ganz fair, denn das Gegenüber argumentiert mit einem emotionalen Appell.

Die Vorgehensweise ist simpel: Man appelliert an die Gefühle des anderen - und manipuliert ihn damit.

Beispiele:

- "Überlegen Sie sich, ob Sie die Arbeit von Herrn Meier mit übernehmen können - denn leider können wir für ihn niemanden mehr einstellen. Übrigens hab ich Sie beim Oberchef schon gelobt: ‚Der Herr X ist verlässlich', hab ich gesagt, ‚Dem trau ich das zu!'"

- "Natürlich steht Ihnen hier eigentlich ein Nachhonorar zu. Ich würde mir das aber gut überlegen, ob Ihnen das so wichtig ist, denn Mitbewerber gibt es viele."

- "Freundschaft heißt doch, dass man immer füreinander da ist und sich total aufeinander verlassen kann. Ich verstehe nicht, wie Du da jetzt zögern kannst - ich dachte, wir wären gute Freunde ...!"

- "Wenn Du nicht zu mir ziehst, weiß ich nicht, ob unsere Beziehung noch einen Sinn hat."

- "Das verstehe ich, dass Sie als berufstätige Hausfrau und Mutter wenig Zeit haben. Die Kindergarten-Basare sind für unsere Finanzierung sehr wichtig. Sie gehören doch nicht zu den gleichgültigen Eltern, die immer die anderen machen lassen!"


Seien Sie besonders aufmerksam, wenn jemand eine Frage oder Argumente mit emotionalen Appellen vorbringt: Wichtig ist, sich klarzumachen, dass das nicht immer bewusst und als "böse Taktik" genutzt wird!

Vielleicht haben Sie sich sogar dabei ertappt, wie Sie so manches Mal selbst den emotionalen Hebel ansetzen, um eine Entscheidung in Ihrem Sinne herbeizuführen.

 

Wie geht man mit solchen emotionalen Appellen um?

1. Wenn Sie merken, dass Sie sich unwohl fühlen - oder sogar, dass Sie eine eigentlich bereits getroffene Entscheidung wieder relativieren oder gar zurückziehen, schauen Sie sich genauer Ihre Gründe an:

- Welche Argumente habe ich für meine Entscheidung berücksichtigt?

- Welche Art von Gefühlen wird ins Spiel gebracht: Womit argumentiert der Mitbetroffene außer mit etwaigen Fakten?

- Wenn mich etwas stark beschäftigt oder getroffen hat: Was stört mich genau (z. B. dass Sie sich selbst für sehr großzügig halten und Ihnen jetzt Geiz vorgeworfen wird oder dass Sie stolz auf Ihre Hilfsbereitschaft sind und man Ihnen vorhält, sich in dieser Sache egoistisch zu verhalten)?

Eine gute Entscheidung können Sie nur dann treffen, wenn Sie Argumente und Gefühle getrennt voneinander wahrnehmen.


2. Weisen Sie den anderen auf diese Manipulationstechnik hin.

Unterstellen Sie dabei nicht, dass die andere Person taktiert, sondern legen Sie konstruktiv dar, dass der "emotionale Hebel" nicht in Ordnung und nicht fair ist.
Nicht immer ist einem, wie gesagt, bewusst, dass man den anderen in Bedrängnis bringt. So kann schon ein Darauf-aufmerksam-Machen dazu führen, dass sich die andere Person entschuldigt.

Sofern es aber wirklich als Taktik gedacht war, sieht der andere ganz klar, dass Sie den Manipulationsversuch nicht nur durchschaut haben, sondern auch, dass er nicht fruchtet (natürlich nur, wenn Sie Ihre Entscheidung auch nach wie vor nach Ihren eigenen Bedürfnissen und Ihrem Willen treffen).

Letzteres kann übrigens auch der Fall sein, wenn Sie dem Ansinnen der anderen Person nachgeben: Vielleicht haben Sie nichts dagegen, dem anderen seinen Willen zu lassen, und entscheiden sich in diesem Sinne - machen aber gleichzeitig klar, dass die Art und Weise nicht in Ordnung war. Und dass es Ihnen lieber wäre, künftig offen und sachlich über etwas zu sprechen. Und dass Vorwürfe oder sonstige Manipulationsversuche nicht nur dazu führen können, dass Sie sich künftig stur stellen, sondern auch, dass das Miteinander dadurch gestört wird.

 

Emotionale Erpressung

Der Extremfall ist die emotionale Erpressung: Jemand droht Ihnen mit negativen Konsequenzen (Jobverlust, Beziehung beenden, das Leben schwer machen) oder auch damit, dass es dem anderen schlecht geht und Sie Schuld daran seien (mein Leben ist ruiniert, ich bin todtraurig und enttäuscht, ich tue mir etwas an). Wirksam ist auch, jemandem etwas vorzuwerfen, von dem man weiß, dass es einen wunden Punkt trifft (Sie seien egoistisch oder hartherzig).
Details zur emotionalen Erpressung und wie man damit umgeht, schildert Susan Forward in ihrem gleichnamigen Buch: Buch anschauen bei amazon.de

 

 
   
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