| Im
letzten Tipp ("Entscheidungsspielraum
eruieren") kam es bereits kurz zur Sprache:
Manchmal steht man vor einer Entscheidung, doch die Ausgangslage
ist nicht ganz fair, denn das Gegenüber argumentiert
mit einem emotionalen Appell.
Die
Vorgehensweise ist simpel: Man appelliert an die Gefühle
des anderen - und manipuliert ihn damit.
Beispiele:
- "Überlegen
Sie sich, ob Sie die Arbeit von Herrn Meier mit übernehmen
können - denn leider können wir für ihn niemanden
mehr einstellen. Übrigens hab ich Sie beim Oberchef
schon gelobt: Der Herr X ist verlässlich', hab
ich gesagt, Dem trau ich das zu!'"
- "Natürlich
steht Ihnen hier eigentlich ein Nachhonorar zu. Ich würde
mir das aber gut überlegen, ob Ihnen das so wichtig
ist, denn Mitbewerber gibt es viele."
- "Freundschaft
heißt doch, dass man immer füreinander da ist
und sich total aufeinander verlassen kann. Ich verstehe
nicht, wie Du da jetzt zögern kannst - ich dachte,
wir wären gute Freunde ...!"
- "Wenn
Du nicht zu mir ziehst, weiß ich nicht, ob unsere
Beziehung noch einen Sinn hat."
- "Das
verstehe ich, dass Sie als berufstätige Hausfrau und
Mutter wenig Zeit haben. Die Kindergarten-Basare sind für
unsere Finanzierung sehr wichtig. Sie gehören doch
nicht zu den gleichgültigen Eltern, die immer die anderen
machen lassen!"
Seien Sie besonders aufmerksam, wenn jemand eine Frage oder
Argumente mit emotionalen Appellen vorbringt: Wichtig ist,
sich klarzumachen, dass das nicht immer bewusst und als
"böse Taktik" genutzt wird!
Vielleicht
haben Sie sich sogar dabei ertappt, wie Sie so manches Mal
selbst den emotionalen Hebel ansetzen, um eine Entscheidung
in Ihrem Sinne herbeizuführen.
Wie
geht man mit solchen emotionalen Appellen um?
1. Wenn
Sie merken, dass Sie sich unwohl fühlen - oder sogar,
dass Sie eine eigentlich bereits getroffene Entscheidung
wieder relativieren oder gar zurückziehen, schauen
Sie sich genauer Ihre Gründe an:
- Welche
Argumente habe ich für meine Entscheidung berücksichtigt?
- Welche
Art von Gefühlen wird ins Spiel gebracht: Womit argumentiert
der Mitbetroffene außer mit etwaigen Fakten?
- Wenn
mich etwas stark beschäftigt oder getroffen hat: Was
stört mich genau (z. B. dass Sie sich selbst für
sehr großzügig halten und Ihnen jetzt Geiz vorgeworfen
wird oder dass Sie stolz auf Ihre Hilfsbereitschaft sind
und man Ihnen vorhält, sich in dieser Sache egoistisch
zu verhalten)?
Eine
gute Entscheidung können Sie nur dann treffen, wenn
Sie Argumente und Gefühle getrennt voneinander wahrnehmen.
2. Weisen Sie den anderen auf diese Manipulationstechnik
hin.
Unterstellen
Sie dabei nicht, dass die andere Person taktiert, sondern
legen Sie konstruktiv dar, dass der "emotionale Hebel"
nicht in Ordnung und nicht fair ist.
Nicht immer ist einem, wie gesagt, bewusst, dass man den
anderen in Bedrängnis bringt. So kann schon ein Darauf-aufmerksam-Machen
dazu führen, dass sich die andere Person entschuldigt.
Sofern
es aber wirklich als Taktik gedacht war, sieht der andere
ganz klar, dass Sie den Manipulationsversuch nicht nur durchschaut
haben, sondern auch, dass er nicht fruchtet (natürlich
nur, wenn Sie Ihre Entscheidung auch nach wie vor nach Ihren
eigenen Bedürfnissen und Ihrem Willen treffen).
Letzteres
kann übrigens auch der Fall sein, wenn Sie dem Ansinnen
der anderen Person nachgeben: Vielleicht haben Sie nichts
dagegen, dem anderen seinen Willen zu lassen, und entscheiden
sich in diesem Sinne - machen aber gleichzeitig klar, dass
die Art und Weise nicht in Ordnung war. Und dass es Ihnen
lieber wäre, künftig offen und sachlich über
etwas zu sprechen. Und dass Vorwürfe oder sonstige
Manipulationsversuche nicht nur dazu führen können,
dass Sie sich künftig stur stellen, sondern auch, dass
das Miteinander dadurch gestört wird.
Emotionale
Erpressung
Der
Extremfall ist die emotionale Erpressung: Jemand droht Ihnen
mit negativen Konsequenzen (Jobverlust, Beziehung beenden,
das Leben schwer machen) oder auch damit, dass es dem anderen
schlecht geht und Sie Schuld daran seien (mein Leben ist
ruiniert, ich bin todtraurig und enttäuscht, ich tue
mir etwas an). Wirksam ist auch, jemandem etwas vorzuwerfen,
von dem man weiß, dass es einen wunden Punkt trifft
(Sie seien egoistisch oder hartherzig).
Details zur emotionalen Erpressung und wie man damit umgeht,
schildert Susan Forward in ihrem gleichnamigen Buch: Buch
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