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Entscheidungen - Tipp Nr. 28:
Ist Entscheidungsfreude wirklich erlernbar?
 
 
Hin und wieder erreichen mich E-Mails oder Anrufe, bei denen skeptisch gefragt wird, ob es überhaupt möglich ist, Entscheidungsfreude zu lernen.

Ja, das geht! Genauso wie an jeder anderen Fähigkeit können Sie auch daran arbeiten, sich besser zu entscheiden - wobei "besser" einerseits bedeutet, strukturiert heranzugehen und mögliche Werkzeuge für Ihre Entscheidungsfindung zu nutzen, und andererseits Ihre persönlichen Hindernisse anzugehen.

 

Dass jemand sich "nie entscheiden kann" gibt es nicht.

Es ist einfach nicht der Fall, dass jemand sich generell nicht entscheiden kann: Jeder von uns trifft ständig Entscheidungen. Vieles entscheiden wir automatisch und praktisch im Vorbeigehen, so dass einem gar nicht klar ist, dass gerade eine Entscheidung dahintersteckte.

Halten Sie sich für entscheidungsschwach (oder gar -unfähig), dann heißt es zu differenzieren:

- Welche Entscheidungen fallen mir leicht (beruflich/privat)?

- Mit welchen Entscheidungen habe ich Schwierigkeiten?

Die Gründe dafür, dass man sich mit manchen Entscheidungen schwerer tut als mit anderen, sind vielfältig. Häufig geht es um diese sieben Aspekte:

 

1. Die Sache, um die es geht, macht mir Schwierigkeiten

Nehmen wir als Beispiel gleich mal einige harte Nüsse:

- Sie finden heraus, dass ein Freund von Ihnen fremdgeht. Sie sind mit ihm und mit seiner Frau befreundet. Sagen Sie es ihr? Reden Sie mit ihm? Halten Sie sich raus? Wie verhalten Sie sich fortan?

- Sie haben Personalverantwortung, haben nach langem Zögern einen schwachen Mitarbeiter schon mehrmals ins Gespräch genommen. Es hat sich nichts geändert, so dass Sie wissen, dass Sie ihm "eigentlich" kündigen müssten. Tun Sie es? Oder haben Sie zu viel Angst vor dem Gespräch, weil Sie sich schuldig fühlen, wenn der Mitarbeiter arbeitslos wird und damit auch seine Familie in Mitleidenschaft gezogen wird?

- Sie sind Mitte 30. Ihr/e Partner/in möchte keine Kinder. Sie träumen von Kindern und Familie. Und jetzt? Abwarten? Den Partner umzustimmen versuchen? Sich trennen wegen unterschiedlicher Lebenspläne?


Je nachdem, worum es genau geht, tut man sich leichter oder schwerer. Auch die entscheidungsfreudigsten Personen stoßen an Themen, mit denen sie sich schwer tun.

Bei einem inhaltlichen Problem hilft es zum einen, sich strukturiert mit den Einzelaspekten auseinander zu setzen. Und je nachdem wie stark man emotional beteiligt ist, kann es sehr hilfreich sein, sich einen unbeteiligten Dritten dazu zu holen. Das kann ein Coach sein, das kann aber auch jemand aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis sein, sofern diese Person eine objektive Haltung einnehmen kann und Ihnen nicht einfach eigene Ängste überstülpt oder Ihnen aus Solidarität nach dem Mund redet.

 

2. Der Unterschied beruflich oder privat

Es gibt Leute, die sich total schwer mit privaten Entscheidungen tun, im Beruf jedoch ganz zackig und selbstverständlich sagen, was Sache ist. Schon alleine die Position und das "für die Firma" kann dazu führen, dass man sich sicher fühlt. - Kennt man so Leute persönlich, wundert man sich manchmal, wenn sie privat ganz anders auftreten und zögern.

Umgekehrt kann es natürlich sein, dass Sie privat weniger Probleme mit Entscheidungen haben, aber im Beruf wie paralysiert sind - weil es um "mehr" geht, weil es ja sein könnte, einen fatalen Fehler zu machen, der die Firma vielleicht Geld kostet oder einen Verlust Ihres eigenes Ansehens oder sogar des Arbeitsplatzes zur Folge haben könnte.

 

3. Um wen geht es (mich selbst oder Betroffene)?

Eine Entscheidungssituation kann völlig unterschiedlich ausfallen, je nachdem um wen es geht.

Beispiel: Man bekommt ein interessantes Jobangebot an einem anderen Ort.

Nun kann Person A ein Problem mit der Tatsache haben, für sich selbst zu entscheiden, ob sie den Schritt wagen sollte. Person B hat bei derselben Frage das Problem, dass andere (Partner, Familie, Kollegen, Freunde) von einem Ortswechsel mitbetroffen wären.

 

4. Das Übernehmen von Verantwortung

Manchen Menschen fällt es sehr schwer, Verantwortung zu übernehmen. Das geht schon bei Kleinigkeiten los, etwa der Frage, in welches Restaurant man mit der Clique gehen möchte ("Aber wenn es nicht gut ist, bin ich schuld!").

