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und wieder erreichen mich E-Mails oder Anrufe, bei denen skeptisch
gefragt wird, ob es überhaupt möglich ist, Entscheidungsfreude
zu lernen.
Ja,
das geht! Genauso wie an jeder anderen Fähigkeit können
Sie auch daran arbeiten, sich besser zu entscheiden - wobei
"besser" einerseits bedeutet, strukturiert heranzugehen
und mögliche Werkzeuge für Ihre Entscheidungsfindung
zu nutzen, und andererseits Ihre persönlichen Hindernisse
anzugehen.
Dass
jemand sich "nie entscheiden kann" gibt es nicht.
Es ist
einfach nicht der Fall, dass jemand sich generell nicht
entscheiden kann: Jeder von uns trifft ständig Entscheidungen.
Vieles entscheiden wir automatisch und praktisch im Vorbeigehen,
so dass einem gar nicht klar ist, dass gerade eine Entscheidung
dahintersteckte.
Halten
Sie sich für entscheidungsschwach (oder gar -unfähig),
dann heißt es zu differenzieren:
- Welche
Entscheidungen fallen mir leicht (beruflich/privat)?
- Mit
welchen Entscheidungen habe ich Schwierigkeiten?
Die
Gründe dafür, dass man sich mit manchen Entscheidungen
schwerer tut als mit anderen, sind vielfältig. Häufig
geht es um diese sieben Aspekte:
1.
Die Sache, um die es geht, macht mir Schwierigkeiten
Nehmen
wir als Beispiel gleich mal einige harte Nüsse:
- Sie
finden heraus, dass ein Freund von Ihnen fremdgeht. Sie
sind mit ihm und mit seiner Frau befreundet. Sagen Sie es
ihr? Reden Sie mit ihm? Halten Sie sich raus? Wie verhalten
Sie sich fortan?
- Sie
haben Personalverantwortung, haben nach langem Zögern
einen schwachen Mitarbeiter schon mehrmals ins Gespräch
genommen. Es hat sich nichts geändert, so dass Sie
wissen, dass Sie ihm "eigentlich" kündigen
müssten. Tun Sie es? Oder haben Sie zu viel Angst vor
dem Gespräch, weil Sie sich schuldig fühlen, wenn
der Mitarbeiter arbeitslos wird und damit auch seine Familie
in Mitleidenschaft gezogen wird?
- Sie
sind Mitte 30. Ihr/e Partner/in möchte keine Kinder.
Sie träumen von Kindern und Familie. Und jetzt? Abwarten?
Den Partner umzustimmen versuchen? Sich trennen wegen unterschiedlicher
Lebenspläne?
Je nachdem, worum es genau geht, tut man sich leichter oder
schwerer. Auch die entscheidungsfreudigsten Personen stoßen
an Themen, mit denen sie sich schwer tun.
Bei
einem inhaltlichen Problem hilft es zum einen, sich strukturiert
mit den Einzelaspekten auseinander zu setzen. Und je nachdem
wie stark man emotional beteiligt ist, kann es sehr hilfreich
sein, sich einen unbeteiligten Dritten dazu zu holen. Das
kann ein Coach sein, das kann aber auch jemand aus dem Freundes-
oder Bekanntenkreis sein, sofern diese Person eine objektive
Haltung einnehmen kann und Ihnen nicht einfach eigene Ängste
überstülpt oder Ihnen aus Solidarität nach
dem Mund redet.
2.
Der Unterschied beruflich oder privat
Es gibt
Leute, die sich total schwer mit privaten Entscheidungen
tun, im Beruf jedoch ganz zackig und selbstverständlich
sagen, was Sache ist. Schon alleine die Position und das
"für die Firma" kann dazu führen, dass
man sich sicher fühlt. - Kennt man so Leute persönlich,
wundert man sich manchmal, wenn sie privat ganz anders auftreten
und zögern.
Umgekehrt
kann es natürlich sein, dass Sie privat weniger Probleme
mit Entscheidungen haben, aber im Beruf wie paralysiert
sind - weil es um "mehr" geht, weil es ja sein
könnte, einen fatalen Fehler zu machen, der die Firma
vielleicht Geld kostet oder einen Verlust Ihres eigenes
Ansehens oder sogar des Arbeitsplatzes zur Folge haben könnte.
3.
Um wen geht es (mich selbst oder Betroffene)?
Eine
Entscheidungssituation kann völlig unterschiedlich
ausfallen, je nachdem um wen es geht.
Beispiel:
Man bekommt ein interessantes Jobangebot an einem anderen
Ort.
Nun
kann Person A ein Problem mit der Tatsache haben, für
sich selbst zu entscheiden, ob sie den Schritt wagen sollte.
Person B hat bei derselben Frage das Problem, dass andere
(Partner, Familie, Kollegen, Freunde) von einem Ortswechsel
mitbetroffen wären.
4.
Das Übernehmen von Verantwortung
Manchen
Menschen fällt es sehr schwer, Verantwortung zu übernehmen.