Es kann sich um berufliche Entscheidungen handeln: Einen neuen Mitarbeiter einstellen, eine Telefonanlage installieren lassen, eine Reklamation mit einem Kunden selbst regeln ... Es gibt Leute, die es nicht gelernt haben oder einfach Angst davor haben, Verantwortung zu tragen. Diese zögern dann oft Entscheidungen ewig hinaus, obwohl sie wissen, dass das zu Problemen führen kann. Oder sie möchten sich immer doppelt und dreifach absichern (ständig E-Mails in Kopie an andere schicken, hundertmal nachfragen oder zu entscheidende Projekte anderen zuschustern).

 

5. Aufschaukeln und "Gedankenknäuel"

Bei Entscheidungen, die einem Kopfzerbrechen machen, denken wir besonders gerne daran, was alles schief gehen könnte:

Tipp Nr. 3: Angst vor der Konsequenz, Teil 1
Tipp Nr. 4: Angst vor der Konsequenz, Teil 2

Eine selbst gemachte Hürde beim Treffen von Entscheidungen ist, sich künstlich hineinzusteigern: Man nimmt alle möglichen tatsächlichen oder angenommen Konsequenzen, schmeißt alles zusammen, rührt um - und hat am Ende außer Verwirrung und einem Gedankenbrei nichts mehr im Kopf. So kann kein Mensch eine Entscheidung treffen!

 

6. Unstrukturiertes Vorgehen: Nicht zu Ende denken.

Viele Entscheidungen betreffen andere Inhalte oder Personen:

- Sie würden gerne in eine andere Stadt ziehen ... aber das bedeutet auch, dass Sie sich einen neuen Job suchen müssten und den Freundeskreis zurücklassen.

- Sie wissen, dass Ihre Ehe am Ende ist und würden sich schon lange gerne trennen, aber Sie haben Angst, es auszusprechen, fragen sich, ob Sie nicht den Kindern zuliebe aushalten sollten, wie es mit Wohnen und Geld gehen sollte, wenn Sie sich tatsächlich trennen.

Wenn man nun immer von einer Sache zur nächsten springt, anstatt erstmal jeden Hauptaspekt einzeln zu durchdenken, eine Entscheidung zu treffen und sich anschließend mit den weiteren Aspekten zu befassen, dann kommt man natürlich nicht weiter.

 

7. Das Vertreten einer Entscheidung

Schließlich ist für so manchen das eigentliche Problem nicht die Entscheidung selbst, sondern die Tatsache, dass man dann auch danach handeln muss - bzw. die Entscheidung anderen klar kommunizieren.

Wenn ich mich also vor einer Entscheidung drücke, schütze ich mich vor dem Bekanntgeben, etwaigen Diskussionen oder Reaktionen anderer.

Übrigens: Im nächsten Tipp geht es um das klare Kommunizieren einer Entscheidung.

 

Individuell anknüpfen

Vielleicht sind Sie also gar nicht entscheidungsscheu, weil Sie der Entscheidungsprozess irritiert, sondern weil Sie

- Nachholbedarf darin haben, Ihre Meinung standfest zu vertreten,

- an Ihren Kommunikationsfähigkeiten arbeiten müssen/wollen, um unpopuläre Entscheidungen gut zu vertreten, so dass Sie der andere nachvollziehen und annehmen kann (und nicht böse ist oder es gar zu Streitigkeiten kommt),

- im Beruf nicht genau wissen, wie viel Entscheidungskompetenz Sie haben und wie man mit eventuellen Fehlentscheidungen umgehen würde. Dann ist ein Gespräch mit dem Chef angesagt!


Sie sehen alleine an diesen Beispielen, dass sich völlig unterschiedliche Ansätze ergeben, wie Sie Ihren individuellen Entscheidungshürden zu Leibe rücken können.


Übrigens: Hinter jeder Barriere verstecken sich auch immer wichtige Eigenschaften und Fähigkeiten. - So erschweren sich viele Menschen zwar das Treffen einer Entscheidung, wenn sie gleich ganz viele mitbetroffene Themen und Konsequenzen einbeziehen und dadurch nicht mehr klar denken können. Andererseits ist die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und einzubeziehen und auch vorausschauend genug zu sein, um mögliche Folgen gleich zu sehen, eine wertvolle Eigenschaft.

Der Schlüssel besteht also nach dem Identifizieren der persönlichen Hürden auch darin, dass man geschickt damit umgeht - um die Fähigkeiten, die in einer Hürde stecken, auch konstruktiv nutzen zu können.

Tipp: Sofern noch nicht geschehen, machen Sie in diesem Zusammenhang diese Übungen:
Übung Nr. 1: So oft treffen Sie Entscheidungen!
Übung Nr. 2: Ihre Entscheidungsfähigkeit

 

 
   
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