Das geht schon bei Kleinigkeiten los, etwa der Frage, in
welches Restaurant man mit der Clique gehen möchte
("Aber wenn es nicht gut ist, bin ich schuld!").
Es kann
sich um berufliche Entscheidungen handeln: Einen neuen Mitarbeiter
einstellen, eine Telefonanlage installieren lassen, eine
Reklamation mit einem Kunden selbst regeln ... Es gibt Leute,
die es nicht gelernt haben oder einfach Angst davor haben,
Verantwortung zu tragen. Diese zögern dann oft Entscheidungen
ewig hinaus, obwohl sie wissen, dass das zu Problemen führen
kann. Oder sie möchten sich immer doppelt und dreifach
absichern (ständig E-Mails in Kopie an andere schicken,
hundertmal nachfragen oder zu entscheidende Projekte anderen
zuschustern).
5.
Aufschaukeln und "Gedankenknäuel"
Bei
Entscheidungen, die einem Kopfzerbrechen machen, denken
wir besonders gerne daran, was alles schief gehen könnte:
Tipp
Nr. 3: Angst vor der Konsequenz, Teil 1
Tipp Nr. 4: Angst
vor der Konsequenz, Teil 2
Eine
selbst gemachte Hürde beim Treffen von Entscheidungen
ist, sich künstlich hineinzusteigern: Man nimmt alle
möglichen tatsächlichen oder angenommen Konsequenzen,
schmeißt alles zusammen, rührt um - und hat am
Ende außer Verwirrung und einem Gedankenbrei nichts
mehr im Kopf. So kann kein Mensch eine Entscheidung treffen!
6.
Unstrukturiertes Vorgehen: Nicht zu Ende denken.
Viele
Entscheidungen betreffen andere Inhalte oder Personen:
- Sie
würden gerne in eine andere Stadt ziehen ... aber das
bedeutet auch, dass Sie sich einen neuen Job suchen müssten
und den Freundeskreis zurücklassen.
- Sie
wissen, dass Ihre Ehe am Ende ist und würden sich schon
lange gerne trennen, aber Sie haben Angst, es auszusprechen,
fragen sich, ob Sie nicht den Kindern zuliebe aushalten
sollten, wie es mit Wohnen und Geld gehen sollte, wenn Sie
sich tatsächlich trennen.
Wenn
man nun immer von einer Sache zur nächsten springt,
anstatt erstmal jeden Hauptaspekt einzeln zu durchdenken,
eine Entscheidung zu treffen und sich anschließend
mit den weiteren Aspekten zu befassen, dann kommt man natürlich
nicht weiter.
7.
Das Vertreten einer Entscheidung
Schließlich
ist für so manchen das eigentliche Problem nicht die
Entscheidung selbst, sondern die Tatsache, dass man dann
auch danach handeln muss - bzw. die Entscheidung anderen
klar kommunizieren.
Wenn
ich mich also vor einer Entscheidung drücke, schütze
ich mich vor dem Bekanntgeben, etwaigen Diskussionen oder
Reaktionen anderer.
Übrigens:
Im nächsten
Tipp geht es um das klare Kommunizieren einer
Entscheidung.
Individuell
anknüpfen
Vielleicht
sind Sie also gar nicht entscheidungsscheu, weil Sie der
Entscheidungsprozess irritiert, sondern weil Sie
- Nachholbedarf
darin haben, Ihre Meinung standfest zu vertreten,
- an
Ihren Kommunikationsfähigkeiten arbeiten müssen/wollen,
um unpopuläre Entscheidungen gut zu vertreten, so dass
Sie der andere nachvollziehen und annehmen kann (und nicht
böse ist oder es gar zu Streitigkeiten kommt),
- im
Beruf nicht genau wissen, wie viel Entscheidungskompetenz
Sie haben und wie man mit eventuellen Fehlentscheidungen
umgehen würde. Dann ist ein Gespräch mit dem Chef
angesagt!
Sie sehen alleine an diesen Beispielen, dass sich völlig
unterschiedliche Ansätze ergeben, wie Sie Ihren individuellen
Entscheidungshürden zu Leibe rücken können.
Übrigens: Hinter jeder Barriere verstecken sich auch
immer wichtige Eigenschaften und Fähigkeiten. - So
erschweren sich viele Menschen zwar das Treffen einer Entscheidung,
wenn sie gleich ganz viele mitbetroffene Themen und Konsequenzen
einbeziehen und dadurch nicht mehr klar denken können.
Andererseits ist die Fähigkeit, Zusammenhänge
zu erkennen und einzubeziehen und auch vorausschauend genug
zu sein, um mögliche Folgen gleich zu sehen, eine wertvolle
Eigenschaft.
Der
Schlüssel besteht also nach dem Identifizieren der
persönlichen Hürden auch darin, dass man geschickt
damit umgeht - um die Fähigkeiten, die in einer Hürde
stecken, auch konstruktiv nutzen zu können.
Tipp:
Sofern noch nicht geschehen, machen Sie in diesem Zusammenhang
diese Übungen:
Übung Nr.
1: So oft treffen Sie Entscheidungen!
Übung Nr.
2: Ihre Entscheidungsfähigkeit
